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Volume No. 35. Bericht über das städtische Straßenreinigungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

Nr. 35. Straßenreinigung. 
iheiluugsaufseher zu übernehmen, auch den Oderaufseher im inneren 
Dienst zu unterstützen hat. Der Inspektor uenriti in Behindernngs- 
fälleu den Direktor, während der im inneren Dienst beschäftigte Ober- 
aufseher die Obliegenheiten eines Technikers im Bureau des Direktors 
Hai. Oberaufseher und Aufseher sind Gemeindebeamte und pensions 
berechtigt: die meisten dieser Beamten sind schon lange Jahre in ihrer 
Stellung. Die Gehaltsverhältnisse der Oberaufseher sind nach dem 
Dieiistaltersystem geordnet. Das Mindestgehalt der Oberanfsehcr 
beträgt 2 400 Jt. Diese Beamten erreichen das Höchstgehalt nach 
einer 18 jährigen Dienstzeit, in 6 Stufen, 
und zwar 
nach 3 Jahren . . 
2 550 Jt 
- 6 
. 2 700 - 
9 
. 2 850 - 
- 12 
. 3000 - 
- 15 - . . 
3150 - 
- 18 
. 3 300 
Der Depowerwalter rangirt nach seinem Dienstalter mit den übrigen 
Oberanfsehern und bezieht zur Zeit neben freier Dienstwohnung ein 
baares Diensteinkommen von 2 625 Jt. Die Dienstwohnung wird 
ihm mit 225 JC angerechnet. 
Die Gehaltsverhälinisse der Aufseher sind jetzt ebenfalls nach dem 
Dienstaltersshstem und zwar in der Art geregelt, daß das Anfangs 
gehalt 1 500 Jt, das Höchstgehalt, das in 6 Stufen bei einer Dienst 
zeit von 20 Jahren erreicht wird, 2 200 Jt beträgt. 
Den Aufsehern, die überdies freie Dienstbekleidnug erhalten, 
werden für Ausübung straßenbaupolizeilicher Funktionen ans Mitteln 
der örtlichen Straßenbanpolizei Zulagen von 180 Jt jährlich gewährt. 
Für die Oberaufseher ist diese Fuiiktionsznlage auf 240 Jt jährlich 
festgesetzt. 
c) Arbeiterpersonal. 
Ans der steten Vergrößerung des Arbeitsgebietes ergiebl sich von 
selbst, daß auch die Zahl der Arbeiter stetig vermehrt werden inuß. 
Im Etatsjahre 1900 waren im eigentlichen Reinigungsbetriebe 
porhanden: 
112 Vorarbeiter, 
432 Arbeiter I. Loyiiklassc, 
432 - II. 
70 - III. 
200 Arbeitsburscheu, 
insgesammt also 1246 Köpfe, ivas gegen das Vorjahr eine Ver 
mchrung von 120 Köpfen ausmacht. 
Ein Vergleich der Kopfzahl der ständigen Arbeiter mit der zu 
reinigenden Straßenfläche ergiebt, daß auf jeden Kopf entfallen: 
a) von der Gesammtfläche des Straßengebiets etwa 1) 260 qm, 
b) von der Fahrdammfläche etwa 5 595 qm, 
c) von der täglich zu reinigenden Straßenflüche etwa 4 582 qm. 
Im Verhältniß des vorhandenen Asphaltpflasters zu der Kopf- 
zahl der Arbeitsburschen entfallen auf jeden Arbeitsburscheu 
durchschnittlich etwa 9 541 qm Asphalt. 
Außer den bisher aufgeführten Arbeitern waren noch im Haupt 
geräthdepot und auf den Abladeplätzen eine Anzahl von Arbeitern 
beschäftigt. Alle vorkommenden Reparaturen an den Geräthen und 
Werkzeugen, der Anstrich der öffentlichen Bedürfnißanstalten, Dünger 
kästen. Karren u. s. w., die Instandsetzung von Bekleidungsstücken, 
das Ausstielen der Besen, Bagger n. s. w. werden von der Verwaltung 
selbst ausgeführt. Für das Hauptdepot sind ständig 2 Flickschneider, 
2 Zimmerleute, 1 Anstreicher, 1 Arbeiter thätig. Die Leute haben 
das ganze Jahr hindurch reichliche Beschäftigung und erhalten eine» 
etwas höheren Lohn, als die übrigen Arbeiter. 
Auf den vorhandenen Ab- niid Einladeplätzen in der Müller- 
straße und an der Stralaner Allee waren 2 Platzaufseher und 12 Manu 
dauernd beschäftigt. Ein dritter Platzanfscher ist auf dem städtischen 
Abladeplatze zu Spreenhagen stationirt, um diesen Platz und die dort 
auszuführenden Arbeiten zu beaufsichtigen. Das Personal der öffent 
lichen Abladeplätze gehört streng genommen nicht zur Straßenreinigung, 
sondern wird aus einem besonderen Etat unterhalten; es muß indessen 
bei dem engen Zusammenhang beider Verwaltungen auch der auf den 
Abladeplätzen Beschäftigten hier Erwähnung geschehen, umsomehr, als 
die Straßenreinigtmgsverwaltnug die Abladeplatzarbeiter stellt oder 
ergänzt, umwechselt n. s. w. Endlich sei noch erwähnt, daß zur Ab 
Wartung von Franeiibcdürfnißanstalten 11 Frauen beschäftigt waren, 
mit denen im Ganzen ein Personal von 1 278 Köpfen im gesammten 
Straßenreinigungsbetriebe vorhanden war, nämlich: 
1 246 Mann im eigentlichen Betriebe. 
6 - . Hauptdepot, 
15 - auf den Abladeplätzen, 
11 Wärterinnen für Bedürfnißanstalten. 
Im Winter bei starken Schnecföllen reicht das vorhandene ständige 
Arbeitspersoiial zur Bewältigung der Arbeiten nicht ans, es müssen 
Hilfsarbeiter angenommen werden, deren Zahl sich ganz nach den 
jeweiligen Witterniigsverhältuissen richtet. Sie werden in allen Fällen 
immer nur auf einige Tage engagirt, wie dies bei dem vorüber 
gehenden Charakter der winterlichen Arbeiten nicht anders sein kann. 
Im Allgemeinen sind die Arbeitsleistungen dieser Hilfsarbeiter nicht 
erheblich, schon wegen der Kürze der Winterlage, und ferner, tveil dem 
plötzlich eintretenden Bedarf an Hilfskräften gegenüber eine besondere 
Auswahl nicht getroffen werden kann. Die Hilfsarbeiter erhielten 
einen Tagelohu von 2,«o Jt. 
II. besonderer Theil. 
1. Ueber die Arbeits- und Lohnverhältniffe. 
Zur Löhnung der ständigen Arbeiter und Arbeitsblirschen stellte 
der Etat während unseres Berichtsjahres 1 410813 Jt zur Verfügung. 
Hiervon sind 1 384 798 Jt ausgegeben, jodaß ein Rest von 26 015 Jt 
geblieben ist. Diese Ersparniß erklärt sich wie folgt: Wenn Arbeiter 
erkranken, so erhalten sie mährend der Dauer der Krankheit keinen 
Lohn, ihnen wird vielmehr, wie weiter unten zu ersehen ist, Kranken 
geld und Unterstützung annähernd in der Höhe des Lohnbekrages 
gewährt. Unsere Direktion ist aber zunächst berechtigt, solchen Leuten 
von den Fehltagen einer Krankheitsperiode, wie auch, wenn sie alis 
anderen dringlichen Veranlaffnngen ihre dienstlichen Obliegenheiten 
zu verrichten verhindert sind. 3 Tage alS Arbeitslohn mit vollem 
Lohn abzurechnen. Nun werden für erkrankte Arbeiter nicht immer 
sogleich, sondern erst dann Ersatzleute eingestellt, wenn mit Bestimmt 
heit auf eine längere Dauer der Krankheit und somit auf ein längeres 
Fernbleiben vom Dienst gerechnet werden mnß. Es ist selbstverständ 
lich, daß bei dem zahlreichen Personal auch zahlreiche Krankheitsfälle 
vorkommen, und daß durch Fehltage und Fehlwochen im Laufe eines 
Jahres erhebliche Beträge des Lohnetatstitels nicht zur Verausgabung 
gelangen können, was daun lediglich in den vorübergehenden Mehr 
leistungen der übrigen Arbeiter seinen Grnnd findet. Die in unserer 
Verwaltung üblichen Lohnsätze waren folgende: 
ES haben erhalten au Lohn: die ältere Hälfte der Vorarbeiter 
4 Jt, die jüngere Hälfte der Vorarbeiter 3,?s Jt, die Arbeiter der 
I. Lohnklasse 3,50 Jt, die Arbeiter der II. Lohnklasse 3,2° Jt, die 
70 Arbeiter der III. Lohnklaffe 2,75 Jt, die Arbeitsburschen l.so Jt. 
Die Handwerker im Hauptgeräthdepot werden wie die Vorarbeiter 
bezahlt. Die Platzaufseher auf den öffentlichen Ab- und Einladeplätzen, 
die aus den Arbeitern der Straßenreinigung entnommen werden, be 
ziehen täglich 4,5« Jt Lohn. 
Der Lohnsatz der Arbeiter auf diesen Plätzen ist inzwischen auf 
3.7° Jt erhöht worden. 
Ueber den Begriff Arbeiter I., II. und III. Lohnklasse ist folgendes 
zu bemerken: 
Alle Arbeiter, die neu eingestellt werden, erhalten zunächst einen 
Tagelohu von 2,75 M. Die Zahl dieser Arbeiter beträgt aber nur 
70 Köpfe. Aus dieser geringen Zahl ergiebt sich, daß es der Ver 
waltung keineswegs auf eine bloße Lohuersparniß ankomnrt, sondern 
daß bei dieser Lohnabmessung die Rücksicht auf die älteren Arbeiter 
maßgebend ist; jene neu eingestellten 70 Arbeiter gehören immer nur 
kurze Zeit der Lohnktaffe III an, und rücken meist noch innerhalb des 
ersten Dicnstjayres in die höhere Lohnstufe auf: denn im Allgemeinen 
hat der Aufenthalt in der III. Lohnkaffe nur die Bedeutung einer 
Probezeit. 
Die Deputation Hai im Laufe des Berichtsjahres eine abermatige 
Ausbesserung der Löhne sämmtlicher Arbeiterklassen etatsmäßig bei 
den Gemeindebehörden beantragt und diese haben den Antrag bereits 
genehmigt. 
Hiernach wird vom 1. April 1901 ab das Lohn der Vorarbeiter 
I. Klaffe 4,25. H, 
II. 4,oo 
Arbeiter: 
I. Klaffe 3,75 Jt, 
II. 3,60 - 
III. - 3,oo 
betragen, während die Asphaltburschen 1,75 Jt bezw. 2 Jt Lohn 
erhallen sollen. 
Sämmtliche Arbeiter der städtischen Straßenreinigung erhalten 
freie Dienstkleidung, ebenso wird ihnen auch das Arbeitsgeräth von 
der Verwaltung gestellt. Das Tagelohn wird 14 tägig gezahlt und 
auch für Sonn- und Festtage nicht verkürzt, gleichgiltig. ob au diesen 
Tagen voll gearbeitet wird oder nicht. 
Alte Arbeiter, die arbeitsunfähig geworden sind, beziehen bei ihrer 
Entlassung aus dem Dienste neben der gesetzlichen Alters- oder 
Invalidenrente noch laufende Unterstützungen von der Stadt, in 
Beträgen von 400 bis 600 Jt jährlich, je nach der zurückgelegten 
Dienstzeit. Die lliiterstütznugen werden derartig bemeffen, daß sie vom 
10. Dienstjahre ab eintreten, mit 400 Jt beginnen und dann von 5 
zu 5 Jahren um je 50 Jt steigen. 
Während unseres Berichtsjahres sind 7 Arbeiter unter Geivührung 
von derartigen lanfcirden Unterstützungen außer Dienst gestellt worden, 
nach dem ihre Arbeitsunfähigkeit vorher durch ärztliche Utitersuchung 
festgestellt worden tvar. 
Was die von unseren Arbeitern geforderten Arbeitsleistungen an- 
betrifft, so ist darüber folgendes anzuführen: 
Die regelmäßigen Reinigungsarbeiten beginnen Nachts um i2 Uhr 
und endigen gewöhnlich bei normalem Wetter gegen 8 Uhr Morgens.
	        
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