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Volume No. 34. Bericht der städtischen Verkehrs-Deputation

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

Verwaltungs-Bericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ctatsjahr 1900. 
M 34. 
WerichLDöer käötitchen Werkey^s-Deputcrtion. 
A.| Allgemeiner Theil 
1. Einrichtung und Besetzung. 
An die Stelle des aus dem Magistrats-Kollegium ausgeschiedenen 
Stadtsyndikus Meubrink und Stadtraths Kochhann sind die Stadt- 
rathe Bohm und Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrath a. D. 
von Friedberg, an die Stelle des verstorbenen Stadtverordneten 
Professor vr. Schwalbe ist Stadtverordneter Rast in die Verkehrs- 
Deputation eingetreten. 
Organisationsveränderungeu haben nicht stattgefunden. 
2. Gesammtbild der Verwaltung. 
Im Vordergründe des Interesses stand die Angelegenheit der 
Herstellung neuer Straßenbahnlinien durch die Sradigemeinde selbst, 
sowie der Ankauf von Aktien der Berliner elektrischen Straßenbahnen 
Aktien-Gesellschaft. Nicht minder wichtig waren die Berathungen über 
den Bau einer städtischen, den Süden mit dem Norden der Stadt 
verbindenden Unterpflasterbahn, sowie die Verhandlungen mit der 
Firma Siemens & Halske bczw. mit der Gesellschaft für elektrische 
Hoch- und Untergrundbahnen über den Ausbau einer Unterpflasterbahn 
vom Potsdamerplatz nach dem Aleranderplatz im direkten Anschluß 
an die elektrische Hochbahn. 
Zu langwierigen Verhandlungen niii den betyeiligten Straßenbahn- 
Gesellschaften bezw. mit den staatlichen Aufsichtsbehörden führte die 
auf Anordnung Seiner Majestät des Kaisers erlassene landespolizeiliche 
Verfügung, daß die Akkumulatoren aus dem Straßenbahnbetriebe 
zu entfernen und durch direkic Stromzuführung zu ersetzen seien. 
Die Aufmerksamkeit weiter Kreise, nicht nur der Gemeindebehörden, 
wurde endlich erregt durch den Umstand, daß den hiesigen Straßenbahn- 
Gesellschaften die staatsbehördliche Genehmigung über die mit der 
Stadtgemeinde vertraglich vereinbarte Zustimmungsdauer, also über 
das Jahr 1919 hinaus, bis zum Jahre 1950, ertheilt wurde. 
Auf dem Gebiete des Ladewesens waren Angelegenheiten von 
Belang nicht vorgekommen 
Im Uebrigen regelten sich die Geschäfte der Verkehrs-Deputation 
in der bisherigen Weise. 
k. Sefonderer 
I Kleinbahn Angelegenheiten. 
l. Elektrische Niveaubahnen. 
a) Neue Projekte inib dergleichen. 
Ein Antrag der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unter 
nehmungen zu Nürnberg auf Verlängerung ihrer Linie Hohen- 
Schönhäusen—Waßmannstraße durch die Elisabeth und Kurzcstraße 
bis zur Landsbergerstraße fand ebenso ivie ein Gesuch der Berliner 
elektrischenSlraßenbahnen-Aktien.Gesellschaft.dieLinie Treptow—Behrcn- 
straße von der Ecke der Behren- und Mauerstraße aus durch die Behren- 
straße bis zur Friedrichstraße führen zu dürfen, nicht die Zustimmung 
der Verkehrs-Deputation. Dagegen wurde der Großen Berliner 
Straßenbahn die Zustimmung zum Einbau eines Zufahrtsgeleises in 
der Straße „An der Stadtbahn" von der Schicklerftraße bis zum 
neuen Polizei-Präsidial Gebäude zwecks Ausführung von Gefangenen 
Transporten ertheilt. Der Stadtgemeinde wurde hierbei das Recht 
der uneingeschränkten Mitbenutzung oder nach Wahl des Magistrats 
des jederzeitigen Erwerbes der Bahnanlage eingeräumt. 
Für solgende Straßenbahnlinien wurde von dem vertraglich vor 
behalteneu Recht, die Zustimmung zurückzuziehen, Gebrauch gemacht, 
weil die Gesellschaften innerhalb der vertragsmäßigen Frist nicht die 
staatsbehördliche Genehmigung erlangt hatten: 
1. Die Zweiglinie der Westlichen Berliner Vororrbahn: Königin 
Augustastraße — Hafenplatz—Dessauerstraße— Bernburgerstraße 
bis zum Askanischenplatz. 
2. Die Linien der Großen Berliner Straßenbahn: 
a) von der Behrenstraße durch die Markgrafen- bis zur 
Junkerstraße und durch die Junkerstraße. 
b) von der Museumsstraße über den Lustgarten und die Schloß 
freiheit nach dem Schloßplatz. 
Auf der anderen Seite trat die Verkehrs-Depmation in Be 
rathungen darüber ein, welche Linien auf Grund der Zustimmungs- 
vertrüge, nach welchen die Große Berliner und die Berlin-Charlotten 
burger Straßenbahn zum Bau von Straßenbahnlinien bis zu einer 
Gesammtlänge von je 150 km auf Erfordern der Stadtgemeindc bis 
zuni 1. Januar 11 >02 ohne Anspruch auf Erstattung der Baukosten 
verpflichtet sind, aufzuerlegen wären. Das Ergebniß dieser Berathungen 
war, daß nur eine durch die See- und Exerzierstraßc führende Linie 
und zwar von der Großen Berliner Straßenbahn gefordert wurde. 
Wie wir bereits in unserem vorjährigen Verwaltungs-Berichte erwähnt 
haben, war der Großen Berliner Straßenbahn bis zum 1. April 1900 
gestattet worden, auf einer Anzahl von Strecken den vertraglich vor 
geschriebenen Akkumulatorenbetrieb durch oberirdische Stromzuführung 
p ersetzen. Auf Ansuchen der Gesellschaft wurde diese Erlaubniß noch 
über den besagten Zeitpunki hinaus, jedoch unter dem Vorbehalte 
jederzeitigen Widerrufs verlängert. 
Angesichts dieses der Gesellschaft gegenüber gezeigten Entgegen 
kommens mußte die Ende September 1900 eingehende Mittheilung 
überraschen und befremden, wonach ohne Rücksicht auf die entgegen- 
sichenden" BestilNMMNM---des Zustinimungsvertrages und ohne daß 
den Gemeindebehörden auch nur Gelegenheit zur Aeußerung gegeben 
worden wäre, auf Anordnung Seiner Majestät des Kaisers der Ge 
sellschaft durch laudespolizeiliche Verfügung aufgegeben worden war, 
Akkumulatorenbeirieb wegen seiner Unzulänglichkeit und Unwirth- 
schaftlichkeit innerhalb einer FrisOboü'nj, Jahren zu beseitigen und 
durch direkte Stromzuführung zu ersetzen. Im Allgemeinen sollte 
Oberleitung eingeführt, nur erlstM^lkurze "Strecken sollten init unter 
irdischer Stromzuführung versehen werden. 
Nach Lage der Sache konnte die Verkehrs-Deputation, als die 
Gesellschaft unter Hinweis auf die polizeiliche Anordnung die Er 
theilung der Zustimmung zur entsprechenden Aenderung des Betriebs 
systems nachsuchte, sich nicht verhehlen, daß das allein zulässige Rechts- 
minel einer Beschwerde über die polizeiliche Verfügung an den Herrn 
Minister der öffentlichen Arbeiten ohne jeden Erfolg bleiben würde, 
umsomehr, da sachlich anerkannt werden mußte, daß das Akkumulatoren 
system nach dem heutigen Stande der Technik billigen Anforderungen 
nicht genügt. Die Deputation entschloß sich deshalb im Hinblick aui 
die erheblichen Vortheile, welche der Gesellschaft aus der Betriebs 
änderung erwachsen müssen, und in Anbetracht der durch das direkte 
Stromzuführungssystem eintretenden Mehrbelastung der städtischen 
Straßen und Plätze mit der Gesellschaft darüber zu verhandeln, 
welche Gegenleistung sic gewähren wolle. Indessen kam eine Einigung 
hierüber nicht zu Stande, iveil die Gesellschaft die Forderungen der 
Stadlgemeinde nicht anerkennen wollte. Vielmehr beantragte sie gemäß 
8 7 des Kleinbahngesetzes vom 28. Juli 1892 das Ergünzungs- 
verfahren vor dem Herrn Obcrpräsidenten. Dieses wurde indessen, 
nachdem die Deputation aus Zweckmätzigkeiisrücksichten für die Ober- 
leitungsstrecken die vorlännge, jeder Zeii ividerrufliche. Bauerlanbniß 
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