Path:
Volume No. 38. Bericht über die städtischen Markthallen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

2 
Nr. 38. Markthallenverwaltung. 
erst cintrelen, wenn die Verlegung des gesammten Fleischgroßmarktes, 
worüber gegenwärtig Verhandlungen schweben, stattgefunden haben wird. 
Aber auch für'den Obst- und Gemüsegroßhaudel reicht der Platz 
in den Zcntralmarkthallen nicht mehr aus, alle Stände und Plätze 
sind dauernd besetzt, und viele Bewerber können nicht berücksichtigt 
werden. Schon in unserm vorjährigen Bericht haben wir angeführt, 
daß sich außerhalb der Zentralmarkthallen in der Gontardstraße eine 
Gesellschaft gebildet hat, die italienische Früchte und Gemüse in großen 
Mengen zur Auktion bringt. Neuerdings ist in der Nähe der Zentral 
marklhallen, Ecke der Neuen Friedrich- und Panoramastraße, eine 
zweite Auktionshalle für italienische Früchte und Gemüse „Nsroato 
Italiano“ (Italienische Markthalle) ins Leben getreten. Die Auktionen 
dieser beiden außerhalb der Zentralmarklhallen erstandenen Gesell 
schaften beginnen vor Eröffnung des Nachmittagsmarktes in den Markt 
hallen. schon um 4 Uhr Nachmittags, und dadurch wird unserm 
städiischcn Verkaufsvermittler Weinhagen, der erst um 5 Uhr Nach 
mittags mit der Auktion beginnen kann, ein ganz empfindlicher 
Schaden zugefügt, da die Händler schon vor Eröffnung des Nach 
miltagsmarktes in den Markthallen, also auch vor Beginn der Wein- 
tz agen'schen Auktionen, ihren Bedarf gedeckt haben. 
Die in unserm vorjährigen Bericht erwähnte Privalmarkthalle 
am Vinetaplatz hat keine Bedeutung erlangt. Bei der geringen Aus 
dehnung dieses Marktes, der aus ca. 30 Stück eng zusammenliegenden 
Verkaufssländen besteht, ist unsern Markthallen eine Konkurrenz nicht 
erwachsen. Ob dieses Unternehmen für die Folge lebensfähig sein 
wird, muß abgewartet werden. 
Der von der Markihallendirekrion herausgegebene amtliche Markt 
bericht über den Großhandel in den Zentralmarkthallen findet imnier 
größere Verbreitung. Er erscheint täglich mit Allsnahme der Sonn- 
und Festtage und gelangt durch das Postzeitungsamt zur Versendung. 
Die tägliche Auflage ist im verstossenen Geschäftsjahre durchschnittlich 
auf 1 000 Exemplare angewachsen. 
Ueber den Großmarkt in den Zentralmarkthallen. 
Die Fleischznfuhren von inländischem Fleisch nach der Zenlral- 
markthalle I a sind wieder erheblich gestiegen, sie betrugen etwa ein 
Viertel mehr als im Vorjahre. In Folge der reichen Futtercrnlen 
der letzten Jahre hat die Viehzucht eine noch größere Ausdehnung 
erfahren. Die Marktpreise waren während des ganzen Jahres im 
Allgemeinen gleichmäßig, unterlagen nur geringen Schwankungen und 
es bewegte sich der Handel in engen Grenzen. Der Großhandel mit 
Schweinefleisch wickelte sich glatter ab als im Vorjahre, da in Folge 
des am 1. Oktober 1900 in Kraft getretenen „Reichsfleischbeschaugescyes 
vom 3. Juni 1900" frisches Fleisch in das Zollinland jetzt nur unter 
ganz bestinimten Bedingungen eingeführt werden darf, während die 
Einfuhr von Fleisch in luftdicht verschlossenen Büchsen oder ähnlichen 
Gefäßen, von Würsten und sonstigen Gemengen aus zerkleinertem 
Fleische gänzlich verboten ist. Bedeutungsvoll war auch der Umstand, 
daß schon seit dem August 1900 die Einfuhr von Schweinefleisch durch 
hohe amerikanische Schweinepreise gehindert wurde. Ob man ohne 
dieses Fleisch auskommen kann, muß die Zukunft lehren. Besonders 
schädlich wird das Verbot der Einfuhr bei Zungen wirken, denn die 
Verwendung von Zungen für alle Arten Wurst und für den Konsum 
wird von deutschem Schlachtvieh nicht gedeckt werden können. Wir 
werden schon jetzt damit rechnen müssen, daß in späterer Zeit Zungen 
von deutschem Vieh einen höheren Preis erhalten werden. 
Auf Grund der Notirungen in unserm amtlichen Marktbericht 
über den Großhandel in den Zentralmarkthallen haben wir folgende 
Durchschnittspreise festgestellt: 
190« 
wurden für 50 kg 
gezahlt 
im 
Rindfleisch 
Kalb- 
fleisch 
Hammel 
fleisch 
.5*r 
s*c 
G 
1a 
II a 
lila IVa 
la j 
Ha 
la 
II a 
April 1900 . . 
58,v 
50« 
42 o 36,0 
66,o 
44,5 
54,o 
47,5 
44,0 
Mai - . . 
58 o 
51.« 
44,o 37.0 
67.5 
45 o 
56,0 
49 o 
4U 
Juni - . . 
61.0 
62,0 
45,0 37 o 
68,0 
47,o 
5 i,o 
52 o 
42,o 
Juli - . . 
60,o 
54.« 
465 38,o 
62,o 
45,5 
60,o 
51,o 
47,o 
August - . . 
60,o 
52,o 
46.0 i 39,5 
66,0 
4«,0 
6t,o 
55,6 
51,5 
September - . . 
60,o 
51,o 
45 o 39,0 
66,o 
46,5 
62,5 
49 o 
53,o 
Oktober - . '. 
60 o 
54,o 
47,o 39 5 
69,0 
48 0 
61.« 
60 5 
53,5 
November - . . 
59.« 
62.0 
45,o 37,o 
7",o 
57 6 
61 o 
47,o 
52,o 
Dezember - . . 
58.v 
49 o 
42,o 36,0 
69 ö 
57,0 
59,5 
44 5 
52,o 
Januar 1901 . . 
56,5 
49,o 
43 s 38,o 
69 s 
60,5 
55.0 
44,5 
53,6 
Februar - - . 
66,5 
49,o 
44.6 38 o 
67,o 
58,6 
53,5 
45,o 
55,0 
März - . . 
57« 
6o,o 
43,5 | 36 o 
f»6 5 
59.6 
54 o 
46.o 
54,5 
Jahresdurchschnitt 
58« 
61,1 
44,5 ! 37,6 
67,3 
5U 
58,» 
48,6 
50z, 
Er betrug 1899 
59,3 
52.s 
45,6 1 39,2 
64,1 
41,8 
65,9 
47,7 
45,3 
- - 1898 
57,8 
51.« 
45,7 39,i 
68,o 
38,2 
54,2 
44,7 
53,4 
- - 1897 
56,8 
49,8 
43,0 ] 86,1 
57,o 
39,6 
53,6 
45,8 
64.0 
Hiernach sind gegen das Vorjahr die Durchschnittspreise für Kind- 
fleisch etwas zurückgegangen, während sie für Kalb-, Hammel- und 
Schweinefleisch gestiegen sind. Die Zufuhren von dänischem Rind 
fleisch sind erheblich zurückgegangen. Der Export hat sich von Däne- 
mark nach England geleitet, da dort das dänische Rindfleisch mst 
großer Vorliebe zu Konserven für militärische Zwecke verarbeitet 
worden ist. Durch unsern Eiscnbahnanschluß sind den Zentrolmarkt- 
hallen nur 13111 Rinderviertel, etwa % weniger als im Vorjahre, 
zugeführt worden. Es waren eingegangen in den Jahren 
1899 35 000 Rinderviertel, 
1898 29500 
1897 21500 
Die Preislage geht aus nachstehender Tabelle hervor: 
Für 50 kg dänisches Rindfleisch sind gezahlt 
worden 
im 
1900 
Durchschnittspreise 
la 
Ochsen- 
fleisch 
II a. 
Kuh- 
fleisch 
April 1900 
46,0 
Mai 
48,o 
39,o 
Juni • 
47,o 
— 
Juli - , . . 
49,o 
— 
August 
46,5 
86,« 
September • 
45,b 
37,o 
Oktober - 
47,6 
36,0 
November 
41,o 
— 
Dezember - 
47,5 
— 
Januar 1901 
47,5 
— 
Februar - 
48,5 
— 
März 
46,5 
38,o 
Jahresdurchschnitt 
46,7 
37,2 
Er betrug 1899 
48,5 
39,6 
- 1898 
47,6 
41,4 
- 1897 
45,8 
39,7 
Gegen das Vorjahr war der Durchschnittspreis daher niedriger. 
Im Wild- und Geflügelgroßhandel sind gegenüber dem Vor 
jahre bemerkenswerthe Veränderungen nicht eingetreten^ 
Die Zufuhren waren im Ganzen wenig abweichend, wiewohl 
einige Wildarten der Niederjagd nur geringe Resultate gebracht haben. 
Der Versandt oder die Verpackung von Wild geschieht noch immer sehr 
mangelhaft, und es wird von den Interessenten der Schuß und die 
Witterung zu wenig in Betracht gezogen; es entstehen den Absendern 
daraus Verluste, die leicht vermieden werden könnten. Die Ver 
werthung in dem letzten Geschäftsjahre war im Ganzen sehr günstig. 
Hasen waren knapp, es trat zeitweise wirklicher Mangel ein, da bei 
dem ungünstigen Frühjahre viele Junghasen eingegangen waren. 
Allein bei unsern 3 städtischen Verkaufsvermittlern für Wild- und 
Geflügel gingen 52 328 Stück Hasen weniger ein als im Vorjahre. 
Reh-, Roth- und Damwild ging etwas reichlicher ein und fand meist 
Abnehmer zu guten Preisen. Nach Damwildkälbern war stets Nach 
frage, während kapitale Stücke häufiger schwer verkäuflich waren. 
Schwarzwild nimmt in seinen Beständen ab, die Zufuhren waren 
erheblich geringer als im Vorjahre; die Verwerthung kann. besonders 
bei Ueberläufern und Frischlingen, als recht gut bezeichnet werden. 
Wilde Kaninchen hatten im Jahre 1899 in Folge überreicher Zufuhren 
einen geringen Preis; dadurch war dieses Wild in der ersten Zeit 
des Geschäftsjahres vom hiesigen Markt verdrängt worden. Die Nach 
frage nahm aber wieder zu, und die Verwerthung gestaltete sich 
dann noch bester als im Vorjahre. Rebhühner gingen etwas weniger 
ein, wurden aber stets zu recht guten Preisen abgesetzt, da das Aus 
land ständige Aufkäufer hierher gesandt hatte. Fasanen wurden fast 
ebensoviel zugeführt wie im Vorjahre. Die Verwerthung dieses Wild 
geflügels läßt noch imnier zu wünschen übrig. Unsere Detailhändler 
erzielen eher für ein gutes junges Rebhuhn 2 JC, als für einen 
jungen Fasan bester Qualität 3,so trotzdem der Flcischgchalt des 
letzteren doch wohl reichlich der dreifache ist./ 
Die nachfolgende Zusammenstellung aus den drei letzten Geschäfts 
jahren giebt eine Uebersicht des Umsatzes des Wild- und Geflügel 
marktes in den Zentralmarkthallen bei unsern Verkaufsvermitllern.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.