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Volume No. 10. Bericht über die städtische Blindenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

Nr. 10. Blindenpflege. 
3 
von den Werkmeistern regelmäßig Frequenzlisten geführt. An ca. 
45 Blinde, welche in entfernteren Stadtgegenden wohnen, wurden 
fortlaufend Führer bezw. Fahrgeld aus Stiftungsmitteln gewährt. 
3. Die Erwerbsbetriebe. 
Die oben genannten 175 Blinde wurden mit Stuhl- und Korb- 
flechterei. Fabrikation von Bürsten und Besen, Hängematten und Netz- 
laschen, sowie mit der Herstellung von Blindendruckschriften und Lehr 
mitteln beschäftigt. 
Die Arbeitszeit sowie die Beteiligung der Blinden an den 
einzelnen Betrieben ergibt die folgende Uebersicht: 
1. Stuhlflechterei tägl. 7 Std., 30 männl., 23 weibl., zus. 53 Blinde, 
2. Korbflechterei 
3. Bürstenbinderei 
4. Besenpicherei 
5. Weibl. Handarb 
6. Druckerei 
Im ganzen 90 männl., 85 weibl., zus. 175 Blinde. 
- 7 - 
33 - 
— 
- 33 - 
- 7 - 
5 
23 - 
- 28 - 
- 7 - 
22 
24 - 
- 46 - 
wchl. 3 - 
— 
13 - 
. 13 - 
tägl. 7 - 
— 
2 - 
. 2 
4. Allgemeine Uebersicht des Geschäftsbetriebes. 
Wert der dem 
Wert der vom 
Einnahmen 
kommenden 
Jahreüberlaffenen 
Summe 
Vorjahre über 
nommenen Be- 
Ausgaben für 
Sonstige 
Summe 
Mehr- 
Mehr- 
Ueber- 
schuff 
Betrieb 
Bestände 
der 
stände 
Aus- 
der 
ein- 
aus- 
bar 
Forde 
rungen 
Mate 
rialien 
Fertige 
Arbeiten 
Einnahme 
Mate 
rialien 
Fertige 
Arbeiten 
Uten 
silien 
Material Löhne 
gaben 
Ausgaben 
nähme 
gäbe 
Jt 
jt 
Jt 
Jt 
Jt 
Jt 
Jt 
Jt 
Jt 1 Jt 
M 
Jt 
jt. 
Jt 
Jt 
smylflechterei. . . 
16 801,97 
89,95 
38,85 
16 930,77 
196,oo 
231,46 
4 555,261 8 434,20 
3 022,05 
16 438,96 
491,81 
Korbflechterei . . . 
20 516,72 
12,25 
1 258 83 
4 355,16 
26 142,96 
944,97 
4 125,80 
221,95 
8 288.78-11041,80 
138,25 
24 761,28 
1 381,70 
— 
— 
Bürstenbindern . . 
Weibliche Hand- 
202 623,48 
758,60 
12 124,01 
34 115,47 
249 621,86 
10195,41 
35 928,09 
515,46 
132 764,6oj34 836,29 
11681,28 
225 921 12 
1 538,92 
23-700,44 
52,23 
arbeit.» .... 
755,80 
— 
— 
836,35 
1 591,15 
647,96 
— 
490,27 387,95 
12,76 
— 
— 
Druckerei .... 
Gemeinschaftliche Be- 
6 091,71 
62,25 
3 694,92 
5 844,60 
15 693,48 
3 475,60 
6 277,io 
82,16 
1 339,72 1 173,92 
1 928,66 
14 277,06 
1 416,43 
— 
triebsausaaben 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
668,60 
I 
3 643,88 
4 312,48 
— 
4 312,48 
— 
Summe 
246 789,68 
923,06 
17 116,61 46 150,67 
309 979,81 
14 811,88 46 978,64| 
1 719,60- 147 438,68 55 874,16 
20 426,sij 
287 249,7g|27 042,81 
4 312,48 
22 730,13 
Aus der vorstehenden Uebersicht ergibt sich eine Gesamtlöhnung 
von 55 874,ie Jt gegen 47 190,36 JC im Vorjahre. Dieselbe auf 175 
Blinde gleichmäßig verteilt, ergibt einen Jahreslohn von 319,2«^ 
oder einen durchschnittlichen Monalslohn von 26,«o Jt für die ein 
zelnen Blinden. 
53 Stuhlflechter 
für 
im 
ganzen 
627 Monate 
8 434,20 JC 
1 . 
1 
13,45 - 
33 Korbflechter 
373 
11 041,80 - 
1 
. 
1 
29,78 - 
28 Bürstenmacher 
- 
388 
8 880,53 - 
1 » 
. 
1 
22,86 - 
46 Besenpicher 
- 
586 
25 955,76 • 
1 
* 
1 
44,26 . 
13 Handarbeiterinnen 
- 
58 
387,95 - 
1 
• 
1 
7,46 " 
2 Druckerinnen 
- 
20 
1 173,92 . 
1 
- 
. 
1 
58,70 . 
Zuwendungen durch Privatwohltätigkeit. 
Im Laufe des Jahres wurden die sämtlichen, in der Anstalt 
beschäftigten Blinden nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen 
betreffend die Jnvaliditäts- und Altersversorgung versichert. Die eine 
Hälfte der Versicherungsgebühr wurde aus den Betriebseinnahmen, 
die andere Hälfte, um den Blinden diese Ausgabe zu ersparen, aus 
Stiftungen für sie gezahlt. 
Durch Verwendung des „Berliner Börien-Courier" einerseits und 
des Herrn Geheimen Regierungsrats 0r. Rosenthal Hierselbst, anderer 
seits konnten wie bereits seit 20 Jahren wieder ca. 75 erwachsenen 
Mädchen der Beschäftigungsanstalt in den Monaten Juli und August 
in einzelnen Gruppen und unter erforderlicher Begleitung an die 
Ostsee und aufs Land zu einem drei- bis vierwöchentlichen Erholungs 
aufenthalt entsandt werden. Ebenso wurden ca. 20 erholungs- 
bedürftigen blinden Männern 3 Wochen Erholungsurlaub zu einem 
Aufenthalt auf Rügen erteilt. 
Frau M. Kappel Hierselbst spendete wieder, wie seit vielen 
Jahren, 200 Jt zu einem Sommerausflug mit den erwachsenen 
Blinden, welcher am 3. Juli nach Heffenwinkel unternommen wurde, 
sowie zu Weihnachten den Betrag von 100 Jt zur Verwendung bei 
der Bescherung der erwachsenen Blinden. 
Herr Juwelier Simon, Friedrichstraße, übersandte 6 Taschen- 
uhren zum Gebrauch für Blinde eingerichtet, zum Weihnachtsgeschenk 
an 6 der fleißigsten der Blindenschüler. 
Frau Direktor Minden Hierselbst, sandte 100 Jt für einen 
Herbslausflug mit den blinden Kindern, der am Sedantage in Be- 
gleitung ihrer Führerinnen unternommen wurde, sowie den Betrag 
von 100 Jt mit der Bitte, die Kinder mit einem besonderen Weihnachts 
geschenk zu erfreuen. 
Am Geburtstage des Kaisers empfingen ca. 103 erwachsene 
Blinde ein Geldgeschenk von 10 JC aus dem Poppeschen Legat und 
die übrigen 70 Blinden ein solches von 3 Jt aus anderweitigen 
Stiftungen. Zu Weihnachten empfingen die sämtlichen erwachsenen 
Blinden ein Geldgeschenk von 4 Jt aus Stiftungen. 
An sonstigen Geschenken gingen im Laufe des Jahres ein: 
aus schiedsmännischen Vergleichen 9,oo Jt, 
von Paula Gerstel .... 9,i« - 
- Orenstein & Koppel . . 10,oo - 
- Frau Kottmeyer .... 200,oo - 
- Wiegand 7,?o - 
- Beamten der Nationalbank . 9,so - 
- Ottilie Wieck 3,io - 
- Richter 5,oo - 
- Wenge 10,05 - 
- Franz 5,oo - 
- Holzamer & Bauer . . 10,oo - 
- N.N 2,oo - 
- von Hirschfeld .... 5,00 - 
- Ungenannt 2,oo - 
- G. Berlin 10,oo - 
Der hiesige Verein für soziale Hilfsarbeit, speziell dessen Blinden 
gruppe l Vorsitzende Frau Sa mosch! entsandte wieder während des 
Winterhalbjahres regelmäßig einige Damen, welche den erwachsenen 
Blinden wöchentlich zweimal nach Schluß der Arbeitsstunden vorlasen 
und in der Druckerei diktierten. Derselbe Verein veranstaltete, monatlich 
an einem Sonntage, Untcrhaltungsabende, an welchen den erwachsenen 
Blinden gute literarische und musikalische Vorträge geboten wurden. 
Die Direktion des Schillertheaters überwies im Winter den Er- 
wachsenen der Anstalt 30 Freikarten zum Besuch des Schillertheaters 
und die Direktion der Philharmonie eine Freikarte für 4 Personen 
zum Besuch der populären Konzerte derselben. 
Allen Wohltätern und Wohltäterinnen der Blinden sei an dieser 
Stelle für die vielfachen wohlwollenden Zuwendungen herzlichst gedankt. 
Das nachstehende Verzeichnis gibt eine Uebersicht der am 31. März 
1909 vorhandenen und unserer Verwaltung unterstehenden Stiftungen 
und Legate:
	        
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