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Volume No. 41. Bericht über den städtischen Vieh- und Schlachthof sowie über die städtische Fleischbeschau

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

Nr. 41. Vieh- und Schlachthof. 
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der durch Fäulnis zerstörten hölzernen. — Ferner sind zu erwähnen: 
Die Renovierung des Zimmers des Polizcitierarztes im Polizei 
schlachthause und zweier Zimmer der Dienstwohnung des Schlacht- 
hofsinspektors, desgleichen der durch Feuer beschädigten Teile der 
Kammer Nr. 50 im Schweineschlachthause 0 und der Kammer Nr. 61 
des Rinderschlachthauses B. Kühlzelle Nr. 13 im RinderschlachthauseA 
und Keller Nr. 25 des Schweineschlachthauses B wurden mit neuem 
Eiseinwurs versehen, der Fußboden der Kühlzelle Nr. 13 erneuert. 
Für die an der Rinderkontrolle tätigen Arbeiter wurde ein Schil- 
dcrhäuschen aufgestellt. 
Am Eingang zum Schweineschlachthose neben dem Jnspektions- 
gebäude gelangte ein eisernes Gitter zur Aufstellung. Im August 
wurde eine neu eingerichtete Entlüftungsanlage der Darm 
schleimerei in Benutzung genommen; und mit der Vergrößerung 
des Maschinenhauskellers angefangen. Nach Aufstellung einer neuen 
Waschmaschine von der Firma Boy & Rath, Düsseldorf, wurde 
die alte Waschmaschine repariert. Eine neue Brühhallendampfleitung 
wurde in Betrieb genommen und 2 Brühbottiche durch neue ersetzt. 
Im Februar 1908 wurden die neu hergestellten Verlade 
vorrichtungen für Eonfiskate in der Untersammelstelle 
geprüft und abgenommen. Durch die städtischen Gaswerke wurden 
die gußeisernen Hauptrohre der Gaszuleitung durch schmiedeeiserne ersetzt. 
Im September wurde ein registrierenderFeuchtigskeitsmesser in den Kühl 
räumen der „Freibank" aufgestellt. Ende Februar fand eine Reparatur 
der Lichtleitung in den Kühlräumen der „Freibank", sowie Ersatz der 
gußeisernen Soolerotationspumpe durch eine bronzene statt, auch mußte 
die Gasregulierungshaube der Motorgasanstall ersetzt werden. 
In der Schlosser werkst alt wurden Reparaturen an Fenstern, 
Türen der Schlachthäuser, Ställe und Keller ausgeführt; die Gitter 
fenster an dem Gebäude der Peptonfutterwerke mußten durch neue 
ersetzt, die Gabelwagen, Winden, Fahr- und Transportvorrichtungen, 
Dampfleitungen und Condenstöpfe in Ordnung gebracht, die Hänge 
bäume der Schlachtkammern neu beschlagen werden. Die Schnecken 
getriebe der 4 Kühlhausfahrftühle wurden ebenfalls ausgebessert. 
In der Klempner- und Rohrlegerwerkstatt wurden außer 
den laufenden Jnstandhaltungs- und Reparaturarbeiten an Gas-, 
Wasser- und Kanalisationsleitungen mehrere Straßenlaternen gründlich 
repariert. Die Preßgasgummibeutel auf dem Rinderschlachthof wurden 
mit Blechkästen umhüllt. Die noch teilweis vorhandene alte Schnitt- 
brennerbeleuchlung (Lyren und Ausleger) wurde beseitigt. Die 
Kammern des Kleinviehschlachthauses A wurden mit Gasglühlichi- 
beleuchtung versehen. In der „Fleischbeschau" wurden Waschgelegen 
heilen und Adflußleitungen geändert. Die Gruben der Darmschleimerei 
und Eindickerei wurden an die Kanalisation angeschlossen und mit 
Entlüftung versehen; die Regenrohre der „Schleimerei" wurde verlegt. 
Kühlhaus und Maschinenbetrieb. Die Kühlmaschinenanlage 
arbeitete gut; die Temperaturen waren meist tiefer als der Durchschnitt 
der vorgeschriebenen (Vorkühlhalle 4—6°, Kühlhalle 2—4° 0). Es 
wurden 10 300^2 (1906: 10 958 l / 2 ) Compresserstuuden geleistet. Das 
Aufkochgefäß, die Reiniger für das Eiswasser und das Wärmeaustausch 
gefäß wurden im Keller aufgestellt, um für die neu belchaffte, größere 
Drehbank im Maschinenhause Platz zu gewinnen. Der im Januar 1907 
reparierte, während des Sommers durch Rost stark mitgenommene 
große und kleine Soolekühler wurde im Januar 1908 abermals mit 
Dichtungsmasse betriebsfähig gemacht, mit der Absicht, dieselben im 
nächsten Jahre durch neue zu ersetzen. Die Mammutpumpe wurde 
durch A. Borsig, Tegel, repariert, der Cylinder ausgebohrt, das 
Schwungrad neu aufgezogen, und die Kolbenstange erneuert. Es 
wurden 190000 cbm Kühlwasser (1906: 194 000 cbm) aus den 
beiden Brunnen durch die Mammutpumpenanlage gehoben. Der 
unbrauchbar gewordene Sooleeindampfapparat wurde durch einen 
neuen, selbstgebauten ersetzt;, derselbe hat sich gut bewährt. An Eis 
wurden 55351/4 Ztr. mit einem Erlös von 3 320 M fabriziert. 
Für die elektrischen Maschinen wurden Zähler angeschafft. Die 
Akkumulatorenbatterie wurde einer gründlichen Reinigung unterzogen 
und im Oktober eine Capacitätsprobe mit gutem Ergebnis vorgenommen. 
Ein Teil der Lichtleitungen im Kühlhause mußte der Feuchtigkeit 
(Schwitzwaffer) wegen auf Mantelrollen verlegt werden. An die 
„Fleischschau" wurden 3 401 Kw. (1906 : 3 093 Kw.) für elektrisches 
Licht abgegeben. 
Materialienverbrauch, Eiserzeugung ec. 
Denat. Salz 
S0 2 
Del 
Kohlen 
Erzeugtes Eis 
Abgabe von 
Geförd. Wasser 
Jahr 
Cylinder 
Maschinen 
Kühl- 
maschinen 
Schlachtztreckc 
Heizung 
Elektrizität 
kg 
kg 
kg 
Ztr. 
Ztr. 
Kw, 
cbm 
1906 
40000 
500 
1 479,b 
1 048,5 
49 664 
81350 
38117 
3 093 
194000 
1907 
40 000 
1000 
1240 
2 188 
47 828 
86 264 
5 5351/4 
3 401 
190 000 
Der Schlachtviehhandel. Die guten Fulterernten des Jahres 1907 
und der beiden vorhergehenden Jahre wirkten auf den Viehhandel in 
sofern günstig ein, als sich die infolge der Mißernte 1904 sehr zurück 
gegangenen Viehbestände im Lande weiter vermehrten und es den 
Händlern mir geringerer Mühe möglich war, den großen Schlacht 
viehmärkten den notwendigen Bedarf zuzuführen. Die Bestände an 
Wiederkäuern, besonders an schlachtreifen und ausgemästeten Rindern, 
waren jedoch noch immer nicht ausreichend, um den Bedarf voll zu 
decken, so daß die Nachfrage stets rege blieb und die Mäster sich nicht 
veranlaßt sahen, in ihren Preisforderungen wesentlich nachzulassen. 
Demgegenüber kann der Schweinebestand und die Zahl der zu 
Markt gebrachten Schlachtschweine als genügend bezeichnet werden; 
das stärkere Angebot hatte hier einen erheblichen Preisnachlaß zur 
Folge, der aber keineswegs groß genug war, um Zucht und Mast 
unrentabel zu machen. 
Von Viehseuchen hatte der deutsche Viehhandel wenig zu leiden; 
drohte im Anfang des Berichtsjahres auch der Einbruch der Maul- 
und Klauenseuche vom Südwesten her und verseuchten im Herbst auch 
die Grenzgebiete im Nordosten, so gelang es doch durch frühzeitige 
Anwendung von Sperr- und Tilgungsmaßregeln eine stärkere Aus- 
breitung der Seuche zu verhüten. Eine allgemeine Desinfektion und 
Ausfuhrsperre wurde im Berichtsjahre über den städtischen Viehhof 
nicht verhängt, weil unter dem aufgetriebenen Vieh keine Maul- und 
Klauenseuche festgestellt wurde; dagegen mußten vereinzelter Milz 
brandfälle wegen sechsmal Desinfektionen einzelner Räumlichkeiten 
ausgeführt werden. 
Der Wettbewerb des Auslandes ist auf den inländischen 
Vieh und Fleischmärkten wegen der am 1. März 1900 in Kraft ge 
tretenen hohen Zollsätze, wegen der Quarantänebestimmungen und der 
strengen veterinär- und sanitätspolizeilichen Maßnahmen dem Vor 
jahre gegenüber sehr zurückgetreten. Denn im Januar und Februar 1906 
hatte der Handel große Anstrengungen gemacht, die durch die zum 
1. März in Aussicht genommenen höheren Zollsätze zu erwartenden 
Preissteigerungen für Vieh und Fleisch durch vermehrte Einfuhr 
möglichst auszunutzen, während im Jahre 1907 ein solcher Anlaß zur 
Einfuhrsteigerung fehlte. Letzteres Jahr kann deswegen als das erste 
Normaljahr unter der Herrschaft der neuen Zölle betrachtet werden, 
und es erscheint ausgeschloffen, daß sich die Verhältniffe während 
dieser Herrschaft zu gunsten der Einfuhr in den nächsten Jahren 
wesentlich verschieben. Der Wichtigkeit halber fügen wir daher die 
nachstehenden Tabellen hier ein. 
Vieheinfuhr nach Deutschland in Stück. 
Jahr 
Kälber 
Jungvieh 
Kühe 
Bullen 
Ochsen 
Lämmer 
Schafe 
Ziegen 
Spanferkel 
Schweine 
1906 
11 562 
88 315 
99 117 
9 273 
63 032 
336 
11 732 
1 106 
1 956 
105 588 
1907 
6 721 
73 117 
69 328 
8 863 
47 843 
228 
10 671 
1 060 
1 129 
79 502 
weniger 
gegen 1906 
— 4 841 
— 15 198 
— 29 789 
— 410 
— 15 189 
— 108 
— 1 061 
— 46 
— 827 
— 26 086
	        
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