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Volume No. 42. Bericht der Deputation der städtischen Gaswerke

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1903 (Public Domain)

Nr. 42. Gaswerke. 
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Das Gewicht der nutzer Betrieb gesetzten, aber noch nicht ab 
genommenen Massen kann erst bei der Abgabe festgestellt und im 
nächsten Jahre verrechnet werden. 
k) Schlacken. 
An Schlacken sind 3103'/^ (2 678'/.,) Fuhren abgegeben, worden- 
9. Die Arbeiter und Arbeitsverhältnisse bei den 
städtischen Gaswerken. 
Zur Zeit des stärksten Betriebes sind in den 4 Gasbereitnngs- 
anstalten und im Außendienste 4 137 (4 146) Arbeiter, zur Zeit des 
schwächsten Betriebes 3 083 (2 882) Arbeiter beschäftigt gewesen. 
Letztere Anzahl ist als ständiges Arbeiterpersonal anzusehen. 
Bon insgesamt 3 582 in der letzten Betriebswoche des Jahres 1903 
tätigen Arbeitern waren 655 oder rund 18 v. H. gelernte Arbeiter, 
d. h. Handwerker, Maschinisten und Kesselheizer. 
Eine Anwartschaft auf Ruhegeld und Hinterbliebenen 
versorgung nach zehnjähriger Dienstzeit hatten 847 Mann — 28 v. H. 
des ständigen Arbeiterpersonals erworben. 
In der Einteilung der Arbeitszeit sind Aenderungen gegen das 
Borjahr nicht eingetreten. 
Die übliche Aufbesserung der Löhne hat sich vorschriftsgemätz 
im Rahmen der Minimal- und Maximalsätze vollzogen. 
Die Beiträge, welche die Verwaltung der Gaswerke als Arbeit 
geber für die Betricbskrankenkasse der Stadtgcmeinde Berlin zu leisten 
hat, haben 57 810,49 (50 913.371 JC betragen, an Uufallzuschüssen sind 
an dieselbe Kasse 1 171,w (1 009,6«) JC., an Beiträgen für die Jnvaliden- 
und Altersversicherung 32 531,«« (29 216,42) JC, an solchen für die 
Berufsgenossenschaft der Gas- und Wasserwerke 68 744,93 (56 581,6«) ^ 
gezahlt worden. 
In Ausübung der autzergesetzlichen Fürsorge sind gezahlt 
worden an Renten als Ruhegeld und Hinterbliebenenvetsorgung 
34 235,«i (17 490,8«)^, an laufenden Unterstützungen 35 780 (38 l 13)^, 
an vorübergehenden, einmaligen Unterstützungen 5 261 (6 058) JC, 
sowie an Lohnzuschüssen in Krankheitsfällen 117 689 JC gegen 
92580,63 JC im Vorjahre, oder an Lohnzuschüssen allein mehr 
27 v. H. Diese Zunahme ist um so bemerkenswerter, als die Kopf 
zahl in der Woche des stärksten Betriebes etwas geringer wie im 
Vorjahr gewesen ist und der sogenannte Arbeiterstamm sich nur um 
7 v. H. vermehrt hatte. 
Besonders zahlreiche Anträge auf Lohnznschutz sind seitens der in 
den Anstalten beschäftigten Arbeiter gestellt worden. So entfielen auf 
einen Arbeiter unter Ziigrundelegung der für den stärksten Betrieb er 
mittelten Arbeitcrzahl im Anslaltsbetriebe 33 bis A2JC je nach Anstalt, 
im Autzendienst 11 bis 22 JC je nach Abteilung. (Oeffentliche Be 
leuchtung, Röhrcnsystem, Privatbeleuchtuug). Zu den Zeiten, in 
welchen die Prodiiktion sank, wenn also Arbeiterentlassungen erwartet 
werden konnten, ist in den Anstalten regelmäßig eine starke Häufung 
der Anträge auf Gewährung von Lohnzuschutz zu erkennen gewesen. 
Die Kosten der Urlaubsbewilligungen an Arbeiter mit zehnjähriger 
ununterbrochener Dienstzeit bei den Gaswerken haben 21271,3? 
(19 342,8«) JC betragen. 
Aus den eingegangenen Strafgeldern für Vergehen im Dienst 
kamen 825 JC als Extraunterstützungen an bedürftige Arbeiter zur 
Verteilung. 
Insgesamt haben sich die Aufwendungen für die gesetzlichen Ver> 
ficherungen in Höhe von IW 258,i? JC um 16,4 v. H. und die Auf 
wendungen in Höhe von 214 236,98 Jt für die freiwillige Fürsorge 
um 23 v. H. gegen das Vorjahr vermehrt. 
Die Gesamtausgaben für die gesetzliche und freiwillige 
Fürsorge betrugen 374 495,ib JC oder 12,? v. H. der gezahlten 
Löhne in Höhe von 2 951 508,«i Jt, im Vorjahre 10,e v. H. 
Die Zahl der enlschädigungspflichligeu Unfälle bei den städtischen 
Gaswerken hat nach dem Verwaltungsbericht der Berufsgenossenschaft 
für 1903 41 (im Vorjahre 24) betragen, darunter zwei niit tätlichem 
Ausgange. In 39 Fällen wurde den Verletzten und in 2 Fällen den 
Hinterbliebenen eine Rente zuerkannt. Die von der Bcrufsgenossenschaft 
hierfür und für die Kosten des Heilverfahrens für 1903 zu zahlenden 
Entschädigungen beliefen sich auf 13 992,83 (8 858,8«) Jt. 
Das im Samariterdienst ausgebildete Personal hat sich in 208 
(131) Fällen praktisch betätigen können. Beim Neubau des Gas 
werks VI in Tegel sind die ausgebildeten Samariter nicht zu Hilfe 
leistungen herangezogen worden, weil der Heilgehilfe der auf der 
Anstalt befindlichen Rettungswache bei Unglücksfällen ausreichend 
Hilfe geleistet hat. 
Mit der Vermehrung der Wohlfahrtseinrichtungen ist auch im 
Jahre 1903 fortgefahren worden (vergl. Bauten). 
Der Genuß von geistigen Getränken in den Anstalten ist durch 
Verabreichung von Kaffee an heißen Tagen bedeutend eingeschränkt 
worden. Beschafft wurden im Laufe des Jahres ca. 20 Zentner 
Kaffee, wofür ohne die Löhnung der ständigen Mannschaft zur Be 
reitung des Kaffees 1 974 JC verausgabt worden sind. 
Trotz aller Fürsorge für die Arbeiter sind die städtischen Gas 
werke gerade in der Zeit des stärksten Betriebes der Gefahr eines 
Ausstandes ausgesetzt gewesen. Gelegentlich der Wahlen zum 
Abgeordnetenhause im November 1903 konnten nämlich die Ofen 
arbeiter, Maschinisten und Keffelwärter nicht sämtlich zur Ausübung 
ihres Wahlrechts beurlaubt werden, weil es im öffentlichen Interesse 
nicht anging, am Tage der Wahl den Betrieb einzustellen. 87 Ofen- 
arbeiter der Gasanstalt an der Danzigerstraße verließen trotzdem am 
Wahltage eigenmächtig ihre Arbeit und wurden deshalb am andern 
Tage entlassen. Um die Wiedereinstellung dieser Arbeiter zu erzwingen, 
beabsichtigte ein Teil der Arbeiterschaft der Gaswerke, einen allgemeinen 
Ausstand auf sämtlichen städtischen Gasanstalten ins Werk zu setzen. 
Da der Verband der organisierten städtischen Arbeiter indessen seine 
Unterstützung für den Fall eines Ausstandes verweigerte, ist es zu 
einer weiteren Arbeitsverweigerung nicht gekommen. Von den ent 
lassenen 87 Arbeitern haben wir später 60 auf ihr Ansuchen wieder 
eingestellt. 
10. Eisenbahn- und Schiffsverkehr. 
Der Eisenbahn- und Schiffsverkehr hat sich regelmäßig und 
ohne Unterbrechung vollzogen. Standgelder für nicht rechtzeitig aus- 
geladene Waggons und Ueberliegegclder für Kähne sind nicht zu 
zahlen gewesen. 
Der Gesamtverkehr auf den eigenen Anschlußgleisen der 
städtischen Gaswerke war um 2 878 Waggons geringer wie im Vor 
jähre, weil an Kohlen 10 000 t mehr zu Wasser bezogen und 
1152 Waggons mit Koks und anderen Nebenprodukten beladen, 
weniger abgesandt wurden. Insgesamt gingen 47 263 Waggons mit 
Kohlen und Baumaterial beladen, sowie leer zum Beladen nut Neben- 
Produkten ein, und 12 807 Waggons mit Nebenprodukten beladen aus. 
Den stärksten Verkehr hatte Anstalt IV mit wochentäglich 
durchschnittlich 96 Waggons. 
Die Entschädigung an die Eisenbahnverwaltung für Bedienung 
sämtlicher Anschlußgleise und für Benutzung des eisenbahnftskalischen 
Terrains hat 19 463,38 ^6, 1902 18 502,?i Jt, 1901 15101 Jt 
betragen. 
Als Beitrag zu den Kosten der Unterhaltung des Gleisanschlusses 
kamen für jeden mit Baumaterial oder Nebenprodukten beladenen 
Wagen 2 JC zur Erhebung. 
Auf dem Wasserwege gingen bei den Anstalten an der Git- 
schinersiraße und Müllerstraße zusammen 491 (393) Schiffsfahrzeuge 
mit Kohlen und Baumaterial beladen ein und 284 (400) mit Neben 
Produkten beladen aus. Insgesamt war der Verkehr gegen das Vor 
jahr um 18 Fahrzeuge geringer. 
11. Telegraphen-, Telephon und Blitzableiteranlagen. 
Die Instandhaltung und Ueberwachung des elektrischen Leitungs- 
netzes, der Nebenanlagen von Telephonen, sowie die Untersuchung 
säniilicher Blitzableiteranlagen in den Anstalten erfolgte durch einen 
Obersekretär der Reichstelegraphie im Nebenamte. Die Reparaturen 
blieben in den gewöhnlichen Grenzen. 
Anschluß von Blitzableitern an das Rohrnetz der städtischen Gas 
werke wurde in keinem einzigen Falle beansprucht. 
12. Das chemisch-physikalische Laboratorium in der 
Anstalt an der Müllerstraße. 
Die laufenden Untersuchungen des reinen Gases auf Leucht 
kraft, Heizwert und etwaige Verunreinigungen, sowie der einzelnen 
zur Reinigung des Rohgases dienenden Belriebsapparate und die 
Prüfung der Nebenprodukte, Koks, Teer und Gaswasser wurden in 
gleicher Weise wie im vergangenen Jahre ausgeführt. Die Bestim 
mung des Ammoniakgehaltes im Gaswasser und die Ermittelung des 
spezifischen Gewichtes des letzteren fand allwöchentlich statt. 
Die Untersuchung von Bau- und Betriebsmaterialien aller 
Art erstreckte sich nur auf die von Lieferanten eingereichten Proben, 
sondern diente auch zur Kontrolle der Lieferungen auf ihre vertrags 
mäßige Beschaffenheit. 
Die zur öffentlichen Beleuchtung Berlins verwendeten Glühkörper, 
Brenner und Zylinder wurden fortlaufend untersucht. 
Neuerungen auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnik unterlagen 
eingehender Prüfung. Auch mit der Verwendung von Sauerstoff zu 
Beleuchtungszwecken wurden Versuche angestellt. 
Die günstigen Ergebnisse der Preßgasbeleuchtung, welche zur 
Verwendung des Selaslichtes im Kleinen Tiergarten und des Millen- 
niumlichtes in der König-, Spandauer- und Gertraudtenstraße geführt 
harten, fanden durch Lichtmessungen an den genannten Stellen erneute 
Bestätigung. 
Die mit dem Laboratorium verbundene Versuchsgasanstalt 
(Kohlenprüfungsanstalt) war mit Ausnahme zweier Monate dauernd 
in Betrieb. Zur Vergasung kamen sowohl die in unseren Gaswerken 
bereits verwendeten Kohlensorten und deren Mischungen, als auch 27 
verschiedene Sorten anderer Kohlen, deutscher und englischer Herkunft. 
13. Das Rohrnetz. 
a) Die Arbeiten am Straßenrohrnetz betrafen einerseits Erweite 
rungen in noch nicht mit Röhren belegten Straßen, andererseits Er- 
Neuerungen und Verstärkungen früher gelegter und entweder schadhaft 
oder unzureichend gewordener Leitungen.
	        
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