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Volume No. 1. Bericht über die allgemeine Verwaltung des Magistrats

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

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Nr. 1. Allgemeine Verwaltung des Magistrats. 
An Steuern sind eingekommen: 
1. Gemeindegrundsteuern 26 520 186 
2. Gewerbesteuern 11 971 638 - 
3. Warenhaussteuern 1 749 474 • 
4. Gemeindeeinkommensteuern 40 037 823 - 
ö. Betriebssteuern 296 262 - 
6. Hundesteuern 764884 - 
7. Braumalzsteuerzuschlag 664 308 > 
8. Wanderlagersteuern 900 - 
9. Umsatzsteuern . 4 322 455 - 
86 327 930 JC. 
An Rückzahlungen find geleistet . 2 653 851 - 
Es ergibt sich somit ohne Rücksicht auf die Reste ein 
Ueberschuß von 83 674079 
gegen das, Vorjahr mit . 79659 805 - 
mehr .... 4 014 274 JC. 
3. 
Aus dem Dezernat für Kirchensachen sind von den im Ver 
waltungsjahr 1908 vorgekommenen Angelegenheiten folgende hervor- 
zuheben: 
Die im letzten Jahresbericht erwähnte Abzweigung der 
Zwingli- von der Andreaskirchengemeinde ist unter Festsetzung 
der neuen Parochialgrenzen im Berichtsjahre erfolgt. Die neu er 
baute Zwinglikirche wurde am 9. Februar 1908 unter Beteiligung 
einiger Magistratsmitglieder feierlich eingeweiht. Der bis dahin an 
der Andreaskirche tätige Pfarrer Lehmphul wurde als erster Pfarrer 
an die Zwinglikirche versetzt. 
Prediger Holland mußte infolge Erkrankung sein Amt an der 
Andreaskirche niederlegen. Die Bestätigung des Nachfolgers ist jedoch 
im Berichtsjahre noch nicht erfolgt. 
Die Notwendigkeit eines eigenen Pfarr- und Oberlinhauses 
machte sich in der Andreasgemeinde immer mehr geltend. Die 
zahlreichen Stiftungen hierfür — Frau Geheimrat Franke stiftete 
im Berichtsjahre ein Kapital von 30000 JC — bewirkten, daß nun 
mehr mit großem Eifer an der Verwirklichung dieser Pläne gearbeitet 
wird. 
Der Beschluß der Gemeindekörperschaften der Dorotheen 
städtischen Kirche vom 4. Februar 1909, betreffend die Pensionierung 
der Geistlichen und die Gehaltsordnung für die Geistlichen, Küster, 
Kirchhofsverwalter und Kirchendiener, sowie der Verkauf eines Teiles 
des der Kirche gehörenden Grundstücks an der Schwedter Straße zum 
Preise von 273 009 JC wurden patronatlich genehmigt. 
Nach mehr als Jahrzehnte langen schwierigen Verhandlungen ist 
der beschlossene Neubau eines Gemeindehauses von St. Georgen 
endlich in Angriff genommen und der Firma Held & Franke in 
Generaleulreprise für 310 000 JC übertragen worden. An außer 
ordentlichen Beihilfen wurden von der Gesamtvertretung von 
St. Georgen für den Gemeindehausbau der St. Bartholomäusge 
meinde und für den Evangelischen Bund je 1 000 JC, für den Ge 
meindehausbau in Weißensee 3000 JC bewilligt. 
Der die Jerusalemskirche umgebende Platz ist nunmehr als 
gärtnerischer Schmuckplatz umgestaltet worden. Obwohl der Magistrat 
schon im Jahre 1905 sein Eigentumsrecht an diesem Platze festgestellt 
hatte, nahm der Gemeindekirchenrat es dennoch jetzt wieder für sich 
in Anspruch. 
Die Einführung eines eigenen Blattes: „Sonntagsblatt der 
Jerusalemsgemeinde" wurde vom Magistrat zur Förderung der 
kirchlichen Interessen der Gemeinde genehmigt. 
Dem Prediger Die. Dr. Torge wurde bei seinem Scheiden aus 
der Hilfs- und Frühpredigerstelle bei der Jerusalems- und Neuen 
Kirche ein Ehrengeschenk von 1000 JC von den Gemeindekörper 
schaften der Jerusalems- und Neuen Kirche bewilligt. In seine Stelle 
wurde vom Magistrat der Hilfsprediger Theodor Devaranne aus 
t rankfurt a. O. gewählt und nach erfolgter Bestätigung durch das 
önigliche Konsistorium am 16. Mai 1908 in sein Amt eingeführt. 
Am 16. September 1908 konnte der erste Geistliche der Luisen 
stadtkirche Prediger Knauert auf eine 25 jährige Tätigkeit an dieser 
Kirche zurückblicken. Die Gemeindekörperschaften beschlossen, ihn durch 
Ueberreichung eines Jubiläumsgeschenkes zu ehren und die er 
forderlichen Mittel mit patronatlichcr Genehmigung der Kirchenkasse 
zu entnehmen. 
Durch Emeritierung des Pfarrers Haupt zum 1. Juli 1908 
wurde die dritte Pfarrstelle an der Luisenstadtkirche frei. In diese 
Stelle wurde vom Magistrat der Prediger an der St. Thomas-Kirche 
Die. Friedrich Augar gewählt und nach erfolgter Bestätigung am 
4. Oktober 1908 durch den Superintendenten Krüger in sein Amt 
eingeführt. 
Der Verkauf des früheren Zugangswegs von der Stallschreiber 
straße zu dem ehemaligen Kirchhofs-, jetzigen Parkgrundstück der 
Luisenstadtkirche, Sebastianstraße 57/59 — des sog. Katzenstiegs — 
zum Preise von 16 500 Je war das Ergebnis jahrelanger Arbeit. 
In das durch Amtsniederlegung des Stadtältesten Bail frei 
gewordene Amt eines Patronatsvertreters an der St. Marien- und 
Nicolaikirche wurde vom Magistrat Stadtrat Venzky gewählt. 
Die Verhandlungen wegen Verbreiterung der Jostystraße 
scheinen nunmehr bald zu einem Abschluß zu gelangen. 
Nachdem unter dem 31. Januar 1908 die patronatliche Ge 
nehmigung zur Ausführung der Bauten auf den Kirchhöfen 
Prenzlauer Straße 62 und Prenzlauer Allee 7 und zur Entnahme 
der hierzu erforderlichen 150000 JC aus dem Sonderfonds III des 
Probsteirevenuenfonds erteilt und die Genehmigung der Baupläne 
auch erfolgt ist, soll nunmehr mit den Interessenten der durch die 
neue Baufluchtlinie betroffenen Erbbegräbniffe verhandelt werden. 
Infolge eines Defektes an der Heizanlage entstand am 26. Ja 
nuar 1908 in der Nicolaikirche ein leichter Brand, der jedoch bald 
erstickt werden konnte. Die infolgedessen notwendige Umänderung der 
Heizanlage erforderte 20000 JC. 
Der Gesanglehrer Artur Barth, dessen Anstellung als Chor 
präfekt an St. Petri vom 1. April 1908 ab gegen Kündigung be 
reits im vorigen Jahresbericht mitgeteilt worden ist, ist in An 
erkennung seiner Tüchtigkeit schon vom 1. Januar 1909 ab als 
Kantor und Chorpräfekt an St. Petri auf Lebenszeit angestellt 
worden. 
Das im letzten Jahresbericht erwähnte Gutachten des Universitäts 
professors Dr. Fleiner in Heidelberg erkannte der Probst von 
St. Petri D. Kawerau nicht an. Die vom Magistrat gewünschte 
Erklärung, anzuerkennen, daß dem Probst eine weitere Mitwirkung 
bei den Predigerwahlen, als sie im Gutachten ausgedrückt ist, nicht 
zustehe, gab der Probst D. Kawerau nicht ab. Der Magistrat hat 
daraufhin beschlossen, zur Klärung dieser Angelegenheit Klage bei dem 
Landgericht zu erheben. 
Die Renovation der St. Thomaskirche mit einem Kosten- 
aufwande von 47 000 JC wurde vom Magistrat als Patron ge 
nehmigt, nachdem der Gemeindekirchenrat von St. Thomas die Er 
klärung abgegeben hatte, daß ein Patronaiszuschuß nicht gefordert 
werden würde. Ein späteres Gesuch des Gemeindekirchenrates um 
Gewährung eines Patronatsbeitrages für diese Renovation wurde 
daher vom Magistrat abgelehnt. 
Durch Versetzung des Pfarrers Die. Augar an die Luisenstadt- 
kirche wurde die 3. Pfarrstelle an St. Thomas frei. Durch Beschluß 
vom 23. Dezember 1908 wurde vom Magistrat der Prediger Karl 
Braasch in Wickerstedt bei Apolda in diese Stelle gewählt und auch 
vom Konsistorium bestätigt. 
Die Zahl der in Berlin im Jahre 1908 Verstorbenen und 
Totgeborenen belief sich auf 34259. In den Leichenhallen 
wurden bis zur Beerdigung 26 334 Leichen untergebracht. Das be 
deutet wieder eine Erhöhung von 71 v. H. des Vorjahres auf 76 v. H. 
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Die Zahl der bei den 20 Standesämtern vorgekommenen Amts 
handlungen hat sich gegenüber dem Vorjahre um 5 062 (1,80v. H.) 
erhöht und zwar lediglich infolge der Zunahme der Zahl der gebühren 
freien Urkunden um 7 319 oder (10,68 v. H.), sowie der gebühren 
pflichtigen um 3 073 oder (4,io v. H.). 
Art 
der Amtshandlung 
1906 
Jahr 
1907 
1908 
1908 ge 
weniger — 
mehr + 
gen 1907 
v. H. 
Geburten.... 
51 407 
51 130 
49 119 
2011 
3,93 
Aufgebote . . . 
24 158 
24 331 
22 429 
— 
1 902 
— 
7,82 
Eheschließungen 
28 269 
23 467 
21 845 
— 
1 622 
— 
6,91 
Sterbefälle . . . 
34 641 
31 325 
34 312 
— 
13 
— 
0,04 
Besondere Urkunden 
über Anerkennung 
der Vaterschaft . 
1 
2 
1 
— 
1 
— 
50,oo 
Legitimationen . . 
1 982 
2 107 
2 237 
+ 
130 
+ 
6,17 
Berichtigungen . . 
1 098 
1 006 
1 095 
89 
4- 
8,85 
Urkunden: 
gebührenpflichtige 
72 774 
74 975 
78 048 
+ 
3 073 
+ 
4,10 
gebührenfreie. . 
69 007 
69 164 
76 483 
4- 
7 319 
-j- 
10,58 
278 337 
280 507 
285 569 
+ 
5 062 
+ 
1,80 
Bei der Verteilung der Geburten auf die einzelnen Standes- 
ämter weist das Standesamt XHIb die größte Zahl auf; es folgen: 
Xlla, Yllb, Xd. Xllb, VIIo, Xllla, VIII, XI, Xc, IVd, Xa, 
IX, Vb, VIIa, Va, IVa, VI, III, I/II. Bei den Eheschließungen 
steht an erster Stelle das Standesamt XI, hieran reihen sich XIIb. 
VI, VIIb, VIIc, VIIa, Xa, VIII, Va, XIIIb, Xb, XIIIa, IVa, 
I/II, III, Vb, Xc, IVb, XIIa, IX. 
Die meisten Sterbefälle gelangten beim Standesamt VIII zur Ein 
tragung: hierauf folgen: XHIb, XIIb, IVb, Xlla, IX, XI. XIIIa. 
Va, VI, Vllb, VIIa, VIIo. Xb, III. I/II, Xa, Xc, IVa, Vb. 
Sehr beeinflußt wird diese Folge der Standesämter nach der Zahl 
der Sterbefälle durch die in einzelnen Standesamtsbezirken liegenden
	        
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