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Volume No. 19. Bericht der Deputation für die städtische Irrenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

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Nr. 19. Städtische Jrrenpflege. 
der besonderen Entwürfe, sowie demnächst die Ausführung der Bau- 
arbeiten wird nunmehr mit tunlichster Beschleunigung betrieben werden. 
Die Verwaltungen der städtischen Irrenanstalten sind befugt, 
bauliche Reparaluren bei den Anstalten, auch wenn sie nicht allein 
durch Anstaltskräfte ausgesührt werden können, ohne Rücksicht auf 
die Höhe der Kosten ohne Zuziehung der Bauverwaltnng selbständig 
bewirken zu dürfen. Diese Ermächtigung hat zu Mißverständnissen 
Veranlaffung gegeben. Wir haben deshalb angeordnet, daß für die 
Folge sämtliche bauliche Reparaturen und Ergänzungsarbeiten bei den 
Anstalten, soweit sie nicht in Krankenräumen unter Mitwirkung der 
Anstaltshandwerker auszuführen sind. nur unter Zuziehung der 
zuständigen Stadtbauinspeklion, des Heizingenieurs und des Stadt 
elektrikers in Auftrag gegeben werden dürfen, und daß die Rechnungen 
von einer der angeführten Stellen in den Preisen festgestellt sein müssen. 
Die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken haben im Gemeinde 
bezirk Wittenau ein größeres, in der Nähe der Irrenanstalt Dalldorf 
liegendes Grundstück erworben und beabsichtigen, dort Versuchsstationen 
und Schießhallen zu errichten. Wir befürchten hierdurch erhebliche 
Störungen für die Anstalt und haben deshalb gegen die Anlage 
Einspruch erhoben. Der Amtsvorsteher in Wittenau hat aber in der 
sicheren Ueberzeugung, daß eine Beeinträchtigung der berechtigten 
Jntereflen der Irrenanstalt durch die Errichtung der Schießhallen 
ausgeschlossen ist, den Baukonsens erteilt. Eine hiergegen beim 
Landrat eingelegte Beschwerde blieb ohne Erfolg. Zur Verhinderung 
einer Kommunikation der in den Fabrikanlagen beschäftigten Personen 
mit den Anstaltsinsassen, sowie in der Voraussetzung, daß in der Nähe 
der Anstaltsgrenze Familienwohnhäuser werden errichtet werden, 
haben wir zunächst das ganze Anstaltsgrundstück gegen das Fabrik 
grundstück durch einen Drahtgittcrzaun abgeschlossen. Weitere Störungen 
des Anstaltsbelriebes sind dadurch zu befürchten, daß für die Gemeinde 
Wittenau ein Bebauungsplan ausgearbeitet wird, der auch das nicht 
nnmittelbar Anstaltszwecken dienende städtische Gelände einschließt 
und Straßenzüge an der Anstaltsgrenze vorsteht. Es bleibt abzuwarten, 
ob und welche Unzuträglichkeiten sich aus diesen Veränderungen für 
den Anstaltsbetrieb ergeben werden. 
Um für das Erziehungshaus in Lichtenberg eine direkte Zufahrt 
an der Kriemhildstraße in Lichtenberg zu beschaffen, ist mit dem Ritter- 
gutsbesitzer Roeder ein Tauschvertrag abgeschlossen worden, dergestalt, 
daß die Stadtgemeinde für das Erziehungshaus einen Gelände- 
streifen gegen den Gemeindeftiedhof hin erhält, wogegen Roeder 
ein Streifen südlich der Anstalt und außerdem ein Trennstück der 
Irrenanstalt Herzberge zur Verlegung seines Anschlußgeleises gegen 
Rückgewähr des jetzt für das Anschlußgeleise benutzten Geländestreifens 
zwischen der Irrenanstalt und dem Erziehungshause überwiesen wird. 
Das Grundstück der Irrenanstalt wird dadurch nicht wesentlich ver 
kleinert; das abgetretene Gelände wurde hauptsächlich als Ackerland 
genutzt. 
Bei der Irrenanstalt Herzberge besteht ein Mangel an geeigneten 
Assistenzarztwohnungcn, der uns veranlaßt hat, den Umbau eines 
Landhauses bei den Gemeindebehörden zu beantragen. Durch den 
Umbau werden 5 allen Anforderungen genügende Assistenzarzt- 
Wohnungen und außerdem ein geräumiges Aerztekasino nebst Lese 
zimmer ' geschaffen. Die dann freiwerdenden jetzigen Assistenzarzt- 
Wohnungen in den Krankenhäusern sollen zur Unterbringung des 
Nachtpflegepersonals Verwenduug finden. 
In dem geschlossenen Männerlandhause der Anstalt Wuhlgarten 
befindet sich noch eine Familienwohnung für einen Oberpfleger. 
Diese Anordnung widerspricht schon im Allgemeinen dem Anstalts 
interesse, bei einem festen Hause besonders Äer noch deshalb, weil 
die Familienglieder Schlüffcl zu der verschlossen zu haltenden Haus 
tür führen müssen, und außerdem, weil die Feuersicherheit des Hauses 
durch die Feuerstellen in der Wohnung vermindert wird. Familien- 
Wohnungen fehlen bei der Anstalt ferner für einen bei den Land 
häusern beschäftigten Oberpfleger, sowie für einen Hilfspförtner und 
den Stadtboten. Auf unseren Antrag haben die Gemeindebehörden 
deshalb beschlossen, bei der Anstalt ein Vierfamilienhaus zu errichten. 
Die Kosten sind auf 71000 Jt veranschlagt und durch den Etat für 
1908 zur Verfügung gestellt. 
Berlin, den 13. Januar 1909. 
Deputation für die städtische Jrrenpflege. 
Straßmann.
	        
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