Path:
Volume No. 8. Bericht der städtischen Schuldeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1908 (Public Domain)

Nr. 8. Schuldeputation, 
11 
Ir) Stiftungen und Legate. 
1. Erwerbschulstiftung. 
Aus dem Vermögen der ftüheren Erwerbschulen ist ein Betrag 
von 45 000 JC unter dem Namen „Erwerbschulstiftung" ausgesondert, 
dessen Zinsen zu Prämien für fleißige Handarbeitsschülerinnen ver 
wendet werden sollen. Hierzu tritt ein Revenüenanteil aus dem 
Reichenschen Legat. 
Das Vermögen betrug am 1. April 1908 81 261 JC. 
Alljährlich am Schlüsse des Sommerhalbjahres gelangen in 
60 Gemeindeschulen an je 2 Schülerinnen Prämien im Werte von 
5—12 JC zur Verteilung. Außerdem bestehen 8 Stipendien von je 
250 M jährlich, die auf ein und gegebenen Falls auch auf ein 
zweites Jahr entlassenen Schülerinnen für ihre weitere Ausbildung 
in den weiblichen Handarbeiten gegeben werden. Um die freien 
Stipendien wird innerhalb des betreffenden Schulkreises gegen den 
Schluß des Halbjahres ein Preisnähen veranstaltet. 
2. Rudolffonds. 
Tie Zinsen werden zur Beschaffung von Frühstück für arme 
Kinder verwendet. Das Kapital betrug am 1. April 1908 27 236^. 
Bedacht wurden 14 Schulen mit Beträgen von 10—130 JC, zusammen 
mit 802 JC. 
3. Reichenheim'sches Vermächtnis. 
Diese Stiftung gewährt Unterstützungen an Witwen und Waisen 
ehemaliger im hiesigen Gemeindeschuldienst angestellter Lehrer. 
Das Vermögen betrug am 1. April 1908 151593 Jt. 
Verteilt wurden an 40 Witwen und 3 Waisen laufende Unter 
stützungen im Betrage von 80—240 JC mit zusammen 5580'^, 
ferner einmalige Unterstützungen in Höhe von 30—70 JC an 17 Witwen 
im Gesamtbeträge von 750 Jt. 
4. Fürstsches Legat. 
Die Zinsen sollen für Schulkinder der hiesigen Gemeindeschulen 
bei ihren von Schulwegen zu veranstaltenden Klassenspaziergängen 
verwendet werden. Kapital 5000 Je. Die verfügbaren Mittel wurden 
auf 10 Schulen mit zusammen 188 JC verteilt. 
5. Fickersches Legat. 
Mit einem Kapital am 1. April 1908 von 13162 JC für Kinder 
bestimmt, die die Gemeindeschule gut absolviert haben und eine 
weitere Schule oder Bildungsanstalt besuchen, konnten Stipendien in 
Höhe von 25—50 JC an 6 Schüler und 6 Schülerinnen gegeben 
werden. 
6. Die Weishanstiftung. 
Vermögen 180360 JC. Die verfügbaren Mittel sind zu lebens 
länglichen Unterstützungen an bedürftige Privatlehrer und Privat 
lehrerinnen bestimmt, die mindestens 59 (Lehrerinnen 40) Jahre alt 
sind und bereits 10 Jahre an hiesigen Privatschulen unterrichtet 
haben. Unterstützt wurden 1908 3 ehemalige Lehrer und 11 ehe 
malige Lehrerinnen. Zu dem Stiftungsvermögen gehört das Grund- 
stück Charitsstraße 4 Hierselbst. 
i) Schulfeiern. 
Bei der Frühjahrs- und Herbstparade des Gardekorps war 
einer größeren Anzahl der Gemeindeschülern Gelegenheit geboten, dem 
Vorbeimärsche der Truppen vor Sr. Majestät dem Kaiser beizuwohnen 
Zu diesem Zwecke waren vor den Zuschauertribünen 30 Aufstellungs- 
räume für je 40 Knaben zugewiesen. 
Beim Einzuge des Königs von Schweden am 31. Mai 1908 
beteiligten sich die Schulkinder an der Spalierbildung. 
k) Kosten des Gemeindeschulwesens. 
Die Ausgaben betrugen für 1908/09 .... 20178 032 je, 
- 1907/08 .... 19255401 
mithin im Berichtsjahre mehr 922 631 JC m 
Die Kosten für ein Kind betrugen, ohne Berücksichtigung der 
Grunderwerbs- und Baukosten für die Schulgebäude, der Kosten für 
größere Reparaturen, Anfuhr von Pflanzen für den botanischen 
Unterricht, Bewegungsspiele, Schwimmunterricht u. s. w. und ohne 
die personellen Kosten der Schulverwaltung 
im Jahre 1898 61,66 JC, 
. 1900 65,« - 
. . 1902 70,69 - 
. . 1904 73,oo . 
. 1906 82,26 - 
. . 1907 84,28 - 
. 1908 88,32 - 
II. Städtische Taubstummenschule. 
1. Lehrpersonal. 
Das Lehrpersonal der Schule bestand im abgelaufenen Schuljahre 
aus dem Direktor, 14 wissenschaftlichen Lehrern, 2 wiffenschaftlickien 
Lehrerinnen und 6 technischen Lehrkräften. 
2. Die Frequenz der Schule. 
Die Schule zählte zuletzt in 16 Klassen 184 Zöglinge und zwar 
93 Knaben und 91 Mädchen, welche sich nach ihrer Qualifikation auf 
die 16 Klassen folgendermaßen verteilen: 
Klaffe I 6 Knaben, 6 Mädchen — 
12 
Schüler, 
11 ... . 
, 8 
4 
S= 
12 
. 
lila .... 
. 6 
5 
= 
11 
. 
IIIb . . . . 
. 8 
10 
= 
13 
IVa . . . . 
. 6 
4 
10 
- 
IVb... 
. 6 
4 
= 
10 
* 
IVe . . . . 
. 2 
6 
— 
8 
- 
Klaffe 
Ya . . . . 
(Schwachsinnige) 
. 7 Knaben, 5 Mädchen — 
12 
Schüler, 
Vb. . . . 
. 7 
4 
= 
11 
. 
Via . . . . 
. 5 
6 
— 
11 
« 
Vlb. . . . 
. 5 
5 
— 
10 
• 
VII a . 
. 6 
- 5 
— 
11 
VII b.... 
. 6 
4 
10 
Villa .... 
. 4 
6 
— 
10 
- 
VIII b.... 
. 5 
- 7 
12 
• 
IX (Vorklaffe) 
. ii 
10 
— 
21 
• 
zusammen 93 Knaben, 91 Mädchen — 184 Schüler. 
Von diesen 184 Schülern verließen am Schluffe des Schuljahres 
nach ihrer Konfirmation 15, nämlich 9 Knaben und 6 Mädchen die 
Schule, außer diesen noch 4, nämlich 2 Knaben und 2 Mädchen, 
so daß als Bestand 165 Kinder, 82 Knaben und 83 Mädchen, ins 
neue Schuljahr übernommen wurden. 
3. Der Unterricht. 
Die städtische Taubstummenschule hat auch im verflossenen Schul 
jahre wieder denjenigen Aufgaben in ihrem Unterrichtsplane die größte 
Sorgfalt zugewendet, welche für eine vollkommene Ausbildung der 
taubstummen Kinder von der größten Bedeutung find. Das ist neben 
der religiössittlichen Erziehung die Ausbildung in der Lautsprache, 
durch welche sie für den Verkehr mit ihren hörenden Mitmenschen 
und damit für ihre spätere Lebensstellung befähigt werden. 
Die auf natürlichem Wege erlangte Sprache später ertaubter 
bezw. schwerhöriger Kinder wurde durch Artikulationsübungen so 
gebessert, daß sie in vielen Fällen normal wurde und auch blieb. 
Den Unterrichtsstoff auf allen Stufen so durchzuarbeiten, daß 
die Schüler schließlich dasjenige Maß von Kenntnissen und Fertigkeiten, 
welche das Leben auch von ihnen verlangt, erreichten, wurde auch in 
diesem Schuljahre mit aller Kraft erstrebt. 
Für die Allerschwächsten, die Schwachsinnigen, wurde auf der 
Mittelstufe eine Klasse gebildet, in welcher durch angemessene Stoff 
beschränkung und noch individuellere unterrichtliche Behandlung die 
notwendigste Schulbildung auch dieser Kinder ermöglicht wurde. 
Neben der geistigen Ausbildung der Schüler wurde auch der 
physischen Erziehung der Kinder die nötige Pflege zuteil. Turnen 
und Spiel erstreckten sich auf alle Klassen und der Turnunterricht 
wurde so erteilt, daß auch die körperlich rückständigen Kinder, deren 
Zahl unter den kleinen Taubstummen verhältnismäßig groß ist, die 
nötige Berücksichtigung fanden. 
4. Weihnachtsbescherung. 
Der Anstaltsleitung gelang es auch in diesem Jahre wieder, eine 
Weihnachtsbescherung der Schule zu veranstalten. Die Mittel dazu 
wurden von Freunden und Gönnern der Schule aufgebracht. 
6. Die entlassenen Zöglinge. 
Nach dem Abgänge von der Schule besuchen Knaben und Mädchen 
— in getrennten Kursen — die städtische Fortbildungsschule für Taub 
stumme, wodurch sie mit der Schule und ihren früheren Lehrern in 
Verbindung bleiben, was für fie von großem Werte ist. Die Fort 
bildungsschule befestigt und erweitert die Schulkenntniffe der Zöglinge 
und bringt sie mit dem praktischen Leben in Beziehung. 
Berlin, den 2. Oktober 1909. 
Städtische Schuldeputation. 
Hirsekorn.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.