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Volume No. 39. Bericht über die städtischen Markthallen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1905 (Public Domain)

Nr. 39. Marklhallenverwaltung. 
a) Fleischhandel. 
Der Fleischhandel gestaltete sich im Berichtsjahre äußerst schwierig. 
Die durch anhaltende Dürre des Sommers 1904 verursachte Miß 
ernte beeinflußte den ganzen Fleischhandel höchst nachteilig. Die Vieh 
züchter sahen sich genötigt, ihre Bestände einzuschränken und alles 
minder wertvolle und zurückgebliebene Vieh, da? keine gute Futter 
verwertung versprach, zu verkaufen. Es trat dann auch endlich der 
Viehmangel im ganzen deutschen Reiche ein, der schwer empfunden 
wurde und zu einer noch nicht dagewesenen Fleischteurung führte. 
Der im vorigen Jahre festgestellte Aufschwung in der Schweinezucht 
kam unter den schlechten Futterverhältniffen vollständig ins Stocken. 
Nicht allein, daß die Zahl der auf den Markt gebrachten Schweine 
immer mehr zurück ging, so waren auch der Mastzustand und das 
Gewicht der Tiere wesentlich geringer. Die Preise für Schweinefleisch 
erfuhren seit Beginn des Jahres eine stetige Steigerung. Der Durch 
schnittspreis des Vorjahres, der sich auf 52,s M für 50 kg gestellt 
hatte, erreichte in diesem Jahre die Höhe von 69,4 JC.] 
Rindfleisch kam genügend auf den Markt; trotzdem war das Er 
gebnis ein ungünstiges, weil das Fleisch meistens von leichtem, un 
reifem Vieh herrührte. Ein Steigen der Zufuhren an Fleisch von 
gut gemästetem Vieh und ein Sinken der hohen Preise dürfte kaum 
zu erhoffen sein, zumal die reichliche Futterernte des Jahres 1905 für 
die Landwirte Anreiz genug sein wird, ihre immer noch stark ver 
minderten Viehbestände wieder zu vervollständigen. Kalbfleisch war 
ebenfalls meist geringer Qualität. Die Nachfrage nach Hammelfleisch 
war in diesem Jahre größer als sonst, einmal, weil alle Gemüse, zu 
denen gewöhnlich Hammelfleisch genossen wird, vorzüglich gediehen 
und dementsprechend billig waren, dann aber, weil das Hammelfleisch 
bei dem Mangel an Schweinefleisch auch vielfach als Ersatz dienen 
mußte. 
Nach den Notierungen in unserem Marktbericht ergaben sich für 
das Geschäftsjahr 1905 folgende Durchschnittspreise: 
Für 50 kg 
wurden 
gezahlt im 
Rindfleisch 
Kalbfleisch 
Hammel 
fleisch 
AZ. 
la 
II a 
lila 
IV a 
la 
II a 
lila 
la 
II a 
E) 
April . 1905 
61,o 
53,7 
48,3 
40,9 
79,7 
75,4 
70,6 
59,6 
51,0 
62,5 
Mai. . 
61,2 
54,i 
48,2 
39,8 
83,3 
75,4 
70,i 
62,i 
53,3 
63,9 
Juni. . 
62,7 
56,2 
51,o 
43,4 
83,7 
75,i 
68,3 
70,o 
64,3 
63,8 
Juli. . 
64,7 
58,2 
53,2 
45,2 
82,8 
74,i 
67,1 
71,5 
62,o 
65,9 
August . 
66,9 
60,i 
55,1 
48,o 
84,b 
75,i 
67,5 
73,7 
65,4 
69,6 
September - 
66,4 
59,2 
53,7 
45,1 
86,7 
77,6 
65,8 
72,4 
63,2 
69,2 
Oktober. 
66,9 
59,8 
53,8 
45,2 
88,i 
78,7 
65,4 
69,5 
55,6 
71,i 
November 
66,1 
60,6 
52,8 
44,o 
87,7 
77,4 
68,2 
68,7 
53,7 
74,i 
Dezember 
66,2 
60,2 
62,8 
44,3 
86,o 
76,6 
60,9 
68,7 
54,6 
70,6 
Januar. 1906 
64,3 
57,9 
50,8 
42,9 
87,o 
75,o 
61,9 
68,8 
58,3 
72.4 
Februar 
64,4 
57,9 
50,9 
42,9 
85,o 
70,9 
58,4 
67,6 
59,2 
75,3 
März . 
64,9 
58,4 
51,2 
43,2 
84,8 
70,4 
56,9 
65,8 
57,2 
74,9 
Jahresdurch- 
69,4 
schnitt 1905 
64,9 
58,o 
51,8 
43,7 
84,9 
75,1 
64,6 
68,2 
58,i 
1904 
60,8 
52,8 
46,6 
38,3 
78,3 
72,6 
67,5 
61,9 
52,8 
52,3 
1908 
61.8 
55,7 
50,1 
43,7 
78,9 
71,o 
61,o 
65,i 
54,6 
49,2 
1902 
59,6 
54,2 
49,3 
43,6 
74,o 
67,4 
54,i 
63,5 
54,0 
58,5 
1901 
53,6 
52,o 
45,s 
38,2 
69,6 
63,7 
47,6 
58,8 
47,5 
58,5 
Hiernach sind die Preise gegen das Vorjahr 
für Rindfleisch 
Kalbfleisch 
Hammelfleisch 
la 
II a 
lila 
IV a 
la 
II a 
la 
Ha 
um 
4.30 M, 
5,20 - 
5,20 - 
5,40 - 
6,60 - 
2,60 - 
6.30 - 
5.30 - 
17,10 - 
- Schweinefleisch 
gestiegen. 
Infolge der hohen Fleischpreise und der guten Absatzverhältnisie 
waren auch die Zufuhren von ausländischem Fleisch erheblich größer, 
als in den Vorjahren. Diese Tatsache war im Jntereffe des Konsums 
mit Befriedigung zu begrüßen. Namentlich waren es Dänemark und 
Holland, welche Rindfleisch in großen Mengen hierher lieferten; aber 
nach aus England wurde Schweine- und Ochsenfleisch zugeführt. 
Wenn auch das importierte Fleisch wegen des langen Transports 
nicht mehr als erstklassig zu bezeichnen war, so beeinflußte es doch 
in fühlbarem Grade den Fleischhandel und machte die Großschlächter 
zu Preiskonzessionen an die Kundschaft bereiter. 
Nachstehend lassen wir eine Zusammenstellung der für ausländisches 
Fleisch erzielten Durchschnittspreise folgen: 
Für 50 kg 
Dänisches 
Holländisch. 
Englisches 
Bakonier 
wurden 
ge- 
Rind- 
Kalb- 
Schwei- 
Rind- 
Kalb- 
Rind- 
Schwei- 
Schwei- 
zahlt im 
Fleisch 
Fleisch 
Fleisch 
Wasch 
April . 
1905 
56,o 
_ 
Mai . 
- 
55,2 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
Juni . 
- 
56,5 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
Juli . 
- 
59,7 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
August 
- 
61,o 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
Septemb. 
- 
60,i 
51,0 
— 
56,o 
65,0 
— 
— 
— 
Oktober 
- 
60,5 
52,6 
— 
56,o 
59,2 
— 
— 
— 
Novemb. 
- 
56,3 
52,9 
55,o 
— 
57,o 
52,8 
— 
69,0 
Dezemb. 
- 
56,4 
51,o 
— 
— 
56,6 
51,7 
— 
66,7 
Januar 
1906 
54,2 
55,o 
54,6 
— 
50,1 
— 
— 
Februar 
- 
52,8 
00,6 
— 
57,5 
67,8 
51,o 
66,0 
— 
März. 
- 
54,5 
58,7 
— 
57,6 
51,o 
51,3 
— 
— 
ll905 
56,9 
53,8 
55,0 
56,3 
59,4 
51,4 
66,o 
67,8 
Jahres- 
1904 
53,7 
durch- . 
1903 
54,3 
schnitt 
1902 
52,3 
er betrug 
1901 
48,8 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
b) Wild- und Geflügelhandel. 
In dem abgelaufenen Berichtsjahre kam der Abschluß der neuen 
Handelsverträge zustande, auch fällt in dasselbe, wie schon vorher ange- 
deutet, die nicht unerhebliche Teuerung auf dem Fleischmarkt. Hierdurch 
ist naturgemäß auch der Handel von Wild und Geflügel stark beeinflußt 
worden. Jni allgemeinen waren daher die Umsätze geringer, die Preise 
dagegen höher, so daß derGeldwert derUmsätzenahezuderselbegeblieben ist. 
Die einzelnen Warengattungen zeigten im Preise keine bedeuten 
den Schwankungen, was wie im Vorjahre in erster Linie auf die 
immer weiter steigende Benutzung der Kühlräume zurückzuführen ist. 
Die Zufuhren in Rot- und Rehwild haben nicht immer den An 
forderungen entsprochen; die Hasenzufuhr hatte unter der schlechten 
Witterung des vorigen Frühjahrs zu leiden, so daß der Umsatz in 
Hasen im ganzen geringer war. In Wildgeflügel waren von deutscher 
Herkunft Rebhühner und Fasanen in genügender Menge und guter 
Qualität am Markt, während die Zufuhren vom Auslande namentlich 
in Schneehühnern, Birk- und Haselwild stark zurückgingen, was um 
so auffälliger war, als die Preise durchweg gute waren. 
Die Zufuhr an geschlachtetem Geflügel bewegte sich bei Gänsen 
auf der gleichen Höhe des Vorjahres, trotzdem zeitweise durch die 
Ungunst der russischen Verhältnisse bedeutende Stauungen eintraten, 
während Hühner in geringerer Menge an den Markt kamen. Der 
Ausfall erklärt sich aus der mangelnden Zufuhr aus dem Auslande 
bezw. aus der nicht genügenden Steigerung der Produktion im Jnlande. 
Enten, Tauben und Puten waren lange nicht in genügender Menge vor 
handen. Wenn auch die Pute hauptsächlich aus dem Ausland hereinkommt 
und eine Produktionssteigernng hiervon in Deutschland kaum zu er 
zielen sein dürfte, so müßte doch eine stärkere Produktion an Enten 
und Tauben innerhalb des eigenen Landes zweifellos zu erreichen sein. 
Der Handel von zahmem lebenden Geflügel hat sich aus der 
Zentralmarkthalle wieder wie auch im vorigen Jahre wesentlich zurück 
gezogen, so daß von einem solchen Großhandel kaum noch die Rede 
sein kann. Wie schon im vorjährigen Bericht hervorgehoben, sind 
hieran in erster Linie die Verhältnisse auf dem Schlesischen Bahnhof 
schuld, woselbst die galizischen Händler einen schwunghaften Handel 
treiben, ohne den Abgaben und sonstigen Handelsbeschränkungen, wie 
sie in der Zentralmarkthalle bezw. auf dem Magerviehhof Friedrichsfelde 
bestehen, unterworfen zu sein. 
Die nachfolgenden Zusammenstellungen geben eine Uebersicht des 
Umsatzes im Wild- und Geflügelgeschäft bei unsern städtischen Verkaufs- 
Vermittlern und der auf Grund amtlicher Notierungen ermittelten 
Durchschnittspreise. 
Bei städtischen Verkaufs 
vermittlern wurden 
umgesetzt Stück 
1905 
1904 
1903 
Rehwild 
20 367 ' 
23 585 
18 917 
Damwild 
3 263 . 
3 940 
2 647 
Rotwild 
5 562 
6 226 
4 978 
Schwarzwild 
1 455 
1327 
1324 
Hasen 
Kaninchen, wilde .... 
189 213 
204 474 
203 130 
118 987 \ 
100 126 
81769 
Fasanen 
38078 
31030 
17 040 
Rebhühner 
195 942 ' 
173 329 
164 983 
Lebende Hühner .... 
76 471 
118 772 
117 323 
- Enten 
11360 
26 710 
16 934 
Geschlachtete Gänse . . . 
242 639 
252 727 
258 136 
- Hühner . . . 
365 033 
417 376 
379 146 
Enten . . . 
39580 
52 672 
57010 
Zusammen 
1307 950 
1412 293 
1 323 337
	        
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