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Volume No. 9. Bericht über das städtische Fach- und Fortbildungsschulwesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1907 (Public Domain)

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Nr. 9. Fach- und Fortbildungsschulwesen. 
(Schweden), dem Haag. Warschau, Michigan (Amerika). Finnland. 
New Dork, Gruhlich l Böhmen), Zürich, Lortavala (Finnland). Edin- 
burgh, Rustsckuk (Bulgarien) re. 
Die Mehrzahl der Besucher waren Regierungs- und Schulräte, 
Schulinspekioren, Direktoren, sowie Leiter und Lehrer von kunst- 
gewerblichen und verwandten Lehranstalten. 
In den Werkstätten der Schule wurden im Etatsjahr 292 Stück 
Modelle, sowie Bcizproben und Intarsien angefertigt, welche zum 
Zwecke des Unterrichts den verschiedenen Nebenabteilungen der Tischler- 
schule überwiesen wurden. 
Ebenso erhielten die II., III., V. und VIII. Pflichtfortbildungs 
schule eine Anzahl Modelle für Tischler, sowie Tafeln mit Beizproben, 
Schnitzereien und Jntarsienarbeilen, gleichfalls für Unierrichtszwecke. 
Besondere Beachtung verdienen noch die in den Werkstätten der 
Schule angefertigten größeren Möbelstücke, welche alle zu einer not 
wendigen Sammlung zusammengestellt sind. Außer zwei vollständig 
eingerichteten Amtszimmern, in Eiche gebeizt, weist die Sammlung 
nocv ca. 120 Slück größere Gegenstände auf, die zum Teil den im 
Germanischen Museum, Louvremuseum, Nationalmuseum in München re. 
befindlichen historischen Möbelstücken nachaebildet sind und wovon 
einzelne Gegenstände einen Wert bis zu 1 800 Jt repräsentieren. 
Sie alle finden wertvolle Verwendung für den Zeichenunterricht. 
Gcwerbcsaal. 
(Fachschule für die Meiallgewerbe, insbesondere jür Maschinenbauer, 
Mechaniker und Kunstschlosser mit Abend- und Sonntagsklaffen, Tages 
klaffen und Uebungswerkstätten.) 
Die Tagesklaffeu der Fachschule für Maschinenbauer, sowie die 
Uebungswerkstätten mit vollem Tagesunterricht befinden sich im eigenen 
Schulhause, 0. 34, Slraßmannstraße 6. Die Abend- und Sonntags 
klassen (10 Abteilungen) sind in den folgenden Gemeindeschulhäusern, 
die in verschiedenen Stadtbezirken liegen; untergebracht: 
Abteilung I Wafferlorstraße 31, 
- II Hagelberger Straße 34, 
- III Hinter der Garnisonkirche 2, 
IV Turmstraße 86. 
- V Straßmannstraße 6 (gewerbl. Schulhaus), 
VI Reichenberger Straße 131/132, 
- VII Ravenestraße 12, 
VIII Pallasstraße 15. 
- IX Heinersdorfer Straße 18, 
X Putbuser Straße 23. 
Im Berichtsjahre hat sich die Zahl der Gehilfen im Gewerbesaal 
gegenüber dem Vorjahre vermehrn im Winter von 781 auf 837, im 
Sommer von 586 auf 706. 
Die Zahl der Lehrlinge Hai weiter abgenommen: im Winter von 
1269 auf 1222, im Sommer von 1402 auf 1138 infolge Ein 
richtung der Pflichtforlbildungsschulen. 
Die Gesamtzahl der Teilnehmer des Gewerbesaales betrug: im 
Sommerhalbjahr 1 874, im Winterhalbjahr 2 059. 
Es konnten am Anfang des Wintersemesters 8 Kurse (1 Vor 
kursus, 2 Kurse Fachzcichnen für Maschinenbauer, 1 Fachzeichnen für 
Schloffer, 2 Mechanik, 1 Mathematik und Eleklrotechnik) neu eröffnet 
werden. Am Anfang des Sommersemesters mußten 11 Kurse ge 
schlossen werden. Ein zu Ostern eröffneter Technologiekursus blieb 
nicht lebensfähig und wurde zum Winter wieder eingezogen. 
Außer 2 Tagesklaffen der „Fachschule für Maschinenbauer" und 
8 Uebungswerkstätten hatte der Gcwerbesaal im letzten Wintersemester; 
34 vierstündige Kurse Fachzeichnen für Maschinenbauer, 
17 - - - Mechaniker, 
18 - - - Schloffer, 
12 - Vorkurse für das Fachzeichnen, 
2 - Fachmodellierkurse für Kunstschlosser, 
5 Kurse für Mechanik. Maschinenlehre und 
Algebra, 
20 zweistündige Kurse für Mechanik, Maschinenlehre und 
Algebra, 
Summe 108 Kurse. 
Kurse für Algebra werden nur in den Abteilungen eingerichtet, 
die nicht mit Fortvildungsschulen verbunden sind. Die Schüler von 
fünf Gewerbeiaalabteilungcn haben Gelegenheit, an den Mathematik- 
kurscn der mit ihnen verbundenen Fortbildungsschulen teilzunehmen. 
Es unterrichteten im Sommerhalbjahr 65 und im Winterhalbjahr 
63 Lehrer. Von ihnen waren im Sommerhalbjahr 68 und im 
Winterhalbjahr 56 in der Praxis beschäftigte Techniker. 6 Fachlehrer 
(Ingenieure) sind kontraktlich angestellt. 3 Lehrern konnte mehr 
Unterricht übertragen werden. 
Es traten neu ein: 6 Ingenieure, 1 kunstgewerblicher Zeichner, 
1 Gemeindelehrer. Es traten aus: 4 Ingenieure und 1 Bildhauer. 
Die beiden Tagesklassen für Maschinenbauer wurden im Sommer 
und im Winter von 32 Schülern besucht. Die Zahl der Teilnehmer 
in den Uebungswerkstätten, die nur für je 14 Gehilfen und 2 Lehr 
linge Platz haben, betrug: 
Mechaniker- Maschinenbauer- «unstschmiede- 
werkstatt werkftatl Werkstatt 
im I. Kursus (April/Juni) ... 16 15 16 
- II. - (Juli/Oktober) ... 16 16 8 
- III. - (Oktober/Dezember) . 16 16 15 
- IV. - (Januar/März) . . 1k 15 16 
Obwohl der Ausfall an Lohn für jeden Gehilfen der Uebungs- 
Werkstätten pro Kursus 210—360 Jt beträgt, pflegen die Mehrzahl der 
Gehilfen nach dem Besuch eines Kursus, sich noch für einen zweiten 
anzumelden. 
Für die Uebungswerkstätten wurden im Berichtsjahre neu an 
geschafft: 
1 Präzisionsrundschleifmaschine im Werte von 4 000 Jt, 1 Kalt- 
sägemaschine (Kreissäge), 1 Patronendrehbank, 1 Elektromotor für das 
Gebläse der Kunstschmiede, 2 Sammlungsschränke und 1 Kartenschrank, 
außerdem Fräs-, Bohr-, Gewindeschneidewerkzeuge und andere Ein 
richtungen. 
Mit oben genannten Maschinen sind zur Zeit vorhanden: 
20 Präzisionsspezialdrehbänke verschiedener Konstruktion und 19 
andere größere Maschinen, als Universalfräsmaschinen, Bohr 
maschinen, Hobelmaschinen. Auch die Modellsammlungen der Tages-, 
Abend- und Sonntagsklaffen wurden durch Anschaffungen, bei welchen 
die Lieferanten nieist Rabatt bewilligten, vergrößert. 
Es wurden für physikalische Sammlung der Tagesklassen 1 Jun- 
ker'sches Kalorimeter und 1 Weber'sches Photometer und für die 
Fachzeichnenklaffen für 3 400 Jt neue Modelle angeschafft. 
Wertvollere Geschenke für die Sammlungen (von illustrierten 
Preislisten und Prospekten abgesehen) erhielt der Gewerbesaal von 
den Firmen Sieniens - Schuckert A. - G. und Maschinenbau A. - G. 
vorm. L. Schwartzkopff. Die Uebungswerkstätten werden viel von 
Direktoren und Lehrern auswärtiger Schulen und anderen Interessenten 
in Augenschein genommen. Mehrfach hatten diese Besichtigungen den 
Erfolg, daß die von anderen Städten eingerichteten Werkstätten für 
Kunstschmiede sehr große Aehnlichkeit mit der unsrigen zeigen. Um 
die Werkstätten auch den Lehrlingen und Gehilfen bekannt zu macken 
und ihre Frequenz zu heben, wurden die Schüler aller Gewerbesaal 
abteilungen mehrfach zu Besichtigungen eingeladen, und bei den 
Besichtigungen, die an 4 verschiedenen Wochenabenden stattfanden, 
wurden die Maschinen. Einrichtungen, Arbeiten, sowie Zweck und 
Ziele des Werkstattunterrichtes erläutert. 
Auch Pflichtfortbildungsschüler unter Leitung ihrer Lehrer wurde 
Gelegenheit zur Besichtigung der Werkstätten gegeben. 
13 Mechanikergehilfen benutzten die Uebungswerkstätten. um sich 
nachträglich vor der Handwerkskammer der Gehilfenprüfung zu unter 
ziehen; sie bestanden dieselbe sämtlich. 
Mit den Schülern der Tagesklaffen für Maschinenbauer wurden 
Exkursionen in die folgenden Fabriken bezw. Etabliffemcnts 
unternommen: 
1. Dampfmühle F. W. Schütt, 
2. Masckinenanlage des Zentralviehhofes. 
3. Fabrik für Hebezeuge von E. Becker, 
4. Maschinenfabrik C. Schoening A.-G-, 
5. Vereinsbrouerei Rixdorf, 
6. Eisengießerei Georg Grauert, 
7. Turbiuenfabrik der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft. 
8. Großelekiromotorenfabrik der Schuckenwerke, 
9. Maschinenfabrik A. Borsig, 
10. Urania. 
Die Schüler der Werkstätten besichtigten unter Führung ihrer 
Fachlehrer die Eisengießerei von Aichele & Bachmann und öffent- 
liche Ausstellungen. 
Die durchschnittliche Beteiligung der Schüler am Unterricht war 
im letzten Winter 6,es Stunden wöchentlich. 
In den Abend- und Sonntagsklassen der verschiedenen Abteilungen 
betrug die Schülerzahl pro Kursus im Winterhalbjahr durchschnittlich: 
in Ableilung I 27.3, II 30,5, III 23,8, IV 24,2, V 29,s, VI 24,i, 
VII 28,6, VIII 23,9, IX 23,3, X 26,o. 
An Ausstellungen haben sich beteiligt: die Uebungswerkstatt für 
Kunstschmiede an einer internen Ausstellung des Vereins für deutsches 
Kunstgewerbe, am 15. Januar 1908, die Gewerbesaalabteilung I und die 
Abteilung VII an den Ausstellungen von Schülerarbeiten der mit 
ihnen verbundenen Wahlfortbildungsschulen im Oktober 1907. 
Zur Uebersicht über den Besuch der Abend- und Sonntagsklaffen 
in den einzelnen Abteilungen dienen die nachstehenden Tabellen A und B.
	        
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