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Volume No. 17. Bericht über die Verwaltung der städtischen hospitäler und Siechenanstalten

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

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Nr. 17. Hospitäler und Siechenanstalten. 
Außer vorstehender Beköstigung können auf ärztliche Anordnung 
noch an Kranke besondere Stärkungsmittel verabfolgt werden. 
So haben z. B. in der Zeit vom 24. Oktober 1908 bis zum 
31. März 1909 erhalten als sogenannte Extradiät: 
8 315 Personen je ein Ei, 
6 324 - - V- I Milch, 
1 072 - - 75 g Schinken, 
3 741 - - 0.3 I Bouillon*), 
4 235 . - Vs 1 Wein. 
Die Beköstigung des Personals unterscheidet sich von der der 
Hospitaliten durch größere Fleischmengen (je 250 g), 2 Flaschen Bier 
oder 1 I Milch zum Frühstück, täglich 60 g Butter, 500 g Brot, 
250 g Milchbrot usw. 
Im Sommer und im Winter muß sich jeder spätestens um 9 Uhr 
zu Bett begeben. Beurlaubte dürfen im Sommer bis 10 Uhr aus 
bleiben. 
Die Reinigungsarbeiten werden durch das Pflegepersonal aus 
geführt, doch ist jeder Hospitalit verpflichtet, nach seinen Kräften und 
Fähigkeiten leichtere Arbeiten für die Anstalt auszuführen und nament 
lich die seine eigene Person betreffenden Dienstleistungen wie Betlen- 
machen und Reinigung des Wohnraums willig zu verrichten. 
Für größere Arbeiten wird eine kleine Entschädigung gewährt z. B. 
fürKartoffelschälen monatlich l.soM, für Treppenreinigung 3,oo^ usw. 
Bei günstiger Witterung halten sich die meisten Hospitaliten 
während des Tages im Wäldchen oder in den zwischen den Häusern 
befindlichen Parkanlagen auf. 
Kranke Personen werden von den Gesunden gern in den dazu 
vorhandenen Fahrstühlen ^umhcrgefahren. Saubere bequeme Ruhe 
bänke laden überall zum Sitzen ein. In den Höfen plätschern Lauf- 
brunnen, und schöne Blnnienbeete erfreuen das Auge. 
Während der heißen Tagesstunden gewähren vier in den Garten- 
anlagen befindliche offene Steinhallen und verschiedene Lauben Schutz 
gegen die brennenden Sonnenstrahlen. 
Hier sieht man alte Frauen mit dem Strickstrumpf in der Hand 
im eifrigen Gespräch oder lesend und alte Männer Pfeife rauchend 
beim Kartenspiel oder mit der Zeitung. 
Eine kleine Bücherei (zur Zeit 500 Bände) und verschiedene von 
den Berliner Tageszeitungen bereitwilligst gelieferte Freiexemplare 
verschaffen Unterhaltung. Bibeln, neue Testamente und Gesangbücher 
stehen jedem zur Verfügung. Auch Musikinstrumente sind in reichlicher 
Menge vorhanden, und an manchem Abend ertönen die Klänge der 
Ziehharmonika, der Geige oder Zither im Garten oder aus den 
Fenstern über die stillen Höfe. 
Bei ungünstiger Witterung braucht sich niemand in dem gemein 
samen Wohn- und Schlafraum aufzuhalten. Immer für etwa 30 Per 
sonen stehen sogenannte Tagesräume zur Verfügung, die wohnlich mit 
Tischen, Bänken und Stühlen sowie einem Blumentisch ausgestattet sind. 
Allerlei Spiele «Würfel, Lotto, Domino usw.) und Spieluhren 
vertreiben hier die Langeweile; auch darf in den Tagesräumen der 
Männerhäuser geraucht werden. 
Zu erwähnen ist noch die für die Bücher Anstalten gegründete 
Feuerwehr, der beizutreten jeder männliche Angestellte verpflichtet ist. 
16 nach Berliner Muster ausgerüstete und von einem Berliner Brand 
meister ausgebildete Feuerwehrmänner stehen mit dem nötigen Lösch 
gerät, zu dem auch eine mechanische Leiter zählt, bei Feuersgefahr 
seitens des Hospitals sofort zur Verfügung. 20 Oberflurhydranten 
sind auf den, Gelände verteilt, und Wielandsche Feuerlöscher in den 
Häusern erhöhen die Feuersicherheit. Da auch die anderen städtischen 
Anstalten in Buch auf das für jede einzelne Anstalt verschieden fest- 
gesetzte Feuersignal Hilfe leisten müssen, ist alles getan, um ein Schaden 
feuer rechtzeitig zu unterdrücken. 
In die Anstalt wurden am 24. Oktober 1908 die ersten Hospita 
liten aufgenommen. Eine kleine Eröffnungsfeier fand am 17. Ok 
tober 1908 statt. 
Es folgen nunmehr die Uebersichten über die Bevölkerungsver 
hältnisse. 
') Hergestellt aus je 75 g Rindfleisch, 2 g Fleischertrakt und 6 g Salz. 
Personal 
Hospitaliten 
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SS 
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8 
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A 
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1 ^6 
Zugang im September 1908 . . 
— 
1 
— 
- 
i 
Bestand am 30. September 1909 
— 
1 
— 
. 
i 
Zugang im Oktober 1908 . . . 
6 
11 
38 
36 
91 
Bestand am 31. Oktober 1908 . 
6 
12 
38 
36 
92 
Abgang im November 1908 . . 
1 
— 
3 
4 
Summe 
5 
12 
38 
33 
88 
Zugang im November 1908 . . 
7 
14 
114 
135 
270 
Bestand am 30. November 1908 
12 
26 
152 
168 
358 
Abgang im Dezember 1908 . . 
— 
2 
— 
8 
10 
Summe 
12 
24 
152 
160 
348 
Zugang im Dezember 1908 . . 
10 
42 
76 
128 
Bestand am 31. Dezember 1908. 
12 
34 
194 
286 
476 
Abgang im Januar 1909 . . . 
2 
4 
5 
7 
18 
Summe 
10 
30 
189 
229 
458 
Zugang im Januar 1909 . . . 
2 
5 
13 
29 
49 
Bestand am 31. Januar 1909 . 
12 
35 
202 
258 
507 
Abgang im Februar 1909 . . . 
4 
6 
6 
13 
29 
Summe 
8 
29 
196 
245 
478 
Zugang im Februar 1909 . . . 
6 
5 
27 
14 
52 
Bestand am 28. Februar 1909 . 
14 
34 
223 
259 
530 
Abgang im März 1909 . . . 
— 
1 
6 
5 
12 
Summe 
14 I 
33 
217 ! 
254 
518 
Zugang im März 1909 . . . 
1 
4 
44 
6 
55 
Bestand am 31. März 1909 . . 
i5 ; 
37 
261 
260 
573 
125 Männer und 155 Frauen von den Neuaufgenommenen 
waren laut Diagnose Sieche — 48,96 v. H. 
Verpflegungstage wurden geleistet im: 
Monat 
Personal 
Hospitaliten 
Summe 
B 
:S 
8 
s 
& 
sr 
8 
B 
J-4 
SS 
r5 
§ 
ss 
SS 
2 
fcS 
sr 
1 
B 
c 
s> 
September . 
19 
19 
19 
Oktober . . 
67 
221 
288 
176 
90 
266 
554 
November . 
283 
561 
844 
2 721 
2 864 
5 585 
6 429 
Dezember . 
372 
1 011 
1 383 
5 561 
6 843 
12 404 
13 787 
Januar . . 
369 
1 044 
1 413 
6 128 
7 673 
13 8Cfl 
15 214 
Februar. . 
405 
971 
1 376 
6 021 
7 212 
13 233 
14 609 
März. . . 
464 
1 092 
1 556 
7 183 
7 996 
15 179 
16 735 
Zusammen . 
1 960 4 919 
[ 
6 879 
27 790 
32 678 
60 468 
67 347 
Von den Hospitaliten lamen: 
Männer 
Frauen 
aus der Anstalt A — Fröbelstraße .... 
275 
113 
- - - B — Palisadenstraße . . . 
— 
181 
- dem Rudolf Virchowkrankenhaus.... 
1 
— 
- der Irrenanstalt Buch 
2 
— 
von der Armendirektion überwiesen .... 
— 
2 
278 
296 
Summe 
574 Personen 
Aus der Anstalt schieden: 
Männer 
Frauen 
durch Tod 
15 
11 
nach dem Rudolf Virchowkrankenhause . . . 
1 
. — 
- der Irrenanstalt Buch 
1 
23 
ohne Unterstützung entlassen 
— 
2 
Summe 
17 
36
	        
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