Path:
Volume No. 39. Bericht über den städtischen Vieh- und Schlachthof sowie die städtische Fleischschau

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

10 
Nr. 39. Vieh 
und Schlachthof. 
änderiingen bereits so weit vorgeschritten, daß die Thiere ganz be 
anstandet werden mußten. 132 von diesen Schweinen konnten gemäß 
der soeben erwähnten polizeilichen Verfügung im gekochten Zustande 
noch als Nahrungsmittel verwerthet werden, nachdem die auffällig 
veränderten Hauttheile vor der Kochung entfernt worden waren. 
Die Zahl der Rothlauffälle ist im Vergleich mit denen der 
vorhergehenden drei Jahre etwas gestiegen, jedoch immerhin noch 
erheblich geringer gewesen als in den Jahren 1886/95. 
Schwcineseuchc ist 72 mal zur Beobachtung gelangt. Das Fleisch 
von 18 erkrankten Schweinen ist nach der Kochung im Becker- 
Ulmann'scheu Apparat noch zu Nahrungszwecken verkauft worden, 
während das der übrigen 51 geschlachteten Schweine wegen aus 
gebreiteter Veränderungen in den Fleischlymphdrüsen oder wegen starker 
Abmagerung in Folge der Krankheit zur unschädlichen Be 
seitigung (technischen Ausnutzung) der Polizeibehörde hat über 
wiesen werden müssen. 3 Schweine sind an dieser Seuche verendet. 
Maul- und Klauenseuche ist in den öffentlichen Schlachthäusern 
bei 30 Rindern festgestellt worden, im Jahre zuvor noch bei 308 Rindern 
und l Kalbe, woraus auf eine erfreuliche Abnahme der Seuche ge 
schlossen werden darf. Das Fleisch dieser Thiere konnte mst Aus 
nahme der erkrankten Theile «Füße, Zungen k.) dem freien Verkehr 
überlassen werden. 
Neubildungen sind bei 22 Thieren (19 Rindern, 2 Kälbern und 
1 Schweine) in solcher Verbreitung vorgekommen, daß das Fleisch 
nicht zum Verkehr gugelaffen werden konnte. Außer Sarkomen (meist 
Lymphosarkomen! bildeten Aktinomykome, Fibroneurome und Myro- 
ncurome den Beanstandnngsgrund. — Außerdem sind bei einer 
größeren Anzahl von Thieren Eingeweide und Theile, die mit 
Neubildungen behaftet waren, beanstandet worden. 
Wegen Finnen sind in den öffentlichen Schlachthäusern 913 Rinder, 
19 Kälber und 474 Schweine beanstandet worden. Rinder, in denen 
nur spärliche, zweifellos gänzlich abgestorbene Finnen vorhanden 
waren, sind ohne Weiteres freigegeben worden: die Zahl dieser Rinder 
belief sich auf 173 (82 Bullen. 64 Ochsen und 27 Kühe). 
Bei den 1406 im Berichtsjahre wegen Finnen beanstandeten 
Thieren kamen die Parasiten in den meisten Fällen (bei 886 Rindern, 
14 Kälbern und 284 Schweinen) so spärlich vor, daß das Fleisch im 
gekochten Zustande zum Verkaufe zugelassen werden konnte. 27 Rinder, 
5 Kälber und 190 Schweine mußten jedoch, weil sie mit „zahlreichen" 
Finnen behaftet waren, für die technische Verwerthung bestimmt 
werden. 
Bei den meisten (843» Rindern ist bei der Untersuchung im 
Schlachthause nur eine einzige Finne aufgefunden ivorden. Wie 
immer eriviesen sich auch diesmal die Kaumuskeln als die Lieblings 
sitze der Finnen. In diesen Muskeln allein wurden die Finnen in 
859 Fällen aufgefunden, und zwar bei 208 Thieren nur in den inneren, 
bei 635 nur in den äußeren und bei 16 zugleich in den inneren und 
äußeren Kaumuskeln. Im Herzen allein wurden die Finnen bei 
21 Rindern festgestellt, 13mal wurden Finnen gleichzeitig in den 
Kaumuskeln und im Herzen aufgefunden, Imal im Herzen und 
in der Zunge, 10 mal in den Kaumuskeln, im Herzen und in der 
Zunge. 1 mal in den Kan-, Nacken- und Bauchmuskeln, 1 mal in den 
Kaumuskeln, den Oberschenkelstreckern und im Zwerchfell. In den 
übrigen 5 Fällen fanden sich Finnen in allen Körpermuskeln 
zerstreut vor. 
25 wegen Tuberkulose und 13 wegen wässeriger Beschaffenheit 
beanstandete Rinder, soivie 1 wegen blutiger Beschaffenheit des 
Fleisches beanstandetes Rind waren gleichzeitig finnig, so daß im 
Ganzen 952 Rinder. 19 Kälber und 4,4 Schweine mit lebenden 
Finnen behaftet gefunden worden sind. Die Zunahme der sinnigen 
Thiere entspricht annähernd dem Anwachsen der Schlachtzahlen: bei 
Schweinen ist sie etwas größer. 
Bei 5 Kälbern wurden bei der Untersuchung im Schlachthause 
nur im Herzen Finnen gefunden, und zwar meist zu mehreren, bei 
1 Kalbe nur in den Kaumuskeln, bei 5 Kälbern im Herzen und 
in den Kaumuskeln, bei 1 Kalbe im Herzen und in der Zunge; 
bei den,übrigen waren Finnen im Herzen und in allen Skelet- 
Muskeln zerstreut vorhanden. 
Es ivnrden mit lebensfähigen Finnen behaftet befunden (nach absoluten Zahlen und nach Prozemen der Bullen ec.) 
in den Jahren 
Bullen 
Ochsen 
Kühe 
Rinder 
Kälber 
Schiveine 
bei 
Rindern 
abs. 
v. H. 
abs. 
v. H. 
abs. 
v. H. 
abs. 
v. H. 
abs. 
v. H. 
abs. 
v. H. 
abs. 
1883/85 
1 
1 423 
0,54 
1886 90 
55 
0,04 
64 
0,05 
34 
0,03 
153 
0,12 
1 
— 
1 847 
0,43 
1891'95 
100 
0,07 
111 
0,08 
52 
0,04 
263 
0,19 
4 
0,004 
1 458 
0,2« 
— 
1896/1900 
324 
0,498 
338 
0,495 
100 
0,35« 
762 
0,449 
17 
0,011 
438 
0,0«! 
236 
1896 
237 
0,39« 
231 
0,401 
91 
0,322 
559 
0,387 
15 
0,011 
509 
0,074 
167 
1897 
302 
0,479 
332 
0,632 
79 
0,321 
713 
0,479 
18 
0,013 
482 
0,072 
27! 
1898 
313 
0,50« 
329 
0,484 
101 
0,419 
743 
0,484 
20 
0,013 
399 
0,0«0 
360 
1899 
354 
0,551 
403 
0,548 
86 
0,309 
843 
0,509 
12 
0,008 
328 
0,043 
187 
1900 
409 
0,559 
399 
0,508 
144 
0,411 
952 
0,509 
19 
0,011 
474 
0,058 
173 
Wegen Trichinen sind 139 (in den Vorjahren 113, 85, 138, 192, 
158 und 136) Schiveine beanstandet worden, das sind 0,on v. H. 
(gegenüber 0,oi5, 0,ois, 0,oao, 0,o28, 0,025 und 0,024 v. H. in den vorher 
gehenden Jahren). Zahlreich waren die Trichinen bei 88, spärlich 
bei 51 Schweinen vorhanden. In 123 Fällen wurden nur lebende 
Trichinen aufgefunden, in 4 Fällen wenige abgestorbene, in 12 Fällen 
lebende neben abgestorbenen. 
„Kalkkonkrcinente" sind in den Muskeln von 101 Schweinen 
(— 0,i pro Mille, in früheren Jahren zwischen 0,o« und 0,24 pro Mille) 
fo reichlich und so weit verbreitet vorgekommen, daß das Fleisch aus 
fällig verändert aussah und für den Verkauf in rohem Zustande nicht 
geeignet war. In 59 Fällen konnte der Verkauf des Fleisches im 
gekochten Zustande gestattet werden: in den übrigen 42 Fällen waren 
die Kalkkonkremente in so auffälliger Größe und Menge vor 
handen. daß das Fleisch zur technischen Ausnutzung bestimmt »verden 
mußte. 
Zahlreiche kleine Blutherde in allen Skeleimuskeln haben bei 
82 Schweinen Veranlassung zur Beanstandung gegeben. Die Schweine 
sind mangels einer anderen^ Verwerthungsgelegenheit im gekochten 
Zustande zum Verkauf zugelassen worden. Bei 122 anderen Schweinen 
waren Blutherde in auffälliger Menge im Wesentlichen auf das 
Zwerchfell allein beschränkt oder sie erstreckten sich zugleich auf einen 
Theil der Bauchmuskeln; nach Beseitigung der mit Blutungen durch 
setzten Theile konnte das Fleisch dieser Thiere dem freien Verkehr 
überlassen werden. 
Die Zahl derjenigen beanstandeten Thiere, die während des Ab- 
sterbens geschlachtet worden sind, beträgt 180 (im Jahre zuvor 166; 
das sind gleichmäßig 0,22 pro Mille). Von diesen 180 Thieren war, 
wie immer, die Mehrzahl Kälber, die durch den Eisenbahntransport 
so stark gelitten hatten, daß sie dem Verenden nahe waren (135 gegen 
136 im Jahre zuvor). Bei Schafen ist die Zahl der aus diesem 
Grunde vorgekommenen Beanstandungen etwa ebenso groß gewesen 
wie in den vorhergehenden Jahren (18, 20, 11, 20, 14). 
Bei 2 Rindern, 58 Kälbern und 1 Schaf lagen schwere Katarrhe 
und selbst Entzündungen des Magens und des Darmes (vornehmlich 
des Dünndarmes) zu Grunde, wobei der Verdquungskanal reichliche 
Mengen stinkender, bei Kälbern meist stark sandhaltiger Massen enthielt, 
die während des Eisenbahntransportes aufgenommen zu werden 
pflegen. (Die Eisenbahnwagen sind gewöhnlich mit einer Sandstreu 
versehen, die stark mit Exkrementen der Thiere durchsetzt ist.) 
Bei 9 Rindern, 22 Kälbern und 9 Schafen ließen sich umfang 
reiche blutige Ergüsse in den Muskeln nachweisen: 3 Kälber hatten 
in hohen, Grade an eiteriger Nabelvenenentzündung gelitten. Bei je 
einem Kalbe wurde^Lungenödem und Harnblasenentzündung festgestellt: 
ferner bei einem Schafe Lupinose. 1 Rind war an septischer Euter- 
entzündung und 4 Rinder, 4 Kälber und 2 Schafe waren an jauchiger 
Bauchfellentzündung erkrankt. Bei 1 Rinde und 4 Kälbern wurde 
Wassersucht und Abzehrung, bei 1 Rinde Tuberkulose und Abzehrung, 
bei 1 Rinde abnorme Blutbeschaffenhcit (Leukämie) und bei einem 
Kalbe Blutvergiftung durch Eiter (Pyämie) festgestellt. Bei den 
übrigen Thieren konnte eine bestimmte Todesursache nicht ermittelt 
»verden. 
Auf die nämliche Hauptursache — Transportbeschädigung — 
sind die wegen blutiger Beschaffenheit des Fleisches erfolgten Bean 
standungen zurückzuführen. Sie mußten bei 112 Thieren stattfinden, 
nämlich bei 40 Rindern, 20 Kälbern. 9 Schafen und 43 Schweinen. 
Außer den oben erwähnten Beanstandungen ganzer Thiere haben 
in einer größeren Anzahl von Fällen mäßiger, meist beschränkter
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.