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Volume No. 38. Bericht über den städtischen Vieh- und Schlachthof sowie die städtische Fleischschau

Full text: Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin (Public Domain) Issue 1899 (Public Domain)

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Nr. 38. Vieh- und Schlachthof. 
Schlachthofe verwendet wird, aufgegeben worden. Anstatt mit blauer 
wird seitdem mit rother Farbe gestempelt, damit beide Arten Fleisch 
(das vom hiesigen Schlachthofe und das eingeführtes von den Käufern 
leichter unterschieden werden können. Diese Unterscheidung ist insofern 
von Werth, als das Ergebniß der Untersuchung in den Stationen 
deshalb nickt für gleichwerthig mit dem der Beschau auf dem Schlacht 
hofe erachtet werden kann, weil häufig nicht alle Fleischtheile eines 
Thieres und nur selten die zugehängten Eingemeinde eingeführt und 
der Beschau unterworfen werden. 
Der am Schluß des Berichtsjahres im Reichstage noch nicht 
ganz erledigte Entwurf eines Rcichsfleiscbsckaugesetzes hat die 
städtischen Behörden immerhin schon insofern beschäffigt, als vor Allem 
gegen die Fassung des § 19 erster Lesung Einspruch zu erheben war. 
Dieser verbot kurzweg die abermalige Beschau bereits einmal im 
Reiche amtlich untersuchten Fleisches und ließ bei der Einfuhr nur die 
Untersuchung auf inzwischen etwa eingetretene verdorbene oder ge 
sundheitsschädliche Beschaffenheit zu. 
Diese Bestimmung stellte zu Unrecht die von Thierärzten und die 
von Empirikern (Laienfleischbeschauern) ausgeübte Beschau als gleich 
werthig hin und wäre geeignet gewesen, in Städten mit öffentlichen 
Schlachthäusern der Konkurrenz des auswärtigen Fleisches ein so 
starkes Uebergewicht zu geben, daß die einheimischen Schlächter sich 
genöthigt gesehen hätten, die Schlachthöfe zu verlassen und ihren 
Gewerbebetrieb ebenfalls auf das Land zu verlegen. In Folge der 
vereinigten Bemühungen der Städte hat der § 20 die Zusatzbestimmung 
erhalten: 
„Landesrechtliche Vorschriften, nach denen für Gemeinden 
mit öffentlichen Schlachthäusern der Vertrieb frischen Fleisches 
Beschränkungen, insbesondere dem Beschanzwang innerhalb der 
Gemeinde unterworfen werden kann, bleiben mit der Maßgabe 
unberührt, daß ihre Anwendbarkeit nicht von der Herkunft des 
Fleisches abhängig gemacht werden darf." 
Dagegen ist es nicht gelungen, den Beschauzwang auf alle Haus- 
schlachtungen auszudehnen und die Einfuhr ausländischen Fleisches 
in dem angestrebten Maße von Beschränkungen zu befreien. 
Das Fleischschaupersonal ist im Laufe des Jahres von 528 auf 
557 Personen gestiegen. 
Es besteht ans dem Oberthierarzt, 38 Thierärzten, 8 Hilfs- 
Thierärzten, 1 Registerführer, 2 Bürean-Hilfsarbeitern, 1 Materialien 
verwalter, 3 Kontrollbeamten, 12 Abtheilungsvorstehern des Trichinen 
schauamtes, 20 Vertretern derselben, 6 Kassirern (ersten Fleisch- 
beschmiern) und 5 Stellvertretern derselben, aus 126 Trichinenschauern 
und 88 Trichinenschauerinnen, 37 Hilfsbeschauern und 44 Hilfs- 
beschanerinnen, 88 Probennehmern, 1 Hilfsprobennehmer, 28 Stemvlern, 
10 Hilisstemplern, 7 Kontrollwächtcrn, 1 Oberaufseher, 1 Aufseher, 
1 Pförtner, 15 Arbeitern, 13 Reinigungsfrauen, also insgesammt 
aus 557 Personen (im Jahre zuvor 628 Personen). 
Hiervon gehörten den Untersuchungsstationeu an: 14 Thierärzte, 
1 Materialienverwalter, 3 Kontrollbeamte, 6 Kastirer (erste Fleisch 
beschauer), 5 Stellvertreter derselben, 39 Trichinenschauer, 22 Proben 
nehmer, 8 Stempler, 7 Kontrollwächter, 1 Arbeiter, 4 Reinigungs- 
krauen, zusammen 110 Personen. 
B. Besonderer Theil. 
Ueber die Ergebnisse der Fleischschau ist folgendes zu berichten: 
I. Fleischschau auf dem Schlachthofe. 
Die Gesammnahl der Schlachtungen in den öffentlichen Schlacht 
häusern des städtischen Vieh- und Schlachthofes (einschließlich des 
polizeilichen Schlachthauses) stellt sich in diesem Berichtsjahre beträcht 
lich höher, als in den vorhergehenden, zum Theil durch abnorni zahl 
reiche «Schlachtungen ausgezeichneten Jahren. Die Zunahme ist am 
anffälligsten bei den Schweinen, demnächst bei Rindern und Schafen, 
verschwindend gering bei Kälbern, woraus in Verbindung mit der 
befriedigenden Futtergewinnung im Berichtsjahr auf eine reichliche 
Aufstallung von Rindvieh geschlossen werden darf. 
Die Schwankungen in der Zahl der Schlachtungen zeigt folgende 
Tabelle. Es wurden geschlachtet und untersucht: 
in den Jahren 
Rinder 
Kälber 
Schafe 
Schweine 
zusammen 
Thiere 
1883/85) durch- 
95 884 
77 598 
172 727 
264 984 
611 193 
1886/90 \ schnitt- 
132 489 
106820 
323 501 
424 957 
987 767 
1891/95 J lich 
138131 
114 509 
385 234 
562 677 
1200551 
1895 
132 499 
125 369 
379 659 
627 821 
1265 348 
1896*) 
146 612 
141 869 
395 769 
694 170 
1378 420 
1897 
150 337 
137 800 
404 134 
657 659 
1 349 930 
1898 
153 437 
150174 
409 166 
659 551 
1 372 328 
1899 
165 563 
151052 
423 321 
741922 
1481858 
*) Gewerbeausstellungsjahr. 
In diesen Zahlen sind diejenigen im polizeilichen Schlachthause 
geschlachteten Thiere nicht enthalten, die, ohne daß sie den städtischen 
Organen zur Beschau angemeldet wurden, ohne Weiteres als zur 
menschlichen Nahrung ungeeignet der Abdeckerei oder der Sterili 
sationsanstalt überwiesen worden sind. 
Im Berichtsjahr sind demnach 109 530 Thiere mehr geschlachtet 
worden als im Jahre zuvor, und zwar: 12126 Rinder, 878 Kälber, 
14 155 Schafe, 82 371 Schweine. 
Die Einfuhr frischen Fleisches hat nicht in entsprechendem Maße 
zugenommen. Nur Rindfleisch ist in erheblich größeren Mengen ein 
geführt worden, als im Jahre zuvor; Schweinefleischdauerwaare 
(Speck und Schinken) ist dagegen in beträchtlich geringeren Mengen 
zur Untersuchung gebracht worden. (S. Th. II des Fleischschau 
berichtes.) 
Von den geschlachteten Rindern wareu 64 229 Bullen, 73 522 Ochsen 
und 27 820 Kühe, das sind 38,79 bezw. 44,41 und 16,so pCt. der 
geschlachteten Rinder. 
Diese Verhältnißzahlen haben in den vorhergehenden sechs Jahren 
zwischen 35,sn und 41,s, zwischen 39,s und 44,70 und zwischen 15,64 
und 22,80 geschwankt. 
Als zur menschlichen Nahrung ungeeignet hat auf dem Schlacht 
hofe in den öffentlichen Schlachthäusern 'zurückgewiesen und bean- 
standet und der Polizeibehörde zur weiteren Verfügung überwiesen 
werden müssen das Fleisch nebst den Eingeweiden 
von 3 230 ganzen Rindern, 716 mehr als im Jahre zuvor, 
641 - Kälbern, 102 - - - 
- 263 - Schafen, 170 - 
4 532 - Schweinen, 153 - - - 
Demnach hat im Allgemeinen, der Zunahme der Schlachtungen 
annähernd entsprechend, eine Zunahme der Beanstandungen statt- 
gefunden: nur bei Schafen ist sie unverhältnißmäßig hoch gewesen, 
hauptsächlich in Folge häufigen Vorkommens der Tuberkulose, entzünd 
licher und kachektischer Zustände. 
Das Anwachsen der Beanstandungen im Laufe der Jahre ergiebt 
sich aus folgender Tabelle: 
wurden endgillig beanstandet, in absoluten Zahlen und pCt. 
der geschlachteten Thiere 
Jahren 
Rinder 
Kälber 
Schafe 
Schweine 
abs. 
PCt. 
abs. 
PCt. 
abs. 
PCt. 
abs. 
PCt. 
1883/85) 
. ■& 
128 
0,133 
33 
0,043 
39 
0,023 
2 684 
1,013 
1886/90 ! 
1369 
1,033 
123 
0.115 
190 
0,059 
4 281 
1,008 
1891/95 I 
2 030 
1,470 
274 
0 239 
114 
0,030 
4141 
0 736 
1895 
2 253 
1,700 
400 
0,319 
88 
0,023 
3 "64 
0,631 
18% 
2 677 
1,826 
566 
0 399 
123 
0 031 
4 445 
0,640 
1897 
2132 
1 418 
391 
0 284 
97 
0,024 
4 644 
0,706 
1898 
2 515 
1,640 
539 
0,359 
93 
0,023 
4 379 
0,664 
1899 
3 230 
1,951 
611 
0,424 
263 
0,062 
4 532 
0,619 
Im Berichtsjahre sind in den öffentlichen Schlachthäusern an 
ganzen Thieren beanstandet worden: 
wegen 
«O 
Ü 
vO 
=3 
"0 
(S> 
-S 
s 
d 
O 
B 0 
B L 
ZK 
.5 
Tuberkulose 
2 123 
107 
37 
3 224 
5 491 
verschiedener Entzündungskrank 
heiten 
183 
255 
45 
83 
566 
Gelbsucht 
1 
13 
57 
174 
245 
Wassersucht oder wässeriger Be 
schaffenheit des Fleisches 
(hydräm. Kachexie) .... 
26 
79 
71 
47 
223 
blutiaer Beschaffenheit des Fleisches 
24 
22 
13 
25 
84 
Rothlauf 
— 
— 
— 
292 
292 
Schweineseuche 
— 
— 
— 
39 
39 
Harninfiltration und urinösen Ge 
ruches des Fleisches (Urämie) - 
15 
5 
16 
3 
39 
fischig-thranigen Geruches des 
Fleisches und Fettes .... 
60 
60 
Neubildungen 
8 
2 
4 
— 
14 
Trichinen 
— 
— 
— 
113 
113 
Finnen 
Strahlenpilze 
813 
12 
— 
325 
1 150 
— 
— 
— 
2 
2 
Kalkkonkremente 
— 
— 
— 
76 
76 
multipler Blutaustretungen . . 
— 
1 
— 
68 
69 
Eiterfieber 
20 
6 
— 
— 
26 
Blutvergiftung 
7 
1 
— 
— 
8 
Leukämie und Pseudoleukämie . 
1 
2 
— 
— 
3 
Schlachtung während des Ab- 
sterbens 
9 
136 
20 
1 
166 
zusammen | 
3 230| 
641 
263 
4 532 
8 666
	        
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