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Volume No. 10. Bericht über die städtische Blindenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1905 (Public Domain)

Nr. 10. Blindenpflege. 
3 
Werden die Löhne innerhalb der einzelnen Betriebe zu einem 
Monatsverdienst verteilt, so kommen auf: 
1 Stuhlflechter 16,74 JC gegen 18,» JC im Vorjahre, 
1 Korbflechter 26,22 - - 17,96 - - 
1 Bürstenmacher 33,19 - . 26,41 - 
1 Handarbeiterin 6,37 - - 15,04 < . 
1 Druckerin 42,u - - 37,86 - 
Der Rückgang des Durchschnittes der weiblichen Handarbeite 
rinnen ist darauf zurückzuführen, daß der Betrieb in diesem Jahre 
auf die Erledigung der einlaufenden Bestellungen, sowie auf die Fa 
brikation von Hängematten und Netztaschen beschränkt wurde. 
5. Zuwendungen durch Privatwohltätigkeit. 
Durch Verwendung des Berliner Börsen-Couriers konnten auch 
in diesem Jahre wieder in den Monaten Juli und August ca. 45 
erwachsene Mädchen zu einem vierwöchentlichen Land- bez. Seebade- 
aufenthalt entsandt werden. Es ist dies das 18. Mal, daß den Mädchen 
diese Wohltat, dank der Fürsorge der Redaktion des genannten 
Blattes und seiner Leser genießen konnten. — Frau M. Kappel 
spendeie die Summe von 200 JC zu einem Sommerausflug mil den 
erwachsenen Blinden, der am 29. Juni mittelst Dampfer nach Sadowa 
unternommen wurde. Dieselbe langjährige Gönnerin der Blinden 
übergab dem Direktor die Summe von 100 JC mit der Bestimmung, 
50 der Bedürftigsten unter den Erwachsenen ein Geldgeschenk von je 
1 JC zu verabfolgen und den Rest zur Bescherung mit Aepfeln und 
Pfefferkuchen zu verwenden. Die hiesige Juwelen- und Uhrenhandlung 
von Herrn Simon, Friedrichstraße, übersandte dem Direktor wieder 
6 Stück Taschenuhren zum Gebrauch für Blinde eingerichtet, mit der 
Bitte, sechs der fleißigsten Blindenschülern damil eine Weihnachts 
freude zu bereiten. 
Fräulein Toni Joseph, welche sich im Laufe des Jahres durch 
Diktieren in der Druckerei betätigt hatte, übergab dem Direktor an 
läßlich ihrer Vermählung die Summe von IM JC mit der Bitte, die- 
selbe an arme blinde Mädchen nach eigenem Ermessen und mit be 
sonderer Berücksichtigung der Druckerinnen als Weihnachtsgabe zu 
verteilen. — Am Geburtstage des Kaisers empfingen nach voraus 
gegangener Feier in der Turnhalle ca. 103 erwachsene Blinde ein 
Geldgeschenk von 10 JC aus dem Poppe'schen Legat. 
der Verein für soziale Hilfsarbeit, speziell dessen Blindengruppe 
(Vorsitzende Frau Samosch), entsandte während des Wintersemesters 
regelmäßig einzelne Damen, welche den erwachsenen Blinden wöchentlich 
zweimal aus guten Büchern vorlasen und in der Druckerei diktierten. 
Allen Wohltätern und Wohltäterinnen der Blinden sei an dieser Stelle 
herzlichst gedankt. 
IV. Stiftungen und Legate. 
Im Laufe des Berichtsjahres sind an Geschenken eingegangen 
bezw. an Stiftungen hinzugetreten: 
aus schiedsmännischen Vergleichen 18,00 JC, 
von Maggi G- m. b. H 100,00 - 
- Bochner 20,oo - 
. W. Hülse 300,oo - 
- der Sparkasse der Nationalbank 8,10 - 
• N. N„ Wilke und v. Hirschfeld je . . . 3,oo - 
die Heinrich Grünert-Stiftung 30000,00 - 
Den Geschenkgebern bezw. den Stiftern sagen wir auch an dieser 
Stelle im Namen der Blinden unsern verbindlichsten Dank. 
Das nachstehende Verzeichnis gibt eine Uebersicht der am 
31. März 1905 vorhandenen und unserer Verwaltung unterstehenden 
Stiftungen: 
■§ g 
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wS 
Bezeichnung 
der St 
Zweck 
i f t u n g 
Kapital am 
1. 4. 06. 
.M. 
Jährlicher 
Zinsertrag 
JC 
1. 
Abegg-Stiftung. 
Aus dem Nachlaß des am 3. Juni 1880 zu Wies 
baden verstorbenen Fräuleins Luise Abegg für die Stadt 
Berlin 85 OM JC. Aus diesem Vermächtnis überweist 
die Stiflungsdeputation der Blindenanstalt jährlich 450^6. 
Für die Blindenschule zur stiftungsmäßigen Verwen 
dung zum besseren Fortkommen und zum Zwecke der 
Fortbildung aus der Blindenschule entlassener Zöglinge. 
450 
2. 
Alsleben-Legat. 
Aus dem Nachlaß des am 2. Juli 1878 zu Potsdam 
verstorbenen Stadtältesten Ferdinand Alsleben. 
Aus den Zinsen alljährlich am Todestage des Erb- 
laffers an arme Blinde, vorzugsweise Ortsangehörige, 
Unterstützungen nicht unter 6 JC zu verteilen. 
3000 
105 
3. 
Arnold'schcr Fonds. 
Nachlaß des am 11. August 1887 zu Ilmenau ver- 
ftorbenen, hier, Alte Jakobstraße 171 wohnhaft gewesenen 
früheren Bureauvorstehers der preußischen Renten 
versicherung Karl Friedrich Wilhelm Arnold. 
Der Fonds ist vorläufig nicht verfügbar: eine Tochter 
des Erblassers hat den Nießbrauch. 
Zur Unterstützung, Unterweisung, Heilung und Fort 
bildung Blinder. 
1. Der Fonds ist eisern zu verwalten. 
2. Sollte jedoch die Stadt dazu schreiten, ein Heim für 
bedürftige Blinde mit mindestens 24 Stellen zu errichten, 
so kann von der zu 1 getroffenen Bestimmung in Höhe 
eines Betrages von 72 000 M abgewichen werden. 
Diese 72 0M JC dürfen dann unter besonderen 
im Testamente aufgeführten Bedingungen in dem Bau 
verwendet werden. 
151000 
4. 
Anna Diettrich'sche Stiftung. Ii 
Legat der am 9. Dezember 1896 Hierselbst ver- 
storbenen verwitweten Frau Stadtgerichtsrat Sophie 
Diettrich geb. Ebers. 
Der hiesigen städtischen Blindenanstalt zugefallen. 
Diese Anstalt hat die Zinsen und Nutzungen des ihr 
zugefallenen Vermögens für ihre Stiftungszwecke zu ver 
wenden. 
27 000 
945 
5. 
Rudolf und Auguste Eyfferth-Stiftung. 
Vermächtnis der am 27. November 1903 Hierselbst 
verstorbenen Witwe Auguste Eyfferth geb. Schiff. 
Der städtischen Blindenanstalt ohne nähere Bestimmung 
vermacht. 
15 000 
525 
6. 
Friedländerscher Geschenkfonds für Blinde. 
Geschenk eines öffentlich nicht genannt sein wollenden 
Wohltäters für die Zwecke der städtischen Blindenpflege. 
Ohne besondere Bestimmung. 
Nach einem Deputationsbeschluß sollen die Zinsen 
vornehmlich zur Unterstützung solcher Blinder verwendet 
werden, die nicht Zöglinge einer städtischen Blinden 
anstalt sind. 
1 500 
52 
7. 
Heinrich Grünert-Stiftung. Berlin 1905. 
Geschenk der Witwe Marie Grünert geb. Böthe 
vom 1. April 1905. 
Durch die Zinsen soll das Fortbestehen und die Er- 
Weiterung der von der Blindenanstalt herausgegebenen 
Monatsschrift„Blindendaheim" ermöglicht werden und zwar 
vorzugsweise durch Gewährung von Frei- und Halb 
freiexemplaren. 
29 900 
1096 
8. 
Heitz'sches Vermächtnis. 
Legat des am 9. März 1892 zu Berlin verstorbenen 
Fräuleins Martha Heitz. 
Das Vermächtnis ist laut Testament „den armen 
Blinden Berlins" ohne nähere Bestimmung zugefallen. 
Nach einem Deputationsbeschluß sollen die Zinsen 
vornehmlich zur Unterstützung solcher Blinder verwendet 
werden, die nicht Zögling der städtischen Blindenanstalt sind. 
60200 
1 
un 
bestimmt 
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