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Volume No. 19. Bericht der Deputation für die städtische Irrenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1904 (Public Domain)

Nr. 19. Städtische Irrenanstalten. 
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Titel IV d. Die Minderausgabe beträgt gegen das Vorjahr 
0,00444 M. 
Titel V. Die Ausgabe für die sächlichen Kosten ist gegen das 
Vorjahr erheblich zurückgeblieben. 
Titel VI. Die Ausgabe betrug im Elatsjahre 1904 für Be 
köstigung der Kranken und des Personals .... 395 087,5« JC. 
Der Wert der Ende März 1904 vorhandenen Nahrungs 
mittelbestände beträgt 797,8? ■ 
so daß unter Hinzurechnung desselben zur Veraus 
gabung gelangten 395 885,43 JC. 
Hiervon ab: 
a) der Wert der Ende März 1905 verbliebenen 
Nahrungsmittelbestände mit . 656,14 ,M, 
b) die für Beköstigung von An 
gestellten vereinnahmten. . . 223,70 - 879,84 - 
Die zu verrechnende Ausgabe stellt sich sonach aus 395 005,ss JC, 
oder für den Kopf und Tag eines Kranken bei 443 649 Verpflegungs 
tagen auf 0,89035 JC gegen 0,85e?70 JC im Vorjahre. 
Für den Kopf und Tag 
Bon der Ausgabe 
kommen auf 
Im ganzen 
JC 
der 
Teilnehmer 
M 
der in 
der Anstalt 
verpflegten 
Kranken 
JC, 
a) den I. Tisch 
10 324,bo 
2,56127 
0,02327 
b) - II. - 
9 135,20 
1,99632 
0,0-059 
c) das Pflege- und Dienst- 
personal 
88 244,61 
1,01364 
0,19891 
dt die Kranken: 
gewöhnliche Kost: I. Form 
232 912,27 
0,58763 
0,52499 
II. ° 
21 189,io 
0,44802 
0,04776 
Ertradiät 
33 200,oi 
— 
0,07483 
Summe wie oben 
395 005,69 
0,89035 
Unter Zugrundelegung der Kopfzahl der Teilnehmer ist dem Vor 
jahre gegenüber eine Erhöhung der Ausgaben nur beim I. Tisch und 
der I. Form um rund 0,oi JC, bei denjenigen für das Pflege- und 
Dienstpersonal aber um 0,ii JC eingetreten. Bei den beiden zuerst 
genannten Tischen ist diese Mehrausgabe wohl durch den höheren 
Preis einiger submittierter Lebensmittel (Fleisch- und Wurslsortenj 
begründet, während die erhebliche Steigerung der Kosten für den Tisch 
des Pflege- und Dienstpersonals sowohl auf die Bewilligung von 
Naturbulter, wie auf die Verabfolgung besonderen Essens an 3 Wochen 
tagen und des Sonntags zurückzuführen ist. 
Wie aus dem am Schlüsse beftndlicheu besonderen Bericht über 
den Betrieb der Landwirtschaft zu ersehen ist. wurde ein Teil der 
Rohmaterialien vom Gutshofe geliefert. 
Titel VII. Die im Etat vorgesehenen Mittel für Bekleidung und 
Lagerung waren in jeder Weise unzureichend: desgleichen diejenigen 
für Reinigung der Leib- und Bettwäsche, Lagermoos und Unterlage- 
stoff. Es muhte daher für die ersteren eine Etatsüberschreuung von 
7 852,18 M, für letztere eine solche von 3 000 JC beantragt werden. 
Veranlassung hierzu gab die durchschnittlich tägliche Mehrbelegung 
der Anstalt von 15 Kranken gegenüber der im Etat festgesetzten Kopf 
zahl von 1 200, so dah die Aufnahmen Mitte Februar den bis dahin 
noch nicht dagewesenen Höhepunkt von 1 270 Kranken erreichten: ferner 
die stärkere Belegung der Privatanstalten, die bedeutend gestiegene 
Pfleglingsziffer und die Mehreinstellung von Pflegepersonal. War 
unter Zugrundelegung des dreijährigen Durchschnitts der Jstausgabe 
der vorhanden gewesenen Kopfsiärke der letzten 3 Jahre der Durch 
schnittsbekleidungssatz im Etat für 1904 sehr gering beniesten und 
blieb die Anstalt daher erheblich hinter Dalldorf und Wuhlgarten 
zurück, so muhte dieses ungünstige Verhältnis infolge der vorerwähnten 
erheblichen Mehrbclegnng im Laufe des Etatsjahres naturgemäß immer 
fühlbarer werden. Hierzu kam die steigende Konjunktur der Baum- 
wollcnwaren, welche eine Erhöhung der Preise für Bekleidung und 
Lagerung nach sich zog. 
Titel VIII. a) Heizung. Im verflossenen Jahre betrug der Kohlen- 
verbrauch 80796 Zentner gegen 89 682 Zentner im Vorjahre; auf die 
Zentralheizung entfallen hiervon 68 729 Zentner gegen 76 208 Zentner 
im Vorjahre. Der höchste Verbrauch an Brennmaterial im Kessel 
hause betrug am 31. Dezember 1904 440 Zentner bei 11" Kälte und 
bei 16 ständiger Heizdauer. Im Gegensatz hierzu steht der Verbrauch 
am 22. Mai 1904 mit 88 Zentnern. 
b) Beleuchtung. Der in der Zentrale gemessene Verbrauch an 
elektrischem Strom betrug 2117 364 Hektowattstunden. An das 
Erziehungshaus Lichtenberg wurden hiervon 96 840 Hektowattstunden 
abgegeben. Der höchste Stromverbrauch war am 8. Dezember 1904 
mit 10 292, der geringste am 13. Juni 1904 mit 2 984 Hektowatt 
stunden zu verzeichnen. 
Die direkten Betriebskosten, einschließlich Lampenersatz, Reparaturen 
der Maschinen und Versicherung der Akkumulatoren betrugen 24 492,97^: 
es kostet daher eine Hektowattstunde I.128 ^ gecjen 1,209 ^ im Vor 
jahre, unter Zurechnung von Verzinsung und Amortisation 2,72 ^ 
(nach Berechnung des Stadtelektrotechnikers) gegen 2,862 4 im Vorjahre, 
e) Wasserverbrauch. Den städtischen Wasserwerken wurden 
191 091 odm Wasser 
entnommen, hiervon wurden 11 501 
an das Erziehungshaus Lichtenberg abgegeben: 
der Verbrauch an Wasser für die Anstalt inkl. 
Gutshof stellt sich daher auf 179 590 cbm Wasser 
gegen 140 976 cbm im Vorjahre. 
Im Sommerhalbjahr wurden durchschnittlich 561 cbm und im 
Winterhalbjahr 425 cbm Wasser täglich verbraucht. 
k) Bauliche Unterhaltungen einschließlich Heizanlagen. Wie im 
Vorjahre, so wurden auch in diesem Jahre ein Teil der schmiede 
eisernen Kondensrohre, die durch das stark eisenhaltige Wasser durch 
gerostet waren, durch Kupferrohre ersetzt. 
Zur Erzielung eines möglichst wirtschaftlichen Betriebes der 
Dampfmaschinenanlage wurde ein Dampfkessel mit Ueberhitzer aus- 
gerüstet. Durch Einwachsen von Wurzeln in die mit Ton abgedichteten 
Abflußrohre der Kanalisation wie in die der Drainageleitungen wurde 
ein Aufnehmen und Neuverlegen eines Teiles derselben erforderlich. 
Da in sämtlichen Frischlufischächten Grundwasser steht, wurde das 
Neuverlegen der gesamten Drainageleitung für das kommende Jahr 
in Vorschlag gebracht. 
Um den Kranken frisches Trinkwasser stets bequem zugänglich zu 
machen, wurden auf den Korridoren sämtlicher Häuser besondere Trink- 
wafferzapfstellen angelegt. 
Am 1. September 1904 wurde das neu erbaute Haus für 54 
sieche Männer belegt und zwar vorläufig mit Frauen, da das feste 
Haus für Frauen geräumt und zur Aufnahme eines Teils der 
besonders gefährlichen männlichen Kranken hergerichtet werden mußte. 
Die einzelnen Gebäude der Anstalt wurden, wie alljährlich, in 
bezug auf ihre Räumlichkeiten einer gründlichen Renovation unter 
zogen. 
Im Etatsjahre 1904 wurden Kranke beschäftigt: 
a) in der Malcrwcrkstalt unter Aufsicht eines Malers durchschnittlich 
täglich 7 Mann mit zusammen 15 154 Arbeitsstunden. 
b) in der Tischlerwerkstatt unter Aufsicht eines Tischlers durch- 
schnitllich täglich 6 Mann mit zusammen 13 710 Arbeitsstunden. 
Titel IX. Die Ausgabe ist gegen das Vorjahr ungefähr dieselbe 
geblieben. 
Titel X. Siehe Bericht über die Landwirtschaft. 
Titel XI. Auch in diesem Jahr ist die Zahl der arbeitsfähigen 
Kranken, vor allem aber die Leistungsfähigkeit derselben ganz bedeutend 
zurückgegangen, so daß von der Bestellung fertiger Bekleidungsstücke, 
z. B. Strümpfen, Hemden. Unterbeinkleidern jc., welche in früheren 
Jahren in der Anstalt gestrickt bezw. genäht wurden, immer mehr 
Gebrauch gemacht werden mußte. Derselbe Ucbelstand erstreckte sich 
auch auf Reparaturen der verschiedenen Bekleidungs- und Lagerungs 
gegenstände, so daß bezüglich des Flickens der Wäsche, selbst eine 
dauernd beschäftigte Flickfrau nicht mehr genügte, wie auch Reparaturen 
am Schuywcrk in größerer Anzahl außerhalb der Anstalt ausgeführt 
wurden. Die Art der Beschäftigung der einzelnen Kranken ist. soweit 
dieselben nicht in Gärten und bei der Landwirtschaft tätig sind. in 
der anliegenden Nachweisung ersichtlich.
	        
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