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Volume No. 41. Bericht über den städtischen Vieh- und Schlachthof, über die städtische fleischbeschau sowie über die Fleischvernichtungs- und Verwertungsanstalt bei Rüdnitz

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

Verwaltungsbericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ltatsjahr 1908. 
M 41. 
Gericht über den städtischen Vieh- und Schlachthost über die städtische Fleischbeschau sowie 
über die Fleischvernichtungs- und Verwertungsanstalt bei Vüdnitz. 
I. Städtischer Vieh- und Schlachthof. 
Allgemeiner Teil. 
Das mit dem 31. März 1909 abschließende Berichtsjahr ist das 
28. seit Bestehen des Betriebes. 
In der Zusammensetzung des Kuratoriums sind Veränderungen 
nicht eingetreten. Die vom Kuratorium wahrzunehmenden Geschäfte 
erfuhren durch die Uebertragung der Verwaltung der am 1. Juni 
1908 dem Betriebe übergebenen Fleischvernichtungs- und Verwcrtungs- 
anstalt bei Rüdnitz und der in der Paul Heysestraße belegencn Haupt- 
sammelstelle eine nicht unbeträchtliche Vermehrung. 
Im verflossenen Jahre ist das Kuratorium zu 10 Sitzungen zu- 
jammengetrelen. 
Als besonders wichtig waren die Verhandlungen mit den Pepton- 
fuiterwerken über Aenderung ihres Betriebes, welcher durch Aus 
strömen übler Gerüche zu Beschwerden der Anwohner Veranlassung 
gegeben hatte. Infolge der vorgenommenen baulichen Veränderungen, 
Beschaffung von neuen Apparaten und durch sachgemäßere Verar 
beitung des sofort abzunehmenden Blutes haben die Klagen über Ge- 
ruchsbelästigungcn aufgehört. Ferner haben die in der Haarzurichterei 
vorgefundenen ekelerregenden Zustände zu der sofortigen Lösung des 
mit der Firma Samter & Co. abgeschlossenen Pachtverträge Veran 
lassung gegeben. Der Betrieb wurde geschloffen. Die aus den 
Schlachthäusern stammenden Haare werden von derselben Firma 
weiter abgenommen und in Fässer verpackt nach der außerhalb des 
Weichbildes belegenen Fabrik dieser Firma durch die Eisenbahn be 
fördert. 
Die Beratungen über die Art der Betäubung der Tiere vor dem 
Schlachten wurden nicht zu Ende geführt. Die gegen die Einführung 
des Handels mit Schlachtvieh nach dem Lebendgewicht zu erhebenden 
Bedenken, konnten, da der Reichstag inzwischen dem Gesetzentwürfe zu- 
gestimmt hatte, nicht mehr geltend gemacht werden. Vertreter des 
Kuratoriums wurden indes zu den Beratungen über die zu erlassenden 
Ausführungsbestimmungen zugezogen. 
Genehmigt wurde ferner das von der Hochbaudeputation vor 
legte Projekt, betreffend die Erweiterung des Börsengebäudes. 
Dem Projekt, betreffend die Errichtung eines Pferdeschlachthofes 
auf dem zur Erweiterung des Schlachthofes erworbenen Gelände soll 
mit Rücksicht auf die in der Roßschlächterei herrschenden Zustände 
weitere Folge gegeben werden. 
Das Projekt soll jedoch dem jetzigen Bedürfnis entsprechend ab- 
geändert werden. 
Bauliche Veränderungen. Auf dem Viehhofe wurden im An 
schluß an die schon vorhandenen 14 offenen Exportbuchten zwischen 
den Rinderstallungen zwecks Unterbringung und Untersuchung der 
auszuführenden Tiere durch die Tierärzte noch weitere ö Buchten von 
gleicher Größe und Beschaffenheit hergerichtet, und östlich dieser im 
unmittelbaren Anschluß, ein massiver Wagenschuppen von 425,s gm 
Grundfläche erbaut. Der Dachboden des Schuppens soll zur Unter- 
bringung von Geräten und dergleichen dienen. 
Für die Schafmarkthalle wurden zwei Laufgewichts wagen 
mit Registrierapparat, eine von 60 Zentnern und eine von 30 Zentnern 
Tragfähigkeit, für die Schweinemarkthalle eine solche von 80 Zentnern 
und für das Rinderrevier, im Rinderstall ck 11 eine solche von 50 
Zentnern Tragfähigkeit neu aufgestellt. 
Der das Güterabsertigungsgebäude nebst dem Aufenthalts- 
raum für Treiber umgebende Erdwall ß5 m breit, 75 cm Hochs wurde 
abgetragen und beide Gebäude neu unterfangen, der Ansenthaltsraum 
für Treiber auch durch einen Anbau um 3,gb m verlängert und der 
beide Gebäude umgebende Platz in einer Fläche von 760 gm neu niit 
Graniireihensteinen gepflastert. Durch die Verlängerung ist der Treiber- 
raum um 46 gm vergrößert worden. 
Das Trottoir an der westlichen Seite der Schafmarkthalle mußte 
in einer Länge von 217 m bei einer Breite von 3 m und der Bohlen 
belag der Fußgängerbrücke zur Eisenbahnstation Zentralviehhof auf 
% ihrer Länge erneuert werden. 
Der Hauptlängsgang der Kälbermarkthalle wurde von der west 
lichen Kochküche ab in einer Länge von 119 m und einer Breite von 
1.M m mit Turolithosphalt belegt. 
Auf dem Boden des Rinderstalles c wurde ein 39.75 gm großer 
Aufenthaltsraum für die mit Fouragearbeiten beschäftigten Frauen neu 
hergerichtet. 
Eine neue Schweineladerampe mit zwei Auftrieben wurde 
nördlich der Schafmarkthalle, am Halteplatz für auswärtiges Fuhr 
werk, erbaut. 
Durch sdas Unwetter am 22. Mai 1908 sind auf dem Viehhofe 
6 972 Glasscheiben zerschlagen worden und beläuft sich der dadurch 
entstandene Schaden auf rund 2 IM JC einschließlich Arbeitslohn. 
Ans Anordnung der Gewcrbeinspektio» mußte das Pappdach der 
Preßgaßpumpenbude in der Hammelhalle durch Wellblech ersetzt 
werden. 
Die Lokomotivwasserkrahnwindhaube mußte wegen Explosion er 
neuert werden. 
Der vor der Börse belegene Sickerrohrbrunnen mußte heraus- 
genommen und nach Erneuerung verschiedener Rohre und des Filter- 
gewebes wieder gesenkt werden. 
Die alte Schnittbrcnnerbeleuchtung auf dem Seucheuhofe und im 
Kälberhallenkeller wurde durch Gasglühlichlbeleuchtung ersetzt. Für 
die Ausladerampen des Viehhofes wurden IM neue Millenniumlicht- 
Hängelampen beschafft. Die beiden Gasinotore der Schrotmühle 
wurden mit 2 Sicherheitsandrehkurbeln versehen. Ein Teil der elek 
trischen Leitung in der Hammelhalle mußte erneuert werden. 
Schlosserwerkstatt. Außer den üblichen Reparaturarbeiten an 
Schlössern. Türen usw. und den alljährlich stattfindenden Revisionen 
und Eichungen der Wagen wurden 180 Schubriegel angebracht und 
410 neue, 876 alte Schweinetröge ebenso 125 Türen neu beschlagen. 
In verschiedene Haminelraufcn wurden 137 eiserne Sicherheils 
stäbe eingezogen, 32 Rüsthaken und 28 Gullygitter neu angefertigt. 
Rohrlegerwerkstatt. Sämtliche 160 Hahngrubcn des Vieh- 
und Seuchcnhofes wurden nach polizeilicher Vorschrift geändert bei 
gleichzeitiger Reparatur resp. Ersatz der Wasserhähne. 
Auf dem Börsendach war die. Erneuerung mehrerer Gesimsab- 
deckungen und von 35 m Attika erforderlich. 
Außer den gewöhnlichen Klempner- und Rohrlegcrnrbeiten, wie 
Ersatz von Eimern, Milchflaschen für Kälber, Instandhaltung der 
Laternen, fand wegen Gleisverlegung eine Neuniontiernng mehrerer 
Weichenlaternen statt. 
Auf dem Schlachthofe wurden für die Fleischbeschau eine Fern 
sprechzelle und für die Reinigungsfrauen ein Aufenthallsraum neu 
eingerichtet. Ebenso erhielt auch die Untersammelstclle einen Aufent- 
Haltsraum für Aufseher und Arbeiter.
	        
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