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Volume No. 30. Bericht der Gewerbedeputation des Magistrats und des Magistratskommissars für die Orts- und Betriebskrankenkassen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1903 (Public Domain)

Nr. 30. Gewerbedeputation. 
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C. Krankenversicherung. 
Am 31. März 1903 bestanden 
55 Ortskrankenkassen, 
49 Betriebskrankenkassen und 
19 Jnnungskrankenkassen. 
Neu hinzugetreten sind 7 Betriebskrankenkassen und eine Jnnungs- 
krankenkasse, nämlich die Betriebskrankenkassen 
1. der „Viktoria", Allgemeine Versicherungsaktiengesellschaft, am 
1. Mai 1903, 
2. der Firma Rudolph Hertzog, 
3. - - Maggi, G. m. b. H., 
4. - Friedrich Wilhelm, Preußische Lebens- und Garantieversiche- 
rungsaktiengesellschaft, 
sämtlich am 1. Januar 1904, 
5. der Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen am 
29. Februar 1904, 
6. der Vereinigten Berliner Mörtelwerke am 28. März 1904 
(vorstehende Kassen zu 1—6 sind neu begründet), 
7. der Firma Rengert & Co. 
Die Betriebskrankenkasse dieser Firma unterstand früher dem 
Landrat des Kreises Niederbarnim. Der Betrieb wurde jedoch von 
Stralau nach Berlin verlegt, und demgemäß ging die Aufsicht über 
die Krankenkasse im Jahre 1904 auf den hiesigen Magistratskoimiiissar 
für die Orts- und Betriebskrankenkassen über. Mit dem 29. Juni 
1908 trat ferner die Jnnungskrankenkasse der Köcheinnung ins Leben. 
Geschlossen wurden, und zwar sämtlich am 1. Juli 1903, 
2 Betriebskrankenkaffen und 1 Jnnungskrankenkasse, nämlich 
1. die Betriebskrankenkasse der Firma H. Hauptner infolge frei- 
willigen Rücktritts zu der früher zuständigen Ortskrankenkaffe der 
Mefferschmiede, 
2. die Betriebskrankenkasse der Neuen Berliner Omnibusaktien 
gesellschaft wegen Verschmelzung des Betriebes mit der Allgemeinen 
Berliner Omnibusaktiengesellschaft. 
3. die Jnnungskrankenkasse der Töpfer gemäß einem Beschlusse der 
Innung. 
Der Bezirk der Töpferinnung erstreckt sich über Berlin und 
Vororte. Die in hiesigen Betrieben tätigen Personen traten demnach 
zur Ortskrankenkasse der Töpfer über. die bei den in den Vororten 
wohnenden Jnnungsmitgliedern beschäftigten Arbeitnehmer kamen zu 
derjenigen Krankenkasse, die für den jeweiligen Betriebssitz ihrer Arbeit 
geber zuständig ist. Dementsprechend soll die Verteilung des Ver 
mögens der geschlossenen Jnnungskrankenkasse erfolgen. Die Ver 
handlungen hierüber sind noch nicht beendet. Die Aufsicht über die 
Betriebskrankeukasse der Firma Hermann Hein ist dem Magistrat 
zu Charlottenburg übertragen worden. 
Die Allgemeine Ortskrankenkasse gewerblicher Arbeiter und Ar 
beiterinnen hat ihren Namen in „Allgemeine Ortskrankenkaffe" ge 
ändert, ferner die Ortskrankenkasse für die im Geschäftsbetriebe der 
Anwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, der Krankenkassen, Berufs- 
genossenschaften und Versicherungsanstalten beschäftigten Personen in 
„Ortskrankenkasse der Bureauangestellten" und endlich die Betriebs 
krankenkasse Hermann Janicke in „Betriebskrankenkasse der Tiefbau 
gesellschaft m. b. H.". 
Am Schluffe des Berichtsjahres bestanden mithin 
55 Ortskrankenkaffen, 
53 Betriebskrankenkassen, 
19 Jnnungskrankenkassen. 
Die Betriebsergebnisse der Kassen für das Kalenderjahr 1903 
sind, wie früher, von dem Statistischen Amte der Stadt Berlin be 
arbeitet und unter dem Titel „Die Arbeitcrkrankenversicherung" als 
Anlage zu Nr. 42 des Gemeindeblattes für 1903 veröffentlicht. Ab 
weichungen in den hier gegebenen Zahlen von den durch das Sta 
tistische Amt festgestellten Betriebsergebniffen erklären sich aus der 
Verschiedenheit der Zeitangaben, indem hier das Etatsjahr (1. April 
bis 31. März), dagegen den Resultaten der Betriebsergebnisse das 
Kalenderjahr zugrunde gelegt worden ist. Bei der nachfolgenden 
Wiedergabe der wesentlichen Zahlen aus den Betriebsergebnissen für 
das Jahr 1903 sind, wie auch früher schon, diesen zum Vergleich die 
entsprechenden Zahlen des Vorjahres in Klammern beigefügt. 
Sämtliche Kassen, nach dem Stande an den Monatsersten be 
rechnet, zählten durchschnittlich 371277 (349074) männliche und 
214070 (191 644) weibliche, zusammen 586347 (540 718) Mitglieder, 
d. h. 22 203 männliche und 22 426 weibliche, zusammen 44 629 Mit 
glieder mehr als im Vorjahre. Die im letzten Berichte erwähnte 
überraschend große Steigerung der Mitgliederzahl hat sich demnach 
auch in diesem Berichtsjahre fortgesetzt. 
Von der Gesamtzahl entfielen auf die Ortskrankenkaffen 257 230 
(240 953) männliche und 174 180 (159 025) weibliche, auf die Betriebs- 
krankenkassen 69 951 (64 257) männliche und 17 988 (15 378) weib 
liche, auf die Jnnungskrankenkassen 44079 (43 844) männliche und 
21866 (17207) weibliche, auf die Gemeindekrankenvcrsichcrung 18 (21) 
männliche und 35 (34) weibliche Mitglieder. Mit Erwerbsunfähigkeit 
verbundene Erkrankungsfälle traten bei 148971 (134275) männlichen 
und 89427 (73 879) weiblichen Kassenmitgliedern ein: es liegt also 
gegen das Vorjahr bei den männlichen Mitgliedern eine Vermehrung 
um 14696, bei den weiblichen Mitgliedern eine solche um 15648 Er 
krankungsfälle vor. 
Auf 100 männliche Mitglieder kamen 40,12 (38,47), auf IM weib 
liche Mitglieder 41,7? (38,55) derartige Erkrankungen. Auf die männ 
lichen Mitglieder entfielen 3 668 956 (3 466 714) auf die weiblichen 
2 479 899 (1 995 385) Krankheitstage. Die Dauer eines mit Erwerbs 
unfähigkeit verbundenen Erkrankungsfalls betrug durchschnittlich beim 
männlichen Geschlecht 24,so (25,82), beim weiblichen Geschlechte 27,i« 
(27,oi) Krankhcitstage. Auf jedes Kaffenmitglied niännlichen Geschlechts 
entfielen 9,88 (9,»3), auf jedes weiblichen Geschlechts 11,«8 (10,4i) 
Krankheitstage. Hiernach ergibt sich eine wesentliche Vermehrung 
der Erkrankungsfälle und demgemäß eine Erhöhung des Prozentsatzes 
der Erkrankungen auf die Mitgliederzahl selbst, während die durch- 
schnittliche Dauer der Erkrankungszeiten an sich bei den männlichen 
Mitgliedern gegen das Vorjahr zurückgegangen und bei den weiblichen 
unwesentlich gestiegen ist. Die männlichen Kranken weisen 202242 Er- 
krankungstage, die weiblichen Kranken sogar 484514 Erkrankungstage 
mehr als im Vorjahre auf. Es zeigt sich auch hier wiederum die 
unverhältnismäßig starke Belastung der Kaffen durch die weiblichen 
Mitglieder. 
Es starben 3 515 (3 413) männliche und 1220 (1 138) weibliche 
Mitglieder, d. h. 0,«s (0,98) vom Hundert der männlichen und 0,97 
(0,89) vom Hundert der weiblichen Mitglieder. Das Ergebnis ist 
also ein relativ günstigeres als im Vorjahre. 
An Beiträgen wurden vereinnahmt 15721321,17^ (13916949,mJC), 
an Eintrittsgeldern 266 523,52 JC (262 249,82 JC) Es entfielen somit 
auf den Kopf der Mitglieder 26,8« JC (25,74 JC) Beiträge und 0,4« JC 
(0,49 ^(Eintrittsgelder. Die Gesamteinnahmen betrugen 20218327, 
(17 927 786,31 JC), sind also um 2 290 541,34 JC gestiegen. 
Verausgabt wurden von den Kassen: für ärztliche Behandlung 
2 196 492,ss JC (1 936 461,02 JC), an Arznei- und Heilmittelkosten 
2 147 389,81 JC (1 966 730,3« JC), an Krankengeld 6 917 303,27 JC 
(6160967,so-^ü),anAngehörigenunterstützung 177982,28^(164 i87,33 JC), 
an Wöchnerinnenunterstützung 239316,64^ (188142,«8 ^k), au Sterbe 
geldern 373 505,4« JC (359 896,90 JC), an Kur- und Verpflegungs 
kosten in Krankenanstalten 2 253 067,v8 JC (1 924 094,95 JC). Die 
persönlichen Verwaltungskosten betrugen 933125,91 M (835297,23 JC), 
die sächlichen Verwaltungskosten 288 804,35 JC (259 155,tb JC). 
Die Gesamtausgabe belief sich auf 19638028,«i JC (17137221,9«^). 
Bei der Berechnung dieser Ausgaben auf den Kopf der Mitglieder 
(vergl. Tabelle V der Betriebsergebnisse) ergibt sich gegen das 
Jahr 1902 folgende Steigerung: ärztliche Behandlung 17 Arznei 
und Heilmittel 3 Krankengelder an Mitglieder 43 j, Unterstützungen 
an Wöchnerinnen 6 j, Kur- ic. Kosten 29 j, persönliche Verwaltungs 
kosten 5 ^ und sächliche Verwaltungskosten 1 Gesunken ist allein 
das Sterbegeld um 3 Bemerkenswert ist die auch in diesem Jahre 
andauernde erhebliche Steigerung der Ausgaben sür ärztliche Be- 
Handlung (17 j für den Kopf). Insgesamt haben die Kaffen an 
Arzthonorar 260031 JC gegen das Vorjahr mehr aufgewendet. 
Ferner ist zu erwähnen die Vermehrung der persönlichen Verwaltungs 
kosten (5 ^ für den Kopf). Hierfür sind 97 828 JC mehr als im 
Vorjahre gezahlt worden. Die Erhöhung der Ausgaben für Kranken 
gelder an Mitglieder (43 ^) und für Kurkosten (29 ^) wird im 
wesentlichen auf die bereits erwähnte erhebliche Steigerung der 
Krankheitsfälle zurückzuführen sein. 
Das Gesamtvermögen der Kassen betrug am Schluffe des Berichts 
jahres 11572087,1« JC (11005251,3« JC), mithin 566835,«o JC mehr 
als im Vorjahre. Gegen die Steigerung im Berichtsjahre 1902 
(638 533,17 JC) bleibt die Vermehrung um rund 72 000 JC zurück. 
Die Reservefonds aller Kassen enthielten am Jahresschlüsse 
10 467 017,«« JC, b. f). 439 548,io JC mehr als Ende 1902. Von 
erstgenannter Summe entfallen auf die Ortskrankenkaffen 7 966 157,si JC 
(7 791902,5«„A), die Betriebskrankenkassen 1893 749,12 (1620330,32^6) 
und die Jnnungskrankenkassen 607 105,«3 JC (615 236,«s JC). Die 
Verbesserung der Vermögensverhältnisse hat demnach bei den Orts 
und Betriebskrankenkassen auch in diesem Berichtsjahre fortgedauert, 
während bei den Jnnungskrankenkassen eine Verminderung der Re 
servefonds um etwa 8000 JC gegen das Vorjahr festzustellen ist. 
Den gesetzlichen Reservefonds besaßen in diesem Berichtsjahre 
23 Orts-, 20 Betriebs- und 4 Jnnungskrankenkassen, mithin gegen 
das Vorjahr mehr 2 Ortskrankenkassen, dagegen weniger 4 Jnnungs 
krankenkassen. Bei den Betriebskrankenkassen ist eine Aenderung nicht 
eingetreten. 
Von wesentlichem Einflüsse auf die Verhältnisse der gesamten 
Kassen ist die mit dem 1. Januar 1904 in Kraft getretene Novelle 
zum Krankenversichernngsgesetze vom 25. Mai 1903. Die wichtigsten 
der hier in Betracht kommenden Bestimmungen dieses Gesetzes sind 
folgende: 
Die Versicherungspflicht wird auf alle Handlungsgehilfen und 
-Lehrlinge ausgedehnt, deren Arbeitsverdienst nicht 6 J / 3 JC für den 
Arbeitstag oder 2 0M JC jährlich übersteigt. Vorher unterlagen diese 
Personen der Versicherung nur, sofern die ihnen nach Artikel 63 des 
Deutschen Handelsgesetzbuches zustehenden Rechte aufgehoben oder 
beschränkt waren. Hierbei mag bemerkt werden, daß die Stadtgemeinde
	        
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