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Volume No. 46. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr und des Feuerwehrtelegraphen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

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Nr. 46. Feuerwehr. 
Der Inhalt der Tasche besteht aus: 
1 Zungenzange nach 0 oll in, 
1 Mundsperre nach Heister, 
1 Pravazspritze im Kästchen mit 2 Giftzähnen, 
1 Glaszylinder mit Morphiumlösung (Beruhigungsmittel), 
1 „ „ Strychninlösung i . ... ,, 
, u , , , ,, > (Herzrexzmittel). 
1 „ „ Atherkampherlosung j v ' 
Die Glaszylinder werden von dem Abteilungsarzt gefüllt und 
plombiert. 
Die Spritze und der Inhalt der Zylinder darf nur von Ärzten 
verwendet werden. 
Einsangen von Bienenschwärmen. 
Um das Töten der Bienen beim Beseitigen von Bienenschwärmen 
möglichst zu vermeiden, hat jede Wache Anfang August 1907 eine 
Schwarmfangkiste erhalten. Die aus Holz angefertigte Kiste ist mit 
Lederschlaufen zum Tragen, mit einem kleinen Drahtgazefenster, einem 
Verschluß und einer Anweisung zum Einsangen der Bienenschwärme 
versehen. Die eingefangenen Bienen werden einem Imker übergeben, 
von dem die Chargierten und Mannschaften der einzelnen Wachen im 
Gebrauch der Schwarmfangkiste unterwiesen worden sind. 
Die auf dem Innendeckel der Sehwarmfangkiste angebrachte An 
weisung zum Einsangen der Bienenschwärme lautet: 
„Die Schwärme hängen sich gern traubenförmisr an Baumzweige 
und Sträucher. Schwarm anspritzen, doch so, daß Wasser als Regen 
von oben oder von der Seite auf die Bienen trifft; Kiste unterhalten 
und kurzen, aber kräftigen Schlag auf den Ast geben oder mit Hand 
feger abfegen, so daß der Schwarm in die Kiste fällt. Kiste schnell 
schließen und Deckel nicht wieder öffnen. Auf Wache ist die Kiste 
im Keller kühl und dunkel aufzubewahren, bis Abholung erfolgt. 
Sitzt der Schwarm an einem dicken Stamm, an einer Wand oder 
sonst an flacher Stelle, so ist der Schwarm erst wieder in gleicher 
Weise anzuspritzen und dann mit dem Handfeger kurz in die Kiste 
abzufegen. 
Es ist notwendig, Gesicht und Hände zu schützen; hierzu können 
die Wiener Rauchkappe und die Fausthandschuhe von den Fahrzeugen 
verwendet werden. 
Hat ein Schwarm sich so hoch angesetzt, daß er nicht leicht 
gefaßt werden kann, so treibt man ihn eventuell durch Rauch (Harz 
fackel) fort und nötigt ihn durch Bespritzen, einen tieferen Platz ein 
zunehmen. 
Jede Beschädigung fremden Eigentums ist beim Beseitigen bezw. 
Einsangen der Bienenschwärme zu vermeiden.“ 
Spiritusflaschen zum Gebrauch beim Auftauen der Hydranten 
im Winter. 
Jedes im Dienst befindliche Fahrzeug ist mit einem Kasten, der 
eine Salzkottener Spiritusflasche, Streichhölzer und Werg zum Auftauen 
der Hydranten im Winter enthält, ausgerüstet worden. Der Kasten 
wird in der Zeit vom 1. Dezember bis 1. März jeden Jahres auf den 
Fahrzeugen mitgeführt. 
Dadurch sind die gewöhnlichen Blechflaschen mit Spiritus und die 
zum Wärmen von Wasser früher im Gebrauch befindlichen kupfernen 
Gasapparate in Fortfall gekommen. 
Elektrische Uhrenanlage auf der Hauptfeuerwache. 
Bei der elektrischen Zeitübermittelung von der Zentraltelegraphen 
station des Polizeipräsidiums nach der Hauptfeuerwache machten sich 
infolge des schlechten Zustandes der seit Mitte des vorigen Jahrhunderts 
bestehenden Kabelleitung häufig Störungen bemerkbar. Für die Haupt, 
feuerwache wurde daher eine eigene elektrische Uhrenanlage durch die 
„Magneta“, Fabrik elektrischer Uhren, Berlin W., Potsdamer Straße 83, 
eingerichtet. Die Anlage besteht aus einer im Telegraphenzimmer auf 
gestellten Hauptuhr, deren Gang nach Sternwartenzeit geregelt wird, 
und aus 9 von ihr abhängigen, in verschiedenen Räumen untergebrachten 
Nebenuhren. 
Die Abonnementskosten betragen für den Monat 14,70 M. Die 
Mietsdauer für die Anlage beträgt mindestens 5 Jahre, die Montage der 
Uhren und die Verlegung der Leitungen ist kostenlos erfolgt. 
Die Anlage ist seit Mitte Oktober 1907 in Betrieb. Störungen 
haben sich bis jetzt nicht gezeigt. 
Beschaffung von Handtüchern. 
Für die Chargierten und Mannschaften sind 2 000 Stück Hand 
tücher zur Benutzung während des Wachdienstes beschafft worden. 
Jeder auf Wache befindliche Mann erhält wöchentlich ein reines Handtuch. 
Die Handtücher müssen auf Wache aufbewahrt werden; die Reinigung 
und der Ersatz wird durch die Abteilung bewirkt. 
Feuerpolizeiliche Maßnahmen. 
In dem Berichtsjahr wurde eine größere Anzahl von Polizei 
verordnungen und Bestimmungen in feuerpolizeilicher Hinsicht erlassen, 
die unter Mitwirkung der Abteilung entstanden sind. Die wichtigsten 
Verordnungen sind nachstehend aufgeführt: 
1. Polizeiverordnung vom 19. September 1907, die Regelung des 
Kehrbezirkswesens der Schornsteinfeger betreffend, und Regulativ 
vom 19. September 1907, die innere Einrichtung der Kehrbezirke 
für Schornsteinfeger betreffend. 
2, Polizei Verordnung vom 16. Dezember 1907, betreffend Aufbewahrung 
und Lagerung von Brennmaterialien und Nutzholz. 
3 Abgeänderte Bestimmungen vom 28. März 1907 zu den Grund 
sätzen für die gewerbepolizeiliehe Überwachung der Betriebe zur 
Herstellung von Celluloidwaren und der zugehörigen Lagerräume. 
4. Grundsätze für die Lagerung von Mineralölen und anderen leicht 
entzündlichen Flüssigkeiten unter dem Drucke von flammen 
erstickenden Gasen und Flüssigkeiten. 
5. Grundsätze für die bau-, teuer- und gewerbepolizeiliche Überwachung 
der Anlagen von Späneschächten, Spänegelassen, Entstaubungs 
einrichtungen und Staubsammlern in Holzbearbeitungsbetrieben. 
6. Sonderanforderungen an Warenhäuser und an solche anderen Ge 
schäftshäuser, in denen größere Mengen brennbarer Stoffe feil 
gehalten werden. Vom 2. November 1907. 
Berlin hatte am Schluß des Berichtsjahres 2 108 948 Einwohner 
die Fläche des Stadtgebietes betrug 6 352,25 ha und die Zahl der be 
bauten Grundstücke 27 328.
	        
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