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Volume No. 41. Bericht über die städtischen Gaswerke

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

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Nr. 41. Gaswerke. 
_ An Zylindern wurden in dem Berichtsjahre für die Flamine mit 
3 675 Brennstunden durchschnittlich 1,8, für die Flamme mit 1900,5 
Brennstunden 1,5 Stück verbraucht. 
Neueinrichtungen von Beleuchtungsanlagen haben hauptsächlich in 
den in äußeren Stadttheilen gelegenen Straßen und Plätzen statt 
gefunden. Für dieselben sind ausschließlich gewöhnliche Kandelaber 
mit 3,eo m Flammenhöhe, wie bisher, verwendet worden. 
Verbeffernngen der Straßenbeleuchtung in inneren Stadttheilen 
wurden auch im Berichtsjahre durch Verdoppelung der Brenner in 
den Laternen, durch Zwischenstellung und Verstellung von Kandelabern, 
sowie durch Aufstellung mehrarmiger Kandelaber, welche fast aus 
schließlich auf Plätzen und Brücken Verwendung fanden, ausgeführt. 
Die Entfernungen zwischen den einzelnen Kandelabern sind 
hierdurch zum Theil verringert worden, so daß sie jetzt im Durch- 
schnitt ca. 26 m betragen, während in älteren, in den Außen 
bezirken der Stadt gelegenen Straßen zum Theil noch Entfernungen 
von 35 m vorkommen. 
Die geringste Entfernung der Kandelaber befindet sich in der König- 
straße, sie beträgt dort ca. 13,o m. 
Eine Vermehrung des Aufsichtspersonals der öffentlichen Be 
leuchtung hat im Etatsjahr 1900 nicht stattgefunden. 
Bei der Ausführung der laufenden Unterhaltnngsarbeiten, bei 
den Neueinrichtungen und der Beaufsichtigung des Anzünde- und 
Löschdienstes rc. waren für die öffentliche Straßenbeleuchtung am 
31. März 190« 
1 Beleuchtungsinspektor, 
6 Oberkontrolleure und 
20 Kontrolleure, 
dieselbe Zahl wie im Vorjahre, beschäftigt. 
Die Zahl der Laternenwärter wurde um 11 vermehrt: demnach 
waren thätig: 
Ende März 1899 . . . 377 Laternenwärter, 
- 1900 ... 388 
Dieselben hatten am 31. März 1900 einschließlich der in den 
Uraniasäulen brennenden 10 Schniltbrenner 27 910 Flammen zu 
bedienen, von welchen zwischen 11V, bis 12V 2 Uhr Nachts 7 366 
Flammen gelöscht und 64 Flammen angezündet werden mußten. 
Ein Laternenwärter hatte durchschnittlich 74,i Flammen zu 
bedienen und wurde außerdem ca. 41 mal zum Patrouillendienst 
herangezogen. 
Von den am 31. März 1900 vorhandenen 22 863 Laternen hatte 
durchschnittlich jeder Laternenwärter 58,8 Laternen zu reinigen und 
zu bedienen. 
Für Ersatz der beschädigten Glühkörper und Zylinder, für Reim- 
gung der Zylinder und Brenner, sowie für Regulirung derselben 
sorgten 20 Monteure und 20 Arbeiter, und zwar versorgten ein 
07 qm 
Monteur und ein Arbeiter durchschnittlich —— 1 395 Brenner. 
20 
Das Abbrennen der zum Ersatz jc. erforderlichen Glühkörper 
wurde von durchschnittlich 6 Arbeiterinnen bewirkt. 
11. Die Straßenbeleuchtung, soweit sie nicht durch Gas 
erfolgt (vergleiche Tabellen Nr. 27 und 28). 
a) Die Straßenbeleuchtung durch elektrisches Licht. 
«) Die Straßenbeleuchtung durch elektrisches Bogen 
licht wurde in diesem Jahre in erheblichem Umfange aus 
gedehnt. Es wurden im Ganzen neu eingerichtet 52 Bogen 
lampen mit voller Brennzeit, 34 Bogenlampen mit Brenn 
zeit bis 11 bezw. 11 Va Uhr und 12 Bogenlampen mit 
Brennzeit bis 12 Uhr. Hierdurch wurde die elektrische 
Beleuchtung in der Siegesallee, sowie im Friedrichshain 
und im Viktoriapark vollendet: die Beleuchtung auf der 
Alsenbrücke neu eingerichtet und die Beleuchtung auf der 
Potsdamerbrücke vermehrt. 
Die probeweise Beleuchtung der Leipzigerstraße durch 
Aufhängung der Bogenlampen über der Straßenmitte hat 
in diesem Jahre noch keinen endgiltigen Abschluß gefunden, 
da die Aufhängevorrichtungen noch verbesserungsbedürftig 
waren, und demgemäß eine Verlängerung der Probezeit 
sich als nothwendig erwies. 
ß) Die Zahl der Glühlampen für die öffentliche Beleuch 
tung ist dieselbe geblieben wie im Vorjahre. 
b) Die öffentliche Beleuchtung durch Petroleumlampen 
hat in diesem Jahre eine Abnahme erfahren, indem 140 Petro 
leumlaternen fortgenommen und durch Gaslaternen ersetzt 
wurden. 
Neire Petroleumlaternen ivurden nicht aufgestellt. 
c) Spiritusglühlichtlampen. 
Die ini vorigen Jahre begonnenen Versuche mit 9 vor dem 
Goethedenkmal im Thiergarten aufgestellten Spiritusglüh 
lichtlampen „Monopol" System Helfft zu Zwecken der 
öffentlichen Beleuchtung sind in diesem Jahre fortgesetzt worden. 
Die Ergebnisse mit dieser Beleuchtung waren jedoch so wenig 
günstig, daß von einer weiteren Einrichtung von Spiritus 
glühlichtlaternen für die öffentliche Beleuchtung vorläufig Abstand 
genommen worden ist. 
II. Finanzielle Ergebnisse (vergleiche Tabelle 29—30). 
1. Die Ausgaben für Kohlen. 
Wie schon in dem allgemeinen Theil (A II) gesagt ist, hatten die 
Gaswerke in dem Berichtsjahre unter deni Kohlemnangel nicht zu 
leiden, da sie ihren Bedarf durch feste Abschlüsse gedeckt hatten. Aber 
selbst in diesen, bereits im Herbst 1898 erfotgten Abschlüssen waren 
höhere Preise ausbedungen als im Vorjahre. In letzterem betrug 
der Preis für 1 t Kohlen frei Gasanstalt einschließlich des Ausladens 
aus den Waggons und Kähnen nebst den Löhnen für das erstmalige 
Verkarreu auf das Lager oder vor die Oefen für oberschlesische 
Kohlen 19,3« JC, für niederschlesische 19,so JC, während die Preise im 
Berichtsjahre für beide Kohlensorten 19,«s JC betrugen. 
Die Ausgabe für Gaskohlen belief sich auf 9 299 878,80 JC gegen 
8 575 585,70 JC im Vorjahre, also auf 724 293,20 JC mehr. 
2. Die Einnahme aus der Gasabgabe. 
Die Gaspreise blieben unverändert (16 ^ für 1 cbm Leuchtgas, 
10 ^ für 1 cbm anderes Gas, 10 ^ für 600 l Automatengas). 
Für den Konsum ini Gemeinde- und Psarrhause zu Rummelsburg 
wird nach einem besonderen Vertrage ein Preis von 12 ^ pro Kubik 
meter berechnet. 
Die Einnahmen beliefen sich 
für Leuchtgas auf 13 581 881,i« JC, 
- anderes Gas - 3 720 552,78 -, 
zusammen - 17 302 433,84 JC. 
Die Kosten für den eigenen Gasverbrauch belaufen sich, 1 cbm 
mit 12 ^ berechnet, auf 142 094,7« JC. 
Für den Gasverbrauch zur öffentlichen Beleuchtung findet eine 
Erstattung aus dem Stadthaushaltsetat an die Gasverwaltung 
nicht statt. 
3. Die Einnahme für Nebenprodukte. 
Wie bereits in dem allgemeinen Theil ausgeführt ist, stiegen 
sowohl die Kokespreise, als auch die Preise für Ammoniakwasser. 
Die Durchschnittspreise stellten sich daher höher als im Vorjahre und 
betrugen pro Tonne 
für Kokes . . . 16,48 JC gegen 15,88 JC im Vorjahre, 
- Ammoniakwasser 8,i« - « 5,38 - 
Die Theerkonjunktur war dagegen ungünstiger; die Preise 
fielen, und der Durchschnittspreis für den von den Gaswerken ab 
gesetzten Theer betrug pro Tonne nur 26,«« JC gegen 30,88 JC im 
Vorjahre. 
Der Durchschnittspreis für ausgebrauchte Reiniguugsmasse 
blieb derselbe wie im Jahre 1898 (42 JC pro Tonne). 
Der für Graphit erzielte Preis stieg im Durchschnitt von 80,os je 
auf 96,30 JC. 
Für eine Fuhre Schlacken wurden im Durchschnitt 0,84 JC 
gegen 0,75 JC im Vorjahre erzielt. 
Die Beträge der gesummten Einnahmen aus den Nebenprodukten 
und ihr Verhältniß zu den vorjährigen Einnahmen sind aus der 
Tabelle Nr. 29 ersichtlich. 
4. Die gesammten Ausgaben für die Privatbeleuchtung 
berechneten sich: 
für 1899/1900 auf 390 775,84 JC, 
1898/1899 ° 337 287,08 -, 
demnach 1899/1900 auf 53 488,8« JC mehr. 
Der Gewinn aus der Ausführung von Gasleitungen für private 
Rechnung stellte sich buchmäßig 
1899/1900 auf 157 487,48 JC. 
1898/1899 « 189 731,32 - , 
demnach 1899/1900 auf 32243,83 JC weniger. 
Es verbleiben demnach als von den Gaswerken zu tragen: 
1899/1900 233 288,45 JC, 
1898/1899 147 555,7« - , 
demnach 1899/1900 85 732,«s JC mehr. 
Die Kosten der Gasmesserreparaturen betrugen im Ganzen 
66 IM,4« JC. Da 3 690 Gasmesser reparirt wurden, stellten sich die 
Kosten für eine Reparatur durchschnittlich 
1899/1900 auf 17,81 JC, 
1898/1899 - 18,68 - , 
und bei durchschnittlich 136 238 Stück vorhandener Gasmesser stellten 
sich die Reparaturkosten für 1 Gasmesser durchschnittlich: 
1899/19M auf 0,48 JC, 
1898/1899 - 0,68 - .
	        
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