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Volume No. 18. Bericht der Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1905 (Public Domain)

Nr. 18. Städtische Krankenanstalten. 
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auf Vorschlag der Deputation, die Zinsen in gleicher Weise wie bei 
dem Rieß'schen Legat (s. III, letzter Absatz) zu verwenden. In beiden 
Fällen erklärte die Stadtverordnetenversammlung zu der vorgeschlagenen 
Verwendung ihre Zustimmung. 
4. Pflegcriunenschulen. 
A. Die Pslegcrinnenschule im Krankenhause im Friedrichs- 
Hain bewirkt die Ausbildung der zum Verbände des Viktoriahauses 
für Krankenpflege. Landsberger Allee 19/20, gehörigen Schülerinnen, 
aus denen die in den Krankenhäusern im Friedrichshain, am Urban 
und im Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhause, sowie im 
Waisenhause und in den Heimstätten tätigen Viktoriaschwestern 
entnonimen werden. Die Beschäftigung dieser Schwestern in den 
städtischen Anstalten erfolgt nach Maßgabe des von den Gemeinde 
behörden mit dem genannten Vereine geschlossenen Vertrages 
vom 25. April 1892. Auf Antrag des Vereinsvorstandes wurden 
die bisher von der Stadtgemeinde gezahlten Vergütungssätze von 
jährlich 480 JC für eine Oberschwester und 360 JC für eine Schwester 
auf 600 bezügl. 450 JC vom 1. April 1906 ab erhöht. 
Die angegebenen Beträge sind Durchschnittssätze, die Festsetzung 
der Gehälter und deren Zahlung erfolgt durch das Vikwriahaus. 
Vom 1. April 1906 ab gelten die neuen Vergütungssätze gleichmäßig 
für alle in städtischen Anstalten tätigen Viktoriaschwestern, während 
bis dahin die Höhe der Sätze in den einzelnen beteiligten städtischen 
Verwaltungen eine verschiedene war. Für die Beköstigung der im 
Krankenhause im Friedrichshain beschäftigten Vikloriaschwestern und 
Schülerinnen erhält das Viktoriahaus eine Vergütung von 1,so JC 
für den Tag und Kopf, für die Reinigung der Wäsche der Schülerinnen 
1 JC für den Kopf und die Woche; die Beköstigung der in dem 
Krankenhause am Urban und im Kinderkrankenhause sowie in den 
übrigen städtischen Anstalten tätigen Vikloriaschwestern und die 
Reinigung ihrer Wäsche findet in den Anstalten selbst statt. 
An den beiden im April und im Oktober beginnenden Aus- 
bildungskursen, deren jeder 6 Monate dauert, nahmen zusammen 
40 Schülerinnen teil. 
L. In der zweiten städtischen Pflegerinnenschule im 
Krankenhause Moabit werden Schülerinnen zur Ausbildung für 
den städtischen Krankenpflegedienst nach Maßgabe der von den 
Gemeindebehörden genehmigten Satzungen vom 20. Februar 1904 
aufgenommen. In jedem Eiatsjahre beginnen (April und Oktober) 
zwei je ein Jahr dauernde Ausbildungskurse, die festgesetzte Zahl der 
Teilnehmerinnen beträgt 30 für jeden Kursus. 
Ueber die Aufnahine der Schülerinnen entscheidet die Anftalts- 
direktion; Bedingungen für die Aufnahme sind ein unbescholtener Ruf, 
ein Alter nicht unter 20 und nicht über 35 Jahre, guter Gesundheits- 
zustand und ausreichende allgemeine Bildung. Beim Eintritt muß 
die Schülerin sich verpflichten, nach Ablauf des Ausbildungsjahres 
noch 3 Jahre der städtischen Schwesternschaft anzugehören. Nach 
sechs Monaten erhält die Schülerin bei völlig freier Station ein 
Taschengeld von 10 JC monatlich. Hat sie am Schluffe der Ausbildung 
die Prüfung vor der Direktion und der Oberin bestanden, so erhält 
sie als Schwester ein Anfangsgehalt von jährlich 360 JC, welches 
jährlich um 30 JC bis auf 540 JC steigt. Mit dieser Summe beginnt 
das Gehalt der Oberschwestern und steigt alle zwei Jahre um 30 JC 
bis auf 660 JC. 
Jährlich erhalten die Schwestern einen mehrwöchigen Erholungs- 
urlaub. Bei eintretender Dienstunfähigkeit wird den Schwestern Ruhe 
geld nach Maßgabe des Gemeindebeschluffes vom 9. Mai INI 
gewährt, d. h. nach zehnjähriger Dienstzeit? die vom Tage des Eintritts 
als Schülerin ab gerechnet wird, 1 / i des Einkommens; mit jedem 
zurückgelegten Dicnstjahre steigt das Ruhegehalt um V,g des Einkommens. 
Außer dem Bargehalt wird freie Wohnung mit Heizung^ und 
Beleuchtung, freie Kost vom II. Tisch, freie Dienstkleidung und freie 
Reinigung derselben sowie der eigenen Wäsche, endlich freie ärztliche 
Behandlung und Arznei gewährt. Der Wert dieser Nebenbezüge ist 
auf jährlich 860 JC festgesetzt und wird in dieser Höhe bei Ermittelung 
des Ruhegeldes in Berechnung gezogen. Auf das Ruhegeld kommt 
die Hälfte der Invalidenrente zur Anrechnung. 
Die Zahl der Schülerinnen in den beiden Kursen des Etats 
jahres 1905 betrug zusammen 51, als Schwestern in die städtische 
Schwesternschaft wurden im Berichtsjahre aufgenommen 32. Am 
1. April 1906 gehörten der städtischen Schwesternschaft außer der 
Oberin 97 Oberschwestern, Schwestern und Probeschwestecn an, außer 
dem waren 35 Schülerinnen vorhanden. ' 
Weihnachten 1905 konnte den Oberschwestern und Schwestern das 
nach einem Entwürfe des Bildhauers Konstantin Stark von der 
städtischen Kunstdeputalion zur Ausführung empfohlene Schwestern 
abzeichen übergeben werden. Das Abzeichen ist eine an silberner 
Halskette zu tragende silberne Medaille, welche auf der Schaufeite 
eine auf den Pflegeberuf hinweisende symbolische Darstellung der 
Barmherzigkeit und auf der Rückseite die Worte: „Schwesternschaft 
der Stadl Berlin" trägt. Als Abzeichen für die Oberin dient die 
gleiche Medaille in vergoldeter Ausführung. 
Uebersicht,
	        
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