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Volume No. 1. Bericht über die allgemeine Verwaltung des Magistrats

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

Nr. 1. Allgemeine Verwaltung des Magistrats. 
4. Anläßlich des Todes ihrer Mutier, der Frau Geheimen Kam- 
merzienrat Alwine Lach mann. haben Dr. Paul Lach mann und 
seine Geschwister der Stiftungsdepulation 20000 Jt zur Errichtung 
einer Alwine Lachmann-Stiftung übergeben. Die Zinsen des Kapitals 
sollen in Beträgen von nicht weniger als 30 Jt an minderbegüterte 
Berliner Einwohner verteilt werden, sedoch soll wenigstens die Hälfte 
Minderbegülerten jüdischen Glaubens zufallen. 
5. Der am 18. März 1909 verstorbene Verlogsbuchhändler 
Max Günther setzte den Armen Berlins 10000 Jt aus. 
6 Fra» Anna Mosler geb. Moslcr übergab der Stadl- 
gemeinde Berlin 20000./« zu einer Mosler-Stiftung. Nur die Zinsen 
des Kapitals sollen verwendet werden und zwar zu laufenden Unter- 
stüyungen an bedürftige Personen, die noch nicht aus öffentlichen 
Mitteln unterstützt worden sind. 
7. Herr Adolf Goldberg übergab der Stiftungsdeputation 
30 000 M zu einer Adolf-Martha-Goldberg-Stiftung, aus deren Zinsen 
hiesige würdige und bedürftige Einwohner, die älter als 60 Jahre 
sind und noch keine Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln erhalten 
haben, unterstützt werden sollen. 
Ueber eine Anzahl von Zuwendungen geringen Betrages enthält 
der Bericht der Stiftungsdeputation nähere Mitteilungen. 
Die Arbeiten der Kanalisationsverwaltung erstreckten sich 
auf den Neubau von Tonrohrleitungen und Kanälen in neuen, der 
Bebauung erschlossenen Straßenvierteln: in der Umlegung und Um 
dichtung alter Tonrohrleitungen, die infolge der später verwandten 
Tondichtung mit Baummurzeln verwachsen waren, oder zur Verhütung 
des Verwachsens bei Umpflanzung von Bäumen und in den Um 
änderungsbauten am Leitungsnetz infolge der Anlage von Unter 
grundbahnen. Ausgeführt wurden: auf Berliner Gebiet 2 601 m 
Kanäle und 18 117 w Tonrohrleituugen, und auf benachbarten Ge 
bieten 348 m Tonrohrleiiungen. Bis zum 31. März 1909 sind über- 
Haupt in Berlin und auf benachbarten Gebieten 1 049 696 m Kanäle 
und Tonrohrleitungen ausgeführt worden. 
Auf den Rieselfeldern wurden neu optiert 150da und drainiert 
292 da. Im ganzen waren am 31. März 1909 8 543 da drainiert 
und 9 123 Ausmündungen vorhanden. 
Das Areal der Rieselfelder betrug am 31. März 1909 16266 k». 
Zur Deckung der Ausgaben der Kanalisationswerke und Riesel 
felder war ein Zuschuß von 1765 452 Jt aus Gemeindemitteln 
erforderlich. 
Die Gesamtschuld der Kanalisationsverwaltung belief sich am 
31. März 1909 auf 108 616 202./« (1908 104 142 560./«). Hiervon 
entfallen auf die Kanalisationswerke 64 094 093 Jt, auf die Riesel 
felder 44522 109 Jt. Von dieser Gesamtschuld entfällt aus den Kopf 
der beteiligten Bevölkerung von Berlin ein Betrag von 53,72 Jt, und 
zwar ein Anteil von 31,83 Jt für die Kanalisationswerke und von 
21,89 Jt. für die Rieselfelder. 
Die Landwirtschaft der Stadt Berlin hatte ein ungewöhnlich 
schlechtes Jahr zu überstehen. Mehrere starke Hagelschläge vernichteten 
die Ernte aller Früchte auf mehreren Gütern. Der Schaden, den 
Hagel und Stürme verursachten, betrug 376 OM -At. Den zweiten 
schweren Schlag erlitten die Erträge durch den Mitte Oktober auf 
tretenden strengen Frost, wodurch die Hackfruchtecnte der Rieselgüter 
fast gänzlich verloren ging. Während die Bewirtschaftung der 
Rieselgüter im Jahre 1907 einen Ueberschuß von 214 968 ^« 
erbracht hatte, erforderte sie im Berichtsjahre einen Zuschuß von 
243 735 Jt. 
Die Einnahmen der städtischen Markthallen haben im Jahre 
1908 3 415 891 Jt betragen, einschließlich des Betrages von 477082 Jt, 
der aus dem Erneuerungsfond zur Deckung des den Betrag der Ab- 
schreibungen übersteigenden Anleihebetrages entnommen worden ist, so 
daß die Jahresabrechnung einen Ueberschuß von 650 108 ^« ergeben 
hat (1907 568 566,/«). Der aus den Betriebseinnahmen herrührende 
Ueberschuß beläuft sich jedoch nur auf 550 108 Jt weniger 477082 Jt, 
also nur auf 73026./«. Die Betriebseinnahmen sind um 17626 .« 
niedriger als im Vorjahre. An Standgeldern sind 19 583 Jt weniger 
eingenommen. Die Zentralmarkthalle und die Markthalle 11 haben 
allerdings 5 689 Jt mehr, als im Vorjahre, erbracht, alle andern 
Markthallen aber hatten eine Mindereinnahme von 25 542 Jt. 
Namentlich ist die Besetzung in den Hallen III, IV, V, VII erheblich 
zurückgegangen. Die auf Wunsch der Stadtverordnetenversammlung 
vom 6. März 1909 eingesetzte Deputation, die darüber verhandeln 
sollte, welche Schritte zu tun seien, um das Unternehmen der Markt- 
hallen günstiger zu gestalten, beschäftigte sich u. a. eingehend mit den 
Verhältnissen der Markthallen X. XI und XIII, in denen das Stand- 
gelv ermäßigt worden war, um die Händler mehr anzuziehen. Sie 
stellte fest, daß eine Besserung durch die Herabsetzung des Standgeldes 
nicht zu erzielen sei, vielmehr damit gerechnet werden müffe, daß die 
Besetzung der Hallen immer mehr zurückgehen werde. Dem Antrage 
der Deputation gemäß beschlossen die Gemeindebehörden die Wieder- 
einführung des alten Tarifs vom 1. April 1909 ab. 
Am 31. März 1909 stellten die Markthallen einen Wert von 
28 024 885 .« dar t1908 28 039 223.«), und zwar: Grunderwerbs, 
kosten 14 010 274 Jt, Baukosten und Kosten der inneren Einrichtung 
13 824 399 .«, Wert des Inventars 190 212 Jt. Die Gebäude, das 
Inventar, die Warenvorräte der Slandinhaber, die Spiegelglasscheiben 
der Läden waren für 16 IM 4M Jt versichert. 
Das finanzielle Ergebnis des Vieh- und Schlachthofes war 
infolge Zunahme des Auftriebes und der Schweineschlachtungcn auch 
wiederum günstiger, als nach dem Eiat erwartet werden konnte: aber 
im Verhältnis zu den Ausgaben steigen die Einnahmen doch nicht. 
Der zu den allgemeinen Ausgaben der Gemeindeverwaltung zu ver 
wendende Ueberschuß betrug beim Viehmarkl 413 355 Jt (1937 
504 860 Jt), beim Schlachthof 25 912 Jt (1907 lei 566 ^«) und bei 
der Beschau für das eingeführte Fleisch 12 469 Jt (1907 17 301 .«). 
Die Fleischbeschau auf dem Schlachihofe ergab einen auf das Rechnungs 
jahr 1909 zu übernehmenden Ueberschuß vou 100858 Jt gegen 
14 198 Jt im Vorjahre. Der Reservefonds des Viehmarkles halte 
am 31. März 1909 einen Bestand von 830662 .« (1908 731203 .«), 
der Erneuerungs- und Erweiterungsfonds des Schlachthofs einen 
solchen von 480889 .« (1908 464 552 Jt). Die Anleiheschuld ver 
minderte sich von 17 830065 .« auf 17 248 414 Jt. 
Aufgetrieben wurden: 247 756 Rinder, 1312 495 Schweine, 
199 437 Kälber, 581 292 Schafe. (1907 243 771 Rinder, 1398 275 
Schweine, 202 910 Kälber, 578 181 Schafe). 
Der Gesamtwert des verkauften Viehs beirug 249 520647 Jt, 
(1907 254 135 879 Jt). 
Geschlachtet wurden: 154 041 Rinder, 1 100 647 Schweine, 169 114 
Kälber, 469 386 Schafe. (1907 157 505 Rinder, 1 165 231 Schweine, 
173 618 Kälber, 468 890 Schafe). 
Lebend ausgeführt wurden: 95 459 Rinder. 206 746 Schweine, 
31 049 Kälber. 114 927 Schafe. (1907 87 595 Rinder. 235 936 
Schweine, 29 163 Kälber, 111 257 Schafe). 
Am l Juni 1908 eröffnete die städtische Fleischvernichtungs- 
und Verwertungsanstalt bei Rüdnitz in der Nähe von Bernau 
ihren Betrieb. Aufgabe und Zweck der Anstalt ist: 1. die unschädliche 
Beseitigung von Tierleichen und verdorbenen Waren, deren Vernichtung 
die Polizei angeordnet hat; 2. die Abholung aller dieser zu vernich- 
lenden Gegenstände: 3. die Fortschaffung solcher Zug- und Schlachttiere, 
die infolge von Beschädigungen oder aus anderer Veranlassung ein 
Verkehrshindernis bilde», von der Straße, gegebenenfalls auch die 
Tötung solcher Tiere: 4. die Tötung von Tieren, die polizeilich ange 
ordnet ist, die Beseitigung ihrer Kadaver sowie die Abholung solcher 
Tiere, insoweit als der Transport zu Wagen geschehen soll. Die 
Leitung der Anstalt wurde dem Direktor des städtischen Vieh- und 
Schlachthofes übertragen. Die Baukosten der Vernichtungsanstalt 
und der beiden Sammelstellen betrugen rund 1'/? Millionen Mark, 
ungerechnet den Ban der Wohngebäude und die Grnnderwerbskosten. 
Die Vernichtung der Kadaver geschieht im Wege thermochemischen 
Verfahrens durch Einwirkung hochgespannter gesättigter Wafferdämpfe. 
Die Maschinen und Apparate haben sich gut bewährt. In hygienischer 
Hinsicht sind die umfassendsten Vorkehrungen getroffen. Für die Ab 
wässer ist ein eigenes Rieselfeld angelegt, die Anstalt hat besondere 
Brunnenanlagen. 
Die Fleischvernichtungsanstalt erforderte einen Zuschuß von 
41 998 Jt aus allgemeinen Mitteln. 
Der städtische Wasserverbrauch hat auch diesmal den Voran- 
schlag nicht erreicht. Der Grund hierfür liegt zum Teil in der vermin- 
dertcn Bautätigkeit, aber auch in der mit der noch anhaltenden wirl- 
schaftlichen Störung zusammenhängenden geringeren Bevölkerungszu 
nahme, zum Teil aber auch darin, daß einige größere Wafferabnehmer, 
insbesondere die Eisenbahnverwaltung, eigne Waffergewiiinungsun- 
lagen einrichten. 
Der Umbau des Seewasserwerks Müggelsee in ein Tiefbrunnen- 
werk ist nun beendet. Hierbei ist ein Drittel der Schöpfanlage» derart 
eingerichtet, daß Wasser sowohl aus den Brunnen wie aus dem See 
gepumpt werden kann, denn es hat sich als notwendig erwiesen, die 
Mitverwendung von Seewasser sowohl zur Ergänzung der Grund- 
Wasseranlage während der heißen Jahreszeit wie auch als Reserve für 
den Fall, daß die Brunnen teilweise versagen, beizubehalten. 
Die Zahl der an das Rohrsystem der Berliner Wasserwerke an 
geschloffenen Zuleitungen betrug am 31. März 1909 29 707, d. i. 295 
mehr als im Jahre vorher. Städtisches Leitungswasser benutzten im 
Jahresdurchschnitt 2 102 132 in Berlin wohnende Personen (1907 
2 099 746). Die Zahl der Konsumenten vermehrte sich also nyr um 2.3tz6. 
Von den 29 707 angeschlossenen Zuleitungen entnahmen Wasser gegen 
Zahlung 28 586, unentgeltlich (Park- und Garlenankagen, Spring 
brunnen, Bedürfnisanstalten) 475: kein Wasser entnahmen 646 (Nen^ 
bauten, Feuerlöschleitungen). Der Gesamtverbrauch war68 025 874odm 
(1907 67 940 250 odm). Gegen Zahlung geliefert wurden 57 635 866obm 
oder 84,72« v. H. der gesamten Lieferung. Der Wasserverbrauch er 
gab für den Kopf und Tag 85,25 1 (1907 85,2« l). In der Woche 
des stärksten Betriebes, 15. bis 21. Juni 1908, lieferten die Werke 
Charlottenburg und Lichtenberg 1666 356 obm, mithin im Durchschnitt 
dieser Woche täglich 238 051 obm. In der Woche des schwächsten 
Betriebes, 28. Dezember 1903 bis 3. Januar 19 >9, lieferten sie 
1050 222 obw, im Durchschnitt dieser Woche täglich 150 032 obm. 
Das Rohrsystem wurde um 29 355 laufende Meter Rohr, 219 Schieber 
und 220 Hydranten vermehrt und betrug am 31. März 1909
	        
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