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Volume No. 19. Bericht der Deputation für die städtische Irrenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1906 (Public Domain)

9lt. 19. Städtische Jrrenpflege. 
45 
Knaben 
I. II. j III. 
Vierteljahr 
IV. 
Jahres - 
aufstellung 
I. 
Mädchen 
II. | III. IV. 
Vierteljahr 
Jahres- 
aufstellung 
Wunden ini Gesicht 
2 mal 1 mal 
3 mal 
1 
mal 
7 mal 
_ 
1 mal 
2 mal 
1 mal 
4 mal 
- sonst am Kopfe .... 
3 - — 
1 - 
— 
4 - 
— 
— 
— 
— 
Abschürfungen: 
im Gesicht 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
am Hinterkopfe 
. — — 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
• Arme 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
an den Händen 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
Beinen 
— ; —: 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
- - Knien 
— — 
' 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
am Fuße 
— — 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
Sugillation: 
im Gesicht 
— — 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
am Arme 
— — 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
an den Händen 
— — 
— 
' 
— 
— 
— 
— 
. 
— 
- > Knien 
— • — 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
, 
am Fuße 
— — 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
j 
— 
Verletzung am Ohr 
— — 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
. - Arme 
1 mal — 
— 
— 
1 mal 
— 
— 
— 
— 
- der Hand 
— — 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
Brandwunde der Hand 
— 1 mal 
— 
' 
1 mal 
— 
— 
— 
— 
— 
Bei der hochgradigen Erregbarkeit und den häufigen Erregungs 
und Tobsuchtszuständen der Kranken ergaben sich vielfach Zerstörungen 
von Gegenständen. Während bei den Männern gegenseitige Ver 
letzungen häufiger find, vergreifen sich die Frauen in ihrem Zorn 
häufiger an Gegenstände, besonders gern lassen sie ihre Wut an 
Fensterscheiben aus. Bei der Plötzlichkeit der Zorn- und Erregungs 
ausbrüche ist es sehr schwer, sie zu verhüten, und trotz aller Aufsicht 
weist das Verzeichnis von Zerstörungen im Betriebsjahrc bei den 
Männern 57 Fensterscheiben, 2 Spiegel. 7 Jacken, 7 Hemden, 8 Hosen, 
2 Lederschürzen, 1 Paar Stiefel, 1 Urinflasche, 2 Bänke auf, bei 
Ausbrüchen teilweise Zerstörung von 3 Fenstergiilern, bei den Frauen 
122 Fensterscheiben. 41 Bekleidungsgegenstände, 16 Bettsachen, 2 Tür- 
füllungen und 17 andere Gegenstände, bei den Kindern 1 Fenster 
scheibe, 1 Kleid und 1 Bettstuhl auf. 
Ueber die Entweichungen und Entweichungsversuche beziehen wir 
uns auf die Ausführungen im vorigen Jahresbericht. Entweichungen, 
hauptsächlich Entfernung von Kranken aus dem Landhäuserbezirk, 
kamen bei den Männern 62 mal, bei den Frauen 2 mal vor-, der 
artige Versuche konnten bei den Männern — meist im sicherheits- 
polizeilichen Interesse untergebrachten — 9 mal, bei den Frauen 
5 mal verhindert werden. 
Die Zahl der hier untergebrachten Fürsorgezöglinge hat sich 
wiederum vergrößert. Etwas Besonderes ergab sich bei ihrer Be 
handlung nicht weiter. Ich verweise daher hierbei auf das im 
vorigen Jahresbericht Gesagte. 
Am 1. 4. 1906 betrug die Anzahl der 
Kinder 106, und zwar 66 Knaben, 40 Mädchen 
Es wurden aufgenommen .... 27 - 19 
Von diesen waren 2 Knaben schon einmal, 2 Mädchen schon 
zweimal in der Anstalt gewesen. 
Es verließen das Kinderhaus ... 32 Knaben, 23 Mädchen 
Der Bestand am Ende des Verwal- 
tungsjahres betrug also 61 « 36 
Von den entlassenen Kindern kommen: 
14 Knaben, 8 Mädchen zu den Erwachsenen, 
1 Knabe, 1 - in andere Anstalten (Potsdamund Lübben), 
1 - 2 starben, 
16 Knaben, 12 - zu ihren Angehörigen: 
1 Mädchen davon wurde von ihrer Mutter aufgehängt. 
Von den verstorbenen Kindern waren in unserer Behandlung: 
1 Knabe: 3 Jahre, 2 Monat, 26 Tage, 
1 Mädchen: 11 - 3 — - 
1 - 6 - 9 - 15 - 
Der Religion nach waren von den 97 Kindern 94 evangelisch, 
3 katholisch. 
Vor der Aufnahme in unsere Anstalt besuchten: 
eine Berliner Gemeindeschule . 2l Kinder, 
eine Nebenklaffe 8 
keine Schule 17 
Das Durchschnittsalter der Kinder betrug 12 */* Jahr. 
Die Eltern der 46 aufgenommenen Kinder waren dem Berufe 
-nach: 
Arbester . 17 
Handwerker 8 
Handlungsgehilfe .... 2 
Beamte 2 
Witwe 8 
Unverehelicht 5 
Geschiedene 2 
Hausdiener 3 
Die Schule wurde am Schluß des Jahres von 58 Kindern 
(34 Knaben und 24 Mädchen) besucht. 
Dieselben verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Klaffen: 
Klaffe 1: 4 Knaben, 2 Mädchen, 
. ll: 9 4 
. III: 10 6 
- IV: 5 6 
V: 3 1 
. Vl: 3 5 
Durch das oben erwähnte Auftreten von Masernerkrankungen 
wurde auch die Einsegung und Schulprüfung aufgehoben. Beide 
Feiern fanden erst am 16. Juni statt. Es wurden 9 Knaben und 
3 Mädchen eingesegnet. Nach der Einsegnung besuchten 14 Knaben 
und 7 Mädchen den Konfirmandenunterricht. Bei der Versetzungs 
prüfung wurden versetzt: 
In die I. Klasse 3 Knaben, — Mädchen, 
- - II. 1 Knabe, 1 
- ° III. - 2 Knaben, 5 
- - IV. 1 Knabe, — 
Der Betrieb der Buchbinderei wurde am 25. August eingestellt 
wegen Entlassung des betreffenden Pflegers und konnte bis heute noch 
nicht wieder eröffnet werden. Als Ersatz beschäftigte der erste Lehrer, 
Herr Storeck, die Kinder mit leichten Holz- und Papparbeiten. 
Im Turnunterricht und außerhalb desselben wurden die Spiele 
eifrig gepflegt. Zu diesem Zwecke wurden angeschafft: Gummibälle, 
1 Tamburinballspiel, 1 Croguetspiel, 1 Fußball. 
Für den Handfertigkeitsunterricht wurden Koch's Modell 
bogen (Papierformen) angeschafft. 
Falls die Buchbinderei noch längere Zeit ohne Pfleger bleibt, 
ist beabsichtigt, auf Grund des Buches von Frenkel die leichte Holz- 
arbeit in Verbindung mit dem Linearzeichnen einzuführen. 
An Ausflügen fanden statt: 'ein Spaziergang nach der Pferde 
bucht und eine Fahrt nach dem Zoologischen Garten, die beide ohne 
Zwischenfall verliefen. 
Der für die kleinen Knaben bestimmte Raum des Spielplatzes 
wurde mit Rasen besät, was sich für die Reinlichkeit der Kinder be 
währt hat. 
Bei dem Lehrerkollegium fanden folgende Veränderungen stau: 
Herr Batzke wurde als Lehrer an die 282. Gemeindeschule in Berlin 
versetzt. An seine Stelle trat Herr Lehrer Niethe vom Seminar in 
Kyritz, der aber am 1. April 1907 wieder an die 271. Gemeinde- 
sckule in Berlin versetzt wurde. Für ihn wurde von der Deputation 
Herr Schlüter aus Änklam gewählt. 
Wie in den früheren Jahren veranstalteten wir im Festsaale von 
Zeit zu Zeit Vorstellungen zur Unterhaltung der Kranken und Tanz- 
vergnügen. Bei den Theateraufführungen beteiligten wir wiederholt 
Kranke des Ueberwachungshauses, in der besonderen Absicht, ihnen 
das Einerlei des Anstaltsaufenthaltes durch diese Zerstreuung weniger 
fühlbar zu machen und konnten immer einen recht guten Einfluß auf 
die Stimmung und das Verhalten dieser Kranken, die besonders schwer 
die Anfangzeit empfinden und besondere Schwierigkeiten in der Be- 
Handlung machen, erkennen. 
In der Ordnung des Gottesdienstes, in den Gesang- und Musik 
übungen fand keine Aenderung statt. Die Anstalt wurde häufig von 
Verwaltungsbeamten, Baubeamten, Aerzten und Lehrern besucht, um 
ihre Einrichtung anzusehen.
	        
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