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Volume No. 40. Bericht über die städtischen Markthallen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

Nr. 40. Markthallenverwaltung. 
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allein aus dem Vierteljahr Januar/März _1908. Die Zahl der 
Abonnenten erhöhte sich wiederum von 1 627 auf 1 691. 
Blumenhandel in der Markthalle II. 
Bezüglich des Ausbaues der Markthalle III, Zimmerstraße, zu 
einer Blumenhalle nach den Vorschlägen der Bauverwaltung, bemängelt 
die Markthallendeputation die geringe Höhe der einzubauenden 
Galerien, die nur 3,7« m über dem Fußboden und oben nur 2,77 m 
betrage. Ohne Hebung des ganzen Daches der Halle um etwa 2 m 
werden Galerien nicht eingebaut werden können', eine derartige 
Hebung des Daches komme aber einem Neubau gleich und ver 
ursache ganz erhebliche Kosten. Nach mehrfachen Beratungen ist 
die Angelegenheit vertagt worden, um zunächst festzustellen, ob durch 
Ankauf eines anderen Geländes eine Verlegung des Blumenmarktes 
unter gleichzeitiger Erweiterung desselben aber unter günstigeren 
Bedingungen möglich sei. Die Beratungen über die Vergrößerung 
der Blumenhallen in der Markthalle II bezw. über die Verlegung 
des Blumenmarktes nach der Markthalle III, werden nach Klärung 
vorstehender Frage wieder aufgenommen werden. Nach Blumen 
ständen bestand auch im Berichtsjahre starke Nachfrage, am Schluffe 
desselben waren 232 Bewerber notiert. 
Bauliche Veränderungen. 
Außer den regelmäßig wiederkehrenden Arbeiten zur Instand 
haltung der Hallengebäude sind folgende Verbesserungen besonders zu 
erwähnen. 
In der Zentralmarkthalle I wurde in der Durchfahrt die Well 
blechdecke mit einem hellen Anstrich versehen und dadurch eine bessere 
Belichtung erzielt. In einem Zimmer des Jnspektionsbureaus ist der 
eiserne Ofen entfernt und dafür ein solcher aus Kacheln hergestellt 
worden. Die Ventilation auf den Galerien ist durch Einbauen von 
Dachentlüftern wesentlich verbessert. Um Reparaturen unter der Ver- 
bindungsbrücke der Kaiser Wilhelmstraße ausführen zu können, ist 
außerhalb der Brücke noch eine Laufbrücke angebracht worden. Der 
Fahrstuhl, der nur von dem städtischen Verkaufsvermittler Plaumann 
benutzt wird, hat eine besondere Schutzvorrichtung erhalten. In der 
Zentralmarkthalle la wurden zur Erwärmung der Kellerräume noch 
zwei Gasöfen aufgestellt. Das Dach auch dieser Halle ist zur Her 
stellung einer besseren Ventilation mit Dachentlüftern versehen worden. 
In der Neuen Friedrichstraße wurde das Pflaster des Bürgersteiges 
vom Portal IV bis zur Rochstraße erneuert. In der Markthalle II 
wurde das Pflaster in den Hallengängen und in der Fahrstraße teil 
weise erneuert, abgenutzte Granitfahrbahnen in der Einfahrt der Halle 
sind ausgewechselt worden. Die Gewölbe unter den Fischständen 
ließen Wasser durchdringen und wurden gedichtet. In der Markt 
halle IV wurden 31 unbrauchbar gewordene Wellblechjalousien der 
Verkaufsstände durch neue Aufzugsgitter ersetzt. In der Markthalle V 
hat der Eingang am Magdeburger Platz einen eisernen Windfang 
vorbau erhalten, wie solche an den übrigen drei Eingängen bereits 
angebracht waren. Das stark abgenutzte Fliesenpflaster wurde zur 
Hälfte der Halle erneuert. In den Klosetträumen der Markthallen VI 
und VII sind Waschtoiletten mit Wasserzu- und abfluß eingerichtet 
worden. Markthalle VIII hat am Eingang von der Krautstraße 
einen neuen Windfangvorbau erhalten, um das Eindringen der Kälte 
zu verhindern: auch in dieser Halle wurden in den Klosetrräumen 
Wascheinrichtungen angebracht. Die sehr glatt gelaufenen Keramo- 
plalten in den Durchgängen der Vorderhäuser in der Kraut- und 
Andreasstratze sind durch Kunstgranitsteine ersetzt worden. An den 
Abflußrohren im Keller der Halle wurden die Reinigungsflansche 
vermehrt und schmiedeeiserne Kasten unter 4 Zapfstellen angelegt. 
Nachdem in dieser Halle noch ein Bedürfnis für Fleischstände ein 
getreten war, ist die letzte Reihe unbesetzter Fischstände abgebrochen 
und dafür aus vorhandenem Material eine Reihe Fleischstände auf 
gestellt worden. In der Markthalle XI wurde dem derzeitigen Gast 
wirte die Herstellung von 2 Kegelbahnen im Keller der Markthalle 
genehmigt, er hat die Anlage unter Kontrolle unserer Bauverwaltung 
auf seine Kosten ausführen lassen und zahlt dafür eine Jahresmiete 
von 500 JC. In der Markthalle XIII ist der große Restaurations 
raum durch Spannen einer Rabitzwand, die mit einer vierflügeligen 
Tür versehen ist, in 2 Räume geteilt worden. In allen Markthallen 
ist im Berichtsjahre 
1. die Einrichtung auf Grund der Polizeiverordnung vom 
30. Januar 1906, betreffend die Verhütung des Rücktritts 
unreiner Flüssigkeiten in die Reinwasserleitung, und 
2. das Schließen sämtlicher Oeffnungen zwischen den Dachsparren 
durch von unten bewegliche Klappen zur Herstellung einer 
besseren Ventilation 
zur Ausführung gekommen. 
In der Markthalle IX wurden die Räume der früheren Fleisch 
untersuchungsstation, und in der Markthalle X 2 Läden als Filialen 
der städtischen Sparkasse eingerichtet. Die baulichen Veränderungen 
sind auf Kosten der städtischen Sparkaffe ausgeführt und.die neu 
hergestellten Räume an diese vermietet worden. 
Eisenbahnverkehr der Anschlußstelle Zentralmarkthalle. 
Die Zufuhren auf dem Markthallenbahnhofe erreichten in diesem 
Jahre die bisher noch nicht dagewesene Höhe von 118494 548 kg, 
also 7 884 676 kg mehr als im Vorjahre. Diese Zunahme ist in 
der Hauptsache auf die größere Zufuhr von ausländischem Obst und 
Weintrauben zurückzuführen. 
Von der Königlichen Güterabfertigungsstelle Zentralmarkthallc 
wurden im Jahre 1907 für die Markthallenverwaltung erhoben und 
an die Stadthauptkasse abgeliefert: 
an Bahnhofsgebühren 470 900,5» JC, 
- Lagergeld 2 051,«5 » 
- Wiegegeld 44,40 - 
zusammen 172 996,65 JC, 
gegen das Vorjahr, in welchem 157 499,is JC abgeliefert wurden also 
mehr 15 497,40 JC. Diese Mehreinnahme fällt nicht allein auf die 
Zunahme der Zufuhren, sondern es gingen auch mehr Bahngebühren 
ein, die von nicht empfangsberechtigten Händlern erhoben wurden. 
So sind in diesem Jahre dem Bahnhöfe 242 Waggons, gegen 129 
im Vorjahre, zugeführt worden, für welche die höhere Bahngebühr 
von 24 JC pro Waggon gezahlt werden mußte. Bemerkt wird hierzu, 
daß verschiedene Firmen, die in der Nähe der Zentralmarkthallen 
einen schwunghaften Handel mit ausländischem Obst und Gemüse 
betreiben, einen Stand in der Zentralmarkthalle aber nicht haben, 
einen großen Teil ihrer Ware bei empfangsberechtigten Standinhabern 
beiladen lassen, wofür ebenfalls die höhere Bahngebühr entrichtet 
werden muß. Diese Beiladungen nehmen immer mehr zu: in den 
Monaten Juli/September gingen rund 2 500 JC mehr derartige 
Gebühren ein, als in den gleichen Monaten des Vorjahres. 
Für Wagenladungen gingen ein 5 808,oo JC, 
für Stückgut und Beiladungen 8 573,oo - 
zusammen 14 881,oo JC. 
Diese von nicht empfangsberechtigten Händlern erhobenen Bahn 
gebühren erreichten im vorigen Jahre nur die Höhe von 8 825,76 JC 
und sind in der vorangeführten Summe mit enthalten. 
Eine genaue Uebersicht über die Ein- und Ausfuhr auf dem 
Markthallenanschlußbahnhose und über die Einnahmen und Ausgaben 
geben wir auf Seite 8 dieses Berichts. 
Personalien. ' 
An Stelle des verstorbenen Stadtrat Schaefer, der seit dem 
8. September 1894 Vorsitzender der städtischen Markthallendeputation 
war, ist der Stadlrat Venzky in die Markthallendeputation ein 
getreten und durch Verfügung des Oberbürgermeisters mit dem 
Vorsitz dieser Deputation betraul worden. Der frühere Stadt 
verordnetenvorsteherstellvertreter Michelei ist aus der Markthallen» 
deputation ausgeschieden und durch den Stadloerordneten Lindau 
ersetzt worden. Der städtische Verkaufsvermittler Richarz ist ge- 
starben. Das Vertragsverhältnis wurde mit der Witwe des Ver 
storbenen bis zum 31. März 1908 fortgesetzt und Herr Riesen als 
Geschäftsvertreter bis dahin anerkannt. Demnächst wurde die Stelle 
öffentlich ausgeschrieben und in der Sitzung der Markthallendeputation 
am 18. Februar 1908 der Kaufmann Riesen als städtischer Verkaufs- 
Vermittler auf die Dauer eines Jahres gewählt. 
Kehrichtabfuhr. 
Auch in diesem Berichtsjahre ist die Abfuhr des Kehrichts dem 
Abfuhrunternehmer Berndl, der schon viele Jahre hindurch die 
Abfuhr zur Zufriedenheit der Verwaltung ausgeführt hatte, gegen 
eine Entschädigung von 29 000 JC übertragen worden. Der ab- 
geschloffene Vertrag wurde unter den bisherigen Bedingungen bis 
zum 31. März 1908 verlängert. 
Verschiedenes. 
1. Kühlanlagen. Mil dem Bau der Kühlanlage in der Markt 
halle IX iEisenbahnstraße) ist anfangs Dezember v. Js. begonnen 
worden, die Fertigstellung erfolgte Ende März d. Js., sodaß am 
11. April d. Js. diese Kühlräume in Benutzung genommen werden 
konnten. Die Anlage besteht aus 3 von einander völlig abgelrenmen 
Kühlräumen mit zusammen 58 Kühlzellen, die eine besetzbare Fläche 
von 169,4 gm haben: die Größen der einzelnen Zellen schwanken 
zwischen 1,5 und 5,8 qm. Die Kühlräume sind zweckentsprechend ein 
gerichtet, sie haben sich gut bewährt; die Interessenten sind zufrieden 
gestellt. Im Abonnement waren vergeben: 
April 1908 25 Zellen mit 59,i qm 301,02 JC, 
Mai - 35 » 93,i » 765,57 » 
Juni - 36 - - 97.3 » 873,34 - 
Juli » 36 • « 88,6 - . 792,20 • 
zusammen 2 732,13 JC
	        
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