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Volume No. 16. Bericht der Armendirektion, Abteilung für die Waisenverwaltung

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1904 (Public Domain)

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Nr. 16. Waisenverwaltung. 
Till. Brennmaterial. 
Für den Hausgebrauch sowie für sämtliche Beamten sind verbraucht: 
5 714 Ztr. Preßkohlen k 0,694 JC 8 965,52 JC, 
120 cbm Holz a 7,36 JC 1 088,04 - 
inkl. Anfuhr k. 
Summe 5 053,56 JC 
gegen 5 668 JC im Vorjahre. 
Zur Heizung der Dampfmaschinen sind verbraucht: 
7 600 Ztr. Kleinkohlen k 0,966 JC 7 341,eo < 
800 hl Koks ä 0,79 Ji 757,50 - 
inkl. Fuhr- und Abtragelohn. 
Summe 8 099,io JC 
gegen 6 705 JC im Vorjahre. 
IX. Erleuchtung. 
Der Gasverbrauch betrug: 
42 993 cbm ä 12,35 ^ 5 424,06 Ji 
gegen 32 214 cbm = 3 978,43 Ji im Vorjahre. 
Ferner für Streichhölzer, Glühkörper, Glocken und 
Zylinder k 526,46 - 
Außerdem wurden als Deputat für die Beamten 
verbraucht: 
1 280 hg Petroleum ä 100 kg 26 JC 332,80 - 
Summe 6 288,32 JC 
gegen 4 848,66 Ji im Vorjahre. 
Der Mehrverbrauch von Gas ist besonders durch die Nacht- 
beleuchtung im Säuglings- und Jnfektionshause entstanden. 
X. Garten- und Biehwirtschaft. 
Die Unterhaltung der Gartenanlagen hat erfordert: 
1. Für den Gartenarbeiter 1 146,42 M, 
2. - gemietete Arbeiter (Häuslinge) 117,n - 
3. - Sämereien, Unterhaltung der Bäume und 
Sträucher rc .’ 457,19 
Summe 1 720,72 Ji. 
Die Erträge aus der Gartenwirtschaft stellen sich auf 1 913,34 
mithin ein Reinertrag von 192,62 JC 
gegen ein Weniger von 433,25 JC im Vorjahre. Von dem Rein 
erträge bleibt aber nichts, wenn man erwägt, daß der Gärtner und 
der Gärtnergehilfe einen Teil ihrer Arbeitszeit auch den Garten- 
anlagen gewidmet haben, Kosten aber für diese beiden in vorstehender 
Berechnung nicht angesetzt worden sind. 
Die Unterhaltung der Gespanne einschließlich des Kutschers hat 
3 317,72 JC erfordert, 295,52 Jt weniger als im Vorjahre. 
Die Unkosten für die Milchwirtschaft haben... 1 139,83 - 
oder nach Abzug des gewonnenen Düngers im Werte von 29,64 
1 109,99 Ji 
betragen. 
Gewonnen sind vom 1. April 1904 bis 30. Juni 1904 6 020,45 l 
Milch, das Liter hat also gekostet 18,43 -j oder rund 18 gegen 15 ^ 
im Vorjahre. Mit dem 30. Juni 1904 wurde die Milchwirtschaft 
aufgelöst und die noch vorhandenen 4 Kühe wurden für 800 verkauft. 
Rummelsburg, den 10. August 1905. 
Der Direktor Jahnke. 
VII. Bericht über die Ausführung der Fürsorgeerziehung im Stadtkreise Berlin. 
Im Rechnungsjahre 1904 sind dem Stadtkreise Berlin 519 Minder 
jährige zur Fürsorgeerziehung überwiesen worden. 
Da die Zahl der Ueberweisungen in den Jahren 1901 bis 1903 
im Durchschnitt 575 betragen hat, ist ein bemerkenswerter Rückgang 
der Fürsorgecrziehungsfälle nicht wahrnehmbar. 
Am 31. Mürz 1905 befanden sich 
Zwangs- 
er- 
ziehungs- 
zöglinge 
m w. 
G 
Fürsorge 
zöglinge 
m. w 
Summe 
5 
er: 
im Waisenhaus Berlin. . 
1 
1 
i 
Rummels- 
bürg 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
— 
im Erzichungshaus Lichten- 
berg 
26 
— 
26 
175 
— 
175 
201 
im Erziehungshaus Klein- 
beeren 
— 
3 
3 
— 
25 
25 
28 
in Familienpslege . . . 
4 
1 
5 
77 
54 
131 
136 
- Privatanstalten . . . 
21 
18 
39 
407 
432 
839 
878 
. der Lehre 
111 
— 
111 
241 
— 
241 
352 
im Dienst- oder Arbeits- 
Verhältnis 
70 
20 
90 
144 
113 
257 
347 
im Krankenhaus .... 
3 
— 
3 
16 
37 
53 
56 
- Gefängnis 
1 
— 
1 
13 
4 
17 
18 
Es waren entlaufen. . . 
35 
— 
35 
95 
50 
145 
180 
widerruflich zur eigenen 
Familie entlassen (§ 10 
F. E. Ges.) 
23 
1 
24 
77 
46 
123 
147 
widerruflich aus der Für- 
sorgeerziehung entlassen 
57 
9 
66 
63 
29 
92 
158 
Summe 
351 
53| 404|l308 790j 2 09S| 2 502 
Auffallend ist die Tatsache, daß von den obigen 519 Minder- 
jäbrigen nicht ein einziger im noch nicht schulpflichtigen Alter steht, 
daß uns vielmehr in fortgesetzt steigendem Maße ältere, bereits hoch 
gradig verwahrloste und mehrfach vorbestrafte Minderjährige, gewohn 
heitsmäßige Diebe, Vagabunden, Zuhälter und Dirnen, bei denen die 
Hoffnung auf Besserung von vornherein so gut wie ausgeschlossen 
erscheint, überwiesen werden. Beispielsweise befanden sich zu Beginn 
dieses Jahres in dem städtischen Erziehungshausc in Lichtenberg 
199 Zöglinge, von denen 64 im Alter von 18-21 Jahren standen. 
68 Zöglinge waren bereits mit Gefängnis bestraft. 
Als eine Folge dieser Zustände muß es angesehen werden, daß 
-n unserem Erziehungshause ähnlich wie im Vorjahre eine Revolte 
angestiftet wurde. Nur durch energisches Vorgehen der Anstaltsbeaniten 
und Aufseher wurde verhütet, daß sie einen größeren Umfang annahm. 
Drei der noch nicht 18 Jahre alten, hierbei beteiligten Zöglinge 
wurden deswegen wegen Meuterei und Sachbeschädigung mit Gefängnis 
strafen von einem bis zu zweieinhalb Jahren belegt, während die 
damals bereits 18 Jahre alten noch der Aburteilung durch das 
Schwurgericht entgegensehen. Da bei einigen von ihnen das Ende 
der Strafverbüßung nach erreichtem 21. Lebensjahre eintritt, ist mit 
dem Strafantritte für sie die Fürsorgeerziehung beendet. 
Daß bei so gearteten Zöglingen ein Erziehungserfolg nur schwer 
zu erreichen ist, liegt auf der Hand. 
Es wäre wünschenswert, daß der Schwerpunkt der Fürsorge 
erziehung auf die Rettung der im kindlichen Alter befindlichen, noch 
unverdorbenen, aber von der Verwahrlosung bedrohten Jugendlichen 
gelegt werde. Allerdings wird sich dieses Ziel im Hinblicke auf die 
feststehende Rechtsprechung des Kammergerichts schwerlich ohne eine 
Aenderung des Gesetzes erreichen lassen. Zu erwägen bleibt hierbei, 
daß die bisher angewandten Maßnahmen auf Grund der §§ 1666, 
1838 B. G. B., durch welche der Minderjährige hilfsbedürftg wird, 
und damit der Armenpflege anheimfällt, nur ein meist unzureichender 
Notbehelf sind, denn sie können die Fürsorgeerziehung schon aus dem 
Grunde nicht ersetzen, weil sie in der Regel hinfällig werden, sobald 
der Minderjährige das erwerbsfähige Alter erreicht und damit aus 
der Armenpflege' ausscheidet. Auch fehlt es bei der Versorgung der 
gefährdeten Kinder aus Armenmitteln an der Möglichkeit, störende 
Eingriffe der Eltern in das Erziehungswerk zu verhüten. 
Die Unterbringung der jüngeren Fürsorgeerziehungszöglinge 
beider Geschlechter machte keinerlei Schwierigkeiten, zumal sich in letzter 
Zeit infolge der geringen Zahl der Ueberweisungen von Zöglingen 
der jüngeren Altersklassen ein Ueberangebot an freien Plätzen in den 
Anstalten für schulpflichtige Zöglinge und an Familienpflegestellen 
bemerkbar machte. 
Schwieriger ist die Erziehung der schulentlassenen Zöglinge zu 
handhaben, namentlich die der in großer Zahl überwiesenen jugendlich 
Prostituierten. Bisher wurden diese einige Zeit der Anstaltszucht 
unterworfen und alsdann tunlichst unter Aufrechterhaltung der Ver 
bindung mit der Erziehungsanstalt in einen Dienst gebracht. Wir 
haben Erwägungen angestellt, wieweit sich etwa die Anstaltserziehung 
durch Familienerziehung teilweise ersetzen läßt. Ueber das Ergebnis 
dieser Versuche, deren Erfolg bei dem Mangel an geeigneten zur Er- 
ziehung einer Prostituierten bereitwilligen Familien immerhin zweifel- 
haft ist, läßt sich ein Urteil noch nicht abgeben. 
Für besonders schwierig zu erziehende ältere weibliche Zöglinge 
wird Anstaltszucht kaum zu entbehren sein. Den häufig wieder 
kehrenden Aufsässigkeiten dieser Zöglinge gegen die Anstaltszucht wird 
dadurch mit Erfolg entgegengetreten, daß wir den von uns vorzugs 
weise belegten Anstalten für jugendliche Prostituierte die Erlaubnis 
geben, derartige Zöglinge im Notfälle sofort einer anderen Anstalt 
zuzuführen. Hierdurch wird den Anstaltsleitern die Aufrechterhaltung 
der Disziplin erleichtert.
	        
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