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Volume No. 15. Bericht der städtischen Stiftungsdeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1903 (Public Domain)

Verwaltungsbericht 
de. 
Magistrats zu Berlin 
str 
das Ltatsjahr 1903. 
M 15. 
Wericht 6er städtischen SLiftungsöeputaLion. 
A. Stiftungsdeputation. 
In der Verwaltung der uns unterstellten Stiftungen und den 
für die Bewilligung von Unterstützungen aufgestellten Grundsätzen 
find auch im angegebenen Berichtsjahre keine wesentlichen Ver 
änderungen eingetreten. 
Der Wert des städtischen Stiftungsvermögens hat gegen das 
Vorjahr infolge neuer Zuwendungen wiederum eine nicht unwesent 
liche Erhöhung erfahren. Die unserer Verwaltung unterstellten, zu 
sammen mit den im städtischen Stiftungsbureau bearbeiteten selbst- 
ständigen oder unter besonderer Verwaltung stehenden Stiftungen ver 
fügten am Schluffe des Berichtsjahres — unter Zugrundelegung des 
Kurses vom 31. März 1903 — über ein Vermögen von rund 
29 Millionen Mark, also gegen das Vorjahr mehr 3V, Millionen. 
Dieses Mehr ist vornehmlich auf die rund l 3 /. bezw. 1 Million Mark 
betragenden Vermögen der Vierling bezw. Bachstiftung zurückzuführen, 
über die wir das Nähere bereits in den vorjährigen Berichten aus 
geführt haben, deren Vermögen indes erst im Vorjahre von dem 
Nachlaßpfleger bezw. den Testamentsvollstreckern an uns abgeführt 
worden sind. Der Nennwert der am Jahresschlüsse vorhanden ge 
wesenen kursfähigen Papiere betrug rund ll 3 / 4 Millionen, der Wert 
des Grundbesitzes rund 5V 2 Millionen Mark, hiervon entfallen 
3 Millionen Mark auf die uns unterstellten Stiftungen und die rest 
lichen 2 1 / 2 Millionen auf das Vermögen der übrigen oben näher be 
zeichneten Stiftungen. Der Gesamtwert des Grundbesitzes hat hiernach 
gegen das Vorjahr eine Verminderung um rund V 4 Million Mark 
erfahren und zwar durch den Verkauf des der Gertrud und 
Alexander Matternschen Grundstücks Alerandrinenstraße 36, das 
mit 222 845 JO zu Buch stand und für 296 000 JO mit Zustimmung 
der Aufsichtsbehörden verkauft worden ist. 
Mit Bezug auf die vorstehenden Zahlen wiederholen wir, daß es 
fich hierbei nicht um das gesamte Stiftungsvermögen der Stadt Berlin 
handelt, über dieses enthält das Nähere der jedesmalige Jahres 
abschluß der Hauptstiftungskasse des Magistrats. Für den vorliegenden 
Bericht kommen die zahlreichen wohltätigen Stiftungen der Armen 
direktion, der Waisenverwaltung, der Schuldeputation, diejenigen für 
Blinden und Krankenhauszwecke, überhaupt allen bestimmten Der- 
Wallungen überwiesenen Stiftungen nicht in Betracht. 
Wir befinden uns wiederum in der Lage, von einer größeren 
Anzahl neuer und namhafter Zuwendungen Kenntnis geben zu können. 
Von den in den vorjährigen Berichten bereits als eingegangen er 
wähnten größeren Stiftungen hat für die Zuwendung des Tischler- 
Meisters Waldecker die landesherrliche Genehmigung zwar auch bis 
heute noch nicht eingeholt werden können; die zahlreichen, von den 
Jntestaterben angestrengten und erst neuerdings erledigten Prozesse 
haben uns das zur Unmöglichkeit gemacht. Für die nachstehend an 
gegebenen Vermächtniffe ist uns diese Genehmigung inzwischen erteilt 
worden. 
1. Der am 11. Februar 1900 in Berlin verstorbene Dr. phil. 
Fedor Jagor hat in seinem am 8. April 1886 errichteten, am 
24. Februar 1900 eröffneten Testament — ergänzt und abgeändert 
durch eine Nachschrift vom 7. Dezember 1890 — die Stadtgemeinde 
Berlin zur Alleinerbin seines Nachlasses berufen, mit der Verpflichtung, 
seinen gesamten Nachlaß zur Errichtung einer Stiftung zu verwenden, 
welche der Vermehrung des Gemeinguts nützlicher Kenntnisse und 
Fertigkeiten im Gebiete der Naturwisienschaft und der Technik dienen 
und den Namen „Jagorstiftung zur Vermehrung nützlicher Kenntniffe 
und Fertigkeiten" führen soll. 
Der Nachlaß des Stifters hat bestanden aus 
1. den am Todestage des Stifters vorhanden gewesenen Wert 
papieren im Kurswert von 693 295 J0\ 
2. einem Barbetrage von 14987,23 J0\ 
3. dem handschriftlichen und schriftstellerischen Nachlaß; 
4. den wissenschaftlichen und künstlerischen Sammlungen des Stifters , 
5. dem Urheberrecht an den vom Stifter hinterlassenen eigen 
händigen Zeichnungen, Aquarellen und Lichtbildern, sowie an 
den wissenschaftlichen Aufzeichnungen, sowie schließlich aus 
6. dem Hausrat im Werte von 1 882 JO. 
Die Stiftung, welche durch Allerhöchsten Erlaß vom 30. November 1903 
die landesherrliche Genehmigung erhalten hat, ist eine selbständige 
und steht unter Verwaltung eines besonderen Kuratoriums', nach dem 
für sie verlautbarten Statut sollen die Mittel der Stiftung zu reinen 
Studienzwecken ohne ein bestimmtes Ziel nicht gewährt werden. 
Wille der Stiftung ist es nicht, zu Erfindungen, welche durch ihre 
Verwertbarkeit in der Praxis reichen Gewinn versprechen, sondern 
Mittel zu gewähren zur Erforschung wichtiger Gesetze, zur Lösung 
bestimmter Aufgaben im Bereiche der Naturkunde, der exakten Wisfen- 
schaften und der Technik, die besondere Befähigung, sorgfältige Arbeit, 
kostspielige Hilfsmittel erfordern, ohne Aussicht auf materiellen 
Gewinn, und die daher trotz ihrer Wichtigkeit für das allgemeine 
Wohl von Privatleuten nicht leicht unternommen oder zu Ende geführt 
werden. Im Allgemeinen ist bei allen Beschlüssen über Verwendung 
von Mitteln der Stiftung das Hauptaugenmerk darauf zu richten, 
daß für den angegebenen Zweck objektiv etwas erreicht wird. 
Die Stiftungsbeihilfen und Unterstützungen sollen nicht nur für 
Personen von gelehrter Bildung oder für Unbemittelte bestimmt sein. 
Es soll weder die Art der Vorbildung noch die Mittellosigkeit ein 
Vorrecht begründen, sondern nur auf höhere Begabung gesehen werden 
und bei der Wahl zwischen mehreren Bewerbern lediglich das ver- 
nünstige Ermessen der Verwaltung der Stiftung den Ausschlag geben. 
Die mit Beihilfe der Stiftung erzielten Resultate, dürfen unter keiner 
Bedingung patentiert oder geheim gehalten werden. 
Dem Kuratorium gehört neben den Vertretern der städtischen 
Körperschaften je ein Mitglied der Körperschaften der Universität 
Berlin, der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin, der 
technischen Hochschule in Charlottenburg und des Vereins zur Förderung 
des Gewerbefleißes an. 
2. Der am 7. August 1901 Hierselbst verstorbene Rentier Julius 
Korke hat in seinem am 19. August 1901 publizierten Testamente 
die Stadtgemeinde Berlin mit der Auflage zu seiner Erbin eingesetzt, 
daß sie seinen Nachlaß zur Vergrößerung des Kinderasyls in der 
Kürassierstraße (Schmidt Gallischstiftung) verwendet. Die landesherr 
liche Genehmigung zur Annahme des etwa 130000 JO betragenden 
Nachlasses, zu dem auch das Hausgrundstück Adalbertstraße 98 gehört, 
ist der Stadtgemcinde nach mehrjährigen Verhandlungen am 4. Ja 
nuar d. Js. erteilt worden, nachdem diese die Verpflichtung über 
nommen hat, insgesamt an Abfindungen an achtzehn hilfsbedürftige 
Verwandte des Erblassers in Beträgen von 500—1 500 Jt, zusammen 
18000 JO und Korke's langjähriger Wirtschafterin eine lebensläng 
liche Rente von jährlich 600 JO zu zahlen. Nach erfolgter landes 
herrlicher Genehmigung und der definitiven Feststellung der Erbmasse, 
ist die Abgabe der Stiftung an die Armendirektion, Abteilung für die 
Waisenverwaltung, der die Schmidt - Gallischstiftung unterstellt ist, 
erfolgt. 
3. Auch zu der in unserem letzten Berichte bereits unter Position < 
erwähnten Emil Zeitler's Fachschulenstiftung haben wir nunmehr 
durch Allerhöchsten Erlaß von, 20. Januar d. Js. die staatliche Ge 
I
	        
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