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Volume No. 34. Bericht der städtischen Verkehrs-Deputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

Nr. 34. Verkehrs-Deputation. 
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Aktien innerhalb Monatsfrist nach Annahme dieser Offerte nachzu 
liefern. Ans den in der Vorlage an die Stadtverordneten-Ver 
sammlung vom 11. Januar 1901 (Nr. 67) näher dargelegten Gründen 
entschloß sich die Verkehrs-Depittation zur Annahme dieses Angebots. 
Der Magistrat stimmte dem Beschlusse der Verkehrs-Deputation am 
1t. Januar, die Stadtverordneten-Versamnilung am 24. Juni 1901 
zu. Bis zuni Schlnsie des Berichtsjahres sind seitens der Stadt 
gemeinde 5 834 OM M Aktien znm Kurse von 166 2 / 3 pEt. angekauft 
worden. Das Streben der Verkehrs-Deputation ging nun zunächst 
dahin, die Stadtgemeinde als Hanptaktionärin im Aufsichlsrathe 
der Berliner elektrischen Straßenbahncu-Aktien-Gesellschaft vertreten zu 
sehen, und zwar beschloß sie Anfang März d. Js., daß der neu zu 
wählende Aufsichtsrath aus 9 Mitgliedern bestehen sollte. In de» 
Auffichtsrath sollten die Mitglieder des bei der Deputation für die 
Verwaltung der städtischen Straßenbahnen gebildeten Verkehrs-Aus 
schusses, und wenn die Firma Siemens & Halste dies wünschte — 
ei» Vertreter derselben gewählt werden. Wie wir gleich im Voraus 
bemerken wollen, wurde in der am 8. Mai d. Js. abgehaltenen 
General-Versammlung der neue Aufsichtsrath in der erwähnten Zu 
sammensetzung gewühlt. 
2. Die elektrische Hochbahn. 
Der Bau der Hochbahn wurde auch im laufenden Berichlsjahre 
seitens der Gesellschaft für elektrische Hoch und Untergrundbahnen 
auf das Eifrigste gefördert, so daß bei einer am 28. November 1900 
seitens der Verkehrs-Deputation vorgenommenen Besichtigung der 
Anlage bereits eine Probefahrt auf der Strecke vom Schlesischen Thor 
bis zur Prinzenstraße vorgenommen werden konnte. 
3. Unterpfiastcrbahne». 
Nachdeni im Mai 1900 eine Einigung zwischen der Gesellschaft 
für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen und der Verkehrs-Depu 
tation über die Gestaltung der Endhaltestelle „Potsdamer Bahnhof" 
der als Unterpflasterbahn endigenden Hochbahn erzielt war, nahm 
der Bau dieser Uuterpflasterbahustrecke lebhaften Fortgang. 
Das Königliche Polizei-Präsidium hielt au dem Wunsche, daß 
zunächst eine Unterpflasterbahn im Zuge der Voß- und Mohrenstraße 
nach dem Spittelmarfte behufs Entlastung der Leipzigerstraßc als 
direkte Fortsetzung der elektrischen Hochbahn zur Ausführung gelangen 
solle, auch fernerhin fest. Bei einer am 14. Februar 1901 statt 
gehabten Besprechung gaben die Herren Vertreter des Königlichen 
Polizei-Präsidiums nochmals dem dringenden Wunsche Ausdruck, den 
Bau dieser Umerpstasterbahnslrecke seitens der Firma Siemens 
Halske sobald als möglich in die Wege zu leiten und ferner end- 
giltige Beschlüsse über die städtischerseits geplanten Linien herbeizu 
führen. Die genannte Gesellschaft hatte bereits am 12. Februar d. Js 
an die Verkehrs-Deputation das Ersuchen gerichtet, mit ihr bezw. mit 
der von ihr vertretenen Gesellschaft für elektrische Hoch- und Unter 
grundbahnen über die bei deni Ausbau dieser Unterpflasterbahn in 
Frage komnienden, grundlegenden Bedingungen in Verhandlung 
zu treten. 
Die Verkehrs-Deputation beschloß hierauf am 9. März 1901: 
1. Mit der Firma Siemens Halske dahin zu verhandeln, daß 
sie die geplante Unterpflasterbahn durch die Voß- und Mohrcn- 
straße nach dem Spitlelmarkl bezw dem Aleranderplatz für 
Rechnung der Stadrgemcinde ausführe. 
2. Daß die Stadtgemeinde selbst zunächst deni Projekte einer Unter 
pflasterbahnlinie von Norden nach Süden näher treten solle. 
Indessen sollte die endgiltige Entscheidung über den Bau der 
Linie durch die Stadtgenieinde nach Aufstellung von Spezial 
projekten und Kostenberechnungen getroffen werden. 
Die anläßlich des Beschlusses zu 1 gemachten Versuche, die Ge 
sellschaft zur Aufgabe, ihrer Absicht des Baues der Unterpflasterbahn 
auf eigene Rechnung zu bewegen, scheiterten vollständig. 
Um für die Nord Südlinie Spczialprojeklc und Kostenanschläge 
ausarbeiten lassen zu können, wurde, ivie wir gleich im Voraus 
bemerken wollen, von der Stadtverordneten-Versamnilung die Ge 
nehmigung zu einem Kostenaufwand« von 20000 M eingeholt. Ferner 
wurde, wie wir ebenfalls im Voraus bemerken wollen, ein Antrag 
an den Herrn Polizei-Präsidenten gerichtet, worin dieser ersucht ivurde. 
vor der Hand seine grundsätzliche Genehmigung zur Ausführung der 
Nord-Südlinie im Einverständuiß mit der Königlichen Eisenbahn- 
Direktion zu ertheilen, damit die Stadtgemeinde wenigstens einige 
Gewißheit hätte, die hohen Aufwendungen für die Aufstellung von 
Spezialprojekten nicht ganz vergeblich zu machen. 
II. Ladewescn. 
Die Thätigkeit der Deputation erstreckt sich auch auf die Schaffung 
und Erhaltung von Verkehrserleichterungen auf dem Wasserwege durch 
den Bau von Kanälen, Häfen, Ladestraßen, Ausladestellen und 
sonstigen Ladcgelegenheiten. 
Zu diesem Zweck sind bereits von der Stadt angelegt worden: 
a) der Gondelhafeu hinter den Zelten, 
l>) der Hafen am Urban. 
c) die Bootsanlegestelle am Gröben-Ufer, 
di die Dampferanlegestelle am Brandenburger-Ufer bei 
der Waisenbrücke. 
Ueber die Verwaltung dieser der Verkehrs-Deputation unterstellten 
Anlagen während des Berichtsjahres haben wir Folgendes anzuführen: 
A. Gondelhafen hinter den Zelte». 
Der Gondelhasen ist im Wege des Ausgebots an den Boots 
verleiher Earl Jordan auf die Zeit vom 1. April 1900—1903 für 
eine Jahresmiethe von 5 800 M vermiethet worden und zwar ein 
schließlich einer 1 OM gm großen Spreefläche, welche die Stadt vom 
Stromfiskus für eine jährliche Miethe von 1 372 M zur ausschließ 
lichen Benutzung für die Zwecke des Hafens gemiethet hat. Abzüglich 
dieses Miethsbetrages hat die Stadl vom Gondelhafen einen Ertrag 
von 3 928 JC. 
Späterhin ist dem Miether des Hafens die Aufstellung seiner 
Boote auf dem Hafengeländc mährend der Wiuterzeit gegen Zahlung 
einer Gebühr von 30 M für den Winter von uns gestattet worden. 
Ii. Hafen am Urban. 
Bauliche Veränderungen in größerem Umfange find auf dem 
Hafen während des Berichtsjahres nicht vorgekoninien. 
In Folge der Einwürfe von Schnee in den Hafen im voraus 
gegangenen Winter ist derselbe derart verschlammt worden, daß eine 
Baggerung des Hafens an den Stellen, wo der Schneeeinwurf er- 
folgte, vorgenommen werden mußte. Die Baggcrungskosten beliefen 
sich auf 3 252,«o M, wovon die Verwaltung des städtischen Straßen 
reinigungswesens 2 122,« M erstattete. In Zukunft wird die Ein- 
ladung von Schnee in den Hafen umcrbleibcn. 
Da gegenwärüg das Einfrieren der Maschinen durch Anheizen 
derselben verhindert wird, haben wir den bisher dazu benutzten Gas 
ofen und Gasmesser beseitigt und ersteren der Bau-Verwaltung für 
entsprechende Entschädigung überlassen. Das Anheizen der Maschinen 
hat sich als zweckmäßiger und billiger herausgestellt. 
Der Besuch des Hafens im Jahre 19M war nicht ganz so stark 
als im Vorjahre. Es besuchteit den Hafen 
im Jahre 1899 — 1993 Kähne 
- 1900 - 1949 - 
mithin im Berichtsjahre 44 Kähne weniger. 
Jni Hafen legen zumeist Mauerstein- und Kohlenkähne an. 
Während die Frequenz der letzteren im Haien von Jahr zu Jahr eine 
allmählich steigende ist, besuchen Mauerstcinkähnc den Hafen immer 
weniger. Im letzten Jahr legten fast 25 pEt. weniger von ihnen an 
als im Vorjahre. Es luden 19M nur 670 mit Mauersteinen beladene 
Fahrzeuge aus. Im Jahre 1897 waren es deren 1106. Der 
Verbrauch an Bamnaterialicu in der Gegend des Hafens ist wohl in 
Folge der Abnahme der Bauihätigkeii in den letzten Jahren stets 
geringer geworden. 
Die Zahl der im Hafen anlegenden Kähne mit Pflastersteinen 
und Kies ist um tast 50 pCl. gegen das Vorjahr gestiegen. Es luden 
109 bezw. 177 derartige Fahrzeuge aus (1899 — 55 bezw. 93 s. 
Diese Materialien wurden hauptsächlich zur Auspflasterung der Tempcl- 
hofer Chaussee benutzt. 
Im Hafen wurden ini Berichtsjahre größere Mengen von Bahn- 
schienen ausgeladen. Es langten 25 Kähne mit Schienen an, letztere 
waren fast ausschließlich zuni Bau von Straßenbahnen bestimmt. 
Auch die Anfuhr von Chcniikalien und Abfuhr von Straßenkehricht 
war im Berichtsjahr stärker als im Vorjahr (1899 — 5 bezw. 3, da 
gegen 19M — 13 bezw. 52 Kähne). Stückgüter werden im Hafen in 
sehr geringem Umfange verladen (im Jahre 1899 — 2, im Jahre 
1900 — 4 Fahrzeuge). 
Aus der nachstehenden Zusammenstellung läßt sich entnehmen, 
ivie sich der Verkehr im Hafen während seines jetzigen Bestehens 
gestaltet hat. 
Es wurden seit 15. November 1895, deni Tage der Eröffnung 
des Hafens, an Fahrzeugen beladen bezw. entladen: 
im 
Monat 
des 
1895/W 1896/97 
Verwaltungsjahres 
1897/98 1898.99 >MM» 
1900 t) 1 
April 
111 
171 178 
127 
137 
Mai 
187 
253 228 
206 
257 
Juni 
236 
283 324 
230 
202 
Juli 
221 
295 341 
272 
296 
August 
263 
379 336 
326 
•316 
September 
223 
334 298 
253 
240 
Oktober 
187 
268 273 
230 
215 
November 
2 159 
333 269 
235 
199 
Dezember 
53 35 
81 115 
69 
72 
Januar 
5 18 
>2 
2 
Februar 
8 16 
9 
3 
März 
58 62 
149 80 
34 
10 
Summe 
113 1684 
2 559 2 476 
1 993 
1949 
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