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Volume No. 39. Bericht über den städtischen Vieh- und Schlachthof sowie über die städtische Fleischbeschau

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1904 (Public Domain)

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Verwaltungsbericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ctatsjahr 1904. 
M 39. 
WerichL über den städtischen Wied- und Scht'clchtkof sowie über die 
städtische Iteischbeschau. 
I. Städtischer Uirh- 
AUgemerner Teil. 
Während des 24. Betriebsjahres des Vieh- und Schlachthofes 
sind im Kuratorium des städtischen Vieh- und Schlachthofes Ver 
änderungen nicht eingetreten. 
Es fanden 6 Sitzungen des Kuratoriums statt. 
Zum 1. April 1904 wurden von den Gemeindebehörden für die 
Mehrzahl der Beamtenklasfen am Vieh- und Schlachthofe neue Ge- 
haltsfkalen eingeführt, welche wesentliche Verbesserungen des Dienst 
einkommens der Beamten bedeuteten. 
Auf dem Viehhofe wurden der im vorigen Jahre begonnene und 
im letzten Jahresberichte bereits erwähnte 63,12 in lange Anbau an 
die Kälberhalle und der Aufbau für die Kälbertrankküche fertig 
gestellt und im Oktober 1904 in Betrieb genommen. Die ganz aus 
verzinktem Eisen hergestellten Buchtenwände und Tröge haben sich 
bis jetzt bestens bewährt. Die Vergrößerung der Halle, welche eine 
Gesamtlänge von 236 m hat, machte auch die Neubeschaffung und 
Aufstellung einer zweiten Wage erforderlich. Da die Beleuchtung der 
Markthallen mit gewöhnlichem Gaslichte sich nicht mehr als aus 
reichend erwies, so wurde der neue Anbau an die Kälberhalle gleich 
mit Millenniumlicht versehen, und zwar innen mit 5, außen mit 
6 Flammen. Aus dem gleichen Grunde wurde auch die Rinder - 
Markthalle mit Preßgasbeleuchtung versehen, indem in der 
Halle selbst 47, an ihren Außenwänden 16 MiUenniumlampcn von 
200—350 Kerzenstärken angebracht wurden. Ein Apparat von 20 obm 
stündlicher Leistung liefert den 17 odm betragenden stündlichen Ver 
brauch, der zwar um etwa die Hälfte höher ist als früher, aber eine 
vielfach bessere Beleuchtung als vordem bewirkt hat. — In der 
Markthalle für Schafe ist westlich vom südlichen Haupteingange 
ein Aufenthaltsraum für den Aufseher des Schafreviers neu 
aus Holz hergestellt worden', der bisherige Raum für ihn im Schaf- 
stalle B dient seitdem den Fouragearbeitern zum Aufenthalte während 
der Arbeitspausen. — In der Schweinemarkthalle wurde ein 
Längsgang in der Ausdehnung von 200 gm mit Kunstgranitpflaster, 
in dem Börsengebäude die östliche Weißbierstube und in der Ab 
fertigungsstelle für Eisenbahngüter drei Zimmer mit künst- 
lichem Steinsußboden belegt. — Ein neuer 200 m langer Staketen 
zaun mit eisernen Pfosten mußte an Stelle des zerfallenden alten 
Bretterzaunes an der nördlichen Grenze westlich der Station „Zcnlral- 
viehhof" errichtet werden. Zwischen den Rinderstäüen B und b wurde 
eine zweite Rinderrampe für Fuhrwerke mit etwa 75 gm Makadam- 
zcmentpflaster hergestellt und der angrenzende Kiesplatz mit vor 
handenen Reihensteinen — etwa 468 gm — versehen. 
Die im vorigen Jahre auf dem Viehhofe begonnenen Neu- 
Pflafterungrn wurden fortgesetzt, weil das alte Sandsteinpflaster 
nicht mehr ausbessrrungsfätzig war. Mit Granitreihrnsteinpflaster 
und Asphaliausguß wurden versehen: die Triebstraße -wischen Börse 
und Rindrrmarkthalle bis zum Eingänge der Lldenaerstraßr, die 
breite Tricbstraße zwischen den zwei Garlenanlagen vor der Börse 
und dem südlichen Giebel der Rindermarkthalle bis zum Rinderftall a 
einerseits und dem Schasstalle 6 anderseits, die Straße vor dem süd 
lichen Börseneingange, die Straße zwischen den ersten beiden Garten- 
anlagen unmittelbar am Viehhofeingange, die Triebstraße nördlich der 
Rinderställe A, B, C, D, E einerseits und der Kälbermarkihalle ander 
seits, endlich die Straße nördlich der Schasmarktballe, zusammen 
10208 gm. Makadamzementpflaster erhielt ein Teil der Triebstraße 
lind Schiachthof. 
nördlich der Rinderställe E und F, der zum Ausladen von Gütern 
dienende Platz östlich der^ Kälbermarkthalle und der Halteplatz für 
Fuhrwerke zwischen der Schweinckopframpe am Geleis 1 und dem 
nördlichen Giebel der Schafmarkthalle, zusammen 2 950 gm. . 
Auf dem Schlachthofe wurden die im vorigen Jahre in Angriff 
genommenen Rinder- und Hammelställe F und G fertiggestellt 
und Anfang November 1904 in Benutzung genommen, linier der 
westlichen Rampe des Stalles F wurde ein Aufenlhaltsraum für 
Schlachthofarbeiter mit teilweis neuer^Mobiliarausstattung hergerichtet. 
Im Stalle G wurden zwei halbe Stallabteilungen sowie der Raum 
unter der östlichen Rampe zur Fleischausgabe für die Truppen der 
hiesigen Garnison an das Proviantamt vermietet, die beiden Staühälften 
als Ausgabe- und Arbeitsräume, der Raum unter der Rampe als 
Bureau. Erstere wurden mit 2 neuen großen Ladentischen, 8 Hau 
blöcken, einem Gasmotor, Fleischwolf, Pökclbottich und ausreichenden 
Hängevorrichtungen ausgestattet, letzleier mit einem Ofen versehen. 
Eine halbe Abteilung des Stalles G wurde ferner zur Fachschule für 
die Berliner Fleischerinnung eingerichtet, wozu von den Schlachthof- 
handwerkern eine Anzahl Tische und Bänke neu gefertigt, der Fuß 
boden mit Kokosläusern bedeckt und der Raum mit Ofen und Rauch 
abzug versehen wurde. Für beide Ställe mußte ein Dungwagen 
zum Preise von 625 M neu beschafft werden. — Die ebenfalls im 
Vorjadre begonnenen Neubauten der Schweineschlachthäuser F 
und G konnten am 15. März 1905 in Benutzung genommen werden 
und haben sich in ihrer ganzen Einrichtung, die von denen der älteren 
Schweineschlachthäuser in wesentlichen Teilen abweicht, als muster 
gültig erwiesen. Da sie mit Millenniumlicht versehen wurden, so 
mußte im westlichen Giebel des Schwcinestalles A durch Aufführung 
von Mauerwcrk ein Motorraum abgeteilt werden. Die Miete für 
die Fleischkammern in diesen Schlachthäusern, die keine Keller haben, 
wurde auf 12 M monatlich festgesetzt. Die Zutriebstraßen zu den 
Totschlagebuchten mußten von dem zwischen den neuen Schlachthäusern 
noch freiliegenden Gelände einstweilen durch alte Zäune abgetrennt 
werden. — Da die alte Schnittbrennerbclcnchtung in den Schlacht 
räumen des Rinder- und Kleinviehschlachthofes den Verhällniffen der 
Jetztzeit, besonders den Anforderungen der Fleischbeschau nicht mehr 
genügte, wurde sie durch Preßgasmillenniumlicht ersetzt, wozu 
aus dem Erneuerungsfonds 54 000 M bewilligt wurden. Die dazu 
erforderlichen Maurer- und Rüstarbeiten sowie die Umwandlung eines 
Stallraumes am westlichen Giebel des Rinderstalles B in einen 
Motorraum wurden durch die Schlachthoshandwcrker ausgeführt. 
Im letzteren wurden 3 Apparate mit je 40 ebm und ein Apparat 
mit 20 vbm stündlicher Leistung ausgestellt. Mit einem ganz neuen 
Gasrohrnetz wurden, um eine etwa % l / 2 mal so starke Beleuchtung 
wie bisher zu erzielen, 570 Jnnenlampcn von je 200— 360 Kcrzcn- 
stärken und 13 Straßenlaternen von je 360 Kerzenstärken verbunden. 
In 27 Rinderschlachrkammern wurden die noch fehlenden Fahr- 
vorrichtungen für geschlachtete Rinder angebracht. Da der 
Obduktionsraum des Polizeischlachthauses sich als -u klein erwiesen 
hatte, wurde der Observationsstall 4 in einen solche« verändert, so 
daß im alten Obduktionsraum zugleich ein größerer Raum zur Auf 
bewahrung beanstandeter Teile gewonnen wurde. Zwei mit Kunst- 
pflastersteinen versehene Straßen des Rinderschlachthofes niußten auf 
der Stallseite wegen Schadhaftigkeit um gepflastert «erden, wozu 
10000 Stück neue Steine gebraucht wurden, wenngleich die alten
	        
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