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Volume No. 16. Bericht der städtischen Waisendeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

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Nr. 16. Waisenpflege. 
die im Berliner Waisenhause verpflegten Kinder sich beziehen, sondern 
anderen Kategorien zugute kommen, -namentlich den Kostpflegekindern, 
und da man ferner berücksichtigen muß, daß im Berliner Waisenhause 
die Verwaltung der Deputation ihren Sitz hat und die hierdurch ent- 
stehenden sächlichen Kosten und ein Teil der personellen Kosten in der 
Jstausgabe des Waisenhauses Berlin mit enthalten sind. Man muß 
also, wenn man zu einem annähernd richtigen Ergebnisse gelangen 
will, gewisse Posten ausscheiden, und zwar einzelne, die gar keine 
Beziehung zu den verpflegten Kindern haben, ganz, andere, die zum 
Bureau und zu den Kindern in einer Verbindung stehen, anteilig. 
Scheidet man ganz aus die Miete für die Fortbildungsschule der 
einzusegnenden Kostpflegemädchen, die Kosten für deren Handarbeits-, 
Wasch- und Plättunterricht, für ihren Konfirmandenunterricht und 
ihre Einsegnung und ihre Bibliothek, ferner die Löhne der das Bureau 
reinigenden Frauen (die Anstalt selbst wird durch die Dienstboten ge 
säubert) und das Gehalt des Fahrstuhlführers, und zieht man An 
teile ab von den Kosten für die 8 Heizer, für die Heizung, Beleuch 
tung, den Wasserverbrauch und die bauliche Instandhaltung, ferner 
für die Reinigung der Schornsteine und-für die Entwässerung, so er 
gibt sich ein abziehbarer Betrag von 30 311 Jt. In Abzug sind 
ferner die Anstaltseinnahmen mit 9 999 Jt zu bringen, zusammen 
also 40 310 Jt. Hiernach beträgt die auf die 135 Kinder zu ver 
teilende Summe nur noch 164 642 Jt weniger 40 310 Jt. gleich 
124 332 Jt, sodaß auf ein Kind 921 Jt entfallen. Im vorigen 
Jahre betrugen die Durchschnittskosten 776 Jt, sie sind also um 145 Jt 
gewachsen. Diese beträchtliche Steigerung von 1907 zu 1908 erklärt 
sich wie folgt: die für die eigentliche Anstalt in Betracht kommende 
Ausgabe ist zwar von 82 291 Jt auf 124 332 Jt, also um rund 
42 OM gestiegen; gestiegen ist aber auch die Zahl der durchschnittlich 
verpflegten Kinder von 106 auf 135, also um rund ein Drittel. 
Schlägt man ein Drittel von 82 291 Jt zu diesem Betrage hinzu, 
so kommt man auf eine Ausgabe von rund 110 MO Jt. Danach 
ermäßigt sich die Spannung zwischen 1907 und 1908 auf etwa 
14000 Jt und diese Mehrausgabe fällt fast gänzlich den Bedürfnissen 
und dem Unterhalte des großen neuen Hauses zur Last, namentlich 
der Heizung, für die allein eine Steigerung um rund 11 OM ^ 
gegen das Vorjahr eingetreten ist. Daß gerade die Ausgaben für 
Brennmaterial so stark gestiegen sind, rührt daher, daß die Kokspreise 
stark gestiegen waren, daß der Winter streng gewesen ist und Anfang 
Dezember 1908 die Dampswäscherei in Betrieb gesetzt und die Säug- 
lingsabteilung mit 32 Kindern eröffnet wurde, (deren Belegung bis 
zum März 1909 dann auf 60 Kinder stieg). 
Kostpslege. Die Ausgaben für alle hiesigen und auswärtigen 
Koslkinder haben ausschließlich der Verwaltungskosten 1 559 616 Jt, 
mithin für ein Kind 226 Jt jährlich betragen bei 6 915 Kindern, die 
durchschnittlich im Etatsjahr täglich verpflegt wurden. Im vorigen 
Jahre hat der durchschnittliche Aufwand 228 Jt betragen, der Zuschuß 
ist also um 2 Jt für jede? Kind gefallen. 
It. Das Frankefche Waisenhaus für lleoietarmt. 
In dem mit dem Waisenhause Berlin verbundenen Frankeschen 
Waisenhause sür Revierarme sind nach den testamentarischen Be 
stimmungen des Stifters, Kaufmanns August Friedrich Franke 
in Berlin, mindestens 12 Kinder evangelischen Bekenntnisses aus dem 
28. Polizeireviere, bei denen die Voraussetzungen der Wohitätigkeits- 
ariiienpflege vorhanden sind, dauernd zu verpflegen und zu erziehen. 
Im Berichtsjahre waren Frankesche Waisen nicht vorhanden; es 
ist auch nicht gelungen, den Bedingungen entsprechende Bewerber zu 
finden. 
6. Wahltätigkeitsfonds. 
I. Kapital. 
Bestand am 1. April 1908 1279 097,48 Jt, 
Zugang ausschließlich der Mündelgelder. . . . 2 528,54 - 
Mithin Bestand am 31. März 1909 1 281 626,02 Jt, 
und zwar: 
an Hypotheken 501 925,00 Jt, 
. Wertpapieren 777 350,00 - 
- Sparkasienbüchern 2 351,02 - 
II. Zur Verausgabung verfügbare Mittel. 
Bestand am 1. April 1908 9 799,50 Jt> 
Kapitalumsetzungeu — 
Zinsen vom Kapitalsvermögen 47 894,31 - 
Hebungen aus anderen Fonds 1 578,30 - 
Geschenke von Privaten 2 079,20 - 
Verschiedene Einnahmen 579,ss ■ 
Summe 61 931,80 Jt. 
Ausgaben im Jahre 1908/09 49 616,42 - 
Bleibt Bestand am 31. März 1909 12 314,88. Jt. 
Erläuterung der Ausgaben. 
1. Allgemeine Kosten. 
1. Gezahlte Renten 6 350,12 Jt, 
2. Zur Pflege von Gräbern usw 65,40 . 
Summe 1 6415,62 M. 
2. Für die Waisenkinder, 
s) Allgemeine Ausgaben. 
1. An die Stadthauplkasie die Zinsen derjenigen Legale und Ge 
schenke, deren Verwendung besonderen Bestimmungen nicht 
unterworfen ist 5 291,91 Jt, 
2. Entschädigung an Lehrer und Lehrerinnen 
für Belehrung und Beaufsichtigung der Kinder 
bei Spaziergängen 600,00 - 
3. Für Beaufsichtigung der Fickerschen Pfleg 
linge 150,oo - 
4. Für Erfrischung der Kinder bei feierlichen 
Gelegenheiten 374,76 - 
5. Für' Weihnachtsgeschenke einschließlich des 
Zuschusses der Stadthauptkasie 1 724,06 - 
6. Für die besondere Pflege kranker und kleiner 
Kinder 670,76 - 
7. Für die Abendversammlungen eingesegneter 
Waisenmädchen 286,7» - 
Summe II 9097,26 Jt. 
b) Ausgaben für einzelne Kinder. 
1. Zur Ausbildung: 
für 4 Kunstschüler 1 971,40 - 
- 1 Lehrling 600,00 - 
- 8 Seminaristen 3 475,00 - 
- 12 Präparanden oder Schüler und Schüle 
rinnen höherer Lehranstalten 6 496,60 ■ 
Beihilfen zur Bekleidung und für Bücher . 772,05 - 
2. für Bürgerwaisen 216,00 - 
3. Kostgeldzuschuß für Fickersche Pfleglinge. . 1 286,00 - 
4. Transport- und Verpflegungskosten sür Kinder, 
die in den Ferienkolonien untergebracht 
waren . 6 246,46 - 
5. Für in Seehospizen und Heimstätten unter 
gebrachte Kinder 3 546,83 - 
6. Für auf Sparkassenbücher belegte Geld 
prämien an 7 Kinder 218,34 - 
7. Heiratsbeihilfen aus der Hübnerstiftung 
3 ä 90 Jt 270,oo - 
8. Für Schulprämien 297,76 - 
9. Verschiedene Ausgaben 6150,63 - 
10. Zinsbare Belegung 2 556,70 > 
Summe III 34 103,65 Jt. 
Summe I—III 49 616,42 Jt. 
Außerdem sind aus Etatsmitteln 8 231 Jt für erwerbsfähige 
eingesegnete Waisen und namentlich zur Ausbildung von Lehrlingen 
aufgewendet worden. 
Berlin, den 27. November 1909. 
Schuster. Verwaltungsdirektor.
	        
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