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Volume No. 39. Bericht über den städtischen Vieh- und Schlachthof sowie über die städtische Fleischbeschau

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1904 (Public Domain)

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Nr. 39. Vieh- und Schlachthof. 
möglichst wieder Verwendung fanden. Wegen des in Aussicht stehenden 
Verbotes der Sonnlagsschlachtungen stellte eine Anzahl Großschlächter 
Anträge auf Erbauung von Eiskühlräumen in den Kellern der von 
ihnen benutzten Scklachikammern der Rinder- und Kleinviehfchlacht- 
häuser, von denen bis zum Schluffe des Eiaisjahres vier fertig gestellt 
und für eine jährliche Miete von je 120 Jt zur Benutzung übergeben 
wurden. Im Haninielstalle 3 wurde durch Mauerwerk ein 80 gm 
großer Raum nebst kleinem Kontor zur Abnahme und 
Sortierung von Talg hergerichlel und dafür der am südlichen 
Giebel der Schweinemarkthalle zu dem Zwecke vermietete Raum ein 
gezogen und zur Vergrößerung der Schlosserwerkställe des Viehhofes 
ve-wandt. Außerdem mußten an den Gebäuden und dem Inventar 
des Schlachthofcs eine große Menge von Ausbesserungen ausgeführt 
werden, was nicht zu verwundern ist, da die Anstalt größtenteils 
jetzt 21 Jahre im Betriebe ist; die Aufchhlung dieser Arbeiten würde 
jedoch zu weil führen. Nur das sei noch erwähnt, daß die Dung- 
ladeftätie neben dem Dunghauie des Schweineschlachtvofes, um einer 
vollständigen Verjauchung des Bodens vorzubeugen, mit Klinkerpflaster 
und untern bischer Entwässerung versehen und die Geleise hier, anstatt 
auf Schwellen, auf starken Granitblöcken befestigt wurden. 
Der Kühlhausbctrieb gestaltete sich regelmäßig und leistete, was 
von ihm zu erwarten war, obgleich er während der in den Sommer- 
moualen herrschenden Hitze große Aufmerksamkeit und erhebliche Kosten 
verlangte. Die einzelnen Reparatur-, Reinigungs- und Anstrich- 
arbeitcu im Laufe des Jahres hier aufzuzävlen. würde ermüden, 
weshalb nur folgende größere Arbeiten erwähnt werden sollen. Ein 
großer Teil der durchgerosteten Leitung der Soleeindampfung wurde 
durch Kupferrohre ersetzt, die Vakuumpumpenkühlwasserleituug erneuert, 
die Verankerung einer Luflknhlerwand mit den den Fußboden des 
Erdgeschosses tragenden Sä ilen ausgeführt. Da die eisernen Gestelle 
für die Rohrsysteme der Refrigeratoren (durch Elektrolyse?) vollständig 
zerfreffen waren, wurden sie durch Holzgestelle ersetzt, und um einer 
Zerstörung der Refrigeralorenwände vorzubeugen, wurden 21 Zmk- 
plalten als Pole mit den Wänden der Solebehälter verbunden. An 
Kohlen und für Kühlzwecke 12 500 Zentner, für Schlachthofzwecke 
72 5)00 Zentner verbraucht und durch eigene Pumpen 185 000 obm 
Wasser gefördert worden. Für schweflige Säure wurden 150 JO, für 
Maschinenöle 697 Jt ausgegeben. Für vermietete Kühlzellen wurden 
31 731 M, für Pökelzellen 10116 JO, für Rauch rkammern 1 552,9« Jt, 
für Eisverkauf 4 240,5« JO eingenommen, so daß der gesamte Kühl- 
hauSbctrieb eine Emuahme von 47 9l3,4v JO brachte (gegen 39 585 ^ 
ini Jahre 1903 und 40 766 JO im Jahre 1902). Der Eisverkauf 
war deshalb nur ein. geringer, weil hinreichend Natureis eingebracht 
worden war, und die Eispreise in der Stadt sehr gesunken waren. 
Der Schlachtvieh!,andel. Der Viehbestand Deutschlands wurde 
in der Berichtszeit, wenn auch ansteckende Schweinekraukheiten nicht 
gerade selten waren, verhältnismäßig wenig von Seuchen heimgesucht. 
Die sich hier und da zeigende Maul- und Klauenseuche konnte durch 
energische Maßregeln auf kleinere Gebiete eingeschränkt werden, so daß 
sie dem Viehhandel keine nennenswerten Schwierigkeiten zu bereiten 
vermochte. Zudem hatten die guten Ernten der Jahre 1902 und 1903 
günstig auf die Vermehrung der Viehstapel eingewirkt, die ihrerseits 
wiederiim eine günstige Wirkung auf den durch die früheren Mißernten 
zurückgegangenen Haiidel mit Rindvieh, Kälbern und Schafen erhoffen 
ließ. Aber diese Hoffnung schwand, als die im Sommer 1904 ein 
getretene langdauernde Trockenheit in vielen Teilen des Reiches die 
Ernteergebnisse, besonders au Kartoffeln, Gemüse und Raiihfutter, 
höchst nachteilig beeinflnßl hatte, und die Aussichten am Schluffe der 
Berichtszeit waren um so trüber, als sich nicht nur die hohen vor 
jährigen Prelle der Rinder und Kälber gehalten hatten, sondern mit 
der sich einstellenden Knappheit an Kartoffeln auch die Preise der 
Schweine stetig in die Höhe gegangen waren. Da jedoch die Erwerbs- 
verhälinisse durchweg ziemlich gute und dementsprechend die Kaufkraft 
der Bevölkerung eine erhöhte war, so stieg die Zahl der zum Markte 
gebrachten Tiere gegenüber den beiden Vorjahren zwar noch etwas 
an; sie erreichte jedoch bei Rindern, Kälbern und Schafen trotz ge 
wachsener Einwohnerzahl bei weitem nicht die hohen Auftriebszahlen 
des günstigen Jahres 1901. Die Folge des knappen Angebots wirklich 
guter Mastware war im allgenieinen ein Festhalten und selbst ein 
weiteres Anziehen der für sie gezahlten Preise, während die nach der 
Ernte reichlicher angebotenen gering genährten Tiere etwas im Preise 
zurückgingen. 
Der hiesige Markt ist in der Berichtszeit mit 230 633 Rindern 
beschickt gewesen und übertraf das Vorjahr mit seinen 210090 Tieren 
llni ein Mehr von 20 513, blieb indes gegen die Jahre 1900 und 
1901 mit durchschnittlich 30000 Tieren zuiück. Der Mangel an 
guten schweren Ochieu bewirkte ein weiteres Ansteigen des enorm 
hohen vorjährigen Jahrespreises von 72,auf 72,58 Jt, also um 
0,26 ^ für 50 k£ Schlachtgewicht; dagegen sank der Durchschnitts, 
preis für die reichlich angebotenen gering genährten Tiere von 49,25 
auf 41,12, also um 4,84 M. 
Dem Kälbermarkie wurden 193598 Tiere zugeführt, gegen 
über 188 022 ini Vorjahre Waren das auch 5 576 mehr als im 
letzteren, so blieb der Auftrieb dem Jahre 1900 gegenüber doch noch 
um 2 500 Tlere zurück. Der Preis für gute Ware blieb trotz des 
vermehrten Angebots im Jahresdurchschnitt auf der gleichen, bisher 
nie erreichten Höhe des vorigen Jahres und betrug 82,5? gegenüber 
dem letzijährigen von 82,55 Jt\ geringe Ware wurde durchschnittlich 
jedoch um 3 JO niedriger bezahlt. 
Auf dem Schweinemarkte hatte der Auftrieb im Vorjahre bei 
günstiger Entwickelung der Zucht den des Jahres 1900 zum ersten 
Male überlroffen, während die Jahre 1901 und 1902 dahinter er 
heblich zurückgeblieben waren. Das ließ auf gute Aussichten für das 
Berichtsjahr schließen, und tatsächlich hat die Zahl der zu Markt ge 
brachten Tiere den vorjährigen Auftrieb noch um rund 61 300 Tiere 
übertroffe», es waren 1 205 723 gegen 1 141428 Tiere. Die oben 
erwähnten schlechten Ernteergebnisse sind bis zum Schluffe des Berichts 
jahres also nicht imstande gewesen, die Zahl der Marktschweine zu 
verringern, weil die Kürnerernte, besonders die in Weizen und Roggen, 
eine gute war. Indes zogen die im Beginn der Berichlszeit niedrigen 
Preise nach Eintritt der Dürre in Anlehnung an die hohen Preise 
der übrigen Sch.achtliere und der Ferkel nach und nach ganz erheblich 
au, so daß sich am Schluffe des Berichtsjahres eine Erhöhung von 
etwa 14,5« Jt für 50 kg Schlachtgewicht gegenüber seinem Anfange 
ergab. Der Jahresdurchschnillspreis übertraf den vorjährigen jedoch 
nur um etwa 3.5o Jt. 
Während des seit Jahrzehnten zu beobachtenden, immer weiter 
fortschreitenden Rückganges der einheimischen Wollschafzuchl hatte sich 
die Zucht englischer Fleischschafe bei uns eingebürgert, und es schien 
die Erwartung nicht unberechtigt, daß der Schaffleischmarkt unter der 
Verminderung der Wollschafe nicht leiden werde. Diese Erwartung 
hat sich bis jeyt in keiner Weise erfüllt, obgleich die in den letzten 
Jahre» so bedeutend gestiegenen Hammelfleischpreise einen günstigen 
Einfluß erwarten ließen. Im Deutschen Reiche betrug die Zahl der 
Schafe bei den Viehzählungen im Jahre 1873 fast 25 Millionen, 
1883 über 19 Millionen, 1892 130z Millionen, 1900 nicht mehr 
ganz 9,7 Millionen und ist seitdem noch weiter zurückgegangen. In 
Frankreich ist die Schafzucht eine viel bedeutendere, wenngleich sich 
auch dort ein Rückgang zeigt; es besaß 1900 20 Millionen, 1902 
noch 189z Millionen schale, also die doppelte Zahl Deutschlands, 
Der Schafauftrieb auf dem hiesigen Viehhofe betrug im Jahre 1883 
653 259, 1892 587 852, 1900 608122 und im Berichtsjahre 
511681 Tiere, ist also trotz des unglaublichen Rückganges der Zucht 
ziemlich gleich hoch geblieben, ebenso die Zahl der Schlachtungen; 
der Zunahme der Einwohnerzahl gegenüber si >d allerdings Auftrieb 
wie Konsum erheblich gefallen. Wenn auch berücksichtigt wird, daß 
die «Schafe jetzt in mesemlich jüngerem Alter geschlachtet werden und 
die Ausfuhr nach dem Auslande fast aufgehört hat. so wäre doch 
diese Erscheinung, wenn sie allgemein wäre, kaum erklärlich. In der 
Tat macht Berlin in Betreff des Hammelfleischkonsums unter den 
großen Städten Deutschlands eine bemerkenswerte Ausnahme, die sich 
haup.sächlich darauf stützt, daß im Norde» und Osten des preußischen 
Staates, d. h. in den Gegenden, die für den hiesigen Markt am 
meisten liefern, die Schafzucht noch immer am stärksten betrieben 
wird. — Im vergangenen Jahre hat der Auftrieb des hiesigen 
Marktes eine kleine Zunahme von 5 310 Tieren zu verzeichnen. Gute 
Kreuzungsläinmer, die im Vorjahre 73,viM für 50 k>; Schlachtgewicht 
kosteten, gingen im Berichtsjahre auf 69,8i Jt, also um etwa 3,20 Jt 
zurück, während Hammel und Schafe nur etwa 1,5« Jt billiger waren, 
so daß das Vorjahr die höchsten Hammelfleischpreise hatte, die auf 
dem Berliner Markte je bezahlt wurden. Wegen der im übrigen von 
Jahr zu Jahr gestiegenen Himmel- und Kalbfleischpreise sei auf die 
beigefügte Tabelle über die Pceisvewegung hingewiesen. 
Der Schlachtviehhandel mit dem Auslande war sowohl 
hinsichtlich der Einfuhr wie der Ausfuhr schwächer als im Vorjahre. 
Im Jabre 1901 wurden 306011 Rinder (aegen 327 295 im Vor 
jahre), 1561 Sckafe (gegen 17<1) und 68933 Schweine 'gegen 
79 689) in das Reich eingeführt. Ausgeführt wurden 9 680 Rmder 
(gegen 9 852 im Vorjahre), 115 419 Schafe (gegen 148 369) und 
28 517 Schweine (gegen 36 392). 
Besonderer Teil. 
Auftrieb. 
Aufgetrieben wurden: 
April/Juni 1904 . 
Juli/September 1904 . 
Oklober/Dezemb. 1904. 
Januar/März 1905 . 
Rinder 
56 016 
51 197 
60 432 
62 853 
Schweine 
28 >967 
282 687 
335 615 
305 884 
Kälber 
53 686 
47 326 
43 977 
48 197 
Schafe 
137 164 
168 133 
117 301 
121 144 
230 498 
1205 153 
193 186 
543 742 
Dazu von außerhalb 
direkt dem Schlachthofe 
zugetrieben .... 
135 
570 
412 
943 
zusammen 
230 638 
1 205 723 
193 598 
544 684 
Im Vorjahre . . . 
210090 
1 114 428 
188 022 
539 374 
im Jahre 1902/1903 . 
213 925 
916 193 
175 457 
658 678 
In obigen Auflriebsziffern sind die vom vorhergehenden Markt 
unverkauft gebliebenen Tiere (Ueberstäuder) nur einmal gezählt, im
	        
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