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Volume No. 23. Bericht über die Verwaltung des Arbeitshauses und des Arbeitshaushospitals in Rummelsburg

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

Nr. 23. Arbeitshaus Verwaltung. 
o 
1898 . 
. . . 60 ,,, 
1903 
. . . 40 
1899 . 
. . . 53 - 
1904 . 
. . . 39 - 
1900 . 
. . . 66 - 
1906 
. . . 40 - 
1901 . 
. . .56 • 
1906 
. . . 62 - 
1902 . 
. . . 47 - 
1907 
. . . 56 - 
Die für den 
Arbeitsbetrieb 
getroffenen 
Verfügungen und Ver- 
nbarungen sind im großen und ganzen beständig. Für die unter 2 
bis 7 und 9 aufgeführten an Verdienste höheren Arbeiten muß im 
allgemeinen alle Jahre dieselbe Zahl von Arbeitskräften bereit ge 
halten werden. Die übrigen entbehrlichen Korrigenden werden auf 
die Rieselfelder geschickt. 
Neben Arbeitslohn werden noch pro Mann und Tag 10 ^ 
Ueberverdienst eingezogen, bei den Beamtenarbeiten außerdem noch 
5 ^ für Hergäbe der Arbeitsgeräte. 
Zu 14 bis 20. Ein besonderer Arbeitslohn wird bei diesen für 
die verschiedenen häuslichen Bedürfnisse der eigenen Verwaltung ver 
richteten Arbeiten nicht eingezogen. Zur Berechnung des Wertes dieser 
Arbeitsleistungen ist daher der unter I ermittelte Durchschnittssatz von 
56 4 für den Kopf und Arbeitstag schätzungsweise in Anrechnung 
gebracht wordeu. 
Die als ein Teil des Arbeitsverdienstes der Häuslinge diesen 
gutgeschriebene Arbeitsprämie (Ueberverdienst) hat den Zweck, die 
Arbeitsfreudigkeit der Korrigenden während der Haft zu erwecken 
und zu stärken und ihnen für die erste Zeit nach der Entlastung die 
nötigsten Mittel zum Lebensunterhalt während der Aufsuchung eines 
Unterkommens zu gewähren. Nach der für die Verwaltungen von 
Gefängnissen und Besserungsanstalten geltenden Grundsätzen steht den 
Korrigenden ein rechtlicher Anspruch auf die Arbeitsprämie nicht zu, 
sie wird für dieselben aufbewahrt und geht in ihr Eigentum erst init 
der Aushändigung über. Während der Haft kann ihnen auf ihren 
Antrag ein Teil der Prämie, und zwar bis zur Hälfte zum Ankauf 
von Zusatznahrungsmitteln überwiesen werden. Gegen ihren Willen 
kann die Arbeitsprämie als Disziplinarstrafe oder als Ersatz für 
böswillig oder mutwillig an Anstaltseigentum angerichteten Schaden 
oder, wenn sie aus der Anstalt entwichen sind, eingezogen werden. 
Die Höhe des Ueberverdicnstes bei den Männern beträgt meist 
10 ^ für den Arbeitstag, für einige geringe Arbeiten dagegen 5 und 
Z ji, bei den Weibern gleichfalls unter Berücksichtigung der Arbeils- 
schwierigkeit 6, 5 und 3 Im Filialhospital erhalten die dorthin 
zu Reinigungsarbeiten geschickten männlichen Korrigenden 15 ^ 
Ueberverdienst pro Tag. 
Einer besonderen Ueberverdienstkasse liegt die Gutschreibung. Auf 
bewahrung und Auszahlung der Arbeitsprämie ob. 
Der Jahresabschluß der Ueberverdienstkaste weist nach: 
Am Beginn des Berichtsjahres einen Bestand von . . 26 384,7« Jt 
Hierzu Einnahme 47 356,bi - 
Dagegen Ausgabe 49811,08 « 
Ani Schluß einen Bestand von 28 930,18^5- 
Die Einnahmen und Ausgaben verteilen sich folgendermaßen: 
Einnahme. 
a, Aus den Arbeitslistei^ sich ergebende Ueberverdienstbeträge: 
1. von den Arbeitgebern außer dem Arbeilsverdienst gezahlt: 
für Arbeiten auf den Rieselfeldern .... 24 763,70^5. 
für sonstige Arbeiten außerhalb der Anstalt . 548,17 - 
- - - innerhalb - - . 923,78 - 
Arbeiten für Beamte des Arbeitshauses . . 538,48 - 
2. von der Arbeitshausverwaltung aus eigenen 
Mitteln gewährt: 
für die übrigen in der Hauptanstalt be 
schäftigten Häuslinge 12 206,27 - 
— außerdem sind Extrazulagen (Schmalz, 
Wurst, Eier, Heringe) im Werte von 
204 Jt gegeben worden — 
für die in der Arbeitshausbäckerei beschäftigten 
Häuslinge 324,oo - 
für die in der eigenen Landwirtschaft Beschäftigten 93,io - 
Summe des während der Hast gutgeschriebenen 
Ueberverdienstes 39 397,bo^5. 
b) ferner Beträge, die aus Gefangenenanstalten bei der 
Einlieferung oder sonst von Behörden und anderen 
Personen zur Gutschreibung für Häuslinge ein- 
gegangen sind 7 959,oi^5, 
Summe der Einnahme 47 366,bi Jt 
Ausgabe. 
a) Zum Ankauf von Zusatzverpflegung 11 271,24^5, 
b) zu Briefporto, Bestellgeld 57,io - 
c) für erbetene Neuausfertigung von Militärpapieren 
und für Pässe 110,97 - 
d) für erbetene Einlösung oder Verlängerung des Ein 
lösungsrechts verpfändeter Sachen 0,75 - 
e) aus dem Ueberverdienst eingezogenen Transport 
kosten 392,69 - 
f) zum Ersatz des Wertes von böswillig oder aus 
Unachtsamkeit ganz oder teilweise vernichteten oder 
in Verlust gebrachten Sachen 2 693,31 - 
g) für angekaufte Kleidungsstücke, Leibwäsche, Schuh- 
werk behufs Ausstattung bei der Entlastung . . 3 913,80 - 
h) Beträge, die an Behörden zur Auszahlung an ent- 
laffene Häuslinge abgeliefert sind ...... 1 71l,os - 
i) Beträge, die bei der Entlassung an die Häuslinge 
ausgezahlt sind 29 660,63 - 
Summe der Ausgabe 49 811,08.45. 
Im einzelnen Fällen z. B. wenn wegen andauernder Krankheit 
nur ein geringer Ueberverdienst gutgeschrieben war. oder zur Be- 
lohnung für besonderen Fleiß bei tadelfreier Führung, können ferner 
aus Mitteln, die für diesen Zweck ausgeworfen sind, Unterstützungen 
bei der Entlassung gewährt werden. In dieser Weise wurden an 
88 Personen 449,88 JC gegeben. 
Außerdem sind noch vielen Entlassenen Kleidungsstücke, Leib 
wäsche oder Schuhwerk, unemgelllich verabfolgi werden. 
4. Seelsorge. 
Für die evangelischen Häuslinge und. Hospitaliten wurde an 
Sonn- und Feiertagen, am Weihnachtsheiligenabend und Sylvester 
in der Anstaltskirche von dem Anstaltsgeistlichen Gottesdienst ab 
gehalten. Die Gottesdienste für die Häuslinge in Malchow und 
Wartenberg wurden von dem Ortsgeistlichen dortselbst auf Grund 
vokationsmäßiger Verpflichtung wahrgenommen. Auf den übrigen 
Arbeitskommandos fanden Gottesdienste alle 3 Wochen und an den 
hohen Festtagen statt. 
Abendmahlsfeiern wurden in der Hauptanstalt ca. alle 6 Wochen 
sowohl in der Kirche für die Gesunden als auch auf den Stationen 
für die Kranken veranstaltet. Vor jeder Feier wurde mit den ein 
zelnen Kommunikanten eine vorbereiiende Besprechung gehalten. In 
den Baracken auf den Rieselfeldern wurde alle Vierteljahre nach vor 
heriger Umfrage Abendmahl gefeiert. 
Für jeden Verstorbenen wurden in der würdig ausgestatteten 
Leichenhalle der Anstalt unter Beteiligung von Häuslingen bezw. 
Hospitaliten, oft auch von Angehörigen der Verstorbenen Trauerfeiern 
gehalten. 
Die katholischen gottesdienstlichen Handlungen in der Hauptanstalt 
und in den Häuslingsboracken, in denen ausschließlich, wie in Blanken 
burg, oder zum Teil Häuslinge katholischen Glaubens untergebracht 
waren, wurden durch einen katholischen Geistlichen wahrgenommen. 
In der Anstaltskirche wurde monatlich einmal Gottesdienst für säint- 
liche katholische Insassen gehalten, vierteljährlich einmal Gelegenheit 
zur Beicbte gegeben und ebenso oft die in Frage kommenden Häus- 
lingskommandos besucht. 
Die Häuslinge und Hospitaliten jüdischen Glaubens, von denen 
die ersteren an den Sabbathen und Fasten zur Arbeit nicht gezwungen 
werden, erhielten jüdische Gebetbücher und an den hohen Festtagen 
von der jüdischen Gemeinde zu Berlin ebenfalls Gebetbücher und 
rituelle Speisen. 
Auch die Anstaltsbibliothek dient dem ernsten Zwecke, den die 
Arbeitshausverwaltung zu verfolgen hat, indem sie die ihrer Ver 
wahrung und Beaufsichtigung übergebenen Anstaltsinsassen wieder zu 
nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft umzubilden bemüht ist. Das 
erziehliche Moment, welches sich aus der Benutzung ihrer Schrift er- 
gibt, ist nicht gering zu veranschlagen. Die Verwallung hat das eifrige 
Bestreben, durch Darreichung von Büchern, teils allgemein unter 
haltenden, teils belehrenden und edlen, über das Alltägliche erhebenden 
Inhalts, bei einer wohltuenden Abwechslung und unter Berücksichti 
gung der verschiedenen Individualitäten und des Bildungsgrades des 
einzelnen, in den Anstaltsinsassen während der Mußestunden Anregung 
zu erwecken, von denen man hoffen kann. daß sie die Mühen ' und 
Ausgaben belohnen und ersprießlich wirken werden. Die Bücher, 
sowie die regelmäßig zur Verteilung gelangenden Sonntagsblätter 
werden gern gelesen. Sämtlichen Insassen ohne Ausnahme ist die 
Bibliothek zugänglich. Im Verwaltungsjahr sind für 499,so Jt neue 
Bücher angeschafft worden.
	        
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