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Volume No. 8. Bericht der städtischen Schuldeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1904 (Public Domain)

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Nr. 8. Schuldeputatiou. 
der Gegenstände ihrer Umgebung und der lebendigen Natur anleitende 
Nuterrichtsweise Platz greifen. Mit dieser Methode sind die Lehr- 
personen der Gemeindeschulen durch zahlreiche Kurse an der Königlichen 
Kunstschule bekannt gemacht worden. Diese Einführungskurse genügen 
jedoch allein nicht, um dem neuen Lehrplane den erwarteten Erfolg 
zu sichern, denn in der Praxis des Unterrichts wird eine ganze Anzahl 
der Unterrichtenden bald das Bedürfnis nach sachverständigen Rat und 
Beistand empfinden. Auch war zu befürchten, daß manche, die sich 
nickt gleich in die neuen Anschauungen hineinzufinden vermögen, ge 
neigt sind, den Unterricht in der bisherigen Weise fortzuführen. Es 
erschien daher angebracht, durch eine sachverständige Aufsicht die willigen 
Lehrkräfte zu unterstützen, die widerstrebenden aber von den Vorzügen 
der neuen Methode zu überzeugen. Zu diesem Zwecke wurde die An- 
stellung eines Zeicheninspektors beschlossen und in dieses Amt der 
Lehrer an der Königlichen Kunstschule Professor Siegert zunächst auf 
drei Jahre berufen. In diesem Zeitraum sind sämtliche Gemeinde 
schulen einmal zu revidieren. 
4. Organisation der katholischen Schulen. 
Von jeher hat die Einrichtung katholischer Schulen der Verwaltung 
besondere Schwierigkeit bereitet. In der Natur der Sache liegt es, 
daß bei der geringen Anzahl der katholischen Kinder die Entwicklung 
der Schule langsamer und ungünstiger sein wird als bei einer 
Sintultanschule, welcher genügendes Schülermaterial zur Verfügung 
steht. Der Einschnlungsbezirk kann nicht allzu groß bemessen werden, 
weil die Schulwege zu weite würden. Die Füllung der Klassen muß 
daher zunächst ohne Rücksicht auf das Geschlecht und die Unterrichts- 
abteilung erfolgen. Dieser Umstand führt aber leicht zu Unzuträglich- 
leiten und beeinträchtigt die Lehrerfolge. 
Die Erwägungen, aus welche Weise die Einrichtungen der katho 
lischen Schule verbessert, insbesondere der Besuch durch beide Ge 
schlechter und der Unterricht in zwei Abteilungen innerhalb einer 
Klaffe beseitigt werden kann, wurden fortgesetzt uitd haben im Berichts 
jahre zu einem greifbaren Resultat geführt. 
So wurden die beiden Schulen 38 und 201 durch Austausch der 
Kinder in Schulen mit nur einem Geschlecht verwandelt; nur in 
wenigen Klassen der Unterstufe blieben beide Geschlechter vereinigt, 
weil die Wege für die kleineren Kinder zu iveite geworden ivären. 
Ein reines Schulsystem wurde bei den Schulen 40 und 226 ge 
schaffen, indem durch einen Tausch der Schulgrundstücke der Schulen 
60 und 236 die beiden katholischen Schulen näher zusammengelegt 
und die Kinder ausgetauscht werden konnten. 
Zur Zeit der Berichterstattung vollzieht sich auch die Umwandlung 
der beiden gemischten katholischen Schulen 243 und 267. Beide 
Schulen konimen nach einem Schulneubau und erhalten ein reines 
Schulsystem. Feiner ist eine Aenderung der 89. Schule in nahe 
Ansucht genommen. 
Bei den katholischen Schulen 16, 36, 37, 184, 164, 184, 211, 
239, 246, 256 und 277 konnten beide Geschlechter noch nicht getrennt 
werden, weil teils die Schulwege zu weite geworden wären, teils ge 
eignete Räume nicht vorhanden waren. Für diese Schulen ist jedoch 
die Anordnung getroffen, daß in der Mittel- und Unterstufe durch 
Vereinigung der Geschlechter der Unterricht in nur einer Abteilung er 
möglicht wird, während für die Oberstufe die Trennung der Geschlechter 
und der Unterricht in zwei vereinigten Abteilungen desselben Geschlechts 
erfolgt. 
«*) Besondere Einrichtungen zum Wähle der Gemeinde 
schulkinder. 
1. Fürsorge für Kinder mit körperlichen Gebrechen. 
Für den Unterricht an Kinder, welche wegen körperlicher Ge 
brechen am Klaffenunterricht nicht teilnehmen können und den Unter 
richt in ihrer Wohnung erhielten, wurden im Berichtsjahre rund 
20 000 JC verausgabt. 
Für stotternde Kiitder wurde ein Heilunterricht in 24 Kursen 
gegen 19 im Vorjahre abgehalten. Die Aufwendungen hierfür be 
trugen 7 200 JC. An diesen Kursen nahmen teil 298 stotternde 
Kinder, welche von den Schulärzten ausgewählt waren und zum 
größten Teile hochgradig stotterten. Die Schlußprüfungen ergaben, 
daß von den 298 Kindern 227 oder 76 v H. völlig geheilt, 68 ganz 
wesentlich gebessert und nur 3 wenig oder gar nicht gebessert worden 
waren. Im Vorjahre betrug die Zahl der völlig Geheilten 80 v. H. 
Die Erfahrungen, welche im Vorjahre gesammelt wurden, entsprechen 
den Beobachtungen in diesen neuen Kursen und ergaben die Zweck 
mäßigkeit des angewendeten Verfahrens. 
Auffallend groß ist die Zahl der Fälle, in denen der Beginn des 
Uebels mit dem Anfange des Schulunterrichts zusammenfällt. Nicht 
weniger als 112 mal findet sich in den Berichten der Vermerk über 
den Beginn des Stotterns: „Seit Beginn der Schulzeit" oder „Vom 
ersten Schuljahre" an. In vielen dieser Fälle mag das Stottern 
vor der Schulzeit schon vorhanden gewesen sein, ohne daß es den 
Eltern bekannt oder dem Kinde zum Bewußtsein gekommen war. 
Erst die Schule mit ihren hohen Anforderungen an die Redefertigkeit 
der Kinder in Verbindung mit der die Kleinen oft beängstigenden 
und aufregeuden Eile im Unterrichtsgange hat bei besonders hierzu 
veranlagten Kindern das Uebel in die Erscheinung treten lassen. 
Zur Sicherung der in den Kursen erzielten Erfolge wurde eine 
Nachbehandlung in einem Nachkursns eingeführt. Die Notwendigkeit 
dieser Einrichtung wurde von allen Kursleitern anerkannt, dabei aber 
der Wunsch ausgesprochen, daß statt der bisherigen einen Stunde 
wöchentlich 2 Stunden Unterricht erteilt würden. In diesem Nach 
kursus, wurden noch mehrere Kinder, welche im Hauptkursus nur als 
„gebessert" bezeichnet werden konnten, völlig geheilt. 
Für schwerhörige Kinder wurden bereits im Schuljahre 1903 
einige Kurse abgehalten. Diese Einrichtung wurde im Berichtsjahre 
dahin erweitert, daß zunächst an der 223. Schule zwei ständige 
Klassen für Schwerhörige eröffnet wurden. Ein Lehrplan für diesen 
Unterricht befindet sich in Vorbereitung. 
2. Aerztliche Untersuchung der Schulkinder. 
Die Wirksamkeit der Schulärzte ist, wie die im vorjährigen 
Bericht abgedruckten Bestimmungen ersehen lassen, eine umfassendere 
geworden. Da ein eingehenderer Bericht über diese Tätigkeit be 
absichtigt ist, der über den Rahmen eines nur kurz gefaßten Ver 
waltungsberichts hinausgehen würde, so wird eine Veröffentlichung 
dieses Berichtes in nächster Zeit besonders erfolgen. 
8. Brause- und Flußbäder. 
a) Brausebäder. 
Benutzung der Brausebadanlagcn. 
Monat 
Knaben 
Mädchen 
Wasser 
verbrauch 
obm 
Gas 
verbrauch 
obm 
3 >- 
Ztr. 
Koks- 
verbrauch 
hl 
Januar 
24148 
12 528 
1 491 
14 030 
ii 
321V 2 
Februar 
31 739 
19 568 
1 955 
16215 
12'/- 
370V 2 
März 
26 930 
17 065 
1 946 
13 809 
ii Vä 
317 '/ 2 
April 
23 188 
15 048 
1 433 
10 259 
9 
240 
Mai 
27 345 
19186 
1 668 
10 646 
10 
256 
Juni 
36 747 
24 645 
2 253 
12 054 
13 
325V 2 
71 
Juü 
9 603 
7 261 
605 
2 974 
3 V 2 
August 
18 063 
12 584 
1 176 
6010 
7 
168 
September 
33 001 
21246 
1 985 
10 992 
13 
313 
Oktober 
22 707 
13 570 
1 238 
8899 
9 
236 
Noveniber 
32 013 
19 586 
1 867 
14 381 
12'/- 
293 
Dezember 
21 600 
12 372 
852 
10415 
9 
249 
Summe 
307 084 
195 455 
18 469 
130 684 
121 
3 161 
Hierzu 
Summe 
5 898 
312 982 
6 831 
201 286 
(28./217. Gemeindeschule in der 
Volksbadeanstalt Bärwaldstraße 64» 
zus. 614 268 Personen gegen 472152 im Vorjahr. 
Die Kosten für den Betrieb der Brausebäder betrugen 34 211,2? JC. 
Hierzu die Kosten für die Brausebäder in der 
Bärwaldstraße 64 für die Kinder der 28./217. Gemeinde 
schule mit 879,70 - 
Zusammen 35 090,s? 
Die Kosten eines Bades stellten sich also auf O.oes JC, rund 6*/ 5 ^ 
gegen 7 l / 6 ^ im Vorjahr. 
b) Flußbäder. 
Im Berichtsjahre wurden gegen 65 000 freie Dauerkarten an 
Schulkinder ausgegeben. Der Schwimmunterricht wurde fortgesetzt 
und erweitert. 
4. Spielplätze und Bewegungsspiele. 
Die Kurse wurden in bisheriger Weise forkgesührt. Die Zahl 
der Kurse und der Schulhöfe, auf welchen während der Ferien unter 
Aufsicht gespielt wurde, wurde erhöht. 
5. Ausflüge der Kinder zu wissenschaftlichen Zwecken. 
Der Besuch des zoologischen Gartens, des Aquariums und der 
Urania ist den Schulkindern unentgeltlich gestattet. Die Kinder werden 
klassenweise von ihren Lehrern hingeführt und über das Gesehene 
belehrt. 
6. Gewährung von Lehrmitteln. 
Schulkindern, deren Eltern unbemittelt sind, werden gedruckte 
Lehrmittel, sowie Schreib-, Zeichen- und Handarbeitsmaterialien auf 
Kosten der Stadtgcmeinde verabfolgt. Die Aufwendungen hierfür 
betrugen im Schuljahre 1904/05 rund 82 000 JC. 
7. Gewährung von Frühstück an arme Schulkinder. 
Dem Verein zur Speisung armer Kinder sind wie bisher 3000 JC 
als Beihilfe überwiesen worden. Der Verein stellt den Rektoren die 
erforderlichen Mittel zur Verfügung, um armen Schulkindern ein
	        
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