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Volume No. 15. Bericht der städtischen Stiftungsdeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

Nr. 15. Stiftungsdeputation. 
3 
§ 3. 
Zu wohltätigen Zwecken und unter der Bezeichnung „Moritz 
Salomon'sche Stiftung" vermache ich: 
1. Dreißigtausend Mark der Stadt Berlin. Die Zinsen dieses 
Kapitals sollen jährlich am 18. Oktober als dem Geburtstage Kaiser 
Friedrichs (NB. auch dem ersten Deutschlands) von dem jeweiligen 
Herrn Stadtverordnetenvorsteher nach seinem Ermessen in Beträgen 
von nicht unter Hundert und nicht über Zweihundert Mark vergeben 
werden. Die Empfänger brauchen nicht gerade Arme, sondern können 
auch Personen sein, die in kümmerlichen Verhältnissen leben. Eine 
Rechenschaft ist darüber nicht abzulegen, allenfalls kann der Herr 
Vorsteher bei der nächsten Sitzung den Stadtverordneten mitteilen, 
wieviel Personen und mit welchen Beträgen bedacht worden sind. 
Doch steht auch das in seinem Belieben. 
Die landesherrliche Genehmigung ist erteilt. 
9. Das zu Berlin, Auguststraße 30, wohnhafte Fräulein 
Therese Goetze hat znm Zwecke der Begründung einer Hugo und 
Therese Goetzestiftung nachstehende Erklärungen zum notariellen Protokoll 
abgegeben: 
I. Am 23. März 1908. 
8 1. 
Ich übereigne ein Kapital von fünfzigtausend Mark der Stadt 
gemeinde Berlin mit der Bestimmung, daß mit diesem Kapital ein 
im Vermögen der Stadtgemeinde verbleibender Spezialfonds geschaffen 
werden soll, aus welchem nach meinem Tode junge, in der Praxis 
stehende Leute zu ihrer theoretischen Weiterbildung als Werkmeister 
usw. unterstützt werden sollen. 
Die Unterstützungen sollen nur aus den Zinsen des Kapitals 
genommen werden, das Kapital bleibt unantastbar. 
8 2. 
Der Fonds soll den Namen führen: Hugo und Therese Goetze- 
ftiftung. 
8 3. 
Zweck der Stiftung ist, bedürftigen jungen Leuten der technischen 
Gewerbe, welche in der Praxis ausreichend gearbeitet haben, aus den 
Zinsen die Mittel zu ihrer theoretischen Weiterbildung als Werkmeister, 
Techniker oder für ähnliche Stellungen zu gewähren. 
Es können bis zur Dauer von 3 Jahren entweder Beihilfen 
oder die zum notwendigen Lebensunterhalt völlig ausreichenden Mittel 
bewilligt werden. 
8 4. 
Das Vermögen der Stiftung besteht aus fünfzigtausend Mark. 
Dieses Kapital ist zur ersten Stelle für die Stadtgcmeinde Berlin 
auf die Grundstücke Auguststraße 30/31 und Gipsstraße 33 einzutragen. 
Diese Hypothek ist zinsfrei, solange ich am Leben bin und die Grund 
stücke in meinem Besitz bleiben, nach meinem Tode oder wenn ich 
das Grundstück veräußere, soll das Kapital mit 4 pCt. verzinst werden. 
Die Hypothek soll erst zehn Jahre nach meinem Tode zum 
nächsten Vierteljahresersten kündbar sein. Nach Rückzahlung der 
Hypothek hat die Anlage des Kapitals mündelsicher zu erfolgen. 
8 5. 
Ich behalte mir, solange ich lebe, den Nießbrauch des Kapitals 
vor, erst nach meinem Tode soll die Stiftung in Wirksamkeit treten. 
‘8 6. 
Die Verwaltung der Stiftung führt die Siädtiiche Stiftungs- 
deputation, oder diejenige Stelle, welche etwa mit der Verwaltung 
des städtischen Stiftungsvermögens betraut werden sollte. Außer 
dem soll ein von mir zu ernennender Herr bis zu seiuem Ableben 
oder bis er sein Amt freiwillig niederlegt in der Verwaltung Sitz 
und Stimme haben. 
8 7. 
Berechtigt zum Bezüge der Stiftungswohltaten sind solche jungen 
Leute, welche bedürftig sind und von ihren Lehrherren und Meistern 
ein Zeugnis darüber vorweisen, oder anderweitig nachweisen können, 
daß sie in der Praxis sich bewährt haben und tüchtig und fleißig 
gewesen sind. Bevorzugt sollen werden: 
») solche jungen Leute, die mit mir und meinem verstorbenen 
Bruder Hugo Götze verwandt sind: 
b) solche jungen Leute, deren Vater die Maschinenbauunterrlchts- 
anstatt von Hugo Götze, früher von vr. Emil Paul Böhme, 
besucht haben. 
8 8. 
Die entstehenden Kosten und der Betrag der Erbschaftssteuer ist 
aus meinem Nachlaß zu decken, so daß eine Verteilung nach Eingang 
der ersten Hypothekenzinsen erfolgen kann. 
ßll. Am selben Tage. 
pp. 
Ich verpflichte mich nun hiermit, nach erfolgter Genehmigung 
dieser Stiftung seitens der Stadtverordnetenversammlung des hiesigen 
Magistrats und des Fiskus das Stiftungskapital von 50 000 Jt zur 
zweiten Stelle für die Stadtgemeinde Berlin auf meines Hierselbst, 
Auguststraße 30/31 und Gipsstraße 33 belegenen Grundstücke als 
Hypothek im Grundbuch eintragen zu lassen und solches zu beantragen. 
Diese Hypothek ist zinsfrei, so lange ich am Leben bin und die 
Grundstücke in meinem Besitz bleiben, nach meinem Tode, oder wenn 
ich die Grundstücke veräußere, soll das Kapital mit 4 pEt. verzinst 
werden. 
Die Hypothek soll erst 10 Jahre nach meinem Tode zum nächsten 
Vierteljahrsersten kündbar sein. 
Die landesherrliche Genehmigung ist nach erfolgter Zustimmung 
der Stadtverordnetenversammlung beantragt worden. 
B. Zuwendungen bis zu 5 OOO Jt., 
die der landesherrlichen Genehmigung nicht bedürfen (bezw. solche zur 
' sofortigen Verteilung, die derselben gleichfalls nicht bedürfen). 
1. Der Stadtverordnete vr. Leo Arons schenkte für einen bestimmten 
Empfänger IM Jt am 27. Juni 1907. 
2. Der Königliche Rittmeister a. D. Carl Adolf v. Eynern hat 
durch Testament vom 24. März 1903 5 000 Jt den Armen der 
Stadt Berlin vermacht. 
3. Der Handelsrichter Julius Martin Friedlaender hat am 
31. Januar 1907 letztwillig 2 500 Jt für die Armenverwaltung 
vermacht. 
4. Der Rentner Moritz Goldstein hat am 8. Mai 1907 letzt- 
willig je 250 Jt für die jüdischen und christlichen Armen hinter 
lassen. 
5. Zum Andenken an den verstorbenen ehemaligen Stadtverord 
neten Moritz Heilmann haben seine Geschwister den Armen 
10M Jt gestiftet. 
6. Von R. Hannuß, hier, Philippstraße 9, sind am 9. Januar 1908 
50 Jt für die Armen gestiftet. 
7. Desgleichen von C. Wilh. Kaiser IM Jt. 
8. Desgleichen von Bernhard Lust aus dem Nachlaß des am 
31. März 1M7 verstorbenen Benny Haller 3M Jt. 
9. Desgleichen vom Lordmayor von London, Sir W. Trelvar, 
8 161,8« M. 
10. Desgleichen von Baron Adolfo Scander Levi durch Frau 
Lina Morgenstern 5M Jt. 
11. Desgleichen von der Mitteldeutschen Kreditbank zur Ablösung 
der herkömmlichen Festbeleuchtung am Geburtstage Sr. Majestät 
des Kaisers und Königs 3M Jt. 
12. Desgleichen aus gleichem Anlaß von der Deutschen Hypotheken 
bank (Meiningen) Filiale Berlin 3M Jt. 
13. Desgleichen von Gebr. Stollwerk 130 Jt. 
14. Desgleichen von dem zu Charlottenburg verstorbenen Rentter 
Louis Simon durch letztwillige Verfügung 4 0M Jt. 
15. Desgleichen von Frau Olga Schiff, hier, Tiergartenstraße 29a, 
wie in den Vorjahren aus Anlaß eines Gedenktages am 
6. Juli 1M7 IM Jt. 
16. Desgleichen von dem Königlichen Major a. D. Hugo Schlegel, 
hier, Elßholzstraße 21, durch Testament vom 12. Februar 1906 
für die Armen seines letzten Mohnorts (für hilfsbedürftige 
Kranke) 2M Jt. 
17. Desgleichen am 10. Februar 1M8 von einem Geber, der nich; 
genannt sein will, durch den Vorsitzenden der Stiftungs 
deputation 5 0M Jt. 
18. Am 3. Januar er. übergaben 2 nicht genannt sein wollende 
Wohltäter dem Herrn Oberbürgermeister je 5 0M Jt, zur 
Beschaffung von Brennmaterialien für die Armen der Stadt. 
Soweit diese Geschenke uns nicht unmittelbar von Stiftern zu 
gewiesen wurden, sind sie uns vom Herrn Oberbürgermeister im Ein 
verständnis mit dem Herrn Vorsitzenden der Armendirektion zur Ver 
wendung überwiesen worden. 
Schließlich sind uns noch eine größere Anzahl weniger als 50 Jt 
betragende Zuwendungen aus Sammlungen, auf Grund von Wetten, 
aus Klagesachen usw. von Vereinen und Privaten zur Verwendung 
für wohltätige Zwecke überwiesen worden. 
Die uns zufließenden Beträge finden den Anweisungen der 
Geschenkgeber entsprechend Verwendung; größere, uns ohne Zweck 
bestimmung zufallende Beträge werden kapitalisiert und zum Zwecke 
der Vermehrung der für laufende Unterstützungen bestimmten Fonds 
verwendet; aus den eingehenden kleinen Summen werden einmalige 
Unterstützungen gezahlt. 
3. Sonstige Stiftungsgeschäfte. 
1. Gemäß § 7 der Verfaffung der Jagorstiftung zur Ver 
mehrung nützlicher Kenntnisse und Fertigkeiten, deren Bureaugeschäfte 
im Stiftungsbureau bearbeitet werden, erhält die Stadtgemeinde aus 
den Sttftungseinkünften Vio des Betrages der nach Abzug der Ver- 
waltungskosten verbleibt. 
Gemäß Stadtverordnetenbeschluß vom 10. Januar 1907 hat sich 
die Stadtverordnetenversammlung damit einverstanden erklärt, daß die 
danach sich ergebenden Beträge zu Stipendien an der Technischen
	        
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