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Volume No. 19. Bericht der Deputation für die städtische Irrenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1905 (Public Domain)

Nr. 19. Städtische Irrenanstalten. 
39 
10 Jahre 5 Knaben, 2 Mädchen. 
9 - 3 1 
8-6.— 
7-2. 2 
6-3-2 
5 - 2 1 
4 - 3 . 1 
Das Durchschnittsalter betrug also ungefähr 11'/, Jahre. 
Die Eltern der 46 neu aufgenommenen Kinder waren ihrem 
Berufe nach: 
Arbeiter: 19 
Handwerker: 9 
Beamte: 4 
Wittwen: 6 
Unverehelicht: 6 
Invalide: 2 
Die Schule wurde am Schluß des Jahres von 60 Kindern be 
sucht, die sich folgendermaßen auf die einzelnen Klassen verteilten: 
I. Klaffe: 4 Knaben, 1 Mädchen, 
II. - 5 
III. . 11 
IV. - 7 
V. . 5 
VI. - 4 
Bei der Versetzungsprüfung wurden versetzt: 
In I. Klasse: 1 Knabe 2 Mädchen, 
. II. - 2 Knaben 2 
. III. - 1 Knabe 1 
- IV. 2 Knaben — 
. V. - 2 1 
Die Weihnachtsfeier fand am Sonntag, den 17. Dezember, statt. 
Die Einsegnung und die damit verbundene Schulprüfung war 
am 25. Mai. Es wurden 8 Knaben und 8 Mädchen eingesegnet. 
Den Konfirmandenunterricht besuchten am Schluß des Jahres 
10 Knaben und 8 Mädchen. 
Es wurden zwei größere Spaziergänge in die Umgebung unter- 
nommen. Einmal besuchten 16 Kinder unter Begleitung der Lehrer 
und Lehrerinnen den Zoologischen Garten. Sämtliche Ausflüge 
verliefen ohne störenden Zwischenfall. 
Im Berichtsjahre wurden 9 Konferenzen mit den Lehrern und 
Lehrerinnen abgehalten. 
Im Lehrerkollegium fanden folgende Veränderungen statt: Herr 
oanck. theol. Schmidt wurde am 1. Oktober 1905 als Pastor nach 
Schöpfurlh bei Eberswalde berufen. An seine Stelle trat Herr Storeck 
aus Berlin. Fräulein Ohme verließ am 1. Januar unsere Anstalt: 
sie wurde durch Fräulein Krüger ersetzt. 
Ein Knabe wurde im Trommeln, drei Knaben wurden im Flöten 
spiel ausgebildet. 
In der Buchbinderei arbeiteten sechs Knaben, in der Kerbschnitzerei 
fünf Knaben, in der Gärtnerei fünf Knaben und sieben Mädchen. 
Folgende Beträge wurden vereinnahmt aus den von Kindern 
angefertigten Arbeiten: 
Aus der Gärtnerei 34,ib jtc 
Aus der Kerbschnitzerei .... 18,ss - 
Aus Handarbeiten der Mädchen 20,2» - 
zusammen 72,W JC. 
Die Buchbinderei des Kinderhauses fertigte folgende Arbeit an: 
Einbände für das Kmderhaus 34 
Einbände für die Wissenschaftliche Bibliothek 26 
Bedruckt mit Nummern Bände 48 
Repariert Bände 27 
Reparaturen an Wandkarten usw 14 
Tabellen 20 
Hefte (Schreib-, Rechen- und Oktavhefte) . . 250 
Modellierbogen aufgestellt 15 
Wie in den füheren Jahren fanden im Festsale von Zeit zu Zeit 
Veranstaltungen zur Unterhaltung und Ergötzen der Kranken statt. 
An den Theateraufführungen nahmen in diesem Jahre kranke 
Männer aus dem Ueberwachungshause besonderen Anteil. Die Vor 
bereitung dazu und die Uebungen, die unter der Leitung eines Arztes 
stattfanden, ließen eine gute Einwirkung auf die Stimmung und 
Haltung dieser unglücklichen Kranken erkennen, da die Sache sie ganz 
in Anspruch nahm und von der Alltäglichkeit ablenkte. Die große 
Zahl der in diesem Hause untergebrachten Kranken macht es uns 
schwer, sie geeignet zu beschäftigen und mit Unterhaltungsstoff (Spielen) 
zu versehen, um ihnen das Einerlei des Kraukenhausaufenthalts, den 
gerade die einer ungezügelten Freiheit gewohnten Leute besonders 
empstndcn, weniger fühlbar zu machen. 
In der Ordnung des Gottesdienstes, in den Gesang- und Musik- 
Übungen fand keine Aenderung statt. Wie in den verstoffenen Jahren, 
wurde auch in diesem Jahre die Anstalt von Abordnungen von 
Anstalten und Behörden, von Vereinen, von Verwaltungsbeamten, 
Aerzten, Baubeamten und Lehrern besucht, um die Einrichtungen 
kennen zu lernen. 
Von größeren baulichen Arbeiten wurden im Berichtsjahre 
folgende ausgeführt: 
Das Wirtschaftsgebäude wurde vergrößert. Der Desinfektions 
raum wurde in das Kellergeschoß der Waschküche verlegt und der 
dadurch frei gewordene Raum dem Zweck, zu dem er im ursprünglichen 
Plane der Anstalt vorgesehen war, übergeben, als zweiien Raum für 
die Annahme der schmutzigen Wäsche zu dienen. Eine weitere Ver 
größerung betraf die Kochküche im Wirtichaftshause und zwar wurde 
ein neuer Raum für die Spülküche geschaffen und die frühere Spülküche 
der eigentlichen Kochküche hinzugefügt, da dort ein neuer zweiter Herd 
aufgestellt werden mußte. Ferner wurde ein zweiter Gemüseputzrauin 
und ein Eßraum für das Wirtschaftspersonal hergestellt. 
Das Spritzenhaus wurde vergrößert, damit die neue große Feuer- 
leiter untergebracht werden konnte. Ein kleiner Anbau davon dient 
zur Unterbringung feuergefährlicher Stoffe. 
Die Wege zu Seiten der Jnfektionskrankenhäuser wurden weiter 
geführt unst ausgebaut, der Wirtschafishof gepflastert. 
Zur Vorbereitung des Anschlusses der Heizanlage des Kinder 
hauses an die zentralen Einrichtungen der Anstalt wurde die Warm- 
wafferleitung, die schon bis zum Jnfektionskrankcnhause, der Frauen 
gediehen war, bis zu dem Kinderhause weitergeführt. 
Im Kinderhause wurden zwei Ventilatoren aufgestellt. 
Die Gleisanlagen (zur Beförderung des Essens, der Wäsche und 
der Müllabfuhr) wurden weitergeführt. 
Eine große Arbeit war die Befestigung des Weges, der an dem 
Ueberwachungshause der Männer vorbei und zwischen den Werkstätten- 
Häusern hindurchführend, zum Gulshofe und weiter zum Kirchhofe 
geht. Zunächst wurde die Strecke von dem Keflelhause, dem südlichen 
Ende des Weges bis zu den Werkstätten, der fast unwegsam war, 
hergestellt. 
Auf dem Gutshofe wurde der Wagenschuppen vergrößert und 
ein Frühstücksraum für die Gutsarbeiter im Kellergeschoß des Männer 
landhauses HL ausgebaut und eingerichtet. 
Im Keffelhause wurden die zehn Dampfkeffel mit selbsttätigen 
Speisevorrichtungen versehen.
	        
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