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Volume No. 14. Bericht über die städtische Armenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

Nr. 14. Armenpflege. 
3 
In der Verfassung und Verwaltung der Armenkommissionen ist 
im Berichtsjahre nichts geändert worden. Ihre Zahl belief sich am 
Schluffe dieses Jahres auf 414 gegen 398 im Vorjahre. 
Teilungen wegen zu grohen Umfanges der Geschäfte erfolgten bei 
16 Armenkommissionen. Es sind dadurch folgende neue Kommissionen 
ins Leben getreten: 28 8, 73 B. 57 C, 57 D, 115 G, 126 0. 
201 P, 212 B, 56 B, 125 G, 208 G, 108 B, 104 G, 115 H, 162 L, 
168 K, 168 J; wegen Abbruchs des sog. Schcunenviertels konnten die 
133 A. u. B. Armenkommission zusammengelegt werden. 
Den Kommissionen gehörten an: 
408 Vorsteher (6 verwalteten je 2 Kommissionen), 
408 Stellvertreter, 
4 140 Pfleger, 
28 Pflegerinnen, 
zusammen 4 984 Personen. 
Wir haben, wie im Vorjahre, eine Zusammenstellung der Berufe 
veranlaßt, denen die Mitglieder der Armenkommissionen hauptsächlich 
angehören, die folgendes Ergebnis gehabt hat: 
1. Handwerker und Gewerbetreibende .... 2193, 
2. Kaufleute 690, 
3. Fabrikbesitzer und Fabrikanten 335, 
4. Baumeister, Ingenieure, Chemiker .... 62, 
5. Restaurateure 134, 
6. Aerzte, Tierärzte, Zahnärzte 53, 
7. Oberlehrer, Rektoren, Lehrer 215, 
8. Geistliche 13, 
9. Staats- und Magistratsbeamte 251, 
10. Rechtsanwälte 5, 
11. Apotheker 55, 
12. Bankbeamte 34, 
13. Privatbeamte 104, 
14. Kirchen- und Friedhofsbeamte 14, 
15. Eigentümer 383, 
16. Rentiers 362, 
17. Verschiedene Berufe 53, 
Summe 4 956. 
Dazu Pflegerinnen 28. 
Gesamtsumme 4 984 Mitglieder. 
Wir haben erneut dem lebhaften Bedauern über den Rückgang 
der Zahl der Armenpflegerinnen Ausdruck zu geben. Doch sind wir 
mit Erwägungen beschäftigt, wie wir die stärkere Beteiligung von 
Frauen an der Armenpflege trotz der vorhandenen Widerstände durch 
führen können. - 
II. Vorgänge in der Verwaltung. 
ßsH'Die Armendirektion hielt im Berichtsjahre 10 Sitzungen ab, in 
denen 130 Gegenstände beraten wurden. 
a) Die Kreis Versammlungen. 
Diese Einrichtung bewährt sich fortdauernd in ihrer Bedeutung 
als Beschwerdeinstanz und als ein sehr geeignetes Mittel, die einheit 
liche Handhabung der Armenordnung sicher zu stellen und die pflegerischen 
Organe einander näher zu bringen. 
Die Tätigkeit im einzelnen ergibt sich aus der nachfolgenden 
Uebersicht und aus den im besonderen Teil weiter unten mitgeteilten 
Ziffern. 
I. Statistik der Tätigkeit der Kreisversammlungen. 
Jahr 
1907 
Antrist 
auf Gewährung von Unte>i 
übersl 
Almosen und Pflegegeld 
genehmigt > | abgelehnt 
>e der Armenkommissionen 
Atzungen, die die Höchstsätze 
breiten 
einmalige 
genehmigt j | abgelehnt 
auf Ve 
barer Nnt 
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en 
ichen 
anderweit 
erledigt 
Sonstige 
Beschlüsse 
in 
Personal- 
fachen 
Gesamt 
zahl der 
Beschlüffe 
April 1907 . 
237 
4 2 
249 
— 1 
3 
1 
9 1 
6 
11 
524 
Mai . . . 
234 
4 4 
261 
9 2 
6 
2 
12 1 
9 
9 
553 
Juni . . . 
252 
5 6 
221 
1 3 
1 
3 
21 , — 
1 
12 
526 
Juli . . . 
178 
8 6 
248 
1 3 
2 
2 
16 2 
3 
8 
477 
August . . . 
191 
1 3 
212 
2 2 
1 
— 
17 | 1 
3 
14 
447 
September 
264 
4 21 
261 
— 4 
7 
— 
15 I 1 
5 
13 
595 
Oktober . . 
308 
7 3 
330 
1 12 
2 
2 
19 1 
10 
16 
711 
November. . 
288 
8 7 
324 
2 3 
6 
2 
22 2 
14 
15 
693 
Dezember . . 
272 
4 9 
' 303 
O 
2 
3 
22 — 
8 
11 
636 
Januar 1908 . 
189 
3 1 
159 
j 
2 
— 
16 | — 
6 
11 
337 
Februar . . 
173 
7 2 
217 
3 8 
1 
— 
25 — 
11 
15 
457 
März . . . 
240 
3 i 5 
334 
2 1 - 
4 
— 
20 1 2 
17 
19 
646 
Zusammen 
2 776 
58 69 
3119 
21 i 35 
37 
15 
214 | 11 
93 
154 
6602 
d) Die Versammlungen der Armenkommissionsvorsteher. 
Durch Verfügung der Armendircktion vom 6. April 1825 wurde 
den damals vorhandenen 55 Armenkommissionen mitgetcilt, daß die 
Armendireklion „für die Zukunft dann und wann sämtliche Herren 
Vorsteher der Armenkommissionen versammeln wolle, um teils allgemeine 
Gegenstände zu beraten, teils Vorschläge der Kommissionen zum besten 
des Armenwesens auf dem kürzesten Wege zu vernehmen." 
Am Sonntag, den 28. August 1825, fand die erste Versammlung 
im Sitzungssaale des Köllnischen Rathauses statt. Dort wurde zunächst 
ein ständiger Ausschuß von 7 Vorstehern gebildet, der in wichtigeren 
Fällen von der Armendirektion zu Rate gezogen werden sollte. 
Mehrere Jahre fanden dann keine Versammlungen statt. Auf Grund 
wiederholter Anregungen seitens einzelner Vorsteher und besonders 
der Stadtverordnetenversammlung fand endlich am 20. Dezember 1829 
die zweite Versammlung statt, in der beschloffen wurde: 
a) regelmäßige Zusammenkünfte abzuhalten (anfangs alle 4 Wochen), 
d) einen Vorstand der Versammlung zu bilden (4 Mitglieder, 
nämlich Vorsteher und Schriftfübrer mit je einem Stellvertreter). 
Erster Voisteher der Armenkommissionsvorstcherversammlung war 
Herr Oberinspektor Werlitz. .. 
Am 20. August 1832 wurde eine Geschäftsordnung für diese 
Versammlung erlassen, die mit geringen Aenderungen bis jetzt in 
Kraft geblieben ist. _ r ,. 
Bereits seit Januar 1831 hatte die Armendireklion die Bestimmung 
getroffen, daß der Vorsitzende der Versammlung („der Ordner") während 
seiner Amtszeit auch Mitglied der Armendirektion sein sollte. So 
war 22 Jahre hindurch bis zum Jahre 1877 Herr Armenkommisuons- 
»orsteher Laacke „Ordner" und als solcher Mitglied der Armen 
direktion. Von 1877 bis 1904 folgte ihm im Amte Herr Armen- 
kommissionsvorsteher Brestrich, der also 27 Jahre die Versammlungen 
leitete und gleichzeitig als „Bürgcrdeputierter" der Armendirektion 
angehörte. 
Gegenwärtig besteht der Vorstand aus den Herren Gomperp, 
Reckes, Wehle und Klinder. Herr Gompertz gehört als „Bürger- 
deputierter" der Armendirektion an. 
Die Versammlungen der Armenkommisfionsvorsteher haben von 
Anfang an die größte Bedeutung für die Arnienpflege in Berlin 
gehabt. Sie dienten als Bindeglied zwischen der Verwaltung und 
der immer mehr anwachsenden Zahl der ehrenamtlich tätigen Bürger. 
Wohl alle bedeutenderen Angelegenheiten, die die Armendireklion in der 
Zeit des Bestehens dieser Versammlungen beschäftigten, wurden daselbst 
erörtert und begutachtet. Wenn auch in neuerer Zeit infolge der 
Einrichtung der Kreisversammlungen eine Einschränkung der Tätigkeit 
der allgemeinen Vorsteherversammlungen stattgefunden hat, weil viele 
Angelegenheiten durch die Armenkreise erledigt werden können, so 
bleiben doch die wichtigsten Fragen nach wie vor den allgemeinen 
Versammlungen sämtlicher Armenkommisfionsvorsteher vorbehalten. 
Im einzelnen ist über die letzten Jahre folgendes zu bemerken: 
Es wurden in den letzten Jahren in der Regel 3 Versammlungen 
abgehalten. Aus der Zavl der in ihnen erörterten Angelegenheiten von 
allgemeinem Jnlereffe heben wir folgende hervor: 1.Vereinfachung des 
Formularwesens, 2. Tätigkeit der Frauen in der Armenpflege, 3. Ver- 
fahren bei Todesfällen und Beschaffung der dabei nötigen Papiere, 
4. Maßregeln der Säuglingsfürsorge, 5. Verfahren bei Zuwendungen 
aus Wohltätigkeitssonds, 6. Verhältnis zwischen Armen- und Waisen 
pflege, 7. Gewährung von Mietsunterstützungen, 8. Führung der 
Personalbücher, 9. Heimstätten- und Heilstättcnpflege, 10. Maßregeln 
gegen Mißbrauch geistiger Getränke, 11. Verhältnis zur Armen- 
speisungsanstalt usw. 
Daneben bot sich vielfach Gelegenheit zur Erörterung von Fragen 
1'
	        
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