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Volume No. 14. Bericht über die städtische Armenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

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Nr. 14. Armenpflege. 
richligsten Dank der Armendirektion für ihre sorgfältige und mühe- 
volle Arbeit in der- Leitung der Vorsteherkonferenzen auszusprechen. 
c) Die Armenspeisung. 
Obgleich in der Voraussicht eines besonders starken Andranges 
die Küchen der Speisungsonstalt schon am 1 Dezember und für die 
Dauer von 4 Monaten eröffnet wurden, überstieg ihre Frequenz noch 
die gehegten Erwartungen. Es mußten im ganzen 749 250 Suppen 
portionen bestellt werden (gegen 581 100 bezw. 363 700 Poriionen 
in den Vorjahren). Seil 2 Jahren hat sich also der Umsatz mehr als ver 
doppelt. Zwar berechnete sich der Einheitspreis für die gelieferte 
Essensportton wie früher auf 11 doch war die Armenspeisungs- 
anstalt in der Lage, von ihrer Forderung gegen die Armendireklion 
2417,5« JC nachzulassen und den Gesamtlieferungspreis auf rund 
80000 JC festzusetzen. 
Von den bestellten 749 250 Portionen wurden nur 8627, d. h. 
I.i» v H. nicht abgehoben. Auch in diesem Jahre wurde der vor 
aussichtliche Bedarf der einzelnen Küchen durch eine Zettelkontrolle 
ermittelt und in kleineren, meist 14lägigen, Zeiträumen bei der Armen- 
speisungsanstalt in Bestellung gegeben. 
Im Betriebe waren 16 Speiseküchen; von diesen wurden zu 
sammen durchschnittlich täglich 6121 Portionen verausgabt (gegen 
5233 uno 3643 Portionen in den beiden Vorjahren). 
Die höchste Gesamtbesuchszahl weist der 19. Februar auf mit 7901, 
die niedrigste der 1. Dezember mit 2569 Portionen (im Vorjahre 
6319 und 3236). 
Erfahrungsgemäß fallen die Besuchszahlen an den Sonn- und 
Feiertagen sowie in besonders hohem Maße beim Monatswechsel. 
Von den einzelnen Küchen hat diejenige in der Tilnter Straße 
die meisten Poriionen. nämlich täglich im Durchschnitt 712, diejenige 
in der Nostizstraße die wenigsten Portionen, täglich im Durchschnitt 
213, verausgabt. 
Die Küche Nr. VIII, die wegen ihrer ungünstigen Lage in früheren 
Jahren einen unzulänglichen Zuspruch hatte, ist von Teltower Straße 34 
nach Nostizstraße 42 verlegt worden. 
ä) Der armenärztliche Dienst. 
Auch im Laufe des Berichtsjahres wurden, da die beabsichtigte 
Neueinieilung der Armcnarztbezirke noch nicht durchgeführt werden 
konnte, mehrere Armenarztbezirke geteilt bezw. anders abgegrenzt, um 
vorläufig einen besieren Ausgleich dort zu schaffen, wo er am nötigsten 
war. Es sind gegenwärtig 109 armenärztliche Bezirke vorhanden. 
s) Heilstätten, Heimstätten und Erholungsstätten. 
Die Ausgaben für die Unterbringung von Erwachsenen und 
Kindern in Heimstälien, Heilstäiien und Erholungsstätten sind auch 
im Berichtsjahre andauernd gestiegen. Aus der folgenden Tabelle 
geht hervor, welche Summen in den letzten Jahren für diese Zwecke 
Verwendung gefunden haben. 
II. 
aus 
aus 
im 
Etats 
Wohltätig- 
Mithin zu 
Jahre 
mitteln 
keitssonds 
sammen 
JC 
M 
JC 
1908 
232 162 
42 532 
274 694 
Gezahlt sind (einschließ 
1907 
204 630 
36 060 
240 690 
lich der aus Etalsmiueln 
1906 
191 514 
42 632 
234 146 
gezahlten Heimstätten- 
1905 
135 334 
60 013 
195 347 
kosten) 
1904 
52 659 
49 165 
101 824 
1903 
71 338 
11 632 
82 970 
Die fortdauernde und erhebliche Steigerung dieser Aufwendung 
hängt mit der neueren Entwicklung dieser Form der Fürsorge zu 
sammen. Die Erörierung der Frage, inwieweit die Armendireklion 
im Rahmen der gesetzlichen Armenpflege zur Gewährung solcher Für 
sorge verpflichtet ist, hat uns auch im Berichtsjahre unausgesetzt be 
schäftigt. 
Namentlich ist es die Frage der Nachpflege, die die Aufmerksamkeit 
der Verwaltung herausfoidert. Wenn von einer Heilkur Zurück 
kehrende wieder eine sehr n>angelhafle Ernährung, schlechte Wohnungs- 
verhäliniffe usw. vorfinden, so ist der Erfolg der Kur in jeder Be 
ziehung gefährdet. Die Bemühung der Armendireklion wird darauf 
gerichtet sein müffen, einer Art Nachsürsorge zu treffen, die dem nach- 
haltigen Erfolg, der durch den Aufenthalt in einer Heil- oder Er 
holungsstätte erzielt ist, sicherstellt 
Der Umfang der hier in Frage stehenden Tätigkeit ergibt sich 
aus den nachstehenden Uebersichten. 
Im Berichtsjahre wurde wieder eine größere Anzahl von Kindern 
im schulpflichtigen Aller den vom VolkSheilstätlenverein vom Roten 
Kreuz eingerichteten Kindererholungsställen Schönholz und Sadowa 
überwiesen. 
In den Kindererholungsstätten, die tagsüber von 8 Uhr morgens 
bis 7 Uhr abends offen stehen, erhielten die Kinder Frühstück, Mittag 
essen und Abendbrot sowie Milch und wurden durch eine Kranken 
schwester und Kindergärtnerinnen beschäftigt und beaufsichtigt. Die 
Kosten beliefen sich auf 60 ^ täglich für jedes Kind. Die Armen 
direktion übernahm diese Kosten sowie die Kosten des Fahrabonnements 
für die Kinder. 
III. 
Zahl der den Kinder 
Gesamtkosten 
Mithin für den 
Jahr 
erholungsstätten 
einschl. 
Fahrkosten 
Kopf 
durchschnittlich 
überwiesenen Kinder 
JC 
JC 
1908 
632 
19 479 
30,82 
1907 
607 
18 023 
31,30 
1906 
611 
18 040 
29,b3 
Ferner wurden den ebenfalls von dem Volksheilstättenverein vom 
Roten Kreuz eingerichteten Erholungsstätten für Erwachsene in ge 
eigneten Fällen auf Empfehlung der zuständigen Armenkommissionen 
und auf Grund armenärztlichcr Atteste Männer und Frauen über 
wiesen, wie aus folgenden beiden Tabellen ersichtlich ist: 
IVa. Männer. 
(Erholungsstätten „Eichkamp" und „Jungfernheide".) 
Gesamtkosten ' 
Mithin für den 
einschl. 
Kopf 
Jahr 
Zahl 
Fahrkosten 
durchschnittlich 
JC 
JC 
1908 
44 
1 372 
31,18 
1907 
31 
536 
17,12 
1906 
35 
1 050 
30,oo 
IV b. Frauen. 
(Erholungsstätten 
„Pankow" und „Spandauer Berg".) 
Gesamtkosten 
Mithin für den 
Jahr 
Zahl 
einschl. 
Kopf 
(zum Teil mit 
Fahrkosten ' 
durchschnittlich 
Kindern) 
JC 
JC 
1908 
142 
3 741 
26,34 
1907 
66 
1376 
20,85 
1906 
62 - 
1896 
30,58 
Ferner wurden lungenleidende Kinder der „Viktoria Luise 
Kinderheilstätte" zu Hohenlychen i Uckermark, die vom Volksheilstätten- 
verein vom Roten Kreuz errichtet wurde, überwiesen; auch wurden in 
geeigneten Fällen Kinder in das Seehospiz „Kaiserin Friedrich" zu 
Norderney, in das Kurhospital „Siloah" zu Kolberg, in die Lungen 
heilstätte Belzig, in das 0r. Roß'sche Kinderheim zu Sylt, in die 
Kinderheilstätte Borgsdorf, in das Kiudererholungsheim Groß-Lichter- 
felde und andere Heilstätten ähnlicher Art entsandt. Näheres ergeben 
die folgenden Tabellen: 
V. Kinderheilstätte Borgsdorf (früher Dyrotz). 
Jahr 
Zahl 
Gesamtkosten 
Mithin für den Kopf 
durchschnittlich 
JC 
JC 
1908 
115 
10 824 
94,12 
1907 
76 
5 469 
71,96 
1906 
77 
5507 
71,52 
(neu 
seit 1906, 
Tagessatz 1,26 JC, für ältere Kinder 1,bo JC). 
VI. 
Kinderheilstätten zu Hohenlychen. 
Gesamtkosten 
Mithin für den 
Jahr 
Zahl 
einschl. 
Fahrkosten 
Kopf 
durchschnittlich 
JC 
JC 
1908 
1068 
143 100 
134 
1907 
768 
88 369 
115,06 
1906 
743 
84-584 
113,84 
Der tägliche Verpflegungssatz beträgt seit 1. Januar 1908 2,»o Jt\ 
die Kinder werden in der Regel zunächst auf 8 Wochen überwiesen; 
je nach Bedarf wird die Kur auch über diese Zeit hinaus verlängert. 
An Fahrkosten entstehen in jedem Fall 3,so^ Kosten (je 1,»» JC für 
Hin- bezw. Rückfahrt). 
VII. Seehospiz „Kaiserin Friedrich" zu Norderney. 
Gesamtkosten 
Mithin für den 
Jahr 
Zahl 
einschl. 
Fahrkosten 
Kopf 
durchschnittlich 
JC 
JC 
1908 
288 
46 390 
161,io 
1907 
193 
85 677 
184,85 
1906 
203 
37 478 
184,62 
Der Kostensatz 
beträgt wöchentlich 16,67 JC, 
in der Hochsaison 
wöchentlich 26 Jt\ die Fahrkoslen belaufen sich auf 22 JC oder 28 ^ 
— je nach dem Alter des Kindes —. Die Ueberweisung erfolgt 
zunächst auf 6 Wochen, auf Antrag der Direktion des Seehospizes 
erfolgen in geeigneten Fällen Kuiverlängerungen.
	        
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