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Volume No. 35. Bericht über das städtische Straßenreinigungswesen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

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Ikr. 85. Straßenreinigung. 
übrigen regelmäßigen Kosten der Straßenreinigung miteinander ver 
gleicht. so ergiebt sich, daß die Kosten der Verwaltung in dem Zeit 
raum von 26 Jahren nur in mäßigem Umfange gewachsen sind, 
trotzdem sich die Verhältniffe während der langen Zeit in aufsteigender 
Linie wesentlich verändert haben. 
Am Schlüsse des Berichts ist eine Zusammenstellung der Ein 
nahmen und Ausgaben der Siraßenreinigung seit dem Jahre 1876 
gegeben. Der Berich: wird auf diese Verhältnisse bei den einschlägigen 
Kapiteln nochmals zurückkommen. 
Zur Erläuterung mag hier noch Folgendes angeführt werden: In 
den Reihen fehlt das Vierteljahr vom 1. Januar bis 81. März 1882, 
weil bis dahin die Verwaltungsberichte stets für das Kalenderjahr 
und nicht für das Etatsjahr aufgestellt wurden. 
Da nun der Bericht für 1881 in der alten Weise erstattet wurde, 
eine weitere Berichterstattung aber für 1882/83 für das Geschäftsjahr 
— in der neuen Weise — zu geschehen hatte, so ergab sich von selbst, 
daß jenes Vierteljahr bei der Berichterstattung außer Betracht bleiben 
mußte, und daß zuverlässige genaue Zahlenangaben erst seil jener 
Zeit möglich wurden, während solche Angaben bis dahin mehr oder 
weniger auf bloßen Schätzungen beruhten. Eine besondere Bedeutung 
hat die dadurch entstandene kleine Lücke nicht, 
b) Arbeitsplan und Straßeninventar. 
Eine Zusammenstellung der sämmtlichen bei der Srraßenreinig ungs- 
verwaltung vorkommenden Arbeiten giebt der Arbeitsplan; er bildet 
die feste Grundlage für den gesammten Geschäftsbetrieb, 
Der Arbeitsplan enthält eine genaue Klassifizirung der sämmt 
lichen Straßen bezüglich ihrer Reinigung und giebt auch sonst alle 
diejenigen Arbeiten an, welche in den Abtheilungen auszuführen sind. 
Schon bei dem im Jahre 1875 erfolgten Uebergange der Straßen- 
reinigung aus der Verwaltung der Feuerwehr in städtischen Betrieb 
wurde ein solcher Arbeitsplan hierher mit übergeben. Der jetzige ist 
im Jahre 1880 neu aufgestellt worden und wird von Fall zu Fall 
berichtigt und vervollständigt. Ueber alle Abänderungen entscheidet die 
Deputation auf Vorschlag der Direktion, 
Sind neue Straßen angelegt und gepflastert, so werden sic von 
der zuständigen Stadtbauinspektiou der Verwaltung der Straßen 
reinigung übergeben. 
Nach Uebernahme einer Straße zur Reinigung entscheidet die 
Deputation darüber, wie oft die Straße gereinigt werden soll. 
Gemäß dieser Festsetzung erfolgt dann die Eintragung in den 
Arbeitsplan, Aehnlich wird auch bei allen im Laufe der Zeit 
erforderlich werdenden Abänderungen verfahren. 
Im Anschluß an den Arbeitsplan wird noch ein besonderes 
Slraßeninventar geführt, worin die Flächen sämmtlicher Straßen, je 
nach der verschiedenen Pflasterart. nachgewiesen werden. 
Am 1. April 1900, dem Beginn unseres Geschäftsjahres, umfaßte 
das der regelrechten Reinigung unterworfene Straßengebiet 9561 084qm, 
und zwar an Fahrdämmen 6 774 823 gm und an Bürgersteigen 
3 786 261 gm. Am 31. März 1901, also am Schlüsse des Geschäfts 
jahres, waren 9 685 610 gm vorhanden, davon an Fahrdämmen 
5 852 892 gm und an Bürgersteigen 3 832 718 gm. Hieraus ergiebt 
sich, daß das Arbeitsgebiet sich im Laufe des Jahres um 124 526 gm 
vergrößert hat. 
Die täglich zu reinigende Straßenfläche betrug während des 
Berichtsjahres 4 792 760 gm; sie hat sich in derselben Zeit um 
358 623 gm vergrößert, während die Gesammtlänge sämmtlicher der 
Reinigung unterworfenen Straßen sich auf 470 km beläuft. 
In welchem Umfange übrigens das tägliche Arbeitspensum im 
Laufe der Jahre gewachsen ist, ergiebt sich daraus, daß im Jahre 
1882, also vor 18 Jahren, 2 708 300 gm Pflaster täglich zu reinigen 
waren, während zur Zeit, wie bereits angegeben, 4 792 760 gm zu 
säubern sind, was ungefähr einen Zuwachs von 77 pCt. bedeutet. 
Was die Reinigung selbst anbelangt, so ist darüber Folgendes 
anzuführen: 
Die Straßen werden dnrchschnitilich dreimal wöchentlich ordnungs 
mäßig gesäubert, ivas nach den bisherigen Erfahrungen genügt. 
Eine ganze Anzahl von Straßen wird allerdings täglich gereinigt, 
bei vielen genügt indessen auch eine ein- und zweimal wöchentliche 
Reinigung: es richtet sich das lediglich nach dem Charakter, der Lage 
der Straße und besonders nach dem Verkehr, Der Begriff der regel 
rechten Reinigung schließt indessen nicht aus, daß sämmtliche Stra ßen, 
gleichgiltig, wie oft sie auch planmäßig gereinigt werden, in der 
Zwischenzeit noch eine oberflächliche, nebenbeigehende Bearbeitung 
erfahren, sobald dies wünschenswerth ist. Der Dienstbetrieb ist so 
eingerichtet, daß besondere kleine Arbeitertrupps, sogenannte fliegende 
Kolonnen, diejenigen Straßen begehen, welche nicht in der Tages 
schicht liegen, um hier die Straßenkanten an den Bordschwellen 
entlang zu säubern und größere Verunreinigungen zu beseitigen. 
Durch eine solche Maßregel wird erinöglicht, daß täglich sämmt- 
liche Straßen in größerem oder geringerem Grade der Behandlung 
durch die Straßenreinigung unterliegen, und daraus erkärt sich wieder, 
daß bei einer großen Anzahl von Straßen eine einmal und zweimal 
wöchentliche Reinigung als genügend angesehen werden darf. 
Was die gewöhnliche Reinigung der Bürgersteige betrifft, so 
werden diese gleichzeitig mit den Fahrdämmen gesäubert, während die 
winterliche Reinigung dieser Bürgersteige von Eis und Schnee, sowie 
das Abstumpfen bei Glätte, Pflicht der Hausbesitzer ist. Nach den 
hier geltenden polizeilichen Vorschriften müssen die Bürgersteige, im 
Winter täglich in den Stunden von Morgens 7 bis Abends 8 Uhr 
frei von Eis und Schnee sein. Die Verpflichtung zur Abräumung 
des Eises und Schnees liegt den Besitzen, derjenigen Grundstücke 
ob, welche an die öffentliche Straße grenzen, und erstreckt sich 
für den einzelnen auf die ganze Ausdehnung dieses Grenzzuges. 
Bei eintretender Winterglätte müssen die Bürgersteige, Granit 
bahnen und Rinnsteinbrücken mit Sand, Asche oder anderem ab- 
stunipfenden Material bestreut werden, so daß während der Stunden 
von Morgens 7 bis Abends 10 Uhr der Entstehung gefahrbringender 
Glätte vorgebeugt wird. Für die städtische Siraßenreinigung bleibt 
auch hier ein recht ansehnlicher Theil Arbeit übrig. Ueberall da, wo 
keine Anlieger sind, wie bei den Umfaffungsbürgersteigen öffentlicher 
Garten- und Parkanlagen, den Bürgersteigen auf Brücken und vor 
verschiedenen Kirchen und städtischen Grundstücken, Promenaden u. s. w. 
werden auch diese Arbeiten durch die Verwaltung ausgeführt. 
Die in dieser Art zu behandelnden Bürgersteige stellen eine Flache 
dar, die ungefähr 10 pCt. der Gesammtbürgersteigfläche ausmacht, 
also sehr erheblich ist. Hierzu wird erläuternd bemerkt, daß im 
Allgemeinen alle städtischen Verwaltungen die winterliche Reinigung 
der vor ihren Grundstücken belegenen Bürgersteige selber ausführen 
lassen, soweit sie, z. B, die Schulen und andere städtischen Gebäude, 
dies zu thun im Stande sind. Jene 10 pCt, stellen nur die- 
jenigen Bürgersteigflächen dar, für deren Reinigung andere städtische 
Verwaltungen nicht herangezogen werden können. Handelt es 
sich bei dieser winterlichen Bürgersteigreinigung an und für sich um 
ganz bedeutende Aufwendungen an Mitteln und Kräften, so muß 
dabei noch besonders in Betracht gezogen werden, daß mit Rücksicht 
auf die Haftpflicht bei etwaigen Unfällen die Verantwortlichkeit der 
Verwaltung um so größer ist, je größer der Umfang der Reinigungs- 
arbeiten wird. Aus diesem Grunde ist es wünschenswerth, daß die 
winterliche Reinigung der Bürgersteigflächen vor sämmtlichen städti- 
schcn Grundstücken durch diejenigen Verwaltungen besorgt wird, welchen 
jene Grundstücke unterstehen, 
c) Pflasterverhältnissc und deren Bedeutung für die 
Siraßenreinigung. 
Die Beschaffenheit des Straßenpsiasters ist von großer Bedeutung 
für die Siraßenreinigung. 
Schlechtes Pflaster ist schwer zu reinigen und ergiebt unter 
gleichen Verkehrsverhältnissen viel mehr Schmutz als gutes Pflaster. 
Aus diesen, Grunde ist die stetig und in erheblichem Grade zu 
nehmende Vermehrung des guten Straßenpflasters für die Ausübung 
der Siraßenreinigung ein außerordentlicher wichtiger Umstand, auf 
den zum großen Theil zurückzuführen ist, baß die durchschnittlichen 
Ausgaben der Verwaltung nicht in demselben Maße gestiegen sind, 
wie sich räumlich das Straßengebiet vergrößert hat. 
Im Laufe unseres Berichtsjahres sind durch Neu- und Um 
pflasterungen wiederum 87 629 gm Steinpflaster 1, bis 3. Klasse neu 
hinzugetreten, so daß nunmehr die Gesammtfläche dieses Pflasters 
3 042 978 gm ausmacht. Das Asphaltpflaster hat sich um 156 808 gm 
vermehrt, so daß seine Gesammtfläche am Schluffe des Berichtsjahres 
1880 384 gm umfaßte. Das Holzpflaster, das hin und wieder zu 
Anrampungen und Brückenbelägen Verwendung findet, hat sich während 
des Berichtsjahres nur ganz geringfügig vermehrt; es ist sogar an 
einzelnen Stellen zwischen den Schienengeleisen der Pferdebahn fort 
genommen und durch Asphaltpflaster ersetzt worden. Zur Zeit sind 
etwa 4 923 362 gm besten Straßenpflasters im Stadtgebiet vorhanden. 
Selbstverständlich verringert sich die Fläche des noch vorhandenen 
alten, schlechten Steinpflasters in demselben Maße, wie das gute 
Pflaster zunimmt: das erstere ist fast nur noch in den weniger ver 
kehrsreichen älteren Nebenstraßen vorhanden. Was die Reinigung 
und sonstige Behandlung des Asphaltpflasters und des Holzpflasters 
betrifft, so beanspruchen beide Arten eine besondere Aufmerksamkeit. 
Bei beiden ist es nothwendig, den die Fahrbahn schlüpfrig machenden 
Pferdcmist möglichst bald und sorgfältig zu entfernen und die feuchten 
Stellen ein wenig mit Sand zu bestreuen. Je nach der Jahreszeit 
und Witterung muß das Asphaltpflaster abgewaschen, d. h. reichlich 
mit Wasser begossen und mit Gummischrubbern abgezogen werden. 
Wen» nach dem Abwaschen des Asphaltpflasters ein rasches Abtrocknen, 
besonders im Frühjahre und Herbst nicht eintritt, dann ist es noth 
wendig, Sand zu streuen. Dasselbe muß auch bei Regenwetter ge 
schehen, besonders bei leichten Niederschlägen, in solchen Fällen wird 
das Asphaltpflaster glatt und der Gang der Pferde unsicher. 
Im Ucbrigen sind die in früheren Jahren so vielfach erhobenen 
Klagen über die Fahrunficherheit des Asphaltpflasters heute nicht 
mehr erheblich. Bei der stetigen Vermehrung und Ausbreitung des 
selben hat sich das gesammte Fuhrwesen bereits an dessen Eigen- 
thümlichkeiten gewöhnt, so daß ein Hinstürzen der Pferde verhältnitz- 
mäßig nur noch selten vorkommt. Das Asphaltpflaster erfteut sich
	        
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