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Volume No. 8. Bericht der städtischen Schuldeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1905 (Public Domain)

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Nr. 8. Schuldeputation. 
bei Klaffe I um 20 v. H. ist doch nur scheinbar. Ein Blick in die 
Tabelle IV des Anhanges, welche einen Ueberblick über die Bewegung 
der Generationen bietet, zeigt den eigentlichen Grund, nämlich daß 
gerade das Berichtsjahr in der Altersklaffe von 13—14 Jahren, also 
den Besuchern der I. Klassen, eine Minusdifferenz von 675 gegen 
das Vorjahr zu verzeichnen hat. Dieser Rückgang, der sich in fast 
gleicher Höhe bis zum Jahre 1902 zurückverfolgen läßt, mußte natur 
gemäß einen Einfluß auch auf die Besetzung der I. Klassen ausüben. 
Dieselbe Uebersicht aber gibt auch die Möglichkeit, schon jetzt für das 
kommende Berichtsjahr eine wesentliche Erhöhung der Besetzungs 
ziffer der I. Klassen vorauszusagen, die ja jetzt schon zum Teil in 
dem Steigen der Anteilsziffer für die II. Klaffen um 0,36 v. H. zum 
Ausdruck kommt. Zur Regelung der Besetzung der I. Klassen wurden 
mit Rücksicht darauf, daß an einzelnen Schulen nur äußerst schwach 
besetzte I. Klaffen beibehalten wurden, folgende Beschlüsse gefaßt: 
1. Zwei erste Klaffen an ein und derselben Schule sind nur dann 
zulässig, wenn die Gesamtfrequenz beider die Zahl 60 erreicht. 
2. Die Mindestfrequenz einer ersten Klasse soll an den Schulen, 
an denen nur die eine erste Klaffe vorhanden ist, nicht unter 30 
betragen; eine Ausnahme ist zulässig, wenn die betreffende 
Schule noch in der Entwicklung begriffen ist, oder wenn diese 
Klasse schon besteht und mindestens 25 Schüler hat. Erste 
Klaffen unter 25 Schüler sind zu schließen und die Schüler 
unter die Nachbarschulen zu verteilen. 
Gerade die Anteilsberechnung der Kinder für die einzelnen Klaffen 
nach Prozenten gibt ein anschauliches Bild über das Vorwärtskommen 
der Kinder. Es ist hierbei nicht zu übersehen, daß die Klassen I 
und II den andern Klaffen gegenüber immer im Nachteil sein werden 
durch den großen Abgang von Kindern infolge der Dispensationen, 
welche die Frequenzen dieser beiden Klaffen bedeutend beeinträchtigen. 
Ferner ist die Zahl der Kinder, die mit der Reife für die H. Klasse 
in die Realschule übergehen, nicht unbeträchtlich. 
Ebenfalls gestaltet sich die Durchschnittsbesetzung der Klassen 
nach der folgenden Berechnung günstiger als früher; sie betrug 
in Klaffe 
— Besetzung 
— gegen 
1904 und 
1903 
I 
32,ss 
- 
31,78 - 
31,16 
II 
35,24 
• 
34,58 . 
34,88 
III 
41,72 
S 
41,34 - 
40,si 
IV 
44,88 
- 
45,ss - 
45,22 
V 
50,12 
49,87 - 
50,ib 
VI 
52,ss 
- 
53,18 - 
54,06 
VII 
53,88 
- 
54,88 - 
55,77 
VIII 
54,ib 
. 
55,26 - 
56,oi 
Nebenklaffen 
14,82 
- 
15,04 - 
14,34 
Diese Gegenüberstellung zeigt wie im Vorjahre eine steigende 
Frequenz in der Oberstufe und eine sinkende in den Unterklassen. 
Besonders zeigt sich dies in der Besetzung der VIH. Klasse wie sie 
die nachstehende Tabelle aufweist: 
1890 .... 
. 61,72 
1900 .... 
. 58,42 
1902 .... 
1903 .... 
1904 .... 
1905 . . . . . 
Auch im Berichtsjahre sind nach dieser Richtung Verbesserungen 
eingeführt worden. Betrug die Normalbesetzungsziffer für die 
Klassen VII und VIII bisher 69 und 65, so wurde auf Anordnung 
der Schuldeputation diese Zahl auf 60 herabgesetzt. Die Normalzahl 
für die Klaffenbesetzung beträgt jetzt für Klasse I, II, HI, IV — 50; 
V — 55; VI, VII, VIII — 60. Daß Ueberschreitungen dieser Zahlen 
in Gegenden mit reger Bautätigkeit immer noch vorkommen, läßt 
sich beim besten Willen nicht vermeiden. In einzelnen Gegenden ist 
der Andrang neu einzuschulender Kinder so groß und plötzlich, daß 
es nicht möglich ist, allen Anforderungen in wünschenswerter Weise 
gerecht zu werden. Aber durch die Anordnung, in den Aufnahme 
klassen möglichst einige Plätze innerhalb der Normalzahl für Nach 
zügler frei zu halten, soll einer Ueberfrequenz vorgebeugt worden. 
Stark gefüllte Ausnahmeklassen erfahren nun dadurch eine ganz 
wesentliche Entlastung, daß der Unterricht in den Hauptfächern ge- 
leilt werden kann. Es entstehen auf diese Weise Unterrichtsabteilungen 
von 25—38 Kindern. Diese Einrichtung erstreckte sich bei ihrer Ein 
führung auf 178 Klassen mit 727 Stunden, stieg aber in den folgenden 
Semestern auf 191 Klaffen mit 783 Stunden, und zur Zeit auf 
218 Klassen mit 927 Stunden. 
Eine weitere Herabsetzung der Frequenzen in der Unterstufe ist 
zunächst nicht beabsichtigt, weil sonst der Aufbau der einzelnen Schule 
gefährdet wird. Denn wenn die Zahl der Schüler in der Unterstufe 
zu gering wird, können die Klassen der Oberstufe überhaupt nicht 
mehr die zu ihrem Bestände erforderliche Schülerzahl erreichen. 
Wie groß die Kosten sind, welche eine Verminderung der 
Frequenzen verursacht, ist aus nachstehender Berechnung ersichtlich. 
Im Berichtsjahre stieg die Zahl der schulpflichtigen Kinder um 3253. 
Wird die Durchschnittsfrequenz der Klassen auf 47 angenommen, so 
würden 69 neue Klaffen erforderlich gewesen sein, während in Wirklich- 
keit 105 neue Klaffen eröffnet wurden. Rechnet man die laufenden 
Ausgaben für eine Klaffe auf rund 3500 M (in Wirklichkeit sind es 
3535 M). so ergibt sich für 36 Klassen eine Ausgabe von 126 000 M, 
welche lediglich durch Verminderung der Frequenzen entstanden sind. 
Die Durchschnittsbesetzung aller Klaffen betrug 
November 1890 . . . 
1895 . . . 
. . . . 52,°2 
1900 . . . 
1902 . . . 
. . . . 47,S6 
1904 . . . 
1905 . . . 
also auch hier ein langsames Fallen der Frequenz. 
Nach vollendeter Schulpflicht schieden am Schluffe der beiden 
Semester aus: 
aus Klaffe 
Kinder 
gegen 
1904 und 
1903 
1 
9028 
7970 
7186 
II 
7395 
6900 
6238 
III 
4794 
4591 
4435 
IV 
2093 
2258 
2289 
V 
754 
789 
1031 
VI 
119 
114 
150 
Nebenklassen 
178 
161 
78 
24 361 
22 778 
21407 
umgerechnet auf je 100 Kmder: 
aus Klasse 
Kinder 
1905 
1904 1903 
I 
37,06 
35,00 
33,58 
II 
30,38 
30,28 
29,14 
III 
19,68 
20,is 
20,71 
IV 
8,58 
9,88 
10,68 
V 
3,08 
4,82 
6,76 
VI 
0,48 
0,70 
1,70 
Nebenklassen 
0,73 
0,36 
0,18 
Eine Betrachtung vorstehender Zahlenreihen ergibt die erfreuliche 
Tatsache, daß die Zahlen in den 3 oberen Klassen, besonders aber in 
der 1. Klasse, sich in aufsteigender Richtung befinden. Und das ist 
für die Beurteilung der Unterrichtserfolge von Wichtigkeit. 
Dem Rückgänge in den Klaffen IV bis VI steht der Zugang in 
den Nebenklaffen gegenüber. Es zeigt fich also hier, wieviel ungeeignete 
Elemente den Vollklassen durch die Nebenklassen entzogen werden, 
und wie letztere dazu beitragen, das Schülermaterial gleichmäßiger 
zu gestalten. 
Dispensiert wurden in beiden Semestern 1274 Kinder. Die 
„Grundsätze für die vorzeitige Entlassung von Kindern der Berliner 
Gemeindeschulen" erfuhren auf Veranlassung des Königlichen Provin- 
zialschulkollegiums eine Aenderung. Während vorher nur solche 
Kinder vorzeitig entlaffen werden konnten, welche die Reife der 
1. Klasse erreicht hatten, kann jetzt die Entlassung erfolgen, wenn das 
Kind 1. mindestens 7 Jahre die Schule regelmäßig besucht hat, 
2. schon in der 3. Klasse einer Gemeindeschule sitzt und 3. wenn be- 
sondere Verhältniffe die Entlaffung unbedingt erforderlich erscheinen 
lassen. 
Diese Abänderung wurde dadurch hervorgerufen, daß die Kinder, 
welche die Reife für die 1. Klasse bei regelmäßiger Versetzung nach 
dem früheren Lehrplan für das GKlassensystem schon nach fünfjährigem 
Schulbesuch erreichten, jetzt beim 8-Klassensysjem diese Reife erst nach 
siebenjährigem Schulbesuch würden erreichen können. 
Um auch einen Ueberblick über die weitere Bewegung der Schul- 
linder zu gewinnen, wurden auch alle diejenigen Fälle gezählt, in 
welchem Kinder aus einer Schule ausschieden, ohne ihre Schulpflicht 
erfüllt zu haben. Nach dieser Zählung schieden aus der Schule 
20108 Kinder wegen Verzuges innerhalb der Stadt, 
8 296 - - - nach außerhalb, 
2 065 - - Uebertritts in höhere Lehranstalten, 
490 - durch Tod, 
250 - infolge Ueberweisung zur Fürsorgeerziehung 
und 
6 396 aus anderen Gründen, 
zusammen 37 605 Kinder. 
Fast 9 v. H. sämtlicher Schulkinder sind demnach allein infolge 
Verzuges innerhalb der Stadt umgeschult worden. 
2. Religionsbekenntnis der Schulkinder. 
Evangelisch 
197 848 
katholisch 
20937 
jüdi'ch 
4 240 
dissident 
332 
reformiert 
60 
altreformiert 
6 
lutherisch 
35 
altlutherisch 
26 
Mennoniten 
5 
Baptisten 
137 
Methodisten 
16 
altkatholisch 
32 
Adventisten 
14
	        
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