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Volume No. 19. Bericht der Deputation für die städtische Irrenpflege

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1900 (Public Domain)

Verwaltungs-Bericht 
des 
Magistrats zu Berlin 
für 
das Ltatsjahr 1900. 
M 19. 
Weicht 6er Deputation für 6ie städtische Zrrenpftege. 
Uorwort der 
In die Deputation ist an Stelle des verstorbenen Bürger- 
deputirlen, Geheimen Sanitätsrath Dr. Kri stell er der Bürger 
deputirte, Geheime Sanitätsrath Dr. Schlesinger eingetreten. 
Während des Berichtsjahres sind 11 Sitzungen abgehalten worden, 
in denen über 220 Gegenstände berathen wurde', davon seien folgende 
erwähnt: 
Wie wir bereits im vorjährigen Berichte mitgetheilt haben, hat 
die Wittwe Charlotte Schmidt, geb. Andreae, der Jdiolenanstalt in 
Dalldorf ein Legat von 10000 Jt zugewendet. Die nachgesuchte 
Allerhöchste Genehmigung zur Annahme dieses Legats wurde erst 
ertheilt, nachdeni die Gemeindebehörden die Verpflichtung übernommen 
hatten, der Wittwe Charlotte Auguste Schnarcwsky, einer 
Schwägerin der Wittwe Schmidt, aus den Zinsen des Legats eine 
lebenslängliche Rente von jährlich 200 M zu gewähren, soweit sie nicht 
von dem Sohne der Erblasserin, der sich hierzu freiwillig bereit erklärt 
hat, gezahlt wird. 
Das Haus V der Irrenanstalt Dalldorf war ursprünglich nicht 
für gefährliche und unter allen Umständen festzuhaltende, sondern nur 
für unruhige Geisteskranke bestimmt. Als cs später für seinen jetzigen 
Zweck gewählt wurde, sind die nothwendigen Sicherheitsmaßregeln 
und die der Eigenart seiner Bewohner entsprechenden Einrichtungen 
so weit als möglich getroffen worden. Es entspricht jetzt auch im 
Großen und Ganzen seinem Zivcck: immerhin aber ist cs selbst 
verständlich, daß das für einen andern Zweck bestimmte, dem jetzigen 
Zweck nur angepaßte Gebäude mancherlei Mängel erkennen läßt. 
Dazu kommt, daß die Zahl der gefährlicheren Kranken sowohl an sich, 
als auch irn Verhältniß zur Gesammtbelegung der Anstalt zugenommen 
hat: allein von der Jrrenstation der Strafanstalt Moabit sind in diesem 
Jahre 36 geisteskranke Verbrecher nach Dalldorf überwiesen. Deren 
Bewachung ist aber ungleich schwieriger, als bei den früheren, als 
gefährlich bezeichneten Geisteskranken. Es zeigt sich hier als Haupt 
mangel des Hauses, daß nicht die genügende Zahl von Einzelzelleu 
vorhanden ist, und daß auch sonst eine ausreichende Trennung der 
störenden, aufhetzenden und gcivaltthäligen Kranken nicht vorgenommen 
werden kann Auf unseren Antrag haben deshalb die Gemeinde 
behörden beschlossen, das Haus durch einen Anbau zu erweitern, der 
neben den erforderlichen Schlaf- und Nebenräumen 10 Einzelzimmer, 
darunter 5 feste Zellen enthalten soll. Dadurch ivird auch der zum 
Hause gehörige Garten in zwei gegeneinander abgeschlossene Theile 
getrennt, und so die Beaufsichtigung der Kranken bei ihren Spazier 
gängen wesentlich erleichtert. Die Kosten sind aus 102 OM JC be 
rechnet. Mit dem Bau ist sofort begonnen worden. £ ^ 
Mangels anderweiter Dienstwohnungen und weil in der Nähe 
der Irrenanstalt Herzberge passende Miethswohnungen nicht zu haben 
sind, mußten bisher mehreren Unterbeamten mit ihren Familien kleine 
Dienstwohnungen innerhalb der Hauptanstalt in den großen Kranken 
häusern zugewiesen werden. Hierdurch entstanden jedoch für den 
Anstaltsbetrreb inannigfache Mißstände und auck, insofern Gefahr für 
die Kranken, als bereits der Fall eingetreten ist, daß durch die schul- 
pflichtigen Kinder der Beamten ansteckende Krankheiten, Diphtheritis 
u. dergl. eingeschleppt wurden. Die Gemeindebehörden haben deshalb 
auf unseren Antrag bcschloffen, auf dem im Vorjahre erworbenen 
Deputation. 
Schutzstreifen ein 4 Dienstwohnungen enthaltendes Familienwohnhaus 
zu errichten. Die Kosten sind auf 45 5M JC veranschlagt. 
Bei derselben Anstalt reicht die im Kuhstall unterzubringende Zahl 
von Milchkühen zur Versorgung der Anstalt mit Milch nicht mehr ans. 
nachdem die Anstalt in den letzten Jahren nicht nur ihre volle Be 
legungszahl erreicht hat, sondern auch durch Errichtung einiger Er- 
gänzungsbauten erweitert worden ist. Es ist daher die Erweiterung 
des jetzt 32 Stände enthaltenden Stalles durch einen Anbau, der 24 
neue Stände aufnehmen soll, beschlossen worden. Die Vergrößerung 
des Kuhbestandes macht auch eine Erweiterung der Futterküche er 
forderlich, unter der ein Rübenkeller hergestellt werden soll. Ferner 
ist die Errichtung zweier kleiner Wohnungen, bestehend aus 2 Stuben 
und Küche, für ims Pflegepersonal in einem an den Kuhstall anzu 
bauenden Gebäudetheil und außerdein einer Stube für einen un- 
verhciraihelen Kuhpfleger bei der Futterküche nothwendig geworden. 
Endlich erschien es vortheilhast, den bei dem Betriebe der Anstalt aus 
den Küchenabfällen und Speiseresten sich ergebenden Trank, der ein 
besonders gutes Schweinefutter ist, wieder in der Anstalt selbst zur 
Schweinemast zu verwenden. Hierzu ist jedoch eiu Umbau des 
Schweinestalles erforderlich, iveil er nicht überwölbt ist: die zugleich 
das Dach bildende Holzdecke blieb daher durch die Ausdünstungen 
der Thiere dauernd feucht und verfaulte. Durch Aufbau eines niedrigen 
Stockwerkes soll hierbei gleichzeitig ein hinreichender Raum zur Unter 
bringung von Stroh lind Heu, sowie zum Stopfen und Lagern von 
Strohsäcken geivonnen werden. Schließlich soll noch an der Mauer 
des Glitshofes ein Schutzdach zur Unterbringung von Ackerwagen k. 
hergestellt werden. Die Kosten für sämmtliche Bauten sind auf 61000 ^ 
veranschlagt worden. 
Bei der neuen Irrenanstalt in Buch ist mit dem Bau der 4 Pflege 
häuser begonnen worden. Neu genehmigt wurde von den Gemeinde 
behörden der besondere Entwurf für zwei offene Häuser, deren Kosten 
auf 941400^ veranschlagt sind. Die Häuser sind zu beiden Seiten 
des Verwaltungsgebäudes bei der Männer- und Frauenabtheilung 
angeordnet Sie sollen zur Aufnahme der ruhigen Kranken dienen 
und enthalten in jedem der beiden Geichoffe die ohne Korridore in 
direkter Verbindung stehenden Tag- und Schlafränme für je 50 Per 
sonen und einen in der Mittelachse des Hauses gelegenen Speisesaal. 
Im Erdgeschoß ist in einem besonderen Anbau in derselben Mittelachse 
und in der erforderlichen Jsolirung von den übrigen Räumen ein 
Lazareth angefügt worden. Im Mittelbau befinden sich die Spül- 
küchen, die Zimmer für den Arzt und Arbeitsräume. In den beiden 
Seitenflügeln liegen die Einzelzimmer. 
Mit der Herstellung des Anschlußgeleises ist noch nicht begonnen 
worden, iveil wegen der Trace mit der Eiscnbahndirektion eine 
Einigung bisher nicht erzielt werden konnte. 
Dagegeir sind die Versuchsbohrungen zur Wasserversorgung der 
neuen Anstalt nunmehr abgeschlossen. Die erforderliche Wassermenge 
von etwa 120 obm für die Stunde tvird aus drei Tiefbrunnen ge 
wonnen werden. Das geförderte Wasser ist von ausgezeichneter 
Reinheit, har aber einen nicht unbeträchtlichen Eisengehalt: um das 
Waffer davon zu befreien, ist eine Anlage nach dem System Dr. Heß 
und v. d. Linde vorgesehen worden. 
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