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Volume No. 8. Bericht der städtischen Schuldeputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

3fr. 8. Schuldeputation. 
18 
Von diesen 160 Kindern kamen noch am Schluffe des Schul 
jahres zur Entlaffnng: 
a) durch Konfirmation 17, 
b) - Verzug nach auswärts 2, 
c) Tod . . 1, 
zusammen 20, 
sodaß als Bestand ins neue Schuljahr übertraten 140 Kinder. 
Nach der Zahl der Anmeldungen für das neue Schuljahr 1901/1902 
dürfte die Frequenz der Schule, besonders mit den, zweiten Aufnahme- 
termin, Michaelis d. Js, so erheblich gestiegen sein, daß die Errichtung 
einer weiteren Klasse (der 15.) nothwendig sein wird. 
4. Der Unterricht. 
Neben der Erstrebung der gesteckten Klassenziele mürben auch den 
sehr schwach befähigten Schülern durch Einzelunterricht in besonderen, 
aber auch planmäßigen Stunden geeignete Verhültniffe geboten. 
In Folge der bekannten Anregung von München wurde Ostern 
1900 auch hier eine Klasse für „Hörschüler" eingerichtet. Aber es 
erwies sich der Unterricht „durchs Ohr" als ergebnißlos und in 
mancher Hinsicht für die betheiligten Kinder als schädigend. Aus 
diesem Grundc wurde der Unterricht „durchs Ohr" Michaelis 1900 
wieder aufgegeben. 
Die zur Verbindung von Schule und Haus schon seit 1898 be 
stehende Einrichtung von „Elternstunden" hat sich auch in dem ab 
gelaufenen Schuljahr segensreich bewährt. Besonders in den Klassen 
der Unter- und der Mittelstufe, wo die Verbindung mit dem Eltern 
hause ungleich wichtiger ist als auf der Oberstufe, war der Eltern 
besuch verbältnitzmäßig zahlreich. 
Die Abhaltung öffentlicher Schulprüfungen in der Taubstummen 
schule wird laut Beschluß der Schuldeputation nicht mehr beabsichtigt. 
Die Lehrmittel, sowie die Lehrer- und Schülerbibliothek wurden 
ergänzt und vermehrt: auch konnte eine Anzahl fleißiger Schüler und 
Schülerinnen durch Prämien ausgezeichnet werden. 
Der Schulbesuch war auch in dem verflossenen Jahre ein recht 
guter zu nennen. Die theils im Etat vorgesehenen, theils aus der 
Abeggstiftung zur Verfügung gestellten Mittel zur Erleichterung des 
Schulbesuchs durch Benutzung von Fahrgelegenheit sind bestimmungs 
gemäß verwendet worden. 
Auch der Gesundheitszustand der Schüler war während des 
Jahres im Ganzen günstig, so daß Störungen des Unterrichts durch 
Krankheit der Zöglinge nur aus wenige Fälle beschränkt blieben. 
5. Das Schullokal. 
Eine umfangreiche Renovirung erfuhr der Zeichensaal, der der 
Schule zugleich als Aula dient. Schon vor der Jubelfeier wurde er 
gründlich und geschmackvoll renovirt, mit neuen Vor- und Ueberhängen 
versehen und mit den beiden der Schule zu ihrem Jubiläum von der 
Stadt geschenkten lebensgroßen Bildern des Kaiserpaares geschmückt. 
Die ganze Anstalt wurde mit Gasglühlichteinrichtung versehen. 
6. Schulausflüge, Schulfeierlichkeiten, Ferien und Ferien 
kolonien. 
Schulausflüge nach dem zoologischen Garten und anderweit 
wurden auch in diesem Jahre unternommen. Unfälle sind nicht vor 
gekommen. 
Die Schulfeste wurden in würdiger Weise abgehalten; auch eine 
gemeinsame Feier des 200jährigen Bestehens des Königreichs Preußen 
fand, wie in allen Schulen, so auch in der Taubstummenschule am 
18. Januar 1901 statt. 
Die Ferien der Taubstummenschule waren mit denen der hiesigen 
Gemeindeschulen gleichzeitig. 
Aus dem Ucberschuß der Einnahmen für Weihnachksbeschecrung 
armer taubstummer Kinder für 1899 konnten dem hiesigen Verein für 
Ferienkolonien 200 M als Zuschuß zum Besten erholungsbedürftiger 
Kinder der städtischen Taubstummeuschule überwiesen iverden. Dank 
dem Entgegenkommen des Komitees für Ferienkolonien wurden 
12 Kinder der Schule in Ferienkolonien nach Kammin und Kolberg 
mitgenommen, eine Wohlthat, für die die Anstalt nicht dankbar genug 
sein kann! Diese Kinder waren zu 2 bis 4 unter die vollsinuigeu 
Kinder der Ferienkolonie gemischt, sie haben mir ihnen gut verkehren 
können. 
7. Die Konfirmation der Kinder. 
In dem verflossenen Schuljahre hat die Einsegnung der Zöglinge 
zum ersten Male in der Andreaskirche stattgefunden, in deren Sprengel 
die Tanbstummenschule liegt, und ist von demjenigen Geistlichen voll 
zogen worden, der auch ihren Religionsunterricht zu inspizireu Hai. 
Der Magistrat hat als Patron der Kirche mit dem Genieinde- 
kirchenrath von St. Andreas den Termin der Konfirmation der taub 
stummen Kinder für die Zukunft aus den letzten Donnerstag des 
Monats März festgesetzt, auch die damit verbundenen Kosten 
(Remuneration für die Kirchenbeamten) auf den Etat der Taub 
slummenschule übernommen. 
8. Die entlassenen Zöglinge. 
Auch nach der diesmaligen Entlaffnng der Zöglinge ist es ge 
langen, sie in geeigneten Lehrstellen zur Erlernung eines Berufes 
unterzubringen, der ihnen später eine selbständige Lebensstellung 
sichert. Von den 10 eiitlaneneu Knaben erlernen 3 die Holzbild 
Hauerei, 2 werden Maler, 2 Schneider, 1 Buchbinder, 1 Tischler, 
1 Schuhmacher. Einige dieser Lehrlinge sind auch bei ihren Meistern 
in Kost und Pflege, andere wohnen bei den Eltern und erhalten vom 
Meister Kostgeld. Von den 7 entlassenen Mädchen sind 2 ans Wunsch 
der Eltern zu Hause geblieben zur Unterstützung der Mutter in der 
Wirthschaft, 3 erlernen die Phantasiesedernsabrikaiion und 2 sind als 
Kartonarbeiterinnen beichäftigt und verdienen sich schon ihr täglich 
Brod. Die entlaffcnen Zöglinge bleiben mit der Schule und ihren 
Lehrern in Verbindung, das wird ganz besonders durch die städnsche 
Fortbildungsschule für Taubstumme bewirkt, die zur Zeit 6 klaffen, 
4 für Jünglinge und 2 für junge Mädchen hat. Der Fortbildungs 
schulunterricht schließt sich sofort an den Schulunterricht an, befestigt, 
ergänzt und eriveiterr die Schulkenntnissc und bringt sie mehr mil dem 
praktischen Leben in Beziehung. 
(„Städtische Fortbildungsschule für Taubstumme" siehe in der 
von der städtischen Schuldeputation und Gewerbedcpuration des 
Magistrats herausgegebenen Uebersicht über die Fortbildungsschulen 
der Stadt Berlin.) 
V. Städtische Stindenanltalt. 
Die inzwischen gebildete Deputalion für die Blindenpilege wird 
einen besonderen Verwaltungsbericht herausgeben. 
Berlin, den 6. September 1901. 
Städtische Schuldevutaliou. 
Hirsekorn.
	        
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