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Volume No. 43. Bericht der Deputation für die Kanalisationswerke und Güter Berlins

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

Nr. 43. Kanalisationswerke und Güter Berlins. 
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III Hochbauten. 
Die Hochbauten auf den städtischen Gütern, wie Beamten- und 
Arbeiterhäuser, Viehställe, Scheunen, Schuppen usw. wurden unter 
Leitung der Hochbauabteilung nach den von ihr aufgestellten Projekten 
und Kostenanschlägen durch Unternehmer hergestellt. 
Bei Reparaturarbeiten, sowie bei Arbeiten für Kirchen, Schulen 
usw., bei welchen die Kanalisationsverwaltung Patronatsrechte und 
Pflichten ausübt, und zu welchen sie Patronatsbeiträge zu leisten hat, 
erstreckt sich die Tätigkeit der Hochbauabteilung auf die Mitbeauf- 
sichtigung der Arbeiten und die Revisionen der Projekte, Kostenan 
schläge und der Rechnungen. 
Im Auftrage des Kuratoriums der städtischen Heimstätten sind 
ferner die Neu- bezw. Reparaturarbeiten für die aus den Gütern 
befindlichen Heimstätten ausgeführt worden. 
Neu- und Umbauten sind im Betriebsjahr vollendet worden: 
1. Im Administrationsbezirk Osdorf. 
1. Neubau einer Baracke für 50 Fürsorgezöglinge nebst Lehrer 
wohn- und Wirtschaftsgebäude in Birkholz. 
2. Abputz und Anstrich, sowie Trockenlegung des Gutshauses 
in Osdorf. 
2. Jm Administrationsbezirk Großbeeren. 
1. Isolierung und Vervollkommnung des Grastrockenapparats in 
Großbeeren. 
2. Herstellung einer Filteranlage in Neubeeren. 
3. Neubau eines Maschinen- und Geräteschuppens in Neubeeren. 
3. Im Administrationsbezirk Sputendorf. 
1. Vergrößerung der Jungviehkoppel in Gütergotz. 
2. Einrichtung einer Gasbeleuchtung in der Häuslingsbaracke in 
Marggraffshof. 
4. Im Administrationsbezirk Falkenberg. 
Nichts. 
5. Im Administrationsbezirk Malchow. 
1. Anschluß der Gutshöfe und der Heimstätten in Blankenburg und 
Malchow, an die städtische Gasleitung. 
2. Der Neubau der Heimstätte Upstall in Blankenburg. 
6. Im Administrationsbezirk Blankenfelde. 
1. Wiederaufbau der abgebrannten Feldscheune in Blankenfelde. 
2. Schuppen zum Wäschetrocknen bei der Schnitterbaracke in 
Blankenfelde. 
7. Im Administrationsbezirk Buch. 
1. Beschaffung von 2 000 m transportablem Feldbahngleis zum 
Ausbau der Feldbahn nach Hobrechtsfelde. 
2. Neubau einer Schnitterbaracke mit Waschküche in Hobrechtsfelde. 
3. Neubau einer Feldscheune auf der Schönerlinder Gemarkung 
ebenda. 
4. Neubau eines Schweinestalles mit Schlachtraum ebenda. 
5. Neubau zweier Vierfamilienhäuser nebst Stallungen ebenda. 
6. Umbau der Brennerei in Buch. 
7. Umwährung der Häuslingsbaracke ebenda. 
8. Entwässerung des Gutshofes ebenda. 
8. Im Administrationsbezirk Schmetzdorf. 
1. Neubau zweier Vierfamilienhäuser nebst Stallungen in Schmetzdorf. 
2. Neubau einer Schmiede mit innere Einrichtung ebenda. 
3. Neubau eines Maschinen- und Geräteschuppens ebenda. 
4. Neubau eines Stalles für 100 Zuchtsauen ebenda. 
5. Regulierung, Pflasterung. Entwäfferung und Einfriedigung des 
verlängerten Gutshofes ebenda. 
6. Neubau zweier Vierfamilienhäuser nebst Stallungen in Albertshof. 
7. Neubau eines Kuhstalles für 200 Kühe mit Futtertenne, Futter- 
scheune, Milchbearbeitungsraum und Düngerstätte ebenda. 
8. Neubau eines Wagehauses mit Wagegrube und Zentesimalwage 
ebenda. 
9. Regulierung. Pflasterung und Verlegung von Feldbahngleisen 
auf dem verlängerten Gutshofe ebenda. 
10. Umbau der Brennerei in Schmetzdorf. 
IV. Landwirtschaftliche Verwaltung. 
Die Verteilung der Abwässer und deren Reinigung war im 
Berichtsjahr 1908 im großen und ganzen nicht schwierig, da zwar 
das Frühjahr 1908/09 große Niederschläge brachte, dann aber eine 
lange Trockenzeit folgte. .. 
Die sehr reichliche Zuführung von Abwasser auf die Malchower 
Rieselfelder ließ es zu gelegentlichen Ueberlastungen kommen. Es 
zeigte sich jedoch auch hier wieder, daß von Uebersättigung und der 
daraus zu folgernden Ausschaltung von Rieselfeldern aus dem Riesel- 
betriebe nicht die Rede sein kann, wenn Aptierung und Drainage in 
ordnungsmäßigem Zustande gehalten werden, und die landwirtschaftliche 
Verwaltung durch geeignete Wirtschaftsführung den Anforderungen 
genügender Abwasserreinigung Rechnung trägt. Da in früheren 
Zeiten die Vergrößerung der Rieselfeldfläche mit der Zunahme der 
Abwaffermengen in den einzelnen Verwaltungen nicht immer Schritt 
gehalten hat, zeigt es sich als notwendig, umfangreichere Flächen in 
der ältesten Rieselgutsverwaltung Osdorf umzuaptieren. 
Die alljährlich nach einem umfassenden Programm seitens des 
städtischen Untersuchungsamtes vorgenommenen Untersuchungen der 
Drainwäffer erweisen die genügende Reinigung der Abwässer durch 
den Ricselfeldbetricb. Die trotzdem vorgenommene Ausnützung auch 
der Drainwäffer fand im Berichtsjahre eine weitere Förderung. 
L>o verjpricht die in der Gutsverwaltung Blankenfelde getroffene 
Maßnahme, 133 da Rieselfeld leichtesten Bodens bei Französisch 
Buchholz mit Wasser aus den Bücher Teichen, die sämtliche vom 
Norden herkommenden Drainwässer durchlaufen müssen, zu versehen, 
großen rein wirtschaftlichen Nutzen. 
Der harte, lange und schneereiche Winter 1908/09 beanspruchte 
die ganze Umsicht der Gutsverwaltungen. Der monatelang andauernde 
harte Frost ließ den auf de» hiesigen Rieselfeldern immerhin seltenen 
Fall eintreten, daß das Abwasser den Frost im Boden nicht immer 
überwinden konnte. Aus die Berieselung von Hangstücken mußte daher 
vielfach verzichtet werden. 
Infolge der schnell wachsenden Ansprüche, welche die an den 
Hauptvorflutern liegenden Orte an die Räumungspflicht der Stadt 
Berlin stellen, wachsen die Aufwendungen der Gutsverwaltungen von 
Jahr zu Jahr. 
So hat z. B. die Gutsverwaltung Falkenberg im Etatsjahr 
1908/09 an den beiden großen Vorflutern, dem Hohenschönhauiener 
Grenzgraben und der Wühle 136 067 laufende Meter Räumungs 
arbeiten vornehmen müssen. 
Die Landwirtschaft der Stadt Berlin hatte ein selten schlechtes 
Jahr zu überstehen. 
Wenn auch Umpflügungen von Wintersaaten vorgenommen werden 
mußten, und wenn auch das späte und nasse Frühjähr die Bestellung 
zu einer schwierigen machte, so brachte doch das Spätfrühjahr eine so 
gute Entwickelung der meisten Früchte, daß eine geradezu vorzügliche 
Ernte in Aussicht stand, als mehrere Hagelschläge hinter einander die 
Ernte aller Früchte in den betroffenen Gutsverwaltungen nnd auch 
einen Teil der Gebäude schwer schädigte. 
Der rein landwirtschaftliche Gesamtschaden betrug 332 690,so M. 
Der von einer fremden Hagelschätzungskommifston festgestellte Hagel 
schaden betrug in der Gutsverwaltung 
Osdorf 55 518,oo Jt, 
Großbeeren 51869,oo - 
Sputendorf 98155,os - 
Malchow 77288,76 - 
Buch 49 860,oo - 
Durch Hagel und den ihn begleitenden Sturm wurde die Obst 
ernte, welche im Durchschnitt verhetzten drei Jahre 69 870,so M ein- 
brachte, so stark geschädigt, daß der Gesamtschaden sich auf ungefähr 
376 000 M erhöht. 
Während Hagelschaden häufig durch nachfolgendes fruchtbares 
Wetter gebessert wird, wurden die Schäden im Getreide durch die dem 
Hagelschlage folgende Dürre vergrößert. 
Den zweiten schweren Schlag erhielten die Erträge durch den 
Mitte Oktober auftretenden strengen Frost. 
War es schon der übrigen norddeutschen Landwirtschaft nicht 
möglich, bei derart frühem Frosteintritt sich vor Schaden zu bewahren, 
so mußte der umfangreiche Anbau von Futterrüben, wie ihn das 
Rieselfeld bedingt, zu enormen Schaden führen. Es ist denn auch 
die Hackfruchternte der Rieselgüter, d. h. eine Fläche von 1 749,78 da 
großenteils erfroren. 
Es wurde angestrebt, durch Einsäuren der erfrorenen Futterrüben 
und Verarbeiten der erfrorenen Kartoffeln in Brennerei und Kunst- 
trocknung die Verluste zu mildern. 
Am 17. Oktober 1908 brannte auf dem Gutshofe in Großbeereu 
eine volle Scheune mit Geräteschuppen und in Osdorf die größte 
gefüllte Hofscheune ab. 
Der Versuchsanbau von Körnermais wurde fortgesetzt nnd führte 
zu dem Entschluß, für das Jahr 1909 80 da anzubauen. Er sowohl 
wie der Anbau von Pferdemöhren ist auf die Verarbeitung in dem 
Trockenapparat in Großbeereu begründet. 
Durch dieses Verfahren wird die Ernte des Körnermaises zu 
beliebiger Zeit ausgeführt und gus der leicht verderblichen Pferde- 
möhre ein dauerhafter, und als Grundfutter für Pferde geeigneter 
Haferersatz geschaffen. 
Die Rieselwiesen lieferten zwar zeitweise gute Erträge, fetzten 
aber spät mit der Nutzung ein, und der frühe Frost beendigte fast 
überall den Grasschnitt um Wochen früher wie sonst, so daß die 
Einnahmen aus dem Grasverkauf nicht befriedigten. 
Etwa 30 000 Dutzend Speisekartoffeln wurden von den Gütern an 
die städtischen Anstalten geliefert. Fast der gesamte Jahresbedarf der 
städtischen Anstalten konnte gedeckt werden. Es zeigte sich jedoch als 
notwendig, eine umfangreiche und teure Saatgutverwendung vorzu- 
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