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Volume No. 46. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr und des Feuerwehrtelegraphen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

Nr. 46. Feuerwehr. 
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April 1908 zu liefern. Die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Geräten 
führt die Berliner Feuerwehr selbst aus, worauf die endgültige Lackierung 
der Fahrzeuge ebenfalls in Berlin stattfindet. Die Indienststellung des 
Zuges erfolgt voraussichtlich Ende Juni 1908. 
Bei dem Entwurf der für den Löschzug bestimmten Fahrzeuge 
wurden die bei den Versuchen mit Kraftwagen gesammelten Erfahrungen 
berücksichtigt. 
Die Untergestelle der Gasspritze, des Tenders und der Dampf 
spritze haben in allen Teilen genau die gleichen Abmessungen, auch 
sind sie so eingerichtet, daß bei weiterer Einführung des Kraftwagen- 
betriebes die vorhandenen Dampfspritzen in die Untergestelle eingebaut 
werden können, ohne Änderungen an ihnen vornehmen zu müssen. Das 
Untergestell der mechanischen Leiter entspricht in seinem vorderen 
Teile ebenfalls genau den Abmessungen der Untergestelle der Gas 
spritze etc. Auch auf das Untergestell der Leiter können die vor 
handenen Hönig’sohen Leitern ohne weiteres aufgebaut werden. Nach 
erfolgter Anfertigung der Entwurfsskizzen für die Fahrzeuge wurde das 
Modell eines Normaluntergestelles in natürlicher Größe aus Holz ge 
fertigt und nacheinander mit den Aufbauten für die Gasspritze, den 
Tender und die Dampfspritze versehen, auch wurden sämtliche Geräte 
und Ausrüstungsstücke an den Modellfahrzeugen angebracht. Diese 
Maßnahme erwies sich als sehr zweckmäßig, denn die Entwurfsskizzen 
mußten in vielen Punkten abgeändert werden. Die so entstandenen 
neuen Entwürfe dienten als Grundlage für die mit den Lieferanten ab 
zuschließenden Verträge. 
Alle 4 Fahrzeuge des Löschzuges erhalten Vorderradantrieb, 
Bauart Lohner-Porsche. Die elektrische Einrichtung und die Batterien 
sind bei allen 4 Fahrzeugen gleich. Es wird daher genügen, an Hand 
der abgeschlossenen Verträge, nachstehend ein Untergestell, nebst 
Motoren, Batterie, deren Leistung etc. eingehend zu beschreiben und 
sodann Zweck und Art der Aufbauten für die einzelnen Fahrzeuge zu 
erläutern. Die dem Bericht beigegebenen genauen Nachbildungen der 
endgültigen Entwürfe der Fahrzeuge werden die notwendigen Er 
läuterungen ganz wesentlich vereinfachen. 
Allgemeines. 
Die Fahrzeuge müssen nach den neuesten Erfahrungen der modernen 
Kraftwagentechnik ausgeführt werden und den bestehenden gesetzlichen 
und polizeilichen Bestimmungen entsprechen. 
Das Gewicht der Gasspritze, des Tenders und der Dampfspritze, 
einschließlich Ausrüstung und Besatzung, darf unter keinen Umständen 
4 500 kg im betriebsfähigen Zustande überschreiten. Für die mechanische 
Leiter ist das Maximalgewicht auf 5 000 kg erhöht worden. 
Die kleinste Fahrlänge, die mit einer ordnungsmäßigen Ladung 
der Batterie zurückzulegen sein muß, beträgt 50 km bei einer Höchstfahr 
geschwindigkeit von nicht weniger als 30 km stündlich auf ebener Strecke. 
Steigungen von 7 pGt. bis auf 200 m Länge müssen noch mit 
einer stündlichen Mindestgeschwindigkeit von 10 km genommen werden 
können. 
Untergestell.' 
Das Untergestell ist seitens der Lieferantin fahrbereit von der 
Deutschen Mercedes Verkaufsgesellschaft, Frankfurt a. Main 
zu beziehen. 
Der Rahmen muß aus gepreßtem Stahlblech bestehen und von 
4 Rädern von 850 mm Durchmesser mit aufvulkanisierten Voll 
gummireifen Continental-Hannover Profil 120 getragen werden, von denen 
das rechte Vorderrad und beide Hinterräder mit Oontinental-Gleitschutz 
zu versehen sind. Die Räder sind mit Kugellagern der Deutschen 
Waffen- und Munitionsfabriken, Berlin, auszurüsten. Das Unter 
gestell ist roh gespachtelt anzuliefern. Die hauptsächlichsten Dimensionen 
des Untergestells sind; 
Radstand 
Spurweite 
Höhe im belasteten Zustande 
Länge 1 ^ u ß enma ß e 
Breite j ... 
3,co m, 
1,53 „ 
0,826 „ , 
5,oo „ 
1,90 „ 
Fahrmotoren und Kontroller. 
Die Fahrmotoren müssen als Vorderradmotoren eingebaut werden 
und bei der normalen Batteriespannung die Höchstleistung zur Fort 
bewegung des Fahrzeuges mit der Höchstgeschwindigkeit von 36 km 
pro Stunde hergeben. Die Fahrmotoren und Kontroller mit allen er 
forderlichen Zuleitungen und Armaturen sind mit Schutzblechen etc. 
zu versehen und müssen besonders gegen Eindringen von Feuchtigkeit 
und Schmutz vollständig geschützt sein, so daß die Fahrzeuge Hoch 
wasser von 80 cm Höhe ohne Fahrtunterbrechung passieren können. 
Um ein unbeabsichtigtes Anfahren bei Einführen des Fahrkontaktes 
infolge Fahrstellung des Kontrollers zu verhüten, ist eine Verriegelung 
derart anzubringen, daß der Fahrkontakt erst dann eingeführt bezw. 
herausgenommen werden kann, nachdem der Kontroller seine O-Stellung 
eingenommen hat Ferner muß der Kontrollerhebel auf der Ladestellung 
arretiert werden können. Der Kontroller hat 5 Stellungen für Vorwärts 
bewegungen, 2 Bremsstellungen und 3 Stellungen für Rückwärtsgang. 
Die Maximalfahrstellung 5 darf erst nach Auslösung einer Verriegelung 
eingeschaltet werden können. 
Bremsen. 
Außer der elektrischen Bremsung sind als Bremsen anzuordnen 
zwei auf besondere Hinterradbremsscheiben in beiden Fahrtrichtungen 
wirkende Innonbackenbremsen, die durch Fuß- und Handhebel vom 
Fahrersitz betätigt werden. Bei Anzug dieses Hebels muß der Motor- 
strom selbsttätig ausgeschaltet werden. 
Batterie. 
Die Batterie ist seitens der Lieferantin von der Akkumulatoren 
fabrik, Aktiengesellschaft Berlin—Hagen zu beziehen; sie besteht 
aus Masseplatten und enthält 78 Zellen, Type 3 Ky 285/4, die am 
Vorderteil des Untergestells in 3 gleichgroßen Trögen wasser- und 
staubdicht untergebracht werden muß. 
Die Kapazität der Batterie muß 146 Amperestunden bei fünf 
stündiger Entladung betragen. Jede Zelle wiegt 10 kg; das Gewicht 
der ganzen Batterie, einschließlich Tröge, stellt sich auf zirka 880 kg. 
Die Löcher in der Deckelplatte der Zellen sind nicht mit runden 
Gummistöpseln sondern mit aufgelegten, gelochten Weichgummiplatten 
zu verschließen. Als Isolation zwischen sämtlichen Platten sind Hart 
gummibleche zu verwenden. 
Armaturen, Garnituren, Reservestücke, 
Für jedes Fahrzeug sind außer den allgemein üblichen Teilen, 
wie elektrische Lampen, mitzuliefem: 
1. eine Hupe, 
2. ein Kilometerzähler der Deutschen Tachometerwerke, Berlin, 
3. ein kombiniertes Volt- und Ampöremeter, 
4. alle erforderlichen Werkzeuge, 
5. 26 Akkumulatorenzellen in einem Trog. 
Als Reserve für den ganzen Löschzug sind sodann noch zu 
liefern: 
6. ein komplettes Vorderrad mit Anker und Gummi, betriebsfertig, 
7. ein komplettes Hinterrad mit Gummi, betriebsfertig, 
8. ein kompletter Kontroller, 
9. eine komplette Steuerung, 
10. zwei Widerstände, 
11. ein Sehaltbrett, 
12. zehn Kohlen für Motor, 
13. zehn Kohlen für Unterbrecher, 
14. zehn Kupferkontakte für Unterbrecher, 
15. eine komplette Bürstenbrücke, 
16. zehn Kontrollerfinger. 
Aufbauten. 
Die Gasspritze dient zum ersten Angriff auf Brandstelle; sie 
führt einen Wasservorrat von 400 l mit, der durch Kohlensäuredruck 
verspritzt wird. Zur Aufnahme der 4001 Wasser sind oberhalb der 
Längsträger am hinteren Ende der Längssitze 2 kupferne, zylindrische, 
gleich große Wasserbehälter derart gelagert, daß sie vollständig entleert
	        
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