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Volume No. 11. Bericht über das Märkische Provinzialmuseum

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1906 (Public Domain)

Druck von W. & S. Loewenthal, Berlin. 
Verwaltungsbericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ltatsjahr 1906. 
M 11. 
WerichL über das Wärkifche 'Urovinzicrl'mufeum. 
Die Vermehrung der Museumssammlungen ist im Verwaltungs- 
jähr 1906 die geringste seit dem Bestehen der Anstalt gewesen, Zu 
den 97140 Katalognummern am Schluß des Vorjahres (31.März 1906), 
sind nur 1 578 Gegenstände im Laufe des Berichtsjahres hinzugekommen, 
und zwar weit über die Hälfte (918) allein zu Katalog XI (Bilder), 
zu den übrigen 18 Katalogen kamen nur 760 Gegenstände im ganzen, 
also auf jeden durchschnittlich 42, als Zugang. 
Die Ursachen eines so beträchtlichen Rückganges liegen nahe. 
Die Beamten und Angestellten waren zum größten Teil für die 
Vorarbeiten der Aufstellung im Neubau in Anspruch genommen, so 
daß die sonst übliche rührige Erwerbungstätigkeit eine erhebliche Ein 
schränkung erfuhr: die bisherigen Ausstellungsräumlichkeiten mußten 
mehr und mehr für andere städtische Zwecke geräumt und die be 
treffenden Sammlungen im verpackten Zustand belassen werden, weil 
die Fertigstellung des Neubaus im Innern immer noch nicht möglich 
war. Das Interesse des Publikums für die Sammlungen, die so der 
Besichtigung entzogen blieben, verminderte sich infolgedeflen ersichtlich, und 
eine Anzahl früher regelmäßig oder öfter mit Zuwendungen erschienener 
Donatoren, ja sogar wohl 9 /io der sonst tätigen Pfleger, blieben ganz aus. 
Von der zu Ankäufen bestimmten Etatssumme (4 000 Jt) wurden 
3 905 Jt verbraucht. Auf alte Bildwerke und auf Photographien 
entfielen davon allein 2 568 Ji, darunter 1000 Ji für 5 Fechhelmsche 
Gemälde, die sich seit über IM Jahren in Riga befanden und Berliner 
Ansichten aus der Zeit um 1785 darstellen. Für Stammbücher und 
Autographe wurden 228 M ausgegeben, der Rest von ca. 11M^ 
für einen Wendenpfennigfund von Leest, für ein altes Berliner Klavier 
mit Aufsatz in Lyraform, für Spreewaldmobiliar, für verschiedene ältere 
Möbel und Wirtschaftssachen, Porzellan, Gewerkssachen und Bijouterien. 
Aus dem Albert Cohnschen Nachlaß gingen 51 Mobiliarstücke, 
Erinnerungsgegenstände, Medaillen, Bilder und kleinere Geräte ein 
und aus dem Nachlaß der Frau v. Richthofen 58 Gegenstände, 
meistens Modesachcn und Handarbeitsgeräte aus der ersten Hälfte des 
19. Jahrhunderts. 
Auf besonderen Wunsch Sr. Majestät des Kaisers wurde ein seit 
30 Jahren im Besitz des Museums befindliches restaurationsbedürftiges 
Oelbild des Generals v. Schmettau von ca. 1780 zu Allerhöchster Ver 
fügung gestellt, wogegen dem Museum auf diesseitigen Vorschlag das 
im Hohenzollern Museum ausgestellt gewesene große Oelbild, das Kur 
fürstliche Schloß zu Berlin im Jahre 1694 darstellend, überwiesen wurde. 
Da eine besonders nennenswerte Erwerbungstätigkeit oder Zuwen 
dung von Geschenken nicht zu verzeichnen war, konnten auch die sonst 
dafür üblichen Auszeichnungen, Diplome, silberne oder goldene 
Anerkennungszeichen, diesmal nicht verteilt werden. 
Die Benutzung der Muscumssammlungen seitens besonderer 
Interessenten (Forscher, Künstler, Handwerker. Schriftsteller usw.) fand 
zwar fortdauernd statt, war aber noch mehr wie im vorigen Jahre 
erschwert und beschränkt, weil immer weitere Sammlungsgruppen 
verpackt werden mußten, um den dringlichen Anforderungen nach 
weiteren Räumlichkeiten für das Gewerbegericht zu entsprechen, 
während andererseits die Aufstellung im Neubau noch nicht möglich war. 
An wissenschaftlichen Arbeiten sind vom Museum aus ver 
öffentlicht worden: „Zur Baugeschichte des Pariser Platzes": „Alt- 
Berliner Ansichten": „Urnen und Kinderklappern aus vorgeschichtlichen 
Gräbern": „Führung durch die Marienkirche in Berlin"; „Berliner 
Stammbücher"; „Drei ältere Pläne von Berlin"; „Der Maler Rösel" 
und verschiedene kleinere Notizen im Monatsblatt der „Brandenburgia". 
Der Museumsverwaltung liegen auch die Arbeiten für die Er 
richtung städtischer Gedenktafeln für verdiente und bewährte Männer 
an ihren einstigen Wohnstätten ob. Zu den bereits früher errichteten 
43 Gedenktafeln sind im Berichtsjahr wiederum 2 gekommen, nämlich: 
für Theodor Fontane, am Hause Potsdamer Straße 134c imb 
für den Dichter Josef v. Eichendorff, am Hause Potsdamer Platz 1. 
Auch die alljährliche Revision sämtlicher städtischer und der 
33 sonstigen Gedenktafeln ist vom Kustos bewirkt. 
Die Räumlichkeiten des Museums in der Zimmerstraße 
haben während des Berichtsjahres wiederum eine Verminderung er- 
fahren. Die beiden Zimmer, in denen die mittelalterlich kirchliche 
Abteilung und die Richt-, Straf- und Foltergeräte aufgestellt waren, 
sowie das ebenfalls mit Sammlungsgegenständen besetzt gewesene 
Direktionszimmer und der Korridor mußten für die Zwecke des Kauf 
mannsgerichts geräumt werden. Gegenwärtig sind in der Zimmer- 
straße noch 3 Ausstellungszimmer mit der historischen und den ver 
schiedenen kulturgeschichtlichen Abteilungen der Neuzeit besetzt, während 
die in Kisten verpackten Sachen teils in den Verwaltungsräumen, 
teils in 2 kleinen Wohnungen des rechten Seitenflügels, teils im Keller 
und in ermieteten Kellerräumen der Markthalle, teils auch schon auf 
dem Boden des Neubaus lagern, wohin auch namentlich die größeren 
unverpackten Sachen gebracht sind. 
Wenn im vorigen Jahresbericht auf Grund der Angaben der 
Bauverwaltung die Fertigstellung des Neubaus zum 1.April 1907 
in Aussicht gestellt wurde, so hat sich das leider nicht verwirklicht. 
Soweit sich der Stand der inneren baulichen Arbeiten seitens der 
Museumsverwaltung übersehen läßt, dürfte der Umzug frühestens 
zum 1. April 1908 bewerkstelligt sein. Für die Sicherheit der bereits 
nach dem Neubau überführten Sammlungen ist dadurch Sorge ge 
tragen, daß ein Museumstechniker die für ihn bestimmte Dienstwohnung 
im Neubau am 1. April 1907 bezogen hat, während der Museums- 
handwcrker am 1. Oktober 1907 in die für ihn hergerichtete Wohnung 
ziehen soll. 
In der Zusammensetzung der Museumsdirektion fand im 
Juni 1906 eine Aenderung statt, indem Bürgermeister vr. Reicke an 
Stelle des Stadtrats Tour bi 6 eintrat und zugleich den Vorsitz über 
nahm. Die Direktion besteht nunmehr aus dem Bürgermeister als 
Vorsitzendem, den Stadträlen, Geheimen Regicrungsräten Friede! und 
Hofsmann, sowie aus den Stadtverordneten Klaar, Kyllmann, 
vr. Nathan, Reimann, Stapf und Zubeil. 
Von den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats ist der 
Museumsdirektor, Geheimer Regierungsrat vr. Voß gestorben; in 
seine Stelle hat die Anthropologische Gesellschaft den Stadtverordneten, 
Fabrikbesitzer Sökeland, gewählt. Dem Beirat gehören nunmehr an: 
1. vr. Lissauer, Sanitätsrat, 
Stadtverordneter Sökeland, 
Fabrikbesitzer, 
vr. Voß, G., Professor, ] 
Konservator, 
4. Höpfner, A., Baurat, j 
vr. Holtze. Amtsgerichlsrat, I Delegierte des Vereins für 
vr. Hegert, Geh. Archivrat,/ Geschichte der Mark Brandenburg, 
v. Bardeleben, Exzellenz, Generalleutnant z. D., Delegierter 
des Vereins „Herold", 
v. Borwitz und Harttenstein, Heroldsmeister, Kammerherr, 
vr. Bahrfeldt, Versicherungsdirektor und Numismatiker, 
vr. Bolle, Carl, Bürgerdeputierler, 
vr. Reinhardt, Profeffor, Realschuldirektor, 
12. vr. Kraatz, Gustav, Professor. 
Die Verwaltung des Museums führt der Kustos Buchholz. 
Neben ihm sind tätig: Professor vr. Pniower, Museumsassistent, 
und die beiden wissenschaftlichen Hilfsarbeiter Geologe vr. Solger 
und Kunsthistoriker vr. Wolfs. Beigegeben sind ihnen der Bureau- 
beamte Sonnenburg und die technischen Hilfsarbeiter Kothe und 
Dunkel, sowie ein Handwerker, ein Diener und eine Reinigungsfrau. 
Berlin, den 19. August 1907. 
Die Direktion. 
Reicke. 
2. 
3. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
Delegierte der 
| Anthropologischen Gesellschaft. 
Delegierte des Vereins für die 
Geschichte Berlins,
	        
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