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Volume No. 41. Bericht über den städtischen Vieh- und Schlachthof, über die städtische fleischbeschau sowie über die Fleischvernichtungs- und Verwertungsanstalt bei Rüdnitz

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

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Nr. 41. Vieh- und Schlachthof. 
und Eingeweideteilen etwa Paratyphusbazillen vorhanden seien: sie 
wurden jedoch in keinem dieser Fälle festgestellt. 
Ferner gelangten folgende wissenschaftliche Untersuchungen im 
Laboratorium zur Ausführung: 
1. Untersuchungen zur Frage der Ausscheidung von Tuberkel 
bazillen durch das laktierende Euter. 
2. Feststellung des Ausblutungszustandes bei den verschiedenen 
Schlachtmethoden. Es wurde festgestellt, daß die Schlacht- 
Methoden, bei denen die Llsckulla oblongata nicht zerstört wird, 
in hygienischer Beziehung vorzuziehen sind, weil die Aus- 
blutung entschieden eine bessere ist: das sind a) die Betäubung 
durch Kopfschlag mit nachfolgender Entblutung und b) die 
Schächtmethode. 
8. Untersuchungen über die sanitätspolizeiliche und volkswirtschaftliche 
Bedeutung der Trächtigkeit der Schlachtschweine. 
Die Dissertationen sind im Druck erschienen und in je einem 
Exemplar geschenkweise der Bibliothek überwiesen worden. 
Die Sammlung pathologisch-anatomischer Präparate ist vermehrt 
worden; einige ältere Präparate sind ausgemerzt und zum Teil ersetzt 
worden. 
An Schlachttieren ist eininal Milzbrand, zweimal Maul- und 
Klauenseuche, viermal Lungenseuche festgestellt worden. 
Der Fleischverkauf auf der Freibank ist in gleichinäßig ruhiger 
' Weise vor sich gegangen. Stockungen des Absatzes, wie sie in früheren 
Jahren vorkamen, sind nicht eingetreten. Die Preisgrenzen sind 
unverändert geblieben. In 13 Fällen ist von außerhalb Fleisch der 
Freibank zugeführt worden, und zwar das von 3 Kühen und 8 
Schweinen; das Fleisch von zwei Kühen war auf dem Transport 
durch Verunreinigung mit Sand genustuntauglich geworden. 
Die größte Anzahl von Tieren (15 724 Stück) ist am 15. April 1908 
(dem Mittwoch vor Ostern) geschlachtet worden, nämlich 237 Rinder. 
63 Jungrinder, 4280 Kälber, 2290 Schafe und 8854 Schweine. 
Die größte Tagcsschlachtung belief sich bei Rindern einschließlich 
der Jungrinder auf 1811 (am 24. Oktober 1908) an einem Sonn 
abend, bei Kälbern auf 4280 (am 15. April 1908, dem Mittwoch 
vor Ostern), bei Schafen auf 3606 (am 6. März 1909 einem Sonn 
abend), und bei Schweinen auf 8854 (am 15. April 1908, dem 
Mittwoch vor Ostern). 
Auf Antrag von Schlächtern und von Händlern sind auf dem 
Schlachthofe 100, in den Untersuchungsstationen 321 Bescheinigungen 
über Beschlagnahme von Fleisch ausgestellt worden. 
II. Fleischbeschau in den Untersuchungsstationen. 
Im Berichtsjahre sind in den städtischen Untersuchungsstalionen 
zur Untersuchung gelangt und an Gebühren vereinnahmt worden: 
in Station 
Rinderviertel 
Kälber 
Schafe 
und Ziegen 
Schweine 
ohne mit 
Trichinenschau 
in der Station 
Zube 
reitetes Speck 
Fleisch 
Stück 
Einnahme 
in Mark 
I 
29 934 
38 297 
3 620 
36 461 
3 082 
2 
_ 
50 778,9» 
11 
6 645 
7 231 
819 
8 812 
45 
— 
— 
10 053,9» 
zusammen 1908 
35 579 
45 528 
4 439 
45 273 
3 127 
2 
60 832,so 
1907 
42 150 
46 283 
3 811 
47 263 
2 323 
3 
64 389,70 
1906 
41 873 
43 731 
4 445 
38 506 
2 170 
2 
— 
58 619,60 
1905 
37 513 
45 942 
4 051 
29 129 
2 236 
7. 
— 
51 945,1» 
1904 
154 327 
91 959 
17 061 
114 901 
- 2119 
. 
164 904,oo 
1887—1908 
im Durchschnitt 
j 232 204 
138 060 
38 136 
138 475 
~ 
— 
263 151,1» 
Unter den 3 127 auf Trichinen untersuchten Schweinen befanden 
sich 3 122 Wildschweine. 
Von dem eingeführten frischen Fleisch und den als dazu ge 
hörig bezeichneten Organen sind beschlagnahmt worden: 
wegen Tuberkulose: 48 Riuderviertel, 13 Rinderköpfe. 5 Rinder 
zungen, 1 Kalb, 12 Schweine, 2 Wildschweine, 15 Schweinsköpfe, 
47 Wildschweinsköpfe: 
wegen wässeriger Beschaffenheit: 153 Rinderviertel, 19Rinder- 
köpfe, 19 Rinderzungen, 2 Rinderlebern, 2 Rinderlnngen, 2 Rinder 
herzen, 1 Rindermilz, 2 Kuheuter, 126 Kälber, 42 Schafe, 33 Ziegen 
lämmer, 57 Schweine, 1 Schweineleber, 1 Schweinelunge, 1 Schweineherz: 
wegen unvollkommenen Ausblutens: 48 Rinderviertel, 
4 Rinderköpfe. 5 Rinderzungen, 62 Kälber; 
wegen Abmagerung: 20 Rinderviertel, 3 Rinderköpfe, 3 Rinder 
zungen, 26 Kälber, 16 Schafe, 1 Zicgenlamm, 5 Schweine, 3 Wild 
schweine: 
wegen Unreife: 78 Kälber: 
wegen Fäulnis: 12 Rinderviertel, 10 kg Rindfleisch, 11 Rinder 
köpfe, 8 Rinderzungen, 57 Kälber, 1 Kalbslunge, 1 Kalbsleber, 
1 Kalbsherz, 4 Schafe, 4 Ziegenlämmer. 12 Schweine, 7 Schweins- 
köpfe, 64 Wildschweine: 
wegen Gelbsucht; 5 Riuderviertel, 23 Kälber, 2 Schweine, 
1 Wildschwein: 
wegen Bauchfellentzündung: 1 Kalb; 
wegen Sarkomatose: 4 Riuderviertel; 
weil mit Finnen behaftet: 17 Rinderviertel, 5 Rinderköpse, 
5 Rinderzungen: 
weil mit Trichinen behaftet: 2 Wildschweine: 
weil mit Strahlenpilzen durchsetzt: 2 Rinderzungen; 
wegen Angiomatose: 1 Rinderlcber, 
weil blutig: % Kalb, 2 kg Kalbfleisch, 2 Schweineschinken, 
3 kg Schweinefleisch: 
weil mit Abscessen behaftet: 1 Rinderviertel, 1 Schwein, 
1 Schweinskopf. 1 Wildschweinskopf; 
weil mit Futterstoffen durchsetzt: 1 Rinderlunge; 
weil aufgeblasen: 13 Kälber, 18 Ziegenlämmer: 
An Rindervierteln und ganzen Tieren find demzufolge beschlag 
nahmt worden: 
308 Rindervierteln, 388 Kälber, 62 Schafe, 56 Ziegenlämmer, 
89 Schweine, 72 Wildschweine. Davon sind 12 Rinderoierlei, 
4% Schwein und 2 Wildschweine als bedingt tauglich, 193 Rinder 
viertel, 261 Kälber, 35 Schafe und 62% Schweine als minder 
wertig verwertet worden. 
Der Rest des beschlagnahmten Fleisches war untauglich. 
Bei den Revisionen der Fleischverkaufsstellen und der Zu 
bereitungsräume in Gast- und Speisewirtschaften haben die städtischen 
Kontrollbcamten in 66 (im vorigen Jahre in 70) Fällen Fleisch er 
mittelt, das mit Stempelabdrücken der hiesigen Fleischbeschau oder mir 
solchen eines auswärtigen tierärztlichen Beschauers nicht versehen und 
entgegen den Bestimmungen des Reichsfleischbeschaugesetzes bezw. des 
Gemeindebeschlusses vom 17. Februar 1894 und der Polizeiverordnung 
vom 14. November 1900 der Untersuchung entzogen war 
Mit Hilfe der Polizeibehörde sind infolge dieser Revisionen 
vorläufig beschlagnahmt und den Untersuchungsstationen zur 
Beschau zugeführt worden: 14 Rinderviertel. 8 Rinderrücken. 2 Rinder- 
köpfe, 25 Rinderzungen, 1 Stück Rindfleisch, 28 Kälber, 9 Kalbskeulen, 
1 Kalbsrucken. 3 Kalbsbrüste, 8 Stücke Kalbfleisch, 7 Schafe, 1 Ziege. 
20 Ziegenlämmer. 14% Schwein. 21 Schweineschinken, 16 Schweine 
rippenstücke, 31 Stücke Schweinefleisch: Gesamtgewicht: 2619 kg. 
Von diesem Fleisch sind beschlagnahmt worden: 4 Rinder- 
viertel wegen Tuberkulose als bedingt tauglich: 4 Rinderviertcl. 
1 Rinderkopf, 1 Rinderzunge. 1 Stück Rindfleisch. 9 Ziegenlämmer. 
wegen wässeriger Beschaffenheit als untauglich; ebenso 1 Rindervicrtel 
wegen Fäulnis. Ferner sind weil § 8 des Regulativs nicht ent- 
sprechend (eingeführtes frisches Fleisch muß eine bestimmte Größe 
haben) 1 Rinderkopf, 23 Rinderzungen und 7 Stücke Schweinefleisch 
a Untersuchung ausgeschlossen und der Polizeibehörde 
uberlaffen worden. Außerdem sind, weil ohne Fleischbeschaustempel 
eingeführt, ununtersucht geblieben und der Polizeibehörde zur weiteren 
Verfügung überlassen worden: 4 Rinderrücken, 1 Ziegenlanim. 
Vä Schwein und 3 Schweineschinken. 
Das Gewicht des beanstandeten oder sonst aus dem Verkehr ge 
zogenen Fleisches beträgt 680 kg. 
Age" die Kontravenienten (58 Schlächter, 6 Fleischhändler, 2 Ge- 
flugclhandler, 3 Verkaufsvermittler, 1 Gastwirt und 1 Kaufmann) ist 
Strafantrag gestellt worden.
	        
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