Path:
Volume No. 44. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr und des Telegraphen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1903 (Public Domain)

6 
No. 44. Feuerwehr. 
Massnahmen nur Erhöhung und Aufrechterhaltung der Feuer- 
sicherheit. 
Durch die Einstellung einer neuen Dampfspritze, welche der 
Feuerwache „an der Apostelkirohe 7a“ — Zugwacho 12 — zugeteilt 
wurde, ist erreicht, dass nunmehr sämtlichen Wachen, Kompagnie- 
wache 4 a und b als zusammengehörig gerechnet, mit je 1 Dampf 
spritzenzuge besetzt sind. Es verbleiben demnach nur noch 5 Hand- 
druckspi itzenzüge im Dienst, und zwar je einer für jede der fünf 
Kompagniewachen. Die übrigen 4 Handdruckspritzen stehen zur Reserve. 
Die Mechanischen Leitern sind von 12 auf 13 vermehrt. 
Vor dem Weihnachtsfest wurden aus den grösseren “Warenhäusern 
Proben von Christbaumwatte entnommen und auf Entflammbarkeit ge 
prüft. Die Prüfung ergab, dass sämtliche Proben feuersicher waren. 
Ebenso wurde in Anlass des Feuers in einem Malerkeller eine 
Probe Silesialack, welcher das Feuer verursacht hatte, dem chemischen 
Untersuchungsamt des Polizeipräsidii übergeben und sodann durch dieses 
festgestellt, dass Silesialack in Bezug auf Feuergefährlichkeit dem 
Terpentinöl gleich zu erachten ist. 
Im Karl Weiss-Theater wurde am 9. März 1904 kurz vor der 
Vorstellung die Wasserleitung schadhaft; die Abteilung entsendete einen 
Dampfspritzenzug, welcher Schläuche auslegte und die Sicherheitswache 
im Theater verstärkte. 
Die wiederkehrenden feuerpolizeilichen Revisionen wurden in bis 
heriger Weise weiter geführt, sind in ihrer Zahl aber so gestiegen, dass 
die Abteilung nicht imstande war, den Anträgen der Feuerpolizei in 
vollem Umfange zu genügen; wegen Mangel an Offizieren und Ober 
feuermännern mussten die durch die Feuervisitationen (Nachprüfungen 
von Betriebsstätten durch den Polizeireviervorsteher, einen Oberfeuermann 
und dem Bezirksschornsteinfeger) aufgeschoben werden. 
Auf Anordnung des Herrn Polizeipräsidenten wurden während der 
Weihnachtszeit besondere Feuerwachen gegen Entgelt in die grösseren 
Warenhäuser abgeordnet. 
Die Aufregung, in welche der Ohicagoer Theaterbrand Ende 
Dezember die öffentliche Meinung stark beeinflusste, erforderte auch 
eine besondere Prüfung der Sicherheitsverhältnisse in den 28 Theatern 
und theaterähnlichen Lokalen, in welche die Abteilung für Feuerwehr 
Feuersicherheitswachen abordnet. Diese besondere Prüfung wurde 
seitens der Abteilung für Feuerwehr in Gemeinschaft mit der Unter 
abteilung I Th. (Theaterabteilung) des Polizeipräsidii ausgeführt.. Es 
fand sich, dass neben anderen baulichen und Betriebsmängeln, deren 
Abstellung weiter verfolgt wird, die Feuersioherheitswachen zu gering 
bemessen waren, welchen Standpunkt die Abteilung für Feuerwehr schon 
seit langer Zeit vertreten hat. Der Branddirektor forderte die An 
erkennung der nachfolgenden allgemeinen Grundsätze für die Ermittelung 
der Wachstärken. 
I. Generalproben. 
Für die Generalproben ohne Publikum unter Zuziehung von un 
mittelbar Beteiligten verbleibt es bei den bisherigen Wachstärken, nur 
für das Königliche Opernhaus werden an Stelle von 1 Oberfeuermann 
3 Mann, 1 Oberfeuermann 5 Mann erforderlich, und bei den Theatern 
mit unverbrennlicher Dekoration wird nur 1 Oberfeuermann zur Ueber- 
waohung der Generalproben gestellt. Bei denjenigen Generalproben, bei 
welchen ausser den unmittelbar Beteiligten noch Publikum zugelassen 
wird, ist die Wachstärke in den unter II angeführten Stärken zu stellen. 
II. Vorstellungen. 
Der wachhabende Oberfeuermann wird von der bisherigen Funktion 
als Posten entbunden, da er patroullierend in dem ganzen Bühnenhause 
die Aufsicht zu führen hat. Die Stärke der Wache auf der Bühne 
richtet sich nach Lage der verschiedenen Sicherheit«Vorrichtungen, wobei 
tunlichst darauf Rücksicht genommen ist, dass aufeinander folgende 
Manipulationen von demselben Posten zu erledigen sind, vorausgesetzt, 
dass die Lage der Einrichtungen selbst solches gestattet. Vor allen 
Dingen sind mit ständigen Posten zu besetzen, die auf den Bühnen be 
findlichen Handhaben für den eisernen Vorhang und diejenigen für den 
Regenapparat. Ausserdem sind noch zu bedienen; die Feuermelder, die 
Alarmeinrichtung für die Garderoben, die Entlüftungsklappen, Wasser- 
stöcke, Bühnenbrause, Löschdecken und in einigen Theatern besondere 
Sicberheitseinrichtuugen, als Abschlussjalousien. Die Besetzung der 
Sehuürgalerien ist grundsätzlich, wenn überhaupt erforderlich, mit 2 Mann 
vorgesehen, welche den Wasserstock in Betrieb zu bringen und für 
Herablassung der brennenden Dekoration Sorge zu tragen haben. Dort, 
wo die Bühne so breit ist, dass nicht mit Sicherheit der vorhandene 
Druck der Wasserleitung dazu hinreicht, um von einer Seite des Bühnen 
hauses zur anderen kräftig zu wirken, ist eine Besetzung mit Posten 
beiderseits der Bühne erforderlich. In den Versenkungen sind Posten 
dort erforderlich, wo besondere feuergefährliche und gesetzwidrige Zu 
stände bestehen und unterhalten werden. Wo sich derartige Verhält 
nisse bei den alten Baulichkeiten schwer oder garnicht beseitigen lassen, 
wird die Besetzung der Versenkungen mit einem Posten zu einem Dauer 
stande werden, und somit werden bei der Gesamtstärke der Wache die er 
forderlich en Kräfte mit eingerechnet werden müssen. In den Zirkusgebäuden 
ist die Besetzung der 4 Eingänge in die Manege mit je einem Posten, 
des Stalles mit je einem Posten, als Regel beachtet, während die Auf 
stellung der Posten auf den Bühnen daselbst nach Lage der örtlichen 
Verhältnisse und Benutzungsart der Bühne sich richtet. 
Diese Grundsätze wurden seitens des Herrn Polizeipräsidenten 
anerkannt und auch sodann sofort durchgeführt. Es errechnete sich 
darnach das nachfolgende Bedürfnis an Oberfeuermännern und Mann 
schaften. 
Stärken der Feuersioherheits wachen 
in den Theatern zu Generalproben und zu Vorstellungen, 
Stärke der 
Stärke der 
Besondere 
Ü5 
Wachen zu 
Wachen 
Ver- 
<D 
J3 
Theater 
General 
proben ohne 
zur 
Vor- 
Stärkung 
der 
'S 
eS 
Publikum usw. 
Stellung 
W neben 
h-3 
Ofm. 
Fm. 
Ofm. 
Fm. 
Ofm. 
Fm. 
i 
Palasttheater 
1 
1 
1 
2 
Herrnfeldtheater 
1 
1 
1 
— 
— 
3 
Zirkus Busch 
1 
3 
1 
7 
— 
1 
4 
Luisentheater 
1 
—- 
1 
2 
— 
— 
5 
Deutsch-Amerikan.-Theater . . 
1 
2 
1 
5 
— 
— 
6 
Residenztheater 
1 
2 
1 
4 
— 
— 
7 
Karl Weisstheater 
1 
3 
1 
6 
— 
— 
8 
Schillertheater 0 
1 
3 
1 
8 
— 
— 
9 
Neues Königliches Operntheater . 
1 
3 
1 
8 
— 
1 
10 
Königliches Schauspielhaus . . 
1 
3 
1 
9 
— 
— 
11 
Königliches Opernhaus .... 
1 
5 
1 
11 
— 
— 
12 
Berliner Theater 
1 
2 
1 
6 
— 
— 
13 
Gentraltheater 
1 
2 
1 
5 
— 
14 
Metropoltheater 
1 
1 
1 
4 
— 
15 
Bellealliancetheater 
1 
2 
1 
4 
— 
16 
Deutsches Theater 
1 
3 
1 
9 
— 
— 
17 
Neues Theater 
1 
2 
1 
6 
— 
— 
18 
Schillertheater V 
1 
2 
1 
8 
— 
19 
Lessingtheater 
1 
3 
1 
7 
— 
— 
20 
Wintergarten 
1 
— 
1 
1 
• 
1 
21 
Trianontheater 
1 
— 
1 
1 
— 
— 
22 
Passagetheater 
1 
— 
1 
1 
— 
— 
23 
Kleines Theater 
1 
— 
1 
1 
— 
— 
24 
Uraniatheater 
1 
— 
1 
1 
— 
— 
25 
Reichshallentheater 
1 
— 
1 
1 
— 
— 
26 
Apollotheater 
1 
— 
1 
2 
— 
— 
27 
Zirkus Schumann 
1 
3 
1 
8 
— 
1 
28 
Thalia Theater 
1 
2 
1 
5 
— 
— 
28 
46 
28 
132 
— 
4 
7 
4 
160 
Bemerkung: Die Stärken zu den Generalproben entsprechen den bis 
herigen Wachstärken zu den Vorstellungen. 
Diese aussergewöhnliche Inanspruchnahme der dienstfreien Zeit 
der Mannschaft war untunlich und es wurde sofort bei Beschluss der 
Erhöhung der Wachstärken auch der Beschluss zur Verstärkung der 
Abteilung gefasst, auch sind hierüber Vorverhandlungen mit dem Ma 
gistrat sofort aufgenommen und eifrigst betrieben worden; inzwischen 
ist im Rechnungsjahr 1904, der Beschluss zur Tat geworden, so das? 
eine besondere VI. Kompagnie in vorläufiger Stärke von 12 Oberfeuer 
männern und 57 Feuermännern formiert worden ist, deren Offlzierstellen
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.