Path:
Volume No. 43. Bericht über die Verwaltung der Feuerwehr und des Telegraphen

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

No. 48. Feuerwehr. 
8 
durch Verfügung des Herrn Polizei-Präsidenten vom 30. Oktober 1899 
angeordnete Einrichtung von Regenvorrichtungen für die Theaterbühnen 
nunmehr überall fertiggestellt worden. 
Bei einer Prüfung der Entlüftungsklappen in den Theatern stellte 
sich heraus, dass die üblichen Filzdichtungen unzweckmässig sind; sie 
froren verschiedentlich fest, so dass die Klappen sich nicht bewegten. 
Es musste daher die Entfernung der Filzdichtung gefordert werden. 
Da Fälle nicht ausgeschlossen erscheinen, in welchen es wünschens- 
werth oder erforderlich ist, die Ränge und Galerien rasch vom Zu 
schauerraum zu erreichen, so hat die Abtheilung, der Wiener Einrichtung 
folgend, Hakenleitern im Innern des Zuschauerhauses niederlegen lassen; 
um die Leitern den Blicken der Zuschauer zu entziehen, hat die Abtheilung 
eine besondere Konstruktion von Klappleitern dazu festgestellt. . 
In Bezug auf die Gestellung von Theatersicherheitswachen ist 
insofern eine Aenderung eingetreten, dass sich die Stärke der Wache 
nunmehr nach den bei den Vorstellungen vorkommenden Gefahrs- und 
sonstigen Momente richtet, sodass der Sicherheitsdienst im Vergleich 
zu früher jetzt unter Umständen durch eine um zwei Mann und mehr 
verstärkte Wache versehen wird. Ausserdem wurde der Ueberwachungs- 
dienst auf eine Anzahl grösserer Spezialitätenbühnen, die bisher noch 
keine Wache hatten, ausgedehnt. Ferner ist neuerdings die Ein 
richtung getroffen worden, dass das Theaterpersonal in der Hand 
habung der an Ort und Stelle befindlichen Feuerlöschgeräthschaften 
eingehend instruirt wird. 
Die Direktionen der Theater, Zirkus- und Versammlungsräume 
mit Podien sind durch den Herrn Polzei-Präsidenten angewiesen worden, 
bei Verwendung von unverwahrtem Feuer und Licht, beweglichen Be 
leuchtungskörpern und Feuereffekten die Erlaubn iss der Abtheilung 
für Feuerwehr besonders einzuholen, welche sodann im Kamen des 
Polizei-Präsidenten zu entscheiden hat. (.7.-Ko. I. F. 4 396 v. 30. No 
vember 1899.) 
Ausser dieser Befugniss und der schon gemäss J.-No. I. F. 1991 vom 
14. September 1883 bestehenden Uebertragung der Ueberwachung der 
Bestimmungen der Polizei - Verordnung, betreffend den Verkehr mit 
Mineralölen, vom 25. Juli 1883 hat die Abtheilung auch besondere 
Weisung mit J.-No. I. C. 1 075 vom 15. April 1898 erhalten, die 
sämmtlichen für das Königliche Polizei-Präsidium in Betracht kommenden 
Interessen (Feuer-, Sicherheitspolizei; Polizei-Telegraph) der Strassen- 
bahn-Gesellschaft gegenüber wahrzunehmen. 
In den Feuerwachen in der Thurmstrasse 22 (Zugwache 15), 
Oderbergerstrasse 24/25 (Zugwache 3) und Memelerstrasse 39 (Zug- 
wache 7) wurden an Stelle der bisher dort im Dienst befindlichen Hand- 
druckspritzenzügeDampfspritzenzüge, welche sich aus Tender,Dampfspritze, 
Wasserwagen und Mechanischer Leiter zusammensetzen, eingestellt. 
Diese Aenderung, welche noch weiter durchgeführt werden soll, 
bedeutet eine wesentliche Stärkung der Angriffskraft. 
Die Besichtigung der Holzplätze, Mineralöllager, Patronen- und 
Schwarzpulverlager u. s. w. wurde wie alljährlich ausgeführt. Ferner 
wurden die schon in früheren Jahren durch einen Polizeioffizier in 
Begleitung eines Oberfeuermanns und eines Schomsteinfegermeisters 
ausgeführten Feuer Visitationen in Fabriketablissements, die sich damals 
als ausserordentlich zweckmässig erwiesen haben, im Laufe des Jahres 
wiederholt. Ausserdem wurden die durch die Offiziere der Feuerwehr 
auszuführenden Revisionen auch auf die Kirchen, Versammlungsräume, 
Waarenhäuser, Glühstrumpffabriken und Bierpaläste ausgedehnt. 
Die Auswechselung der Feuermeldekabel wurde in diesem Jahre 
weiter durchgeführt, ebenso auch die Vermehrung der öffentlichen 
Feuermelder, die meist an der Peripherie des bebauten Stadtgebiets 
ihren Standort erhielten. Auch wurde eine weitere Anzahl Hausfeuer 
melder gegen Strassenmelder ausgewechselt. Das Nähere hierüber ist 
aus dem Theil VII Telegraphen-Verwaltung ersichtlich. 
Mit den Wasserwerken ist ein Abkommen dahin getroffen, dass 
bei „Gross“- und „Mittel“-Feuer Weitergabe der Meldung an die 
Wasserwerke geschehen, damit dieselben für die Erhaltung des Druckes 
rechtzeitig sorgen können. 
Sämmtliche Stadtfernsprech-Vermittelungsämter sind ausser der 
bestehenden, zu gewöhnlicher Korrespondenz bestimmten Verbindung 
noch je mit einer Leitung mit der Hauptfeuerwache verbunden worden. 
Diese Verbindungen sind nur für Feuermeldungen aus dem Theilnehmer- 
kreise bestimmt, sodass eine Feuermeldung auf dem kürzesten Wege 
erfolgen kann und für solche stets eine Verbindung frei ist. Das 
Verzeichniss der Theilnehmer an der Stadtfernsprecheinrichtung hat 
einen entsprechenden Hinweis hieraus erhalten. 
Um für alle Fälle vorläufige Feststellungen über Brennbarkeit u. s. w. 
vornehmen zu können, wurden die schon bestehenden Einrichtungen als: 
Abel’scher Petroleumprüfer, 
Prüfungsstation für Isolationsfähigkeit, 
2 000° Gels. Entflammungslampe, 
noch durch einen Flammungspunktprüfer, System Pensky-Martens, 
vervollständigt. 
Die beiden Feuer, am 29. Dezember 1899 Gartenstrasse 9/12, 
Hoppe’sche Maschinenfabrik, und am 13. Januar 1900 in Rixdorf, 
Bergstrasse 9, Aron’sches Waarenhaus boten die Grundlage, nunmehr 
die von der Abtheilung für Feuerwehr schon seit Jahren erstrebten 
Prüfungen der Feuersicherheit in ähnlichen Etablissements und die 
Aufstellung von besonderen Vorschriften zu erlassen. In gemeinschaft 
licher Arbeit mit Abtheilung I und IV und der Gewerbeaufsichts 
behörde wurden Bestimmungen aufgestellt und sodann als Anhalt 
für Revisionen u. s. w. durch Abtheilung I erlassen, und zwar: 
Bestimmungen für bestehende und für neue Gebäude, welche 
ganz oder theilweise zur Aufbewahrung einer grösseren 
Menge brennbarer Stoffe bestimmt sind (Waarenhäuser, 
Geschäftshäuser u. s. w.); 
Bestimmungen für bestehende und für neue Gebäude, in denen 
sich feuergefährliche, gewerbliche Betriebsstätten befinden. 
Es wurden hiernach besondere Kommissionen gebildet, zu 1 aus 
einem Bauinspektor und einem Brandinspektor, zu 2 aus einem Bau 
inspektor, einem Brandinspektor und einem Gewerbeinspektor bestehend, 
welche mit der Prüfung aller bestehenden Anlagen beauftragt worden 
sind. Nach Erledigung der Prüfungen wird eine besondere, dauernde 
Ueberwachung und Kontrolle einzurichten beabsichtigt. 
Verkehr mit auswärtigen Behörden und Privaten. 
Gleich wie in früheren Jahren ist auch in diesem Jahre allen 
Interessenten bereitwilligst Gelegenheit gegeben, sich über die Ein 
richtungen zu unterrichten, namentlich auch die neugebauten Peuer- 
wachtgebende in Augenschein zu nehmen. Von diesen Interessenten sind 
Mitglieder des hiesigen Magistrats, der japanischen Gesandtschaft, 
sowie Mitglieder und Schüler der Turnlehrer - Bildungsanstalt und der 
Militär-Zentral-Turnanstalt besonders hervorzuheben. 
Besondere Ereignisse und Auszeichnungen. 
Des Königs Majestät haben zu verleihen geruht: 
dem Feldwebel Uhlmann, 
den Oberfeuermännern Marsiske, Printz, 
den Feuermännern Schacher, Rossow, Papendiek, Schultze, 
Droste, Rüppel, Schubarth, Speck, Feinberg, Jantz, 
Krüger, 
den Spi’itzemnännem Münzberg und Ernst 
das Allgemeine Ehrenzeichen, 
dem Oberfeuermann Hanke 
das Verdienst-Ehrenzeichen für Rettung aus Gefahr. 
Aus Veranlassung zurückgelegter 25jähriger Dienstzeit wurden 
von den städtischen Behörden 2 Feldwebeln, 2 Oberfeuermännern, 
13 Feuermännern und 10 Spritzenmännern Gratifikationen von zusammen 
2 460 M bewilligt. 
Ihre Majestät die Kaiserin und Königin geruhten, Allerhöchstsich 
am 15. März 1900 durch den Branddirektor Offiziere und Mannschaften 
vorstellen zu lassen; diese Allerhöchste Ehre wurde zu Theil: 
dem Brandinspektor Dransfeld, 
dem Obermaschinisten Schwarzenholz, 
den Oberfeuermännem Greuel, Hennicke. Hanke, 
den Feuermännern Bowitz, Droste, Zeutschler und 
dem Spritzenmann Ernst. 
Aus den Händen Ihrer Majestät durften entgegennehmen: 
der Brandinspektor Dransfeld ein Kabinetportrait Seiner 
Majestät mit Allerhöchstseinem Namenszuge, 
der Obermaschinist Schwarzenholz sowie die Oberfeuer 
männer Greuel, Hennicke und Hauke je eine Bronze 
büste Seiner Majestät,
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.