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Volume No. 41. Bericht über den städtischen Vieh- und Schlachthof sowie die städtische Fleischbeschau

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1906 (Public Domain)

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Nr. 41. Vieh- und Schlachthof. 
112 Untersuchungen des Fleisches von Tieren mit übelriechenden 
Abscessen, mit Entzündungen des Harnapparates je. durch 
Kochprobe; 
293 Untersuchungen zur Feststellung etwaiger Lebensfähigkeit von 
Rinderfinnen, der Ablagerung von Gallenfarbstoff bei Gelb- 
färbung der Gewebe usw. 
Die im Jahre 1905 begonnenen Untersuchungen über den Tuberkel 
bazillengehalt des Fleisches und Blutes tuberkulöser Tiere sind be 
endet und werden demnächst veröffenlicht werden. Es ergab sich, daß 
ein Einbruch von Tuberkelbazillen in die Blutbahn und ihre Aus 
streuung im Körper um so leichter eintritt, je bazillenreicher die tuber 
kulösen Produkte sind. Stark bazillenhaltig sind demnach außer den 
tuberkulösen Erweichungsherden auch tuberkulöse Herde mit strahliger 
Verkäsung (tub. Infiltration). Bei Tieren, die solche Herde aufweisen, 
wird daher stets eine eingehendere Untersuchung der Fleischlymphdrüscn 
vorgenommen. Ferner ist nachgewiesen worden, daß man bei Miliar- 
tuberlose auch nur eines Organes, z. B. der Lunge, mit dem Vor- 
handensein von Tuberkelbazillen im Blut und im Fleische zu rechnen 
hat. Dieser Tatsache ist in den Bundesratsbestimmungen zum Reichs- 
fleischbeschaugesctze noch nicht Rechnung getragen. Endlich ist mit 
Bezug auf die Tuberkuloseübertragung festgestellt worden. 1. daß bei 
Versuchsratten in erster Linie die Lungen zur Erkrankung neigen, 
2. daß Tuberkelbazillen entgegen der früheren Annahme Lymphdrüsen 
passieren können, ohne daß sich in diesen tuberkulöse Veränderungen 
entwickeln. 
Gegenstand einer anderen größeren, monatelangen Arbeit war 
die Feststellung des Bluigebalts des Fleisches von Rindern, die 
durch Blutentziehnng gelötet worden waren und zwar 1. ohne vor- 
I herige Betäubung (Tod durch Schächtungl, 2. nach vorheriger Be 
täubung a) durch Kopfschlag, b) durch Bolzenschußapparat (System 
Behr). Es ergab sich, daß ein wesentlicher Unterschied im Blutgehalt 
der auf eine dieser drei Arten getöteten Rinder nicht besteht, daß aber 
immerhin die geschossenen und dann sofort gestochenen Tiere im all 
gemeinen am besten, die geschachteten Rinder am wenigsten vollkommen 
ausbluten. 
Der Bakteriologe mußte wegen der größeren Arbeitslast, die der 
Ministerialerlaß vom 16. Juni 1900 auch für die Vertreter des 
Direktors zur Folge hatte, in höherem Maße als in früheren Jahren 
zur Begutachtung beanstandeter geschlachteter Tiere herangezogen werden, 
auch wenn es sich nicht um eingehende bakteriologische Untersuchung 
derselben handelte. 
Die größte Anzahl von Tieren (14 780) Stück ist am 27. Mürz 1907, 
dem Mittwoch vor Ostern, geschlachtet worden, nämlich 157 Rinder, 
76 Jungrinder, 4 274 Kälber, 1673 Schafe und 8 600 Schweine. 
Die größte Tagesschlachtung belief sich bei Rindern ein 
schließlich der Jungrinder auf 2 016 (am 7. 4.). bei Kälbern auf 4 274 
(am 27. 3.), bei Schafen auf 3 800 (am 7. 4.), und bei Schweinen 
auf <8 600 (am 27. 3.) 
Auf Antrag von Schlächtern und von Händlern sind auf dem 
Schlachthofe 172, in den Uniersuchungsstationen 251 Bescheinigungen 
ausgestellt worden. 
H. Fleischbeschau in den Untersuchungsstationen. 
Jni Berichtsjahre sind in den städtischen Untersuchungsstationen 
zur Untersuchung gelangt und an Gebühren vereinnahmt worden, 
in Station 
Rinderviertel 
Kälber 
Schafe 
und Ziegen 
Schweine 
ohne mit 
Trichinenschau 
in der Station 
Zube 
reitetes Speck 
Fleisch s 
Stück 
Einnahme 
in Mark 
I 
II 
35 814 
6 059 
36 302 
7 429 
3 721 
724 
29 173 2 122 
9 333 48 
2 
— 
48 028,25 
10 591,35 
zusammen 1996 
1905 
1904 
1887-1903 
im Durchschnitt 
41 873 
37 518 
154 827 
> 232 204 
43 731 
45 942 
91 959 
138 060 
4 445 
4 061 
17 061 
38 136 
38 596 j 2 179 
29 129 ! 2 236 
114 901 | 2 119 
2 
7 - 
— 
58 619,60 
51 945,15 
164 904,90 
' 263 151,16 
138 475 
Unter den 2 170 auf Trichinen untersuchten Schweinen befanden 
sich 2 112 Wildschweine. 
Von dem eingeführten frischen Fleische und den als dazugehörig 
dezelchneten Organen sind beschlagnahmt worden: 
wegen Tuberkulose: 84 Viertel, 6 Köpfe. 3 Zungen, 1 Brust 
bein, 1 Lunge, 1 Leber von Rindern, 1 Kalb, 15 Schweine, 2 Schweins 
köpfe, 8 Wildschweine, 47 Wildschweinsköpfe; 
wegen wässeriger Beschaffenheit: 34 Viertel, 16 kg Fleisch, 
2 Köpfe, 2 Zungen von Rindern, 67 Kälber, 1 Kalbsrücken, 12 Schafe, 
26 Ziegenlämmer, 18 Schweine; 
wegen unvollkommener Ausblutung: 16 Viertel, 1 Kopf, 
1 Lunge, 1 Leber, 1 Herz von Rindern und 52 Kälber; 
wegen Abmagerung: 8 Rinderviertel, 20 Kälber, 7 Schafe, 
8 Schweine; 
wegen ungenügender Entwicklung (Unreife): 27 Kälber, 
31 Ziegenlämmer: 
wegen Fäulnis: 4 Viertel, 1 Keule, 1 Bruststück, 1 Zunge, 
18 leg Fleisch von Rindern, 51 Kälber, 6 dg Fleisch, 4 Lungen, 
4 Levern, 6 Nieren von Kälbern, 6 Schafe, 1 Lunge, 2 Lebern von 
Schafen, 5 Ziegenlämmer, 30 Ziegenlammlebern, 5 Schweine, 
31 Wildschweine; 
weil blutig: 16 kg Rindfleisch, 1 Schweineschinken, 11 kg 
Schweinefleisch; 
wegen Gelbsucht: 12 Kälber. 1 Schwein; 
wegen Bauchfellentzündung: 3 Kälber; 
wegen Brustfellentzündung: 1 Kalb; 
weil mit Fleischgescbwülsten «Sarkomen) behaftet: 8 Rinder- 
viertcl, 2 Rinderköpfe, 1 Rinderzunge; 
weil finnig: 3 Rinderviertel, 2 Rinderköpfe, 1 Rinderzunge, 
1 Schwein; 
wegen multipler Blutaustretungen: 1 Schwein; 
wegen Strahlenpilzgeschwnlst: 1 Rinderzunge; 
wegen Entzündungen und Eiterherde: 1 Rinderkopf, 
2 Rindernieren, 2 Kalbsnieren, 1 Schweinekopf. 3 kg Schweinefleisch. 
1 Schweineeulcr. 1 Wildschweinskopf; 
weil aufgeblasen: 30 kg Kalbfleisch. 
An Rindervicrtcln und ganzen Tieren sind dem zufolge bcschlag- 
nahmt worden: 
107 Rinderviertel, 234 Kälber, 25 Schafe, 62 Ziegen, 49 Schweine, 
24 Wildschweine. Davon sind 10 Riudervierwl und 9% Sckweine 
als bedingt tauglich. 43 Rinderviertel, 130 Kälber, 9 Schafe, 
17 Ziegen und IS 1 /* Schweine als minderwertig verwertet worden. 
Der Rest des beschlagnahmten Fleisches war untauglich. 
Bei den Revisionen der Fleischverkaufsstellen und der Zubereitungs 
räume in Gast- und Speisewirtschaflen haben die städtischen Kontroll 
beamten in 79 Fällen Fleisch ermittelt, das mit Stempelabdrücken 
der hiesigen Fleischbeschau oder nrit solchen eines auswärtigen tier- 
ärztlichen Beschauers nicht versehen und entgegen den Bestinimungen 
des Reichsfleischbeschaugesctzes bezw. des Gcmeindebeichlusses vom 
17. Februar 1894 und der Polizeiverordnung vom 14. November 1900 
der Untersuchung entzogen war. 
Mit Hilfe der Polizeibehörde sind deshalb in diesen Fällen 
vorläufig beschlagnahmt und den städtischen Fleischuntersuchungs- 
stationen zur Beschau eingeliefert worden: 13 Rinderviertel, 9 Rinder- 
rücken, 40 kg Rindfleisch, 33 l / 2 Kälber, 13 Kalbskeulen, 46 kg 
Kalbfleisch, 3'/ 2 Schafe, 40 Ziegenlämmer, 25 l / 2 Schweine, 2 Schweine- 
rücken, 6 Schweineripprnstücke, 9 Schweineschinken, 3 Schweine 
geschlinge, 18 Wildschweine und 3 Schulterblätter sowie ein Schinken 
von Wildschweinen; Gesamtgewicht: 5 296 kg. 
Von diesem Fleische sind als genußuntauglich beschlagnahmt 
worden: 2 Kalbskeulen wegen Fäulnis, 1 Ziegenlamm wegen wässeriger 
Beschaffenheit und 2 Wildschweinsköpfe wegen Absceffe in den Kehl- 
gangslymphdrüien, zusammen 22 kg. Außerdem sind, weil ohne 
Reichsfleischbeschaustempel eingeliefert, ununtersucht geblieben und 
der Polizeibehörde zur weiteren Verfügung überlassen worden: 
6 Rinderviertel, 1 Rinderrücken, 1 Rindcrkeule, V 2 Jungrind, 
3 halbe Kälber, 1 Ziegenlamm, 1 Schwein; Gesamtgewicht: 652 kg. 
Ferner mußten 21 kg in Stücken eingeliefertes Kalbfleisch, weil es 
H 8 des Regulativs nicht entsprach (eingeführtes frisches Fleisch muß 
eine bestimmte Größe haben), von der Untersuchung ausgeschlossen 
und der Polizeibehörde überlassen werden: ebenso ein Faß Aus- 
fchnitlfleisch sowie 25 kg Fleisch, das als herrenlos in der Zentral- 
Markthalle ermittelt worden war. 
Gegen die Kontravenienten (62 Schlächter, 6 Fleischhändler, 
6 Wildhändler. 8 Verkaufsvermitller, 2 Gastwirte) ist Strafantrag ge 
stellt worden, ebenso gegen einen Gastwirt wegen Verbrauchs von 
123 kg Schweinefleisch, das, ohne den Stempel eines tierärztlichen 
Beschauers eingeführt, der hiesigen Beschau entzogen worden war. 
Berlin, den 1907. 
Kuratorium des städtischen Vieh- und Schlachthofs. 
Hübner. 
Druck von W. & S. Locwenlhat, Berlin.
	        
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