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Volume No. 27. Berichte über die Altersversorgungsanstalten und Hospitäler städtischen Patronats

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

Verwaltungsbericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ltatsjahr 1908. 
M 27. 
WerichLe über 6te ALterversorgungsanstcrL'Len und Kofpitäl'er 
städtischen 'Ucrtronclts. 
Seite 
1. Kaiser Wilhelm- und Augustastiflung 1 
2. Dietrichs—Thorastistrmg 1 
3. St. Gertraudthospital 2 
4. Hospitäler zum Heiligen Geist und St. Georg 3 
5. Hollmannschc Wilhelminen-Amalienftiftung 4 
6. Jerusalemstift 4 
Seile 
7. Kösterstiftung 
8. Dr. phil. Friedrich Wilhelm Kubestiftung 
9. Lange—Schuckestiftung 
10 Nikolaus-Bürgerhospital 
11. Reuterstistung 
12. I. H. Wehdingersche Stistungen . . . 
1. Kaiser Wilhelm- und Augusta-Stiftung. 
Die bewährten Grundsätze der Verwaltung wurden auch im 
Berichtsjahre beibehalten. Es verstarben 22 Insassen, 32 konnten 
mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren neu aufgenommen 
werden. Leider mußten wir fast alle neu eingesandten Gesuche mit 
Rücksicht auf die seit Jahren notierten Anwärter zurückweisen. 
Ende März 1908 befanden sich in der Anstalt 217 Personen, 
während der Bestand Ende März 1909 227 Personen betrug. 
Unter ihnen befanden sich: 
Ehepaare 41 82 Personen, 
alleinstehende Personen weiblichen Geschlechts, meist 
Witwen 117 - 
alleinstehende Männer 28 
sind obige 227 Personen. 
Von den in der Anstalt befindlichen männlichen Personen waren 
ihrer früheren Beschäftigung nach 9 Handelstreibende, Lehrer und 
Beamte, 15 Arbeiter oder früher ini Lohndienst beschäftigte Personen, 
46 Handwerker. 
Von den Insassen wurden gänzlich frei 189, zum Teil frei 83 
verpflegt. Weitere 5 Personen waren ohne Verpflegung. Die nur 
zum Teil verpflegten und die ohne Verpflegung aufgenommenen 
Insassen bezogen aus anderweitigen Quellen so viel Zuschüsse, daß 
sie mit den übrigen Insassen in ihren Bezügen gleich standen. 
In der Anstalt besieht überhaupt das Prinzip, alle Insassen 
gleichzustellen. Jeder soll neben 3 M monatlichem Taschengeld täglich 
70 ^ zu verzehren haben. 
' Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Ihrer 
Majestät der Kaiserin ist den Hospitaliten vom Magistrat, wie all 
jährlich, ein Geldgeschenk von 1,bo M gewährt worden. 
Bei den außerordentlichen Revisionen in bezug auf die Preis 
würdigkeit und ordnungsniäßige Zubereitung der verabreichten Speisen 
durch die Mitglieder des Kuratoriums fand sich kein Anlaß zu Aus 
stellungen, vielmehr ist die Güte und Reichhaltigkeit ausdrücklich an- 
erkannt worden. 
Der Gesundheitszustand war während des Etatsjahres 1908 ein 
verhältnismäßig günstiger. Im Winter traten namentlich Respirations- 
kronkheiten und wieder die Influenza auf, die aber einen gutartigen 
Charakter zeigte. Häufig waren Erkrankungen des Herzmuskels und 
Darmkrankheiten. 10 Hospitaliten mußten den Krankenhäusern, zwei 
dem Siechenhaus überwiesen werden. 
Das Durchschnittsalter der Hospitaliten, das im ersten Jahre des 
Bestehens der Anstalt 71 Jahre betrug und dann allmählich stieg, 
hat sich im Berichtsjahre auf rund 78 Jahre belaufen. 
Von den Ende März 1909 in der Anstalt befindlichen 227 In 
sassen befanden sich: 
1 im 92 Lebensjahre 
1-91 
1-90 
4 im 88 Lebensjahre 
5 - 87 - 
7-86 
8 im 85 Lebensjahre 
13- 84 
11- 83 
12- 82 
10-81 
16-80 
14- 79 
16- 78 
17- 77 
15- 76 
10-76 
12-74 
11 im 73 Lebensjahre 
10-72 
8-71 
7-70 
4-69 
4-68 
3-67 
2 . 66 
2-65 
1-62 
2-61 
In der Anstaltskapelle fand alle 2 Wochen ein rege besuchter 
Gottesdienst statt; ini Anschluß an den Gottesdienst wurde den In 
sassen zweimal das heilige Abendmahl gereicht. 
Das Vermögen der Anstalt betrug am 1. April 1908: 
1. Hypotheken 802 930 M 
2. Jnhaberpapiere nach dem Kurswerte . 1 206 216 - 
3. Wert der Gebäude 994175 - 
4. Wert des Inventars 10067 - 
5. Kassenbestand 1 362 » 
zusammen 2 514 750 M 
Der von der Stadlgemeinde Berlin gezahlte bare Zuschuß be 
trägt, einschließlich einer Beihilfe von 3 168 M aus dem Dotations 
fonds, 34 030 M. 
In der Zusammensetzung des Kuratoriums sind keine Ver 
änderungen vorgekommen. 
Leider reicht das Vermögen der Stiftung noch nicht aus, allen 
Jnsaffen die Wohltaten der Stiftung zu vermitteln, wir sind vielmehr 
gezwungen noch eine Anzahl Zimmer zu vermieten, deshalb wenden 
wir uns an unsere Mitbürger mit der Bitte, durch Zuwendungen 
von größeren und kleineren Belrägen uns recht bald in den Stand 
zu setzen, den Erweiterungsbau der Anstalt vollständig mit Hospitaliten 
belegen, und dadurch alten würdigen und bedürftigen Einwohnern 
Berlins einen sorgenfreien Lebensabend gewähren zu können. 
Unsern bisherigen Gönnern sagen wir hiermit herzlichen Dank. 
Berlin, den 4. August 1909. 
Kuratoriuin der Kaiser Wilhelm- und Augusta-Stiftung 
i. V.: Maas. 
2. Dietrichs Thora-Stiftung. 
Im Berichtsjahr 1908 sind wesentliche Veränderungen gegen das 
Vorjahr nicht eingetreten. Da die Einkünfte der Stiftung noch nicht 
ausreichten, das Haus mit 7 Benefiziatinncn zu belegen, wie vom, 
Stifter gewünscht ist, sind wie im Vorjahre nur noch 4 Stellen belegt 
jedoch ist vom 1. Oktober 1909 ab die Belegung von 2 weiteren 
Zimmern beschlossen. 
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