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Volume No. 37. Bericht über das städtische Straßenreinigungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

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Nr. 37. Straßenreinigung. 
jahres um 5 086 gm vermehrt. Zur Zeit sind etwa 6 104 884 gm 
besten Straßenpflasters im Stadtgebiet vorhanden. 
Selbstverständlich verringert sich die Fläche des noch vorhandenen 
alten schlechten Steinpflasters in demselben Maße wie das gute Pflaster 
zunimmt: das erstere ist fast nur noch in den weniger verkehrsreichen 
älteren Nebenstraßen vorhanden. 
3. Arbeiterpersonal. 
Aus der steten Vergrößerung des Arbeitsgebietes ergibt sich wohl, 
daß auch die Zahl der Arbeiter stetig vermehrt werden mußte, doch 
ist in dem Berichtsjahr mit Rücksicht auf die Einführung neuer 
Maschinen eine Vermehrung nicht vorgenommen. 
Im Rechnungsjahre 1907 waren im eigentlichen Reinigungs 
betriebe vorhanden: 
rund 133 Vorarbeiter, 
- 1 414 Arbeiter, 
- 509 Arbeitsburschen. 
Summe rund 2 056 ständige Arbeitskräfte. 
Hierzu treten noch: 
13 Handwerker und 
2 Arbeiter im Hauptdepot, 
94 Wärterinnen in den Abortanstalten und 
1 Aufseher auf dem Abladeplatz in Spreenhagen. 
Ein Vergleich der Kopfzahl der ständigen Arbeiter mit der zu 
reinigenden Straßenfläche ergibt, daß auf jeden Kopf entfallen: 
a) von der Gesamtfläche des Straßengebiets etwa 5169 gm, 
d) von der Fahrdammfläche etwa 3 182 gm, 
o) von der täglich zu reinigenden Straßenfläche etwa 3 362 gm. 
Im Verhältnis des vorhandenen Asphallpflasters zu der Kopfzahl 
der Arbeitsburschen entfallen auf jeden Arbeitsburschen durchschnittlich 
5 405 gm Asphalt. 
4. Lohnverhältnisse. 
Die Mannschaften der Straßenreinigung werden nach folgenden 
Lohnsätzen gelöhnt: 
Arbeitsburschen: Anfangstagelohn 2 JC, nach 2 Jahren täglich 
2,25 JC; 
Arbeiter: Ansangstagelohn 3,75 JC, nach 3 Jahren täglich 4 JC, 
nach 6 Jahren 4,25 JC, nach 9 Jahren 4,so JC\ 
Vorarbeiter: Anfangstagelohn 4,76 JC, nach 3 Jahren 5 JC. 
Ferner erhalten: 
Motorfahrer: täglich 5 JC\ 
Handwerker: Anfangstagelohn i,50 JC, nach 3 Jahren 4,75^, 
nach 6 Jahren 5 JC. 
Arbeiter im Hauptdepot werden gelöhnt wie Straßenreinigungs 
arbeiter. 
Die Lohnzulagen werden, wenn die Einstellung bezw. Beförderung 
an einem Monatsersten erfolgt, von diesem Tage ab, sonst vom ersten 
des folgenden Monats ab gewährt Arbeitern k., welche nach Er 
füllung der militärischen Dienstpflicht alsbald wieder eintreten, wird 
bei Gewährung der Lohnzulagen die vor dem Militärdienst im 
Straßenreinigungsbetriebe als Arbeiter zugebrachte Zeit mitgerechnet. 
Die gewöhnliche Arbeitsdauer bei dem Nachtbetriebe beträgt 
8 Stunden, bei dem Tagesbetriebe für Arbeiter und Arbcitsburschen 
9 Stunden, bei ungünstiger Witterung und wenn die Verhältnisse es 
sonst notwendig erscheinen lassen, auch etwas mehr. Die Erholungs- 
und Ersrischungszeiten sind in den vorbezeichneien 8 bezw. 9 Stunden 
nicht enthalten. Die Angaben beziehen sich mithin nur auf wirkliche 
Arbeitszeit. Ueberstunden werden mit je 0,5v JC für Arbeiter und je 
0,»o JC für Burschen besonders vergütet, wenn nach dem Ermeffen der 
Direktion außergewöhnliche größere Arbeiten nötig waren. Die 
Wärterinnen der städtischen Abortanstalten, Abschnitt 3, beziehen täglich 
1,5o JC Lohn. 
An Bekleidungsstücken werden nach Bedarf gewährt: 
a) den Aufsehern und Hilfsaufsehern jährlich eine Tuchhose und 
eine Mütze zum Preise von zusammen 16—17 JC, außerdem 
alle zwei Jahre Ueberzieher, Ueberrock, Litewka, Binde, Tuch- 
(Stiefel-) Hose und Drillichhose, zum Preise von zusammen 
etwa 110 JC und endlich etwa von 3 zu 3 Jahren ein Regenrock 
zum Preise von 24 JC\ 
b) den Arbeitern alle 8 Monate Drillichrock, Drillichhose, Tuch 
mütze, Halsbinde und alle 12 Monate ein Gummikragen, und 
für die Wintermonate eine Hose aus englischem Leder, zum 
Preise von zusammen rund 28 JC jährlich: 
c) den Arbeitsburschen alle 6 Monate Drillichbluse, Drillichhose, 
Tuchmütze, Halsbinde und alle 12 Monate ein Gummikragen, 
und für die Wintermonate eine Hose aus englischem Leder, 
zum Preise von zusammen rund 31 JC jährlich. 
Zur Löhnung der ständigen Arbeiter und Arbeitsburschen stellte 
der Etat während unseres Berichtsjahres 2 784 656 JC zur Verfügung. 
Hiervon find 2 767135,ss JC ausgegeben, so daß ein Rest von 
17 520,57 JC geblieben ist. Diese Ersparnis ist dadurch begründet, 
daß bei dem zahlreichen Personal auch zahlreiche Fehltage und Fehl- 
wochen im Laufe eines Jahres vorkommen, für die ein Lohnbetrag 
nicht verausgabt wird. 
Auch wird in Fällen der Erkrankung des Personals nicht immer 
sofort Ersatz eingestellt, sondern erst dann, wenn in einem Bezirke 
mehrere Arbeiter gleichzeitig zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit 
voraussichtlich auf längere Zeit den Dienst versäumen müssen, und 
daher die hierdurch entstehenden Mehrleistungen von den übrigen 
Arbeitern nicht mehr ordnungsmäßig bewältigt werden können. 
Schließlich möge hier nicht unerwähnt bleiben, daß in Krankheits 
fällen sämtlichen städtischen Arbeitern, also auch den bei der Straßen 
reinigungsverwaltung erkrankten Arbeitern, welche länger als ein Jahr 
im städtischen Dienste sich befinden, der Lohn nach Abzug des Kranken 
geldes für einen Zeitraum von 6 Wochen zu gewähren ist. Diese 
Vorschrift bildet die allgemeine Regel: Abweichungen nach der Richtung 
einer Einschränkung der Zeitdauer dürfen nicht stattfinden. Dagegen 
kann eine mehr als sechswöchige Fortzahlung des Lohnes in denjenigen 
Fällen erfolgen, in welchen die Erkrankung des Arbeiters in ursäch 
lichem Zusammenhange mit seiner Dienstverrichtung steht. 
5. Arbeitsleistungen. 
Die gewöhnliche Arbeitsdaucr und die Art der Verteilung der 
verschiedenartigen Arbeitsleistungen na» besonderen Kommandierrollen 
ist im Berichtsjahre insofern verändert worden, als für das Aus 
baggern der Straßengullies ständige Arbeilskolonnen eingerichtet sind. 
Auch im Geschäftsjahr 1907 war eine achtstündige Arbeitszeit für das 
Arbeitspersonal Regel. 
6. Unterstützungen. 
Im Berichtsjahre sind infolge dauernder Dienstunfähigkeit aus 
dem Betriebe der Straßenreinigung mit Ruhegeld ausgeschieden 7 Vor 
arbeiter und 17 Arbeiter; Witwen- und Waisengeld ist in 5 Fällen 
an Hinterbliebene im Rechnungsjahr 1907 verstorbener Angehöriger 
und ehemaliger Angehöriger des diesseitigen Arbeitspersonals bewilligt 
worden. 
Außerdem wurden im Berichtsjahre 38 Unterstützungen im Ge 
samtbeträge von 1 980 JC gezahlt. 
7. Fürsorge für das Arbeitspersonal in sozialpolitischer Hinsicht. 
Die gesetzlichen Bestimmungen für die Kranken-, Alters-, In- 
validen- und Unfallversicherungen sind nicht verändert worden. 
Im abgelaufenen Geschäftsjahre der Betriebskrankenkaffe (dem 
Kalenderjahre 1907) betrug die Gesamtheit der Krankentage 24 728 
gegen 19 454 des Vorjahres, und zwar in 1 471 Erkrankungsfällen 
gegen 1268 des Vorjahres. Ende 1906 gehörten 2095 Mitglieder 
der Kasse an, am Schluffe des Geschäftsjahres 1907 : 2 191 Köpfe, 
also 96 Köpfe mehr. 
Die reichsgesetzlichen Bestimmungen über die Unfallversicherung 
haben zwar auch für die im Betriebe der Straßenreinigung beschäftigten 
Arbeiter usw. Gültigkeit Bezüge auf gründ dieses Gesetzes gelangen' 
indessen nur in verhältnismäßig wenig Fällen zur Anweisung, da 
in der Regel die Betriebsunfälle nur unbedeutende Verletzungen zur 
Folge haben, welche bereits vor Beginn der Unterstützungspflicht durch 
die Berufsgenosscnschaft behoben sind, doch bewirkt die Zunahme der 
Kraftfahrzeuge eine verhältnismäßig rasche Steigerung des Prozent- 
satzes an Unfällen. Im Berichtsjahre sind im ganzen 68 Unfälle zur 
Anzeige gebracht und an 39 Verletzte Unfallrente gezahlt (gegen 28 
im Vorjahr). 
8. Gratifikation. 
Geldgeschenke zur Belohnung für eine einwandsfteie 25 jährige 
Dienstzeit sind auch im Berichtsjahre wiederum nach den bisherigen 
Sätzen, welche sich für Vorarbeiter auf 90 JC und für Arbeiter auf 
75 JC beliefen, zur Zahlung angewiesen, und zwar an 4 Arbeiter. 
9. Arbeitsgeräte und Materialien. 
Geräte und Materialien sind zum größten Teile von Fabruantenusw- 
bezogen worden, mit denen nach vorausgegangener öffentlicher oder 
beschränkter Ausschreibung Lieferungsverträge abgeschloffen worden 
sind. Minderwertige Lieferungen und Leistungen sind nach vorheriger 
Vereinbarung der Preise von der Direktion mit Zustimmung einer 
aus 3 Mitgliedern der Deputation gebildeten Kommission freihändig 
vergeben. Vereinzelte geringfügige Gegenstände sind schließlich auch 
in diesem Berichtsjahre wieder von der Direktion freihändig beschafft. 
Verausgabt sind im Rechnungsjahre 1907 für Geräte und Werk 
zeuge einschließlich deren Unterhaltung rund 162 290 JC und für 
Materialien rund 115 070 JC. Beschafft sind im Betriebsjahre an 
Geräten: 
40 942 Piaflavabesen, 
1532 Piaffavawalzen, 
100 breite Stoßeisen, 
— Schaufeln, 
— flache Schippen, 
6 761 Stiele aller Art, 
8 103 m Hanfschlauch, 
2 604 Gummikratzen, 
96 Gießkannen, 
336 Klosettbürsten, 
105 Pissoirreinigungsbürsten, 
12 673 kg präpariertes Del,
	        
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