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Volume No. 27. Bericht über die Altersversorgungsanstalten und Hospitäler städtischen Patronats

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

Verwaltungs-Bericht 
des 
)N aglstrats zu Berlin 
für 
das Ltatsjcchr 190O. 
M 27. 
Werichte über- die Atterverforgungsclnstcrl'Len und Kofpitäler 
käölifchen Patronats. 
Seite 
1. Alterverjorguiigsanstalt der Kaiser Wilhelm- und Augustastifiung . . 1 
2. St. Gertraudthospital 2 
3. Hospitäler zum Heiligen Geist und St. Georg 3 
4. Hollmann'sche Wilhelminen-Amalienstiitung 3 
6. Jakobshospital 4 
Leite 
6. Jerusalemskiift . . 4 
7. Lange-Schuckestiftung 5 
8. Nikolaus Bürgerhospital 5 
9. Reuterstiftung 6 
10. I. H. Wepdinger'sche Stiftungen 7 
1. Alterversorgungsanstalt der Kaiser Wilhelm- und Augustastifrung. 
Die bewährten Grundsätze unserer Verwaltung blieben auch im 
verflossenen Jahre unverändert. Die Aufnahmeverhältnisse haben sich 
auch nicht günstiger gestaltet. Noch warten würdige und bedürftige 
Anwärter, deren Aufnahme wir schon Ende 1898 beschlossen, ant die 
ersehnte Einberufung. Während vor einigen Jahren noch Anwärter im 
Lebensalter von durchschnittlich 72—73 Jahren zur Annahme ge 
langen konnten, ist das durchschnittliche Lebensalter, in dem Anwärter 
die Einberufung erhoffen dürfen, nahezu aus 78 Jahre gestiegen, so 
daß thatsächlich zahlreiche Anwärter nach Jahre langem Hoffen die Aus 
nahme nicht mehr erleben. Während wir in früheren Jahren in Folge 
eingegangener Vermächtnisse und Geschenke den Antrag auf den 
städtischen Zuschuß Allmählich haben verringern können, ist neuerdings 
eine Herabsetzung nicht möglich gewesen. Auffällig ist ferner die 
geringe Anzahl alleinstehender Männer, die sich um Aufnahme be 
werben. Der Umstand erklärt sich aber wohl durch die frühere 
Sterblichkeit der meist älteren männlichen Eheleute und dnrcti die wohl- 
thätige Fürsorge der Reichsallersversichernng, die den männlichen 
Rentenempfängern eine bescheidene Hilfe gewährt, die ihnen zusammen 
niit den Unterstützungen aus öffentlichen oder Stiftungsniitteln, einen, 
Veteranensold oder Beihilfen von Vereinen oder aus kirchlichen Mitteln 
eine »othdürftige Lebensführung gestaltet. 
Täglich verpflegt wurden 204 gegen 199 Insassen im Vorjahr. 
Die Moltkestiftung (von der Sladlgemeinde begründet und mit 
50000 M ausgestattet) hatte fünf Insastell mit voller Verpflegung. 
Der von der Stadtgcmeinde Berlin gezahlte baare Zuschuß be 
trägt einschließlich einer Beihilfe von 3 168 JC ans dem sog. Dotations 
fonds 35 418 JC. 
Aus Anlaß der Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers und 
Ihrer Majestät der Kaiserin ist den Hospitaliten vom Magistrat wie 
alljährlich ein Geldgeschenk von je 1,80 M gewährt worden. 
Ende März 1900 befanden sich in der Anstalt 206 Personen. 
Neu aufgenommen sind 33, gestorben 19 Personen; 5 Personen niußien 
ihres siechen Körperzustandes wegen dem städtischen Siechcnbausc, 
oder wegen Geisteskrankheit der städtischen Irrenanstalt in Dalldorf 
überwiesen werden, so daß Ende März 1901 ein Bestand von 
207 Personen vorhanden war. Unter ihnen befanden sich 33 Ehepaare, 
116 alleinstehende Personen weiblichen Geschlechts, meist Wittwen, und 
24 alleinstehende Männer. Von den in der Anstalt befindlichen männ 
lichen Personen waren ihrer früheren Beschäftigung nach 8 Handel 
treibende, Lehrer und Beamte, 4 Arbeiter oder früher in Lohndienst 
beschäftigle Personen und 45 Handwerker. 
Von den alleinstehenden Männern genossen 16 freie Verpflegung, 
auch hatten von den Frauen 100, von den 33 Ehepaaren 18 mit 
36 Personen (von 15 Ehepaaren nur einer der Ehegatten^ gänzlich 
freie Verpflegung. Ohne Verpflegung oder in Betreff derselben auf 
andere Quellen angewiesen war somit kein Ehepaar vollständig, von 
15 Ehepaaren der eine Theil, sowie 8 alleinstehende Männer und 16 
alleinstehende Frauen. 
Bei den außerordentlichen Revisionen in Bezug auf die Preis- 
würdigkeit und ordnungsmäßige Zubereitung der verabreichten Speisen 
durch die Mitglieder des Kuratoriums fand sich kein A"latz zu Aus 
stellungen, im Gegentheil ist stets die Güte und Reichhaltigkeit der 
Speisen ausdrücklich anerkannt worden. 
Der Gesundheitszustand der Insassen war im Ewtsjahr 1900 
bis 1901 durchaus zufriedenstellend. 
Die vorkommenden Krankheiten hatten leider bösartigen Charakter 
und gehörten zu den im Greisenalrer immer vorkommenden. Es 
waren chronische Katarrhe des Respirationsapparates mit häufigen 
asthmatischen Beschwerden, ebenso Störungen im Digcstionstraktus, 
Obstipationen und Blasenkatarrhe in Folge von Anschwellung der 
Vorsteherdrüse. Am meisten waren chronische Herzmnskelerkrankungen, 
die ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen, Die bei uns alljährlich ani- 
tretende Influenza brachte nur ganz leichte Fälle. 
Es starben während des Jahres 18 Hospitaliten: 10 männliche 
und 8 weibliche, und zwar: 
5 an Altersschwäche. 
5 - Herzschwäche, 
1 - Rückenmarksschwindsucht, 
1 Darmkrebs, 
2 - Herzschlag, 
1 Magenkrebs, 
1 - Wassersucht, 
1 - Lungen und Brnstiellentzündung, 
1 Gehirnerweichung. 
In die Krankenhäuser inkl. Dalldorf wurden 19 überführt. 
In das Sicchenhaus kamen 5 Personen und zwar 2 direkt, die 
übrigen 3 durch das Krankenhaus. 
Der Bestand war am 1. April 1901: 212 Hospitaliten. 
Wir stellen grundsätzlich alle Insassen gleich. Jeder soll »eben 
3 JC monatlichem Taschengeld täglich 70 ^ zu verzehren haben. Alle 
Renten, Pensionen, laufende Beihilfen werden so angerechnet, daß 
jeder Insasse nionatlich 21 JC (bczw. 21,?o JC) zu verzehren hat. 
Aus nachfolgender Uebersicht sind die seil dem 1. April 1893 der 
Anstalt erwachsenen Gesammtkosten und die danach berechneten Dnrch- 
schnittsbcträgc für die Unterhaltung eines einzelnen Hospitaliten er- 
sichtlich; gegen das Vorjahr haben sich die letzten nicht verringert. 
Der Miethspreis für das Zimmer ist „ich, verändert und koste; 
jährlich 60 JC. Die Einnahmen aus der Vermiethung haben somit 
60 JC betragen und werden ganz verschwinden, wenn die seit Jahren 
als Anwärterin notirte Mietherin als Hospitalitin Aninahme in der 
Anstalt gefunden haben wird. 
Das Durcbschnittslebensaltcr der Hospitaliten, das im ersten 
Jahre des Bestehens der Anstalt 71 Jahre betrug, dann allmählich 
auf 76V* Jahre im Vorjahre gesttegen war, hat sich im Vorjahre auf 
rund 77'/, Jahre belaufen. 
Von den Ende März 1901 in der Aist'talt befindlichen 196 In- 
fassen befanden sich 
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